Reisebericht: Von Stars, Flowerpower und Gletschern – Eine Alaska-Kreuzfahrt. Teil 8: Die Inside Passage und Victoria

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Nach tollen Tagen in Alaska stand nun nachdem wir die Hubbard Gletscher gesehen hatten die Rückfahrt in Richtung Vancouver an. Vorher galt es noch die Inside Passage zu durchqueren und einen letzten Zwischenstopp in Victoria, British Columbia zu machen.

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Die Inside Passage ist ein Gruppe von Inseln vor der Küste Südalaskas durch die viele Schiffe ihren Weg nehmen. Viele der Inseln waren früher von Indianern besiedelt die hier reichhaltig Nahrung fanden. Heute ist es eine wunderbare Landschaft, welche wir entspannt von der Reeling des Schiffs genießen konnten.

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Kurz nach Sonnenuntergang war es dann Zeit für das große Abschiedsdinner der Reise. Mit neu gewonnenen Freunden mit denen ich auch noch heute 6 Jahre später im Kontakt bin habe ich mir nochmal alle Köstlichkeiten gutgehen lassen. Insgesamt wäre das Essen allein schon ein Highlight auf dieser Reise gewesen – es kommt hier nur deshalb so kurz, weil einfach Alaska selbst nochmals soviel beeindruckender und bleibender in meiner Erinnerung ist.

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Am nächsten Morgen sind wir dann in Kanada angekommen in der knapp 80.000 Einwohner umfassenden Hauptstadt British Columbias, in Victoria. Für heute stand Stadterkundung auf eigene Faust sowie eine Tour zu den Butchard Gardens mit anschließendem Schokoladen-Wein-Tasting an. Doch bevor ich in die Stadt konnte, musste ich durch eine Reihe von Journalisten durch, die auf die Passagiere des Schiffes warteten. Dies lag in keiner Weise daran, dass wir über Nacht berühmt geworden wären, sondern vielmehr am Unmut einiger Gäste über die entgangenen Zielhäfen aufgrund des Schadens am Schiff sowie der mangelnden Bereitschaft der Reederei Schadensersatz zu zahlen. In den letzten Tagen gab es deshalb schon mehrfach Kundgebungen auf dem Schiff – wenn einem langweilig war, musste man nur dorthin gehen.

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Aber zurück zu Victoria. Bevor die Europäer diesen Teil Kanadas das erste Mal betraten, lebten auf dem heutigen Gebiet Victorias zwei Indianerstämme. Gestört wurden Sie in dieser Idylle erst 1790 von den Spaniern die das Gebiet für sich beanspruchten und wenig später von den Briten. Doch es dauerte noch bis 1843 ehe erste eruopäische Siedler sich hier niedergelassen hatten.

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In der ersten Zeit lebten die europäischen Neuankömmlinge friedlich Tür an Tür mit den Indianern, bis die Einwanderer immer mehr Platz benötigten und die Nutztiere die Pflanzen der Indianer auffraßen. Hier kam es das erste mal zu Schießereien.

Victoria wurde schon bald von einem Fort zu einer Stadt und als solche bald Hauptstadt der vereinigten Provinzen von Victoria und Vancouver Island, dem späteren British Columbia. Diesen Hauptstadtstatus hat sie dann auch bis heute beibehalten und trotz vieler Bemühungen eine Industrialisierung in Gang zu setzen ist es nie so wirklich gelungen und so ist Viktoria auch heute in erster Linie ein Verwaltungssitz.

Betritt man die Stadt, die ja nicht weit von den USA entfernt ist, so fühlt man sich direkt wie im heimischen Europa, denn viel amerikanisches lässt sich hier nicht finden. Alles wirkt irgendwie…. britisch – very british.

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Zu diesen typisch britischen Orten gehört auch das Empress Hotel (Bild oben), welches früher ein Eisenbahnhotel war und heute zu den besten Hotels des Westküste zählt.

Neben den schönen historischen Gebäuden findet man jedoch auch hier und da in der Stadt Erinnerungen an die indianische Vergangenheit in Form von Totempfählen. Sogar ein Bär kreuzte meinen Weg.

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Unweit des Empress-Hotels liegt auch das Parlamentsgebäude der Provinz aus dem Jahr 1898. Das Land auf dem das Gebäude steht, gehörte jedoch bis 2006 noch den den Songhees und Esquimalt – 2 Indianerstämmen. 2006 wurde diesen dann das Land für rund 31 Mio. Dollar abgekauft. Vor dem Gebäude trohnt die Bronzeskulptur von George Vancouver, der seinerzeit im Auftrag der britischen Regierung das unbekannte Kanada und Alaska erforschte.

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Nach diesem kurzen Rundgang in der Nähe des Hafens war ich noch ein wenig durch die Altstadt spaziert und hatte dabei in jedem Moment mehr vergessen, dass ich mich in Nordamerika befand und nicht in einer englischen Kleinstadt. Selbst die Londoner Doppeldeckerbusse gibt es hier neben den typisch britischen Fassaden. Dabei wirkt das ganze nicht wie so oft in den USA wie eine schlechte Kopie, sondern authentisch und genau am richtigen Fleck

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Beachtenswert ist auch das schöne Chinatown der Stadt. Es entstand ab 1858 als erste Chinesen im Rahmen eines kleinen lokalen Goldrausches nach Victoria kamen. Einige Jahre später war Victorias Chinatown das größte in ganz Kanada mit eigenen Schulen, Tempeln und einem florierenden Handel mit Opium bis letzterer Anfang des 20. Jahrhunderts verboten wurde. Bis auf das Opium hat sich der Rest aber ganz gut in die heutige Zeit gerettet.

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Ein weiterer Konfliktherd neben dem Opium war das Glücksspiel – Fan Tan genannt. Ihm war gleich eine ganze Gasse in Chinatown gewidmet – die Fan Tan Alley, die auch heute noch zum touristischen Grundprogramm zählt.

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Danach war es Zeit langsam wieder in Richtung Schiff zu marschieren, denn es wartete ja noch ein Ausflug auf mich.

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Dieser Ausflug ging raus aus der Stadt zu den Butchard Gardens – einer wunderbaren Park- und Gartenanlage. Wäre ich vor 1909 hierher gekommen, wäre die Chance gut gewesen auf den Namensgeber Robert Pim Butchard zu treffen, weniger gut dagegen meine Chance hier einen Garten zu finden, denn zu diesem Zeitpunkt war das Gelände noch die Zementfabrik von Butchard. Als keine weitere Produktion vor Ort mehr möglich war – der Kalksteinbruch war erschöpft, entschloss sich Butchards Frau das Gelände in einen Garten umzuwandeln, was ganze 12 Jahre dauerte.

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Wie der Name bereits sagt, handelt es sich nicht um einen einzelnen Garten hier, sondern um mehrere thematische Gärten, wie einen Rosengarten, einen japanischen Garten und italienischen Gärten. Kernstück ist aber der versunkene Garten in der ehemaligen Grube (hinten rechts im folgenden Bild kann man noch den Schornstein der Fabrik erkennen):

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Der Rundgang machte Spaß auch für mich als jemandem der von Blumen keinen blassen Schimmer hat – leider hatte das Wetter aber auch am Nachmittag kein Einsehen und bot mir noch einen bewölkten Himmel. Unterwegs hatte ich das Glück auch noch eine Freundin vom Schiff zu treffen und wir sind gemeinsam etwas durch den Garten spaziert.

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Alles in allem war der Park sehenswert und trotz des trüben Wetters hatte ich Spaß gehabt. Bei schönem Wetter und einem der im Sommer stattfindenden Konzerte wäre es aber sicher noch eine Klasse besser gewesen.

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Im Anschluss stand noch eine kurze Wein- und Schokoladenprobe auf dem Programm. Dabei wurden lokale Weine aus British Columbia zusammen mit passenden Schokoladensorten präsentiert. Was soll ich sagen – es hat wohl seinen Grund, warum kanadische Weine nicht so weit verbreitet sind 😉

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Immerhin – der Busfahrer hatte viel Humor mitgebracht (und hoffentlich nicht von dem Wein probiert):

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Damit ging dann auch der letzte echte Landgang zu Ende und es stand eine letzte lange Nacht an Board an, die mit einem letzten guten Essen begann und dann viele Abschiede nach sich zog, denn in den letzten 2 Wochen hatte ich viele nette Menschen kennengelernt von denen ich einige in den kommenden Jahren immer mal wieder sehen sollte. Ich war zwar allein gereist, aber nie wirklich allein gewesen – nicht zuletzt aufgrund der offenen Art der Amerikaner, für die ich dieses Volk einfach mag (auch wenn sie sonst die eine oder andere Macke haben – wie wir Deutschen auch). Für den kommenden Tag stand noch ein letzter Ausflug in Vancouver auf dem Programm, denn mein Rückflug ging erst spät.

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Autor:Jens Koopmann