Lightroom und die Cloud – Teil 4: Cloud Anbieter in Vergleich (Google Drive, Dropbox, OneDrive, pCloud)

Nach dem für mich nur sehr kurzen Intermezzo mit IDrive (hier gehts zu dem Blogeintrag), stand ich wieder am Beginn der Suche nach einem Anbieter zum Backup und Synchronisieren meiner Fotos und sonstigen Daten in der Cloud. Und soviel sei vorab schonmal verraten – es war keine einfache Suche bis jetzt.

Am Ende habe ich mir die 3 bekannten Anbieter Google Drive (demnächst Google One), Dropbox, One Drive und den im Vergleich neuen Anbieter pCloud (der im Netz in verschiedensten Tests sehr gelobt wird) angeschaut. Dazu habe ich mir bei jedem der Anbieter ein kostenloses Konto angelegt (wenn ich nicht schon eh eines hatte) und dann geschaut, welches Lösung meine Anforderungen am besten abdeckt. In diesem Artikel möchte ich euch zeigen, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Anbieter liegen.

Vorab aber zu den Gemeinsamkeiten. Alle Anbieter sind sogenannte Cloud Speicher und keine Cloud Backup Anbieter, d.h. der primäre Fokus liegt im Teilen und Synchronisieren von Daten über mehrere Computer hinweg. Insofern fühlt sich der Online-Speicher eigentlich wie ein ganz normales Verzeichnis auf der Festplatte an. Alle Anbieter bieten einen kostenlosen Zugang, so dass ihr die Funktionen in Ruhe ausprobieren könnt.

Nun aber zu den Details:

Runde 1: Kosten

Bringen wir es direkt am Anfang hinter uns: Umsonst lässt sich eine vollständige Backup- oder Synchronisationslösung nicht realisieren. Alle Anbieter haben zwar kostenfreie Angebote, aber diese dienen mehr dem Teilen von kleinen Datenmengen oder der Sicherung wichtiger Dokumente (Word, Excel, PDF), als der Sicherung einer Fotosammlung.

Am großzügigsten ist hier Google, wo ganze 19GB kostenfrei sind. Bei pCloud sind es (nach abgeschlossener Registrierung und Download der Handy-App) immerhin noch 14 GB, während bei OneDrive nur 5GB und Dropbox gar nur 2GB zur Verfügung stehen. Will man mehr speicher, muss man bei allen Angeboten zur Geldbörse greifen.

Speicherplatzabos bei Google Drive. Neben den gezeigten gibt es auch noch eine Option für 100 GB für 2,99 EUR

Das kleinste Paket bietet OneDrive zum Kauf. Gerade mal 50 GB gibt es für 2 EUR im Monat. Bei Google gibt es für den gleichen Preis pro Monat (bzw. 19,99 EUR im Jahr) immerhin schon 100 GB zu kaufen. Dies ist positiv für alle, die nur etwas mehr Speicher brauchen, aber nicht gleich ein ganzes Terrabyte. Bei Google One soll es künftig sogar für 3 EUR 200GB geben als neues Modell. Bei pCloud ist die nächste Stufe bereits  mit 500GB versehen und kostet rund 5 EUR (bzw. 48 EUR p.a.), was immer noch recht fair ist und im Vergleich zu Google um die Hälfte günstiger.

DropBox bietet dagegen keinen kleinen Tarif an, sondern beginn direkt mit 1 TB für rund 10 EUR im Monat. Genausoviel nimmt auf Google für den nächsthöheren Tarif, wobei ihr demnächst mit der Umstellung auf Google One wohl eine Verdopplung auf 2GB möglich ist. Sowohl Google als auch Dropbox bieten auch eine günstigere jährliche Zahlung für 100 EUR an.

OneDrive hat ebenfalls einen 1TB-Tarif, der dann allerdings auch bereits Office365 enthält und 7 EUR im Monat bzw. 70 EUR im Jahr kostet. Damit ist OneDrive die günstigste Option bei 1TB Speicher.

pCloud überspringt dagegen das 1TB-Modell und geht direkt auf 2TB welche für 10 EUR im Monat bzw. 100 EUR im Jahr erhältlich sind. 2 TB gibt es auch bei DropBox, allerdings für 20 EUR im Monat bzw. 200 EUR im Jahr. Mehr als 2 TB gibt es nur bei Google oder bei den geschäftlichen Tarifen von Dropbox.

Die Speicherpläne von pCloud fallen durch günstige Preise und die Möglichkeit einer Lizenz auf Lebenszeit auf

pCloud hat aber auch noch eine weitere Besonderheit im Tarifmodell, denn für ein einmalige Zahlung von aktuell 350 EUR für die 2 TB-Variante kann man ein Abo auf Lebenszeit abschließen.

Das heißt am Ende, dass dieses Kapitel doch einen klaren Sieger hat. pCloud ist nicht nur am vielseitigsten was die Auswahl angeht, sondern auch noch am günstigsten. Dahinter kommt Google, insbesondere für die kleinen Tarife, gefolgt von OneDrive, welches nur hinter Google liegt, da es keine Optionen für mehr als 1 TB gibt und schließlich Dropbox, welche die teuerste der Alternativen ist.

Zwischenstand nach Runde 1

  • pCloud:  +++
  • Google Drive: ++
  • OneDrive: +
  • Dropbox:

Runde 2: Geschwindigkeit

Neben den Kosten ist vor allem eines bei einem Online-Speicher nervig: eine langsame Verbindung bzw. lange Synchronisierungszeiten.

Insofern habe ich als erstes den Upload bei allen vier Anbietern getestet mit einer 218 MB großen Datei (PDF) und meinem Kabeltarif, der mir 12Mbit Upload bereitstellt.

Die gute Nachricht ist, dass alle vier Anbieter beim Upload ähnlich schnell unterwegs waren. Zwischen 2:25 und 2:40 min. Ähnlich homogen sieht es beim Download aus. Google Drive, DropBox und pCloud brauchen rund 10s für gleiche Datei. Lediglich OneDrive hat mit 14s etwas länger gedauert. Insgesamt kann aber festgehalten werden, dass das Hochladen neuer Dateien und das Runterladen von Dateien in allen Fällen ähnlich schnell von statten geht.

Zwei Tage später habe ich den Test wiederholt, diesmal aber mit einem Video von knapp 1GB Größe. Diesmal sah das Bild etwas anders aus. pCloud und Dropbox waren mit 16:10min bzw. 15:30min zwar wieder fast gleich schnell, aber Google Drive war bei dieser Dateigröße auch bei mehreren Versuchen immer ein gutes Stück schneller (11:40min). Dieser Unterschied ist schon recht signifikant.

Wieder anders sieht es dagegen aus, wenn ihr eine Datei aus eurem Online-Speicher öffnet, ändert und anschließend speichert, sprich kurzum die Datei aktualisiert.

Bei Google Drive, One Drive und pCloud führt dies dazu, dass die Datei erneut komplett hochgeladen werden muss. Dieses Verfahren nennt sich File-Level-Sync, d.h. die Synchronisation passiert immer auf ebene der ganzen Datei.

Bei Dropbox sieht es dagegen anders aus. Die Aktualisierung der 218MB großen Datei hat gerade einmal 27s gedauert, also nur rund 1/5tel der Zeit des ersten Uploads. Wie kann das sein? Dropbox nutzt ein anderes Synchronisationsverfahren, welches sich Block-Level-Sync nennt. Jede Datei wird dabei in Blöcke von jeweils 4MB unterteilt. Ändert man nun eine Datei, gibt es Blöcke die sich verändert haben aber auch solche, die unverändert geblieben sind. Dropbox überträgt nun nicht die gesamte Datei, sondern nur jene Blöcke, die sich tatsächlich verändert haben. Das geht natürlich viel schneller.

Es ist schade, das Dropbox einer der wenigen Anbieter ist, die Block-Level-Sync aktiviert haben, weil es einfach um ein vielfaches besser ist, wenn man große Dateien hat, die sich ständig ändern, wie zB. ein Lightromkatalog.

Mein Katalog von Lightroom ist fast 1,5GB groß, d.h. wenn ich die Zeiten oben hochrechne komme ich auf ca. 15 Minuten Synchronisationszeit bei jeder Änderung. D.h. nach jedem Beenden von Lightroom müsste mein Rechner auch noch mindestens 15 Minuten am Netz bleiben, um den Katalog auch zu sychronisieren. Bei DropBox wäre es aber nur wenige Sekunden, oder ein bis 2 Minuten, bis der Katalog á jour wäre.

Insofern geht Runde 2 mit großem Vorsprung an Dropbox für das Aktualisieren und an Google für den initialen Upload, während die anderen 2 Kandidaten in etwa gleich auf sind.

Zwischenstand nach Runde 2:

  • pCloud:  ++++
  • Google Drive: ++++
  • OneDrive: +++
  • Dropbox:+++

Runde 3: Synchronisieren und Backupfunktionen

Nach Kosten und Geschwindigkeit kommt nun die dritte Pflichtkategorie für jeden Anbieter, bei der es um das Synchronisierungen von Dateien und Backupfunktionen geht.

Fangen wir bei Google an:

In Bezug auf die Synchronisierung habt ihr die Wahl, die Ordner zur Synchronisation gezielt auszuwählen. Einzelne Unterordner können dabei leicht ausgeschlossen werden. Auch beim Download könnt ihr selektiv vorgehen. Ordner die nicht von Google Drive auf euren Computer synchronisiert werden, sind dabei auch nicht sichtbar (im Gegensatz zu den Lösungen von DropBox Professional und pCloud). Auch beim Löschen von Daten von eurem Computer könnt ihr einstellen, ob die Daten in Google Drive verbleiben sollen, oder nicht. Zudem könnt ihr über die vorgenannten Optionen auch die Synchronisierungsrichtung vorgeben, z.B. dass ihr immer nur in eine Richtung synchronisiert. Damit besitzt Google Drive durchaus ansehnliche Funktionen zum Backup von Daten.

In Backup&Sync lassen sich rudimentäre Einstellungen zur Datensicherung vornehmen. An ein Backup-Programm kommen diese aber nicht heran.

Google Drive wird zudem von vielen Backup-Programmen (z.B. Cloudberry oder IvyBackup) und auch auf dem Synology NAS (CloudSync) unterstützt.

Weiter geht es mit OneDrive:

Auch bei OneDrive könnt ihr wählen, welche Ordner von eurem Computer synchronisiert werden sollen und welche nicht.  Seit 2017 gibt es zudem eine Funktion, die sich Files on Demand nennt. Dabei könnt ihr entscheiden, dass einzelne Ordner zwar noch in eurem OneDrive auf dem Computer sichtbar bleiben, aber keinen Speicherplatz einnehmen, da die Daten nur noch im Netz liegen und nur beim Öffnen heruntergeladen werden. Im Prinzip ist die Funktion damit ähnlich zu SmartSync von Dropbox mit dem Unterschied, dass ihr es hier auch in den kleinen Tarifen sowie der kostenlosen Version erhaltet, während ihr bei Dropbox die Professional-Variante benötigt. Im Gegensatz zu Google Drive gibt es jedoch keinen einbauten Weg, nur in eine Richtung zu synchronisieren oder Löschungen in der Cloud ganz zu vermeiden. Dateien die gelöscht worden sind, können jedoch aus dem Papierkorb wiederhergestellt werden, solange der Papierkorb nicht selbst gelöscht wurde oder voll ist (was dann zum endgültigen Löschen führt).Die Integration in Backup-Programme wie Cloudberry und in die Synology NAS-Systeme (CloudSync) sind ebenfalls gegeben.

Ring frei für Dropbox:

In Bezug auf das Synchronisieren von Ordnern kann man wie bei Google Drive und OneDrive auswählen, welche Ordner mit dem Computer synchronisiert werden sollen. Eine Synchronisierung in nur eine Richtung (One-way-Sync) ist dabei nicht möglich. Ebenso fehlt die Möglichkeit, dass Löschen von Daten in der Dropbox zu verhindern, wenn die Daten auf dem PC gelöscht werden. Ihr könnt jedoch gelöschte Dateien innerhalb von 30 Tagen (120 Tage bei Dropbox Professional) wiederherstellen.
Ein weiteres Feature, welches Smart Sync heisst wird leider nur für die wenigsten interessant sein und das nicht, weil es für Privatpersonen nicht nützlich wäre, sondern, weil es nur im teuersten Tarif mit 2TB Speicher für 20 EUR im Monat (200 EUR im Jahr) enthalten ist. Smart Sync bedeutet, dass ihr festlegen könnt, welche Ordner eures Online Speichers mit eurem PC synchronisiert werden sollen. Nicht ausgewählte Ordner nehmen dann auch keinen Platz auf dem PC weg. Soweit ist dies identisch zu allen anderen Anbietern. Der große Unterschied ist jedoch, dass bei den meisten Anbietern in dem Fall der Ordner auf dem PC auch gar nicht mehr sichtbar ist, sondern nur noch über das Internet erreichbar. Nicht so bei Smart Sync. Hier ist der Ordner weiterhin sichtbar, nur wenn man ihn aufruft, bewegt man sich quasi im Internet und nicht mehr auf dem lokalen PC. Damit bietet Dropbox eine ähnliche Funktion wie Mountain Duck, welches ich euch im dritten Teil dieser Serie vorgestellt hatte. Die Funktion ist zudem vergleichbar mit Files-on-Demand bei OneDrive, nur dass es bei OneDrive in allen Tarifen inklusive ist.
Bei der Freigabe von Dokumenten ist Dropbox ähnlich rudimentär wie Google, d.h. eine zeitliche Befristung oder Passwörter sind nicht möglich.

DropBox ist wie die anderen beiden Kandidaten auch in CloudSync auf dem Synology NAS eingebunden und auch in einige Backup-Programme wie IvyBackup (aber nicht in Cloudberry, was ehrlich gesagt erstaunt).

Und nun last but not least zu pCloud:

In Bezug auf die Synchronisierung von Dateien geht pCloud einen etwas anderen Weg als die Mitstreiter. Standardmäßig richtet pCloud zwar wie alle anderen auch einen Synchronisationsordner auf eurem PC ein. Daneben wird aber auch ein neues Laufwerk auf eurem PC eingerichtet, dass sogenannte pDrive. Dies enthält die sychronisierten Inhalte, bietet aber zusätzlich auch die Möglichkeit Daten direkt dort abzulegen, ohne dass sie auf dem PC Speicher einnehmen. Im Prinzip ist dies Vergleichbar mit Files-on-Demand von OneDrive und SmartSync von DropBox nur ein Stück weiter gedacht, da man nun ein echtes Laufwerk auf dem Computer hat, welches halt auch wie ein solches Laufwerk funktioniert. Nur so ist es z.B. möglich, direkt aus Lightroom ohne Umwege direkt in die Cloud zu exportieren ohne zusätzliche Plugins oder ähnliches. Auch eine Lösung wie Mountain Duck ist bei pCloud überflüssig, da die Funktionalität quasi eingebaut ist.

pCloud richtet ein echtes Laufwerk auf eurem PC ein, über das ihr direkt auf den Onlinespeicher zugreift, ohne dass die Daten auf euren PC heruntergeladen werden

Das Synchronisieren zusätzlicher Ordner nach pCloud ist jederzeit möglich, allerdings ist es nicht möglich Unterordner einzeln auszuschließen. Auch die Synchronisierung in eine Richtung ist nicht (mehr) möglich. In älteren Tests habe ich gesehen, dass es möglich war, aber anscheinend hat man diese Funktion irgendwann deaktiviert, was sehr schade ist. Ebenso fehlt die Möglichkeit, dass Löschen von Daten in der pCloud zu verhindern, wenn die Daten auf dem PC gelöscht werden. Ihr könnt jedoch gelöschte Dateien innerhalb von 15 Tagen bei kostenlosen Accounts bzw. 30 Tagen bei den Abo-Modellen (gegen Aufpreis sind 360 Tage möglich) wiederherstellen.

Daneben stehen Tools bereit, um Daten anderer Online Dienste (darunter auch FaceBook oder Google Drive) auf pCloud zu sichern. Das funktioniert sogar mit Webseiten, die auf WordPress basieren (wie dieser Blog).
Leider ist pCloud nicht in CloudSync von Synology integriert. IvyBackup unterstützt es dagegen nativ, während man es in Cloudberry nutzen kann, indem man einfach das pCloud-Laufwerk als Sicherungsziel auswählt. Trotzdem ist pCloud damit am schlechtesten aufgestellt, wenn es um einfache Backup-Lösungen geht.

Ein Fazit zu Runde 3:

Es ist nicht ganz einfach, einen Sieger für diese Runde zu finden.

In Bezug auf das Synchronisieren von Dateien bietet pCloud den besten Ansatz und mit pDrive zudem die größte Flexibilität. Ich würde mit nur wünschen, dass es eine Möglichkeit gäbe, wie bei Google Drive, das Löschen von Daten explizit zu unterbinden in der Cloud, sowie die Option einzelne Unterordner nicht zu synchronisieren. Die Handhabung ist jedoch nicht ganz so intuitiv, wie z.B. bei Google Drive. An zweiter Stelle folgt OneDrive und zwar deshalb, weil File-on-Demand bei allen Tarifen dabei ist, sonst würde ich DropBox den Vorrang geben, da es in meinen Augen intuitiver ist. Google Drive ist beim Synchronisieren an letzter Stelle, da es keine File-on-Demand oder SmartSync kennt (über Mountain Duck oder ähnliche Zusatzsoftware lässt sich das aber heilen). Dafür ist hier aber die Bedienung am besten und es gibt die Möglichkeit zu verhindern, dass Dateien in der Cloud gelöscht werden, wenn sie auf dem PC gelöscht werden.

Wenn es um das Thema Backup geht, dreht sich das Bild etwas. Einzig Google Drive bietet nativ eine Synchronisation in eine Richtung an, was für einige Fälle schon als Backup reicht. Zudem ist es sowohl in die Backupsoftware CloudBerry als auch in CloudSync bei Synology NAS-Systemen integriert. Letzteres gilt sonst auch für OneDrive. DropBox fehlt dagegen bei CloudBerry und pCloud sowohl bei Cloudberry als auch auf dem Synology NAS. Die fehlende Integration in CloudBerry lässt sich jedoch bei DropBox mit Mountain Duck bzw. bei pCloud mit pDrive umgehen, da man hier das Backup quasi wie bei einer externen Festplatte einrichten kann.

Betrachtet man Synchronisieren und Backup zusammen, so fällt es schwer den klaren Gewinner zu benennen, weswegen ich Google Drive und pCloud gemeinsam aufs Siegerpodest setze, gefolgt von OneDrive und (mit kleinem Abstand) Dropbox.

Zwischenstand nach Runde 3:

  • pCloud:  +++++++
  • Google Drive: +++++++
  • OneDrive: +++++
  • Dropbox:++++

Runde 4: Dateien teilen und Zusatzfunktionen

Nach der Pflicht (Kosten und Geschwindigkeit) kommt nun die Kür. Was bieten die Online-Speicher außer dem Teilen/Synchronisieren von Daten und der Möglichkeit der Datenablage in der Cloud noch.

Fangen wir wieder bei Google an:

Google hat über die Jahre ein ganzes Ecosystem geschaffen, welches natürlich in Google Drive perfekt integriert ist. Allem voran sind da natürlich die Office Applikationen von Google wie Google Docs und Google Sheets.

Daneben könnt ihr Ordner/Dateien mit Dritten teilen, wobei ihr noch festlegen könnt, ob derjenige nur lesen oder auch ändern darf. Hochgeladene Videos oder Music lassen sich direkt über Google Drive abspielen, d.h. ein Download ist nicht notwendig. Die Videowiedergabe ist dabei wie bei einem YouTube-Video, d.h. ihr könnt die Qualität und Geschwindigkeit einstellen, mit der das Video wiedergegeben wird. Über die Music Player App in Google Drive lassen sich sogar Playlisten erstellen.
Auch Fotos können direkt in Google Drive betrachtet werden und das funktioniert sogar nicht nur bei JPEGs, sondern auch bei RAW-Dateien (DNGs habe ich probiert). Was etwas unschön ist, ist dass Google Music nicht direkt auf Google Drive zugreifen kann und so als Medienplayer funktioniert.  Das macht z.B. pCloud besser. Für Google Drive gibt es aber trotzdem eine Lösung mit der App CloudPlayer (7,99 EUR). Alternativ könnt ihr aber eure Musik auf direkt in Google Play Music hochladen – Google erlaubt bis zu 100.000 Titel aus der eigenen Bibliothek für den kostenfreien Upload. In meinem Fall sind es knapp 70GB kostenfreier Speicher!

Weiter geht es mit OneDrive:

OneDrive ist von Microsoft, insofern wundert es kaum, dass die Integration in Office als besonderes Merkmal hervorsticht. Spricht statt Google Office bei Google Drive hat man hier Microsoft Office im Zugriff. Einen Video- und Musikplayer gibt es hier ebenfalls. Allerdings lassen sich keine Playlisten erstellen und auch der Videoplayer ist einfacher gehalten.
Auch bei der Wiedergabe von RAW-Dateien ist OneDrive nicht ganz so flexibel, denn es wird nur eine Vorschau angezeigt, die beim Reinzoomen nicht mehr schön aussieht. Bei Google ist dagegen ein Zoom problemlos möglich in guter Qualität.
Beim Teilen von Dateien mit anderen ist OneDrive dagegen ein ganzes Stück besser als Google. Hier kann nämlich die Freigabe eines Links zeitlich begrenzt und sogar mit einem Passwort versehen werden.

Und nun der Cloud-Pionier Dropbox:

Als erstes fällt auf, dass Dropbox im Vergleich zu Google Drive und OneDrive keine eigenen Office-Applicationen mitbringt. Ein großer Nachteil ist das nicht, da die Google Apps ja jedem trotzdem kostenfrei zur Verfügung stehen.In Bezug auf die Wiedergabe von Videos, Music und Fotos ist Dropbox gleichauf mit Google Drive, bis auf die fehlende Funktion zum Erstellen von Playlisten sowie die Zusatzfunktionen des Videoplayers (Qualität und Geschwindigkeit einstellen).
Dafür gibt es aber bei Dropbox die App Paper, die wie ein Notizblock funktioniert, in den man Dokumente, Videos und Music einbetten kann und der sich auch mit mehreren Personen gleichzeitig nutzen lässt. Für den privaten Nutzer dürfte das aber eher weniger Interessant sein.
Bei der Freigabe von Dokumenten ist Dropbox ähnlich rudimentär wie Google, d.h. eine zeitliche Befristung oder Passwörter sind nicht möglich.

Und nun zu guter Letzt noch pCloud:

Wie Dropbox hat auch pCloud keine Office Apps mit an Bord, was aber wie schon oben geschrieben nicht schlimm ist, da ja ein Google Zugang kostenfrei einrichtbar ist.

Die Wiedergabe von Videos, Musik und Fotos ist möglich, auch bei RAW-Dateien. Bei Fotos fehlt allerdings eine Möglichkeit zum Zoomen, dafür lassen sie Fotos aber in unterschiedlicher Auflösung herunterladen. Die Verwaltung von Playlisten für Musik ist ebenfalls möglich. Eine Besonderheit ist die Handy-App von pCloud, welche auch als Media-Player für Musik und Videos fungiert. Super, wenn man seine Musik synchronisiert und direkt vom Cloudspeicher via Handy abspielen will – hier haben die anderen Anbieter tatsächlich Nachholbedarf. Wie DropBox gibt es auch eine Möglichkeit Screenshots direkt nach pCloud hochzuladen, ebenso wie ein Browserplugin, welches Webseiteninhalte direkt in die Cloud überträgt.
Eine weitere Zusatzfunktion ist Rewind, welche die Wiederherstellung eures pCloud-Kontos auf einen früheren Zeitpunkt innerhalb der letzten Tage erlaubt. Nützlich, wenn ihr aus Versehen eine Reihe von Daten gelöscht habt.
Beim Teilen von Inhalten ist pCloud so gut aufgestellt wie OneDrive, schlägt also DropBox und Google Drive.

Beim Teilen von Dateien bietet pCloud die Möglichkeit, die Links mit einem Verfallsdatum und Passwort zu versehen, beides Funktionen, die die Internetgrößen Google und Dropbox nicht besitzen

Für Lightroom-Nutzer gibt es zudem ein PlugIn um direkt in die pCloud zu exportieren.

Ein Fazit zu Runde 4:

Wie schon bei Runde 3 ist das Bild nicht ganz so eindeutig. Wenn es darum geht, ein Office-Paket mit der Cloud zu verbinden, lauten die Sieger dieser Runde klar OneDrive und Google Drive. Geht es um das Teilen von Dateien liegen OneDrive und pCloud dagegen vorn. Bei der Anzeige von Dateiinhalten ist Google Drive am besten, während beim Download von Daten pCloud punkten kann. Am Ende sehe ich GoogleDrive und pCloud vorn, gefolgt von OneDrive und DropBox.

Zwischenstand nach Runde 4:

  • pCloud:  ++++++++++
  • Google Drive: ++++++++++
  • OneDrive: +++++++
  • Dropbox:+++++

Runde 5: Sicherheit

Sicherheit ist ein weiterer Aspekt, der eine Rolle spielt, wobei hier 2 Faktoren einen Rolle spielen. Erstens: wie sicher sind die Daten vor den Blicken Fremder (Geheimdienste etc) und zweitens, wie sicher sind die Daten vor einem Verlust beim Provider. Das erste Thema ist für mich persönlich ziemlich egal. Wenn jemand Spaß daran hat, Fotos von mir anzusehen, dann ist es halt so. Ich sehe das nicht so wahnsinnig als Problem an. Für diejenigen, die hier jedoch auf besonderen Schutz wert legen, bietet einzig pCloud noch einen speziellen Verkryptungsdienst namens pCloud Crypto an. Dieser kann für 5 Euro im Monat bzw. 50 EUR im Jahr oder einmalig 125 EUR auf Lebenszeit gebucht werden.

Bei den anderen Anbietern ist eine solche Funktion nicht vorhanden, was aber nicht heisst, dass es nicht doch funktioniert. Es gibt die Software Cryptomator (https://cryptomator.org/de/) welche kostenfrei ist und genau diese Verschlüsselung auch bietet und mit Google Drive, DropBox und OneDrive zusammenarbeitet. Die Software funktioniert zudem auch mit Mountain Duck, welches ich euch in Teil 3 vorgestellt hatte.

Ansonsten ist der Sicherheitslevel bei allen Anbietern ähnlich. Ihr solltet euch in allen Fällen darüber bewusst sein, dass eure Daten nicht in Deutschland gespeichert werden, sondern irgendwo auf der Welt, meist jedoch in den USA.

Aufgrund des Zusatzdienstes zur Verschlüsselung geht aber pCloud aus diesem Kapitel als Sieger hervor und die anderen 3 Probanden teilen sich Platz 2.

Endstand nach Runde 5:

  • pCloud:  +++++++++++++
  • Google Drive: ++++++++++++
  • OneDrive: +++++++++
  • Dropbox:+++++++

Der Sieger steht fest, oder?

Am Ende des Vergleiches scheint es also einen klaren Sieger zu geben. pCloud liegt mit 13 Punkten vor Google Drive mit 12 Punkten, OneDrive mit 8 Punkten und DropBox mit 7 Punkten. Dieses Ergebnis verdankt pCloud vor allem seinen günstigen Preisen, den umfassenden Funktionen zum Teilen von Dateien und der optionalen Möglichkeit zu Verschlüsselung.

Lässt man den Preis außen vor und setzt dagegen die Geschwindigkeit beim Upload geändeter Dateien als höchste Priorität, dann rutscht dagegen Dropbox nach oben, da hier als einziges das Block-Level-Sync-Verfahren zum Einsatz kommt. Gerade, wenn große Dateien, welche sich häufig ändern, wie z.B. der Lightroom-Katalog, synchronisiert werden müssen, ist Dropox doch um ein Vielfaches schneller, wenn es darum geht, die Änderungen in der Cloud zu sichern. Beim Upload ist aber wiederum Google Drive das beste Angebot.

Ebenso sind diejenigen, die nur ganz wenig Speicher (bis 200GB) brauchen,  bei Google am besten aufgehoben, da hier das günstigste Zusatzpaket mit 2 Euro für 100GB (künftig auch 3 EUR für 200GB) existiert. Gleiches gilt, wenn man die beste Integration in andere Anwendungen (Backupsoftware und NAS-Support) möchte.

OneDrive ist so ein Zwischending – nirgends richtig schlecht, aber auch ohne wirkliche Highlights im Vergleich zu den anderen Anbietern. Wer Office365 nutzt, wäre dumm, nicht OneDrive zu nutzen, da er quasi 1TB gratis bekommt. Für alle anderen sind die anderen Anbieter, insbesondere pCloud attraktiver. Wer mehr als 1TB Speicher braucht ist zudem bei OneDrive an der falschen Adresse.

Ihr seht, so eindeutig, wie das Bild auf Anhieb ausschaut ist es bei genauerer Betrachtung leider nicht.

Der Punktesieg von pCloud ist aufgrund der deutlich langseren Geschwindigkeit und der fehlenden Integration in Backupsoftware wie Cloudberry oder Cloud Sync auf der Synology etwas getrübt. Auf der anderen Seite für der Vorteil von pDrive als echtes externes Laufwerk am Computer durch die Nutzung von Mountain Duck oder ähnlicher Software auch mit Google Drive, OneDrive und Dropbox erreicht. Was bleibt sind neben dem Preis die besseren Funktionen zum Teilen von Daten und die optionale Verkryptung der Daten bei pCloud. Da ich beides eigentlich eher nicht bzw. nur selten nutzen werden, würde dafür auch ein kostenloser Account reichen bei pCloud und der Rest könnte bei Google Drive bleiben.

Für die Nutzung eines Lightroom-Kataloges auf mehreren Computern ist dagegen Dropbox die beste Lösung. Damit gibt es also 3 Teilsieger:

  1. Preis-Leistungs-Sieger mit besten Teilungsfunktionen und Verkryptungsmöglichkeit: pCloud
  2. Bester Synchronisierungsdienst für große Dateien: Dropbox
  3. Bestes Gesamtpaket: Google Drive i.V.m. Mountain Duck und Cloudberry

Die Frage ist nun, was ich tun werde? OneDrive konnte ich für mich aus meinem eigenen Test heraus ausschließen – ich wurde in keinem Punkt so wirklich warm mit dem Dienst.

DropBox finde ich per se sehr gut, aber es ist eigentlich zu teuer für das was es bietet. Auf der anderen Seite wäre es allerdings gerade für die Synchronisation des Lightroom Kataloges die beste Variante.

Es bleiben also Google Drive und pCloud übrig. Und auch wenn pCloud sympatischer wirkt, so ist es, wenn man den Preis außer Acht lässt und selten Dateien teilen muss, Google Drive (noch) unterlegen. Leider ist der Start von Google One noch nicht in Deutschland erfolgt und so gibt es noch nicht das 2TB-Paket für 10 EUR im Monat, was im Moment schade ist.

Als erstes habe ich mir aber erst einmal eine schnellere Internetleitung mit 50Mbit Upload besorgt, bevor ich mit dem Experiment wirklich anfange.  Und dann habe ich ein Jahresabo bei Google für 99 EUR abgeschlossen, um dort meine Daten zu sichern. Mit diesem Paket bei 1 TB Speicher werde ich in den kommenden Wochen mal schauen, ob es meine Erwartungen erfüllt. Bei Dropbox werde ich mal schauen, ob ich nicht mit dem kostenfreien Speicher meine Katalogsicherung hinbekomme. Darüber berichte ich dann aber in den kommenden Teilen.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr noch eine bessere Idee? Ich freue mich auf eure Kommentare!