Schieferbergbau nahe Trier – Eine Wanderung rund um Fell

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An einem Sommertag – dem 26.07.2014 -, wollte ich mal wieder in der näheren Umgebung Wandern gehen und meine Wahl fiel auf eine Rundwanderung um den Ort Fell an der Mosel. Dabei sollte sich vieles, aber nicht alles um das Thema Schiefer drehen, denn hier in Fell ist ein Besucherbergwerk, was ich am Ende der Wanderung besichtigt habe.

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Die Anfahrt mit dem Auto erfolgte bis zum Besucherparkplatz des Bergwerkes. Von hier aus ging es dann zunächst bergauf, bis zum Bergwerk. Unterwegs passierte ich bereits eine der Gruben der Gegend – die Grube Barbara. Benannt ist die Grube nach der Schutzpatronin der Bergleute, der heiligen Barbara. Ihre Geschichte geht zurück auf Barbara von Nikomedien, welche im 3. Jahrhundert gelebt haben soll.

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Nach einem kurzen weiteren Anstieg erreichte ich dann das Bergwerk. Da ich meine Wanderung am frühen Morgen (7:30 Uhr) begonnen hatte, war hier verständlicherweise noch alles geschlossen und so ging es über einen Treppenweg wieder hinunter zur Grube Barbara.

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Unterwegs befindet sich eine kleine Holzhütte in der ein Junge mit Kochgeschirr steht. Später in der Führung habe ich erfahren, dass zu jeder Grube sogenannte Suppenträgerpfade führten. Über diese brachten die Kinder der Familien das Essen zur Grube, weswegen man sie auch Suppenkinder nannte.

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Wieder an der Grube Barbara angekommen ging es rechts weiter entlang des Grubenwanderweges. Schon bald kam ich dann zu den beiden Gruben Vogelsberg I und II. An jeder Grube befinden sich Informationstafeln, an der man das wesentliche über die Örtlichkeiten erfährt, wie die früheren Eigentümer, den Wegeplan, wie lange die Grube in Betrieb war und in welchem Zustand sie heute ist. Betreten kann man die Gruben allerdings nicht.

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Nur ein kurzes Stück weiter erreichte ich dann den Steinbruch Vogelsberg. Im Gegensatz zu den Gruben wurde hier Schiefer oberirdisch abgebaut. Dieser Schiefer wurde dann für Mauern benutzt, nicht aber für Dachziegel. Der für die Dachziegel notwendige Schiefer ließ sich nur Untertage abbauen, da er noch bergfeucht sein musste, damit er in die dünnen Dachschindeln gespalten werden konnte.

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Der Bergbau wirkte gerade in der nebligen Morgenstimmung recht gewaltig und man darf nicht vergessen, dass der Bergbau in dieser Region bis zuletzt fast ausschließlich mit Menschenhand erfolgte, ohne die Hilfe von Maschinen.

Hinter dem Steinbruch hielt ich mich auf den Wegen, die zurück ins Tal führten, wo ich nach einiger Zeit den Thommer Bach überquerte um einige Zeit später wieder zurück auf die ursprüngliche Seite zu wechseln (siehe Bild von der Gabelung an der man sich links halten muss und dann gleich wieder rechts, um direkt links am Bachufer weiterzulaufen, auch wenn es teilweise nicht mehr wie ein Weg aussieht).

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Vorbei an einigen kleinen Wochenendhäusern kam ich so nach einiger Zeit an der Landstraße an, die nach Herl führt. Dieser folgte ich nur für wenige Meter um dann direkt wieder Links in einen Weg anzuschwenken, der ins Dorf führte. Im Dorf ging ich an der ersten Kreuzung rechts und dann gleich wieder links, um dann die Landstraße abermals geradewegs zu überqueren.

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Nach kurzer Zeit gabelte sich dann der Weg und ich beschloss rechts zu gehen, was sich aber als Fehler erwies, da ich so nicht in Richtung der Landstraße kam. Vielmehr muss man der Gabelung links folgen und dann etwas über die Wiesen. Zum Schluss gilt es noch einen Drahtzaun zu überqueren, um die Landstraße zu erreichen, der ich aber nur sehr kurz gefolgt bin und bei nächster Gelegenheit wieder nach links auf einen Wirtschaftsweg eingebogen bin.

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Parallel zum Weg verläuft der Ferschweilerbach, der sich schon bald mit dem Lorscheider Bach vereint. Dort befindet sich auch die Ruine eines verlassenen Restaurants – der Klostermühle.

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Nur ein kleines Stück weiter muss man aufpassen, dass man eine kleine Abzweigung rechter Hand nicht verpasst, die zu einer Gruppe von Häusern führt und wo man auch wieder den Bach überquert. Nach der Häusergruppe geht es dann unten parallel zum Bach weiter.

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Es folgt ein recht ausgedehntes Stück, an dem ich immer parallel zum Bach gelaufen bin, während der Weg langsam immer weiter anstieg. An einer Stelle kam dann ein Hinweisschild auf einen alten Römischen Tempel, welcher hier mal gewesen ist. Es lohnt sich die Informationstafel durchzulesen.

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An diesem Punkt wollte ich eigentlich dem Weg zum dem Tempelheiligtum wählen und dann auf der anderen Seite des Welcherbach weiterlaufen, aber ich dachte, dass dies hier noch nicht die Abzweigung wäre und bin so auf meinem bisherigen Weg weitergelaufen. Da ich auch immer noch das Bachrauschen vernahm, dachte ich auch, dass ich noch richtig bin, nur das es nicht mehr der Feller Bach war, sondern eben schon jener Welcherbach.

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Als ich meinen Fehler bemerkte, war ich schon viel zu weit gelaufen.

Um wieder in die richtige Richtung zu laufen, bin ich nach rechts in einen kleinen Waldweg gelaufen, der sich allerdings immer mehr verlief und schließlich an einem Hang endete. Da unten aber ein Weg zu sein schien und der Hang nicht zu steil war, ging ich vorsichtig hinunter (Nachmachen auf eigene Gefahr!!).

Unten angekommen hatte ich kurz in Google Maps geschaut, wie ich jetzt auf den richtigen Weg kommen würde. Lt. der Karte hätte in Kürze eine Abzweigung nach rechts kommen müssen, doch auch die habe ich irgendwo übersehen. Stattdessen kam ich an einer Wiese mit ein Paar Pferden vorbei. Diese Wiesen gab es früher hier viel mehr als heute. Heute sind viele der Flächen mit Bäumen zugewachsen, die hier zu einem ganz Teil mal illegal gepflanzt wurden. Bis vor weniger als hundert Jahren sah es aber noch ganz anders aus. Da waren hier Wiesen und Landwirtschaft vorherrschend. Diese Nutzung begünstigte auch die Luftzirkulation, welche nun zu großen Teilen unterbunden ist.

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Da ich meinen Abzweig, um über den Welscherbach zu kommen auch verpasst hatte, ging es wieder ein gutes Stück geradeaus, nur um dann wieder auf den Weg zu treffen, von dem ich kam, als ich den Hang hinterging. Ich war nun wirklich noch für eine ganze Weile auf dieser Seite den Welscherbach gebunden und musste einfach weiterlaufen.

Unterwegs begegneten mir allerdings allerlei Tiere, so ein paar Rehe, Füchse und Bussarde.

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Schließlich kam ich dann doch wieder auf meinen geplanten Weg, der mich nach Neu-Mehring bringen sollte. Nun mag man sich Fragen, was an Neu-Mehring sehenswert ist und in der Tat gibt es außer zwei Höfen und ein paar Kühen und Pferden nicht wirklich viel zu sehen. Trotzdem gibt es ein wenig zu erzählen über diese kleine Siedlung.

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Unweit von hier – im Moseltal – befindet sich der Ort Mehring. Hier beginnt die Geschichte am 8. Juni 1840. An jenem Tag brach ein Feuer im Ort Mehring aus, das fast 40 Wohnhäuser und zahlreiche weitere Gebäude in dem Ort zerstörte. 22 Familien standen vor dem Ruin. Ihnen gab die Gemeinde neue Grundstücke oberhalb der Mosel und die 22 Familien sollten den Grundstock bilden für die neue Siedlung Neumehring. Die Kosten dafür trug die Gemeinde.

Leider war das Land auf dem Berg wenig ertragreich und die zugewiesenen Flächen zu klein für ein gutes Auskommen und so lebten die Familien recht ärmlich. Die umliegenden Gemeinden wollten mit dieser Ärmlichkeit am liebsten nichts zu tun haben. Es wuchs die Einigkeit, dass man am besten der Gemeinde Neumehring ein Ende setzt. Doch nicht mit Gewalt, sondern abermals mit Geld. Man bot allen Familien der Gemeinde die Auswanderung nach Amerika an und für alle dabei entstehenden Kosten aufzukommen.

20 der 22 Familien nahmen das Angebot an und der Bürgermeister von Mehring begleitete die Familien (insgesamt rund 90 Personen) bis nach Liverpool, um sie dort am 13.10.1852 in die Neue Welt zu verabschieden. Erst 125 Jahre später betritt ein Nachfahre der Auswanderer wieder heimischen Boden…

Wie ich schrieb, wanderten 20 der 22 Familien aus. Deren Häuser wurden schnell beseitigt, um eine Ansiedlung neuer Familien zu unterbinden. Doch zwei Familien blieben in Neumehring und deren Häuser stehen hier bis heute. Mit den Familien leben hier einige Pferde und ein paar recht lustig ausschauende Kühe.

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Es ging nach dem Ort noch ein kleines Stück geradeaus, bis ich rechts in einen recht zugewachsenen Weg eingebogen bin, der mich wieder zurück in Richtung Fell leiten sollte. Ich musste an einigen Kreuzungen kurz mein Handy nutzen, um auf Google Maps die richtige Abzweigung zu finden, aber letztlich bin ich auf dem Ausonius-Weg (Zeichen AU) angekommen, dem ich nun fast bis zum Schluss folgen konnte.

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Irgendwann kam dann auch das Bachrauschen wieder und damit war klar, dass ich zurück am Feller Bach angekommen war und damit weiter auf dem richtigen Weg. Hier ging es nun immer parallel zum Bach weiter, vorbei an einem kleinen Steinbruch und vielen Wiesen.

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Kurz vor Fell habe ich den Bach dann überquert und bin in den Ort hineingelaufen. Im Ort ging es durch das Tor der ehemaligen Burg Fell. Hier drehte sich meine Wegrichtigung um fast 180 Grad und nun ging es hinauf zu den Weinbergen. Es war mittlerweile sonnig und warm und so war der Aufstieg nach der schon langen Wanderung recht anstrengend, aber fast der einzige Weg zurück zum Bergwerk.

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Trotz der Anstrengung boten sich hier auch nochmal schöne Ausblicke in die Umgebung. Wieder am Bergwerk angekommen, habe ich dort zunächst eine kurze Rast eingelegt und dann die Führung mitgemacht.

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Das Bergmannsleben in Fell war ein hartes Leben. Die meisten Bergmänner waren Weinbauern, die im Winter unter Tage arbeiteten, damit sie ihr Leben finanzieren konnten. Sicherheitsvorschriften gab es in der Zeit wenige und die hohe Feuchtigkeit und konstante Kühle führte dazu, dass die hier Arbeitenden meist nicht sehr alt wurden.

Auch die Frauen und Kinder waren in die Arbeit eingebunden. Sie sorgten für die Verpflegung der Männer. Hierzu gab es sogenannte Suppenwege, über die die Kinder das Essen zur Grube gebracht haben. Über einen solchen Suppenweg ging es nach der Führung auch wieder hinauf zum Eingang. Die Führung ist sehr interessant und hat viele Einblicke in das Leben in dieser Region gegeben, wie es noch vor nicht allzu langer Zeit war, denn die letzten Gruben sind erst rund 50 Jahre geschlossen. Auch über den Werkstoff Schiefer konnte ich einiges Interessantes erfahren. Eine kleine Ausstellung am Bergwerk rundete dann die ganze Sache ab, bevor ich recht geschafft, aber zufrieden zurück zum Auto gelaufen bin.

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Als Fazit kann ich sagen, dass diese Wanderung eine der vielfältigsten ist, welche ich in den letzten Jahren unternommen habe. Insgesamt ist sie allerdings auch recht lang (rund 23km) und erfordert ein wenig Kondition. Da ein Großteil der Wege durch Wald führt, kann man sie auch gut im Sommer laufen.

Zum Nachwandern habe ich meine Route hier als Karte abgebildet:


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Autor:Jens Koopmann