Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 4: The High Line und die Theater am Broadway

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Heute war unser dritter und letzter Tag in New York und nach bereits zwei vollen und aufregenden Tagen sollte auch dieser Tag zumindest für mich ein recht voller werden. Milly dagegen hat erstmal etwas ausgeschlafen und ist danach bis Mittags etwas die Shoppingszene erkunden gewesen.

Ich bin also folglich allein gegen halb 8 wieder aus dem Haus gewesen und mein erstes Ziel war eine noch sehr junge New Yorker Sehenswürdigkeit: die High Line. Um dorthin zu kommen musste ich die U-Bahn bis zur 23st Street nehmen, bin aber zunächst bereits in der 72. Straße ausgestiegen. Von hier habe ich einen kurzen Abstecher zum Central Park gemacht und habe dort eine Runde mit all den New Yorker gedreht, die ihre Hunde hier am Morgen ausgeführt haben.

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Danach habe ich den kurzen Schlenker zum Lincoln Center unternommen. Gern hätte ich hier auch heute noch eine Tour besucht, aber leider hatten die Tourzeiten nicht ins unseren Zeitplan gepasst, denn wir hatten bereits eine fest gebuchte Broadwayführung um 13 Uhr. Insofern habe ich nur einen Blick von außen auf dieses weltbekannte Kulturzentrum geworfen.

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Um wieder zurück zur U-Bahn zu kommen bin ich das kleine Stück zum Columbus Circle gelaufen. Hier wo die Time Warner Zentrale ist und der Trump Hotel Tower ist sicherlich einer der markantesten Plätze der Stadt. In der Mitte dieses Platzes thront sein Namensgeber Christopher Kolumbus.

Natürlich musste ich auch hier einige Fotos machen, bevor ich weitergehen konnte und das Wetter war bereits sonnig und die Temperaturen angenehm. Es versprach heute ein hochsommerlicher Tag zu werden mit bis zu 32 Grad – kaum zu glauben, dass wir noch vor 4 Tagen bei Schneefall in Luxemburg losgeflogen sind.

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Danach ging es dann aber wirklich mit der U-Bahn zur 23rd Street und von hier noch ein paar Avenues nach Westen, wo ich dann auf die High Line traf. Bei der High Line handelt es sich um einen Park, allerdings um einen eher Ungewöhnlichen. Früher war hier eine auf Stelzen verlaufende Eisenbahnstrecke, die jedoch seit den 60er Jahren mehr und mehr verweiste. Um die Jahrtausendwende stand die ganze Konstruktion fast entgültig vor dem aus und sollte abgerissen werden. Eine Non-Profit-Organisation formierte sich daraufhin, die ¨Friends of the High Line¨ und sprach sich dafür aus, die historische Anlage zu erhalten und statt dem Abriss einen Park daraus zu machen.

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Als schließlich auch die Eisenbahngesellschaft das Grundstück der Stadt überließ konnten die Arbeiten beginnen und so ertreckt sich der Park quer durch die Stadt über 20 Blöcke von der 10. Straße bis zur 30.

Ich bin zunächst von der 20. Straße bis zur 10. Straße nach Süden gelaufen. Unterwegs kam ich dabei auch an einigen (z.T. ehemaligen) Hausdurchführungen vorbei.

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Früher war hier das Industrieviertel der Stadt und viele Güter mussten hierher transportiert werden. Bevor die Trucks die Oberhand gewannen geschah dies mit der Bahn und diese verlief zunächst noch direkt auf der Straße. Unter den Güter waren Lebensmittel, aber auch gefährliche Dinge und obwohl es immer einen Reiter gab, der dem Zug voraus ritt, kam es zu zahlreichen Zwischenfällen, weswegen die Straße auch Death-Avenue hieß. Um diese Gefahr zu beseitigen wurde dann schließlich die High Line gebaut und fortan gelangten die Waren pünktlich und sicher in die Stadt.

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Doch mit den Trucks kam das Ende der Bahnlinie und so verweisten die Gleise immer mehr und die Natur eroberte sich ihr Land zurück. Schließlich wurden die Teile südlich der 10. Straße abgerissen und die High Line drohte für immer verloren zu sein

Heute ist dieser Park eine kleine Oase in der sonst so hektischen Stadt New York. Der Park ist wirklich schön gestaltet. Immer wieder findet man die Schienen in den Park integriert und auch die Gehwege und Bänke erinnern an Schienen. Auch gibt es unterwegs ein paar Kunstwerke zu sehen und ein paar interessante Aussichten auf die Stadt abseits der touristischen Pfade zu ergattern.

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Nachdem ich bis zur 10. Straße gekommen war, bin ich ein kleines Stück unter der High Line wieder zurück gelaufen, um dann wieder hoch in den Park zu gehen und bis zur 30. Straße zu laufen. Kurz vorher habe ich den Park nochmal verlassen, da ein Oldtimer, ein schönes Wandgemälde des Stadtlebens und eine Replik eines der wohl bekanntesten Fotos als Wandmalerei zu sehen waren.

Das ursprüngliche Foto dieser Wandmalerei entstand auf dem Times Square und zwar an dem Tag, als die Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrten. Der Soldat hier küsst dabei übrigens nicht seine Frau, sondern eine wildfremde Person. Seine Frau steht in dem Foto hinter ihm. Die Ehe soll aber nicht unter dem Foto gelitten haben… Mir kam das Motiv auch sehr bekannt vor, allerdings aus einer ganz anderen Gegend. 2009 in San Diego stand vor dem ausgemusterten Flugzeugträger eine Statue mit dem Motiv.

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Insgesamt war der Spaziergang auf der High Line eine schöne Abwechslung gewesen und hat sich als interessante neue Sehenswürdigkeit New Yorks erwiesen. Es ist geplant, den Park noch weiter nach Norden fortzusetzen. Ich würde mich freuen, wenn dies gelänge.

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Mein Weg führte nun aber auf den Straßen New Yorks weiter, aber auch nach Norden in Richtung Times Square, wo ich Milly treffen sollte.

Auf dem Weg dorthin kam ich bei dem übergroßen, fast tempelartigen Gebäude der US-Post vorbei, welches sich direkt gegenüber der Penn-Station befindet. Penn-Station ist heute der Haupt-Fernverkehrsbahnhof in New York und auch die lokalen Züge aus Jersey treffen hier ein.

Da mein Magen doch reichlich knurrte, habe ich mir hier schnell einen Bagel mit Cream Cheese geholt, damit ich zumindest etwas im Magen hatte. Danach ging es zur anderen Seite der Penn-Station, wo sich ein weiteres bekanntes New Yorker Gebäude befindet: der Madison Square Garden. Diese Bühne ist die wohl bekannteste Bühne der Stadt und von Sport-Events bis zu Konzerten hat sie schon vieles gesehen.

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Weiter ging es dann nordwärts bis zur 42. Straße, wobei ich unterwegs nur noch einen kleinen Stop eingelegt hatte, um meinen Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen.

Am Times Square angekommen, musste ich noch ein wenig warten, bis auch Milly eintraf. Wir hatten aber auch noch genug Zeit, denn unsere Führung sollte erst um 13 Uhr beginnen. Diese Zwischenzeit ließ sich natürlich gut mit ein paar Fotos überbrücken, denn hier gibt es garantiert immer was zu entdecken.

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In unserer Tour ging es dann rund um die Theater am Broadway und das Theaterleben.

Früher waren die Theater in Downtown gewesen, doch irgendwann zog es die Times an den Broadway, denn man baute die erste U-Bahn nach Uptown und versuchte Firmen dazu zu bewegen hier in diese bislang doch recht öde Gegend umzusiedeln. Für die Times bedeutete der neue Standort, künftig direkt an der U-Bahn (mit eigener U-Bahnstation) zu sein. Hinzu kam das Angebot, den Platz nach ihnen zu benennen, was sehr verführerisch war. Daher auch der Name dieses Platzes, der heute noch nach der Times benannt ist. Der Nachfolger des Times Building steht noch immer an einem Ende des Times Square und ist ein einzig aus Leuchtreklamen bestehendes Gebäude.

Hier ist es auch, wo der Mitternachts-Countdown jedes Jahr startet und wo sich Punkt 0 Uhr der Ball senkt, ähnlich dem Ball in Greenwich Village in London, welcher den Seefahrern früher die Zeit anzeigte. Diese Tradition begann eigentlich als Dankeschön der Times im ersten Jahr, wo sie hier saß, aber es blieb halt nicht nur bei einem Mal. Die Times hat mittlerweile ein anderes Gebäude bezogen.

Der Broadway ist eine der wenigen Straßen, welche nicht dem Schachbrettmuster der Stadt folgen. Dies hat den einfachen Grund, dass es diesen Weg schon vor der Stadt New York gab, denn die Indianer hatten ihn bereits genutzt. Da sich am Times Square alle U-Bahn-Linien trafen und die Anbindung folglich sehr gut war, kamen nach und nach die Theater von Downtown hierhier und so entstand der Theatre-District.

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Früher gab es noch viele Theater mehr hier als heute, denn in den 60er Jahren wurden viele von ihnen abgerissen. Viele der Theater am Times Square haben sich dadurch gerettet, indem sich den Platz in der Luft verkauft haben. Ja, richtig gehört, hier wurde nicht Grund und Boden verkauft, sondern Platz in der Luft. Dies bedeutete, dass auf den alten Theatern neue Gebäude draufgebaut wurden.

Eines der ältesten Theater der Stadt ist so heute kaum noch zu erkennen. Die Leuchtreklamen rund um die Werbung für das Musical Annie sind der einzige Hinweis, denn das Gebäude hat jetzt einen Hotelkomplex auf dem Dach zu sitzen.

Trotz dieser Möglichkeit einige Theater zu retten, verkam der Times Square in den 70er Jahren zu einem dunklen Viertel. Viele Geschäfte gingen weg und es siedelten sich Prostitution und Gewalt hat. Es dauerte ein gutes Jahrzehnt, bis New Yorks neuer Bürgermeister Guillani sich der Situation annahm und alles kriminelle Gesindel aus diesem Viertel verbannte. Langsam kam so der Glamour der vergangenen Zeit zurück. Heute ist der Times Square wieder der quirlige Platz von früher und man fühlt sich sicher auch am Abend.

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Wir gingen dann durch die Nebenstraßen rund um den Platz zu den vielen Theatern die es hier gab. Doch obwohl die Anzahl der Theater groß ist, sind es doch nur i.W. drei Betreiber, denen sie alle gehören. Z.T. kann man sie dadurch erkennen, dass die Initialien der Inhaber an den Türen sind, wie das „S“ der Schubert-Familie.

Auf der Tour haben wir auch erfahren, was der eigentliche Unterschied zwischen On- und Off-Broadway ist. Ich dachte, dies hätte etwas mit dem Standort des Theaters zu tun, ob dieses nun am Broadway ist oder nicht, aber ich lag falsch. Fast alle Theater liegen mehr oder minder am Broadway oder seinen Seitenstraßen. Die Unterscheidung, ob etwas On- oder Off-Broadway ist, richtet sich nach der Anzahl der Sitzplätze: mehr als 500 sind On-Broadway, der Rest ist Off-Broadway.

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Während wir durch die Gassen gelaufen sind, haben wir allerlei Anekdoten erfahren, welche Hollywood Stars wo ihr Debut gemacht haben und welche Aufführungen Kassenschlager waren und welche eher nicht und obwohl dies alles sehr spannend und interessant war, es war doch zuviel, um es mir zu merken.

Eine Geschichte habe ich mir jedoch behalten und die betrifft das Musical, welches am längsten am Broadway spielt, das Phantom der Oper. Man möchte meinen, dass eine so lang laufende Show keine wirklichen Pannen mehr hat, schließlich muss man doch alles schon einmal erlebt haben. Doch nicht allzulang zurück lag ein Vorfall, den man noch nicht kannte. Es begann in der Szene, als Christine mit dem Phantom auf dem Fluß/Kanal fährt. Das Boot der beiden wird dabei hinter der Bühne funkferngesteuert. Als diese Szene lief, fuhr gerade eine Feuerwehr am Theater vorbei und es sollte sich rausstellen, dass diese die gleiche Funkfrequenz benutzt. So wurde aus der sanften Gondelfahrt eine sehr sehr ruckelige Angelegenheit.

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Es gab auch sonst viel skurriles, bis hin zu Todesfällen auf der Bühne, bei denen man dann schnell alles in Bewegung setzte, um das Publikum nichts merken zu lassen.

Unser Weg führte uns bis zur 42. Straße und dann wieder zum Times Square und dem Times Building zurück. Das ganze Haus ist übrigens nicht bewohnt. Kein Wunder, denn die ganzen Reklamen lassen auch keine Fenster zu. Die Reklamen sind aber auch deutlich profitabler, denn sie kosten pro Stück und Monat bis zu einer halben Million USD.

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Nachdem wir auf der Tour soviel über den Broadway und seine Theater erfahren hatten, wollten wir doch mal schauen, ob wir selbst nicht auch noch in eines am Abend reinkommen konnten, denn es gibt am Times Square einen Ticketschalter, der ermäßigte Karten für den gleichen Tag anbietet. Wir hatten Glück und schnell waren Tickets für 150 Dollar für uns beide in der dritten Reihe für das Musical ¨Mama Mia¨ gebucht.

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Vorher führte der Weg aber noch weiter in Richtung Uptown mit der Metro bis hoch zur 86. Straße. Hier direkt am Central Park liegt das Salomon Guggenheim Museum. Das Museum von innen hatte ich 2007 schonmal gesehen, aber damals war die Außenfassade durch ein Gerüst verdeckt. Heute war der sehr ungewöhnliche Bau dagegen frei zu sehen. Da der Eintritt mit dem New York Pass auch frei ist, sind wir dann auch noch kurz reingegangen, damit auch Milly mal dieses einmalige Atrium gesehen hat (und ich für einen Moment der Hitze entfliehen konnte). Ich bin dann noch eine gute halbe Stunde durch die Ausstellung gelaufen. Auch wenn einige Werke durchaus interessant sind, ist es doch alles sehr experimentelle und moderne Kunst und mir erschließt sich nicht ganz, wie ein weißes Blatt Papier mit einem Knick drin Kunst sein soll. Aber die Geschmäcker sind ja verschieden und mein Horizont beschränkt.

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Nach diesem kulturellen Intermezzo ging es dann einmal quer durch den Central Park auf die andere Seite, immer entlang des großen Wasser-Basins, wo früher einmal ein Aquädukt aus Brooklyn Wasser nach Manhattan gebracht hat. Während man die Türme des Baus noch am Wasserrand sieht, erinnert an das Aquädukt selbst nur ein Streifen im Wasser.

Auf der anderen Seite des Central Parks angekommen, sind wir wieder in die U-Bahn gestiegen und zum Times Square zurückgefahren, wo wir unseren Mägen bei Planet Hollywood was gutes getan haben.

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So gestärkt sind wir noch kurz rumgeschlendet, bis Milly ein wenig in den Läden gucken war und ich nochmal zum Rockefeller Center gelaufen bin, um ein paar Bilder zu machen. Nach einer Stunde hatten wir uns dann aber auch schon wiedergetroffen und sind dann gemeinsam zu unserem Musical gegangen.

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Mamma Mia ist wirklich ein schönes Musical. Gut die Handlung ist recht seicht, aber es ist wirklich lustig insziniert und es zeigt, wie zeitlos die Songs von Abba doch sind. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß in den 2,5 Stunden und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Was für eine schöne Variante, unseren Aufenthalt in New York ausklingen zu lassen.

Danach waren wir aber auch Müde und geschafft und es ging direkt zurück nach Harlem, wo wir noch schnell unsere Sachen zusammengepackt haben, damit wir morgen früh nicht soviel Zeit verlieren, denn es sollte sehr früh losgehen, um dem Berufsverkehr in New York zu entgehen.

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So gehen drei lange, aufregende, spannende, lustige aber auch anstrengende Tage in New York zu Ende. Auch für mich, der schonmal da war, gab es soviel neues zu entdecken und wir haben bislang immer noch nur an der Oberfläche gekratzt. Trotzdem haben die drei Tage aber auch irgendwie gereicht und ich freue mich auf etwas ruhigere Tage in Washington D.C. Das Wetter soll uns ja mit den hochsommerlichen Temperaturen auch die nächsten beiden Tage erhalten bleiben.

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Autor:Jens Koopmann