Reisebericht: Von Stars, Flowerpower und Gletschern – Eine Alaska-Kreuzfahrt. Teil 6: Skagway

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Nach dem fantastischen gestrigen Tag in Juneau mit dem Gletscherrundflug stand am heutigen Tag der nördlichste Landgang unserer Kreuzfahrt auf dem Programm. Ziel war Skagway, ein knapp 900-Seelen-Dorf, was sich an diesem Tag mit knapp 6000 Touristen aus 3 Kreuzfahrtschiffen rumplagen musste. Wie gesagt, liegt Skagway schon recht weit nördlich und zu ragen die schneebedeckten Berge auch recht nah bis an die Küste heran.

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Der Name Skagway kommt von den Indianern Alaskas und bedeutet „Windiger Ort mit weißen Kappen“ – so oder so ähnlich kann man dieses Fleckchen Erde auch heute noch beschreiben. Als Stadt wurde Skagway 1900 gegründet, zu Zeiten des Goldrausches.

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Das dieser Ort für eine Stadt gewählt wurde lag daran, dass Skagway Ausgangspunkt für einen Pass über die Küstenberge ist, der dann schließlich in den Klondike führt, wo man 1896 Gold gefunden hatte. Der Pass wurde knapp 10 Jahre vorher von einem Dampfschiffkapitän entdeckt, der daraufhin ein großes Stück Land hier besiedelte. Doch der Plan des Kapitäns, sein Land später gewinnbringend zu verkaufen scheiterte mit dem Goldfund, denn die Massen an Goldsuchern haben es ihm direkt vor dem Gesicht weggestolen und weiterverkauft. Schon bald sollte die Stadt 10.000 Einwohner zählen und die größte in Alaska sein.

1898 begann man dann mit dem Bau einer Eisenbahn in den Klondike – der White Pass and Yukon Route – , denn der Aufstieg über den White Pass musste bislang mühsam zu Fuß erklommen werden, auch wenn es zwischenzeitlich eine Seilbahn gab.

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Als die Eisenbahn im Jahr 1900 fertig war, war es mit dem Goldrausch allerdings fast schon wieder vorbei und viele der Goldsucher verschwanden wieder. An ihre Stelle traten professionelle Minenbetreiber, die statt Gold hier Kupfer, Silber und Blei abbauten.

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Eine Fahrt mit der Eisenbahn stand auch für mich am heutigen Tag auf dem Programm, doch vorher blieb noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch den Ort, welcher den Charme vergangener Zeiten nochmal aufleben lässt, auch wenn vieles sicher heute geschniegelter aussieht als zum Zeitpunkt, wo die Gebäude erbaut wurden.

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Bein Gang durch den Ort stößt man schon nach wenigen Metern auf eines seiner bekanntesten und berüchtigsten Gebäude: den Red Onion Saloon. Bereits 1887 erbaut war er lange Zeit Saloon und Bordel – ersteres ist er auch noch heute. Der untere Stock war dabei die Bar. Von hier wurden auch die Damen überwacht, welche im ersten Stock ihre Zimmer hatten. Im Moment war jedoch noch alles geschlossen – es war ja noch früh am Morgen.

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Nur zwei Häuser weiter steht das meistfotografierte Haus in Alaska. Warum, dass sieht man direkt an der Fassade, denn statt den Holzplanken, welche die anderen Häuser zieren, wurden hier kleine Äste verarbeitet. Das Haus stamm aus dem Jahr 1899 (siehe auch die Zahl über der Tür) und die beiden großen Initialen A und B (in der Mitte oben, zwischen den Fenstern, sowie an den Seiten) stehen für Arctic Brotherhood, einer Bruderschaft, die hier ihren Hauptsitz hatte.

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Ein Rundgang durch die Stadt, bzw. das was übrig geblieben ist, dauert nicht sehr lang, vermittelt aber eine gute Idee von dem, wie es hier mal ausgesehen haben muss.

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An einem der umliegenden Feldwände die Skagway umgeben, kann man auch noch  Felsenmotive entdecken, welche als Werbung während des Goldrausches angezeichnet wurden.

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Danach war es Zeit, zurück zum Schiff zu laufen, denn der Ausflug sollte in Kürze beginnen. Dabei ging es zunächst zu einem Nachbau eines Goldgräbercamps, wo ein wenig über das Leben zu jener Zeit und die Arbeit der Goldsuchenden erklärt wurde. Es war zwar alles sehr interessant, aber halt auch nicht echt… – man könnte fast sagen: typisch amerikanisch.

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Danach ging es dann weiter mit dem Bus in die Berge, die jetzt im Mai noch schneebedeckt waren und so tat sich nach und nach eine wunderbare weisse Landschaft auf.

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Schließlich sind wir bei der Bahnstation der White Pass und Yukon Railway angekommen und sind in diese für die Rückfahrt nach Skagway umgestiegen.

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Heute ist die Zugfahrt ausschließlich was für Touristen und hat sonst keine wirkliche Bedeutung mehr für die Region. Der reguläre Zugverkehr wurde 1982 eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Bahn noch mit Diesellokomotiven gefahren. Nach 6 Jahren der Stilllegung wurde sie dann 1988 für den Touristenverkehr wieder reaktiviert. Eine gute Entscheidung, wie jeder, der eine Fahrt damit unternommen hat, bestätigen wird.

Die Diesellokomotiven haben einen traditionellen grün-gelben Anstrich und den Adler als Symbol vorn angebracht. Die Wagen stammen z.T. noch aus der Gründerzeit bzw. einige von ihnen wurden zusätzlich in diesem Stil nachgefertigt.

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Der erste Teil der Rückfahrt führte dann durch die schneebedeckte Landschaft und bot wunderbare Aussichten auf Berge, Täler und alte Bahnbrücken über die heute besser kein Zug mehr fährt.

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Schließlich kamen wir dann auch am White Pass vorbei, welcher auf 873m Höhe liegt.

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Die folgenden beiden Bilder zeigen eine solche eben angesprochene alte Eisenbahnbrücke, über die heute – zum Glück – kein Zug mehr fährt.

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Je weiter wir in Richtung der Küste gefahren sind, um so mehr kamen die grünen Wälder wieder zum Vorschein. Ab und zu machte der Zug auf offener Strecke halt, um Wanderer einzusammeln.

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Dann ist mir aber doch noch einmal ein Schrecken durchs Mark gefahren, denn urplötzlich hatte sich eine kleine Schneelawine losgelöst und kam direkt neben und vor uns herunter. Glücklicherweise stoppte sie im Bereich des Zuges kurz vor dem Zug und landete sonst vor dem Zug. Eine Amerikanerin meinte bei dem Anblick nur: „Look, how beautiful“ – es hätten ihre letzten Worte sein können.

Nachdem der Zugführer geprüft hatte, dass die Dieselloks den Schnee vor dem Zug wegschieben können, ging es dann gute 10 Minuten später weiter.

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Wieder in Skagway angekommen ging es nochmal zum Red Onion Saloon, der diesmal aber geöffnet war und in dem wir eine kleine Tour durch das Etablissment bekommen haben. Der erste Stock, wo früher die Damen ihrer Freier empfangen haben, ist heute ein Museum. Bis zu 10 Damen könnten hier arbeiten und jede hatte eine 3x3m große Kammer, deren Wände aus einfachen Holzplanken bestanden – nicht viel, um Dinge zu überhören.

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In jedem der Zimmer war ein Loch im Boden, durch welches die Mädchen ihre Einnahmen nach unten sendeten. Damit der Betreiber des Saloon nicht den Überblick verlor, hatte er unten 10 Puppen zu liegen – eine pro Mädchen. Sobald ein Mann mit einer nach oben ging, drehte er die Puppe um. Sobald das Geld kam, wurde die Puppe zurückgedreht und die „Kundschaft“ wußte, dass das Mädchen wieder frei war.

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Damit ging dann auch schon der Tag in Skagway zu Ende und es war wieder ein schöner gewesen. Insbesondere die Fahrt durch die schneebedeckten Berge war ein Highlight für mich, da ich sowas in der Form noch nie zuvor gesehen hatte.

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Das waren dann auch die Landgänge in Alaska. Für den morgigen Tag ist der Hubbard Gletscher auf dem Programm bevor es dann weiter nach Kanada geht.

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Kommentare

  • Joachim 14. Juni 2012 Antworten

    Das sind wirklich beeindruckende Bilder, die da entstanden sind. Den Fotos nach zu urteilen muss Alaska wirklich einer der schönsten Orte auf der Welt sein und ich wäre jetzt zu gerne dort. Besonders die Goldgräber-Kultur Alaskas ist immer wieder Stoff für zahlreiche schöne Geschichten vom einsamen Eremitenleben in der Natur. Heutzutage sieht das natürlich anders aus, wie man in der Serie „Goldrausch in Alaska“ auf dem D-Max Sender sehen kann, in der Moderne Goldgräber mit schwerem Gerät Wunden in das empfindliche Ökosystem dieses einzigartigen Landstrichs machen. Nichtsdestotrotz ist das Verständnis für Nostalgie weiterhin stark im Land vertreten, was einem alten Romantiker wie mir wirklich Freude macht.

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Autor:Jens Koopmann