Reisebericht – Der Westen der USA: 16.05.2007 – Get your kicks on Route 66

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Nach fast 15h Schlaf war ich heute morgen gegen 5 Uhr mal wieder richtig ausgeschlafen. Zeit also, um erstmal den Bericht von gestern zu schreiben, ein paar Mails vorzubereiten (Internet hatte ich im Hotel von gestern ja nicht, genauso wie hier im Grand Canyon), ein paar Telefonate zu führen, um mich dann frisch gemacht gegen 8 Uhr auf die Socken zu machen. Als erstes stand Tanken auf dem Plan, was bei einem Preis von 3,73 pro Gallone einem schon fast die Tränen in die Augen fließen ließ. Vor allem, wenn ich gewusst hätte, dass nur wenige Kilometer weiter Tanken gewesen wären, die nur 3,20 genommen hätten. Aber was solls, an die Tankpreise in Deutschland kommt das alles ja bei weitem noch nicht ran.

Das Ziel des heutigen Tages – Route 66, die „Mother Road“. Die US 66 (so ihr offizieller Name) wurde 1926 eröffnet, es dauerte jedoch noch über 10 Jahre, bis sie vollständig asphaltiert war. Die Route 66 gibt es heute nicht mehr, da sie nach und nach durch größere Fernstraßen ersetzt wurde. Sie ist daher heute oft als SR66 oder „Historic Route 66“ ausgewiesen. So auch auf der Strecke, der ich heute gefolgt bin. Schon kurz hinter Needles beginnt der längste durchgehende Abschnitt der alten Route 66.

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Nur wenige Meilen später ist dann der Ort Oatman, eine alte Goldgräberstadt, die 1906 gegründet wurde. Doch bereit 1942 wurde die letzte Goldmine geschlossen. Übriggeblieben aus der Zeit sind die Esel, die damals als Arbeitstiere eingesetzt wurden und heute wild leben und sich über jeden durchfahrenden Besuch freuen.

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Der Ort selbst ist kaum 200m lang, hat aber ein paar hübsche Häuser und Läden zu bieten. Als ich ankam, war allerdings noch alles am Aufwachen. Also habe ich meine kurze Fotorunde gedreht, ein paar Postkarten gekauft und bin dann erstmal in den Saloon was Essen.

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Als ich wieder rauskam, waren dann auch schon die nächsten Touris angekommen und wie es sich auf der Route 66 gehört natürlich auf einer ganzen Kolonne von Harleys.

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Ich bin dann wieder zum Auto und habe noch schnell 2 Postkarten geschrieben, damit sie den Route 66-Stempel mit dem Esel drauf bekommen. Dann sollte es ab zum Postamt gehen, doch die Esel standen erstmal im Weg 😉 .

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Als ich die Karten dann am Postamt aufgeben wollte, hatten sich leider die Tarife geändert, seitdem ich an der Ostküste die Briefmarken gekauft hatte. Also mussten noch jeweils zwei weitere Briefmarken drauf. Dabei hatte ich extra Platz für den Stempel gelassen – so ein Mist!

Danach kam das sicherlich schönste Stück der Route 66 durch die Berge. Entlang von Schluchten (natürlich ohne Leitplanken) ging es die Berge rauf.

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Als die Strasse dann flacher wurde und die Berge hinter mir lagen, hieß es erstmal ein paar Meilen machen, denn ich hatte doch eine gute Stunde in Oatman gelassen und die Fahrtstrecke sollte noch einiges an Zeit heute kosten.

Nächster kurzer Stop war dann Kingman. Nicht das es hier viel zu sehen gäbe, aber es gab freies Internet, so dass ich wenigsten einen neuen Bericht ins Blog stellen konnte und meine vorbereiteten E-Mails versenden konnte. Ein Foto gab es dann auch noch:

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Dann ging es auch flott weiter, manchmal so flott, dass ich nochmal umdrehen musste, um solche Perlen wie die folgende zu fotografieren:

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Den nächsten Stop hatte ich bereits in vielen Reiseberichten im Internet gefunden. Es ist der General Store in Hackberry. Eigentlich wäre es nur eine alte Tanke mit kleinem Shop, aber der Eigentümer hat über die Jahre alles, was ihm zur Route 66 in die Hände kam eingesammelt und hier quasi ein lebendes Museum gestaltet, was einen kurzen Stop zur Pflicht macht.

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Hier noch ein paar Bilder aus dem Shop:

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Hinter dem Shop stand folgende Installation:

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Solche Sprüche wie hier („Big Mistake, many make, rely on horn, instead of brake“ – Ein großer Fehler den viele Begehen ist auf die Hupe statt auf die Bremse zu gehen) gibt es immer wieder auf der Route 66. Zum Beispiel den hier: „Don’t pass on a slope unless you have a periscope“.

Hier noch ein paar Bilder dieser skurrilen Sehenswürdigkeit:

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Nachdem ich noch schnell ein Wasser sowie ein Route 66-Schild gekauft habe ging es nach einem kurzen Schwätzchen auch schon weiter mit Vollgas Richtung Seligman.

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Hier gibt es ein paar kleine nette Läden und vor allem Autos aus den 50er Jahren. Das waren noch Zeiten in denen die Autos Charakter hatten und alles nur so vor Details strotzte. Dagegen ist mein Chevy Trailblaizer richtig häßlich. Auf jeden Fall ist der Ort wie eine kleine Zeitreise und der Stop hat sich für mich gelohnt.

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Wie man auf den Bildern sieht, hatte es sich zwischenzeitlich auch mit Wolken etwas zugezogen, was zumindest in Bezug auf die Temperaturen recht angenehm war.

Dann war es das auch erstmal mit der Route 66, denn bis nach Williams, wo es nochmal ein paar hundert Meter auf der Strasse ging, war erstmal die Interstate angesagt – also weiter Vollgas.

In Williams ist alles ganz klar auf Touristen ausgerichtet. Die Stadt versteht sich als Tor zum Grand Canyon und so sind hier Motels ohne Ende zu finden. Ich habe nach der Ankunft erstmal eine kleine Fototour gemacht. Strategische Bedeutung hatte Williams vor allem auch durch seinen Bahnanschluss.

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Dann war ich noch in einem kleinen Diner im 50er Jahre Stil und habe einen James Dean Sandwich mit Zwiebelringen gegessen. Der Sandwich war mit Barbeque-Schweinefleisch gemacht und durchaus lecker. Der Preis am Ende: 6,66 USD, was für ein Zufall – wenn da nicht der Teufel seine Hände im Spiel hatte.

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Und auf ging es dann zur letzten Etappe für heute. Noch knapp 100km bis zum Grand Canyon und es war mittlerweile halb 4. In knapp einer Stunde war ich am Grand Canyon Visitor Center in Tuyasan angekommen, wo ich mir noch den IMAX-Film zum Grand Canyon angeschaut habe. Der Film ist ganz nett gemacht und wer eine halbe Stunde Zeit und 13 USD übrig hat, sollte ihn sich anschauen.

Nur kurz darauf war ich dann am Nationalpark selbst angekommen.

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Dann ab zu meiner Unterkunft, eingecheckt und die Sachen hochgebracht. Mit knapp 83 USD pro Nacht war es eine der teuersten Unterkünfte während der ganzen Reise, aber dafür sind es auch wirklich nur 5min zu Fuß zum Grand Canyon. Wenn man in den Nationalpark fährt, kommt man eigentlich nur durch Wald. Ich hatte mich schon gefragt, wo denn hier ein Canyon sein soll, bis ich plötzlich vor ihm stand. Es ist einfach überwältigend, wenn sich der Wald lichtet und der Canyon urplötzlich vor einem auftaucht. Auf jeden Fall beeindruckend. Da es gerade erst 6 Uhr war, bin ich noch knapp 5km an der Schlucht entlanggelaufen (inkl. Rückweg) bis die Sonne schließlich untergegangen war. Durch die Wolken fehlte es jedoch etwas an Licht.

Hier dennoch ein paar Bilder, obwohl morgen sicherlich noch ein paar mehr dazu kommen werden.

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Jetzt geht es nach dem Bericht auch gleich ins Bett (ist kurz vor 10), damit ich morgen wieder recht früh raus komm.

Fazit:

  • Wenn es die Zeit erlaubt, sollte man den Weg über die Route 66 gehen und nicht den schnelleren Highway. Man wird dafür echt belohnt.
  • Ich hätte nicht geglaubt, dass der Grand Canyon tatsächlich so beeindruckend ist.

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Autor:Jens Koopmann