Reisebericht Kenia 2014 – Teil 3: Elefantöses Samburu

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Donnerstag, 27.11.2014 – Elefantöses Samburu

Die erste Nacht in Samburu verlief recht ruhig. Nach dem Essen sind wir direkt ins Bett, denn die Insekten haben es nicht zugelassen, dass das Licht an blieb. Trotz eines Moskitonetzes über unserem Bett hatte es eines der Mistviecher allerdings doch noch darunter geschafft und entsprechend mir und Milly einige Stiche in der Nacht verpasst, ganz zu schweigen von dem bezaubernden Geräusch in den Ohren…

Nachdem wir uns hingelegt und die Lichter ausgemacht hatten, hörten wir kurze Zeit später etwas draußen im Gebüsch. Es klang wie brechende Äste. Milly machte sich lustig, als ich meinte, dass das bestimmt Elefanten seien. Erst heute Morgen, als wir aufgestanden waren und Joseph uns berichtete, er habe gestern Abend Elefanten nahe den Bungalows gesehen, glaubte sie mir und ihr wurde leicht anders 😉

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Dank den Moskitos war ich heute Morgen dann auch 10 vor 6 wieder auf den Beinen, da mich das Summen einfach nicht mehr hat schlafen lassen. Milly ist dann um Viertel vor Sieben aufgestanden und so konnten wir noch gemeinsam schnell frühstücken, bevor es um halb 8 auf die Pirsch ging. Heute Morgen waren wir inklusive uns beiden nur noch zu viert in der Lodge, also konnten wir auch heute nicht wirklich mit der Unterstützung anderer Fahrzeuge bei der Sichtung von Tieren rechnen.

Direkt zu Beginn sind wir wieder einer Gruppe der blauen Perlhühner begegnet. Mit ihrem blauen Hals und dem gepunkteten Gefieder sehen sie wirklich schön aus.

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Danach tat sich dann allerdings erstmal eine Zeit lang Nichts, außer, dass wir aus der Ferne den Mount Kenya gut sehen konnten.

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Dann entdeckte Milly am Wegesrand 2 Schakale, die sich dort in der Sonne ausruhten. Schakale hatten wir bislang noch nicht auf Safari gesehen, auch nicht 2011, also konnten wir heute schon mal eine erste neue Spezies auf unsere Liste der gesehen Tiere setzen.
Kurz darauf fanden wir eine kleine Warzenschweinfamilie. Die beiden Eltern waren zusammen mit ihren 4 oder 5 Jungen unterwegs. Die Warzenschweine mögen zwar nicht die schönsten Tiere sein, aber sie sind immer lustig zu beobachten und die kleinen sind zudem auch recht süß. Leider sind sie schnell geflüchtet, nachdem sie uns wahrgenommen hatten.

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In der nun folgenden Zeit schien es fast so, als wäre der ganze Park von den Tieren verlassen worden – als wären alle auf einer Kaffeefahrt nach Nairobi unterwegs. Nur wenige verbliebene Tiere schienen zurückgelassen worden zu sein, insbesondere einige Vögel. Viele von denen konnte ich allerdings nicht fotografieren, da sie entweder zu klein waren, oder aber zu schnell wegflogen.

Irgendwann entdeckte Joseph einen Adler in einem der Bäume und der hatte ein Einsehen mit mir und blieb sitzen, bis ich meine Bilder gemacht hatte.

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Was wir überall im Park in ausreichender Mengen sehen konnten, waren Dik Diks, eine kleine Antilopenart, die hier heimisch ist. Mit ihren dünnen Beinchen, welche jeden Moment zu brechen scheinen, können sie sprungartig, oder aber auch wirr im Zickzack laufen, um ihren Jäger abzuschütteln. Meist leben Sie in Paaren zusammen und suchen sich ein Gebiet, wo sie genügend Unterschlupf finden – Samburu ist in dieser Hinsicht ja ideal.

In der Nähe haben wir dann auch noch eine große Schildkröte gesehen, welche sich aber auch in den Busch verzog, sowie einige Dreifarben-Glanzstare.

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Dann endlich in der Nähe des Flusses kreuzten die ersten Elefanten unseren Weg. Es war eine kleine Gruppe mit einem jüngeren und zwei älteren Tieren, die hier durchs Gebüsch zogen.
Doch bei den beiden sollte es erstmal bleiben, denn es dauerte wieder eine ganze Weile, bis es was zu sehen gab. Dies ist ein großer Unterschied zur Maasai Mara oder Nakuru, wo es quasi am laufenden Band waszu sehen gab.

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Erst ein ganzes Stück Fluss aufwärts haben wir am anderen Flussufer ein Nilkrokodil entdeckt. Milly wollte mir nicht glauben, dass es hier auch Krokodile gibt, aber nun hatte sie den Beweis und noch einige weitere sollten entlang des Weges am Fluss folgen.

Das Nilkrokodil ist die älteste aller Spezies, die hier zu finden sind. Über 160 Millionen Jahre ist diese Rasse schon unverändert und damit ein echter lebender Saurier. Er ist quasi ohne natürliche Feinde hier, wenn man vom Menschen absieht und sein mit Zähnen überfülltes Maul bedeutet für seine Opfer meist ein schnelles Ende. Das die Evolution beim Krokodil schon länger stillsteht, merkt man aber daran, dass diese Zähne so viele es auch sein mögen, dem Krokodil beim Kauen nicht helfen. Stattdessen muss es die Beute am ganzen Stück essen. Als Kaltblüter haben sie die Morgensonne heute genutzt, um sich aufzuwärmen für eine eventuelle spätere Jagd.

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Auf dem weiteren Weg entlang des Flusses haben wir dann noch eine größere Elefantengruppe gesehen und ein paar Oryxantilopen, welche leicht an ihren verdrehten langen Hörnern erkannt werden können.

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Insgesamt schien es etwas mehr Leben hier am Fluss zu geben und so konnten wir auch noch einen einzelnen Storch sehen, eine Gruppe von Seidenreihen, einen Graureiher, ein paar Dreifarben-Glanzstare und einen Ibis. Insofern gar keine so schlechte Ausbeute in kurzer Zeit.

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Noch ein Stück Fluss aufwärts hatte es sich eine Elefantenfamilie am Wasser gemütlich gemacht, während am gegenüberliegenden Ufer ein Krokodil Wache hielt.

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Danach sind wir wieder etwas vom Fluss weg. An einem kleinen Tümpel hatte sich ein Baby-Krokodil niedergelassen zusammen mit einer Ägyptischen Gans und einem weiteren gefiederten Gefährten.

Wenig später kreuzten dann noch 2 Warzenschweine unseren Weg. Insgesamt war Joseph aber noch nicht ganz mit seiner Ausbeute für den Vormittag zufrieden und er versuchte immer weiter Tiere zu finden, aber die Landschaft war irgendwie wie leergefegt. Selbst die Giraffen, welche wir gestern direkt bei der Ankunft so oft gesehen haben, ließen sich nun nirgends entdecken.

Dafür zeigte sich aber noch ein Bussard.

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Schließlich stießen wir auf eine größere Gruppe von Zebras. Das Zebra hier ist das Grevy`s Zebra. Es ist im Gegensatz zum sonst üblichen Zebra mit einem engeren Streifenmuster versehen und hat einen weißen Bauch. Auch ist es größer als das einfache Zebra. Joseph meinte das Zebra hier ist mehr wie ein Pferd, während das einfache Zebra mehr einem Esel gleicht.

Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, konnten wir kurz darauf sehen, denn unter die Menge hatte sich auch ein einzelnes einfaches Zebra gemischt. Erst jetzt, wo sie direkt nebeneinander standen, wurde der Unterschied wirklich deutlich.

Auch ein paar Grant-Gazellen hatten sich unter die Zebras gemischt, so dass es doch einiges zu sehen gab.

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Danach haben wir erst eine Riesentrappe und kurz darauf einen Sekretärvogel gesehen, beide sind recht ähnlich, wobei der Sekretär in meinen Augen etwas schöner ist.

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Die Zeit verflog recht schnell und so war es höchste Eisenbahn langsam wieder in Richtung der Lodge zu fahren, denn die Temperaturen erreichten mittlerweile extreme Werte. Als wir dabei wieder näher an den Fluss kamen, sahen wir aus der Ferne, wie Elefanten den Fluss überquerten. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, also haben wir doch noch einen Abstecher gemacht.

In der Tat war dies sicherlich das Highlight der Vormittagstour. Zwei große Elefantengruppen haben sich jeweils an einem Ufer niedergelassen und planschten im Wasser. Der Fluss ist recht flach, also mussten sie sich für ihr Bad schon die tieferen Stellen aussuchen. Es war eine unglaubliche Kulisse, die auch geräuschemäßig beeindruckend war, denn als die älteren Elefanten gehen wollten und die Jungen nicht gleich nachkamen, wurde laut trompetet, bis sich der ganze Tross in Gang setzte.
Gleichzeitig zog die Gruppe vom anderen Ufer ebenfalls los, um den Fluss zu queren und wahrscheinlich auch ein Bad zu nehmen. Besonders süß war dabei ein ganz kleiner Elefant, der immer die Nähe seiner Eltern suchte.

Jene Gruppe, die an unser Ufer kam, steuerte dabei schnurstracks auf uns zu und kam immer näher. Ihnen voran lief ein großer Bulle, so dass wir vorsichtshalber, als dieser das Ufer erreichte, schon mal den Wagen gedreht und uns in „Fluchtposition“ gebracht haben.

Dieses Spektakel war wirklich toll und der Abstecher hatte sich mehr als gelohnt.

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Auf dem weiteren Weg sind uns dann endlich auch zwei Giraffen begegnet, die sich hier Nahe des Flusses versteckt hatten.

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Als wir dann gerade Fahrt aufnehmen wollten in Richtung der Lodge mussten wir kurz darauf feststellen, dass uns der Weg versperrt war. Zwei Elefantenbullen waren mit ihren Gruppen hier her gekommen und jeder wollte den anderen nicht passieren lassen. Es war eine enorm große Gruppe. Nach 40 hatte Milly mit dem Zählen aufgehört. Ranger meinten, es könnten bis zu 100 Tiere gewesen sein.

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Während die Elefantenbullen den Weg versperrten, umrundeten uns langsam die restlichen Tiere der beiden Gruppen, so dass wir kurz darauf quasi umzingelt waren. Da half dann nur Warten. In diesen Tumult mischte sich dann auch noch eine Gruppe Paviane, welche den Weg kreuzten und die Elefanten zusätzlich nervös machte.

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Es dauerte bestimmt gute 20 Minuten, bis sich die beiden Bullen friedlich geeinigt hatten, der Weg wieder frei war und wir endlich in Richtung der Lodge weiterfahren konnten.

Als Abschluss der Vormittagstour sind wir dann noch auf eine größere Gruppe von Netzgiraffen gestoßen, bevor wir wieder bei der Lodge waren.

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Hier angekommen, brauchten wir beide erstmal eine Erfrischung und die fanden wir im Pool, der angenehm kühl war.

Danach ging es dann zum Essen und jetzt schreibe ich gerade diese Zeilen hier, während Milly eine kurze Runde schläft, bevor es in einer halben Stunde auf die Nachmittagstour geht. Mehr davon dann später.

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So, es ist jetzt kurz nach 7 und wir sind gerade wieder von der Nachmittagstour rein. Es war eine recht lange Tour geworden, die aber am Ende von Erfolg gekrönt war. Aber von Beginn an…

Als wir kurz vor 4 losfuhren regnete es gerade ein wenig und während der ersten Minuten der Fahrt wurde der Regen immer stärker, so dass wir irgendwann unser Hubdach schließen mussten. Das klang alles nicht wirklich nach einer vielversprechenden Tour. Aber rund 20 Minuten später war der Spuk dann auch schon wieder vorbei und es war trocken genug, so dass wir das Hubdach wieder aufmachen konnten. Doch auch ein offenes Dach und eine gute Sicht nützen nur wenig, wenn es nichts zu sehen gibt und so war es tatsächlich fast die ganze erste Stunde lang. Joseph hatte den Weg an den Fuß eines Berges eingeschlagen, aber es schien, als sei dieser Teil des Parks heute wie leer gefegt. Nur ein paar Vögel ließen sich blicken, von denen ich einen schönen fotografieren konnte, der einen orangenen Kopf mit einer Krone hatte. Aber insgesamt war es eine eher triste Stunde und Milly war schon langsam gelangweilt, da einfach nichts passieren wollte.

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Ein wenig später erbarmten sich dann endlich zwei Netzgiraffen. Dazwischen blieb Zeit, die schöne Landschaft von Samburu zu genießen, die allein schon sehr sehenswert ist. In der Ferne zeigte sich nach dem Regen sogar ein kleiner Regenbogen und es kündigte sich eine schöne Sonnenuntergangsstimmung an.

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Dann passierte aber doch noch was: Milly entdeckte plötzlich einen großen Waran auf einem kleinen Sandhügel. Also stoppten wir. Einen solchen Waran hatte ich heute Mittag auch schon in der Lodge gesehen und es sind wirklich recht große Tiere, die geschätzt einen Meter lang sind.
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Nur einige Momente später kam dann aber völlig unerwartet eine luchsähnliche Katze an uns vorbei gelaufen. Joseph war richtig enthusiastisch – endlich hatte er eine Wildkatze für uns gefunden. Er klärte uns darüber auf, dass dies ein Karakal ist, eine äußerst selten zu sehende Wildkatze (zwar nicht gefährdet, aber halt schwer zu sehen). Er selbst hat in seinen 10 Jahren Safarierfahrung nur 2x diese Katze gesehen und viele seiner Kollegen haben sie noch nie gesehen. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Luchs wird sie auch manchmal Wüstenluchs genannt. Die Katze hatte es wohl auf den Waran abgesehen, zumindest bis sie ihn und seine Größe aus der Nähe sah und dann doch davon Abstand nahm. Stattdessen legte sie sich ins Gras und beobachtete die Situation. Wir mussten einige Minuten warten, in denen sich auch noch ein zweites Fahrzeug hinzugesellte. Irgendwann erhob sie sich dann nochmal, zeigte uns ihr wunderschön gezeichnetes Gesicht und verschwand dann hinter einem Busch. Unsere erste Wildkatze auf der Safari und dann gleich ein solch schönes Exemplar! Milly war wieder versöhnt mit dem Nachmittag 🙂

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Doch Joseph hatte noch nicht aufgegeben – er wollte uns zeigen, dass es auch Löwen in Samburu gibt und tatsächlich sollte uns das Glück kurze Zeit später nochmal hold sein. Bei schöner Sonnenuntergangsstimmung fanden wir eine Gruppe von insgesamt 7 jungen Löwen. Damit war diese Nachmittagsfahrt doch noch ein voller Erfolg gewesen und das gerade noch rechtzeitig, denn kurz darauf wurde es zu dunkel, um noch zu fotografieren.

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Damit auch höchste Zeit, wieder zur Lodge zurück zu kehren, aber das war noch ein langer Weg, denn wir waren bis hierhin ein weites Stück gefahren. Insofern musste Joseph ordentlich Gas geben, dass wir vor der vollkommenden Dunkelheit wieder ankamen.

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Kurz vor der Sopa Lodge mussten wir dann nochmal voll in die Eisen gehen, denn ein Elefantenbulle versperrte uns den Weg. Von Josephs Lichthupen ließ er sich nicht wirklich beeindrucken, sondern fasste diese eher als Drohung auf. Wir versuchten ihn daher zu umfahren, doch einen kurzen Moment schien es so, als würde er uns folgen wollen. Gottseidank ließ er aber von dem Vorhaben ab.

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So sind wir zwar erschöpft, aber auch glücklich wieder in der Lodge angekommen, wo wir nach diesem Eintrag ins Tagebuch erstmal Abendessen gehen. Morgen geht es dann früh los nach Sweetwaters, worauf ich mich schon richtig freue. Also bis morgen dann!

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Kommentare

  • Michael Blahm 29. Januar 2015 Antworten

    ein schöner bericht, Kenia hat viel zu bieten, viele Gruesse aus Diani Beach

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Autor:Jens Koopmann