Reisebericht – Auf Kreuzfahrt durch die Kanaren mit der AidaSol. Teil 5: Die Berge von Gran Canaria

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Nach den beschaulichen Tagen in Madeira und La Palma, wo wir uns lediglich die Hauptstädte angeschaut und eine geführte Tour durch die Vulkanlandschaft gemacht hatten, stand heute die erste Insel auf dem Programm, die wie auf eigene Faust mit dem Auto erkunden wollten und dies war keine geringere als die Insel, die den Namen der ganzen Inselgruppe in sich trägt – Gran Canaria.

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Doch trotz ihres „Gran“ im Namen ist es nicht die größte Insel des Archipels, sondern muss sich in dieser Kategorie Teneriffa und Fuerteventura geschlagen geben.

Vor dem heutigen Tag hatte ich in gewisser Weise ziemlichen Respekt, denn die geplante Autotour sollte uns quer durchs Gebirge überwiegend auf schmalen und gewundenen Straßen führen. Die Fahrt war insgesamt nicht lang, doch der Routenplaner hat für die knapp 150km gute 6h Fahrt eingeplant – ein Wert der am Ende nicht zu kurz angesetzt war. So sind wir kurz nach 9 von Board und haben unser Auto – einen Opel Astra abgeholt. Gottseidank war es ein Diesel und so konnte ich wenigstens auf genügend Drehmoment am Berg hoffen.  Zuerst aber mussten wir erstmal den Weg aus Las Palmas de Gran Canaria – der Hauptstadt finden, was nicht ganz simpel war, aber am Ende gut geklappt hat. Eine halbe Stunde Fahrt war es dann, bis wir das erste Ziel, den Pico de Bandama eine Vulkancaldera erreicht hatten – bis dahin noch auf recht guten breiten Straßen.

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Der Aussichtspunkt liegt 569m über dem Meer und bieten einen weiten Blick bis nach Las Palmas und natürlich in den knapp 1km breiten und 200m tiefen Krater.

Gran_Canaria-03532.jpg Nach ein paar Minuten Rast ging es weiter immer stetig ein wenig bergauf und die Straßen rund um Santa Brigida und San Mateo wurden immer enger. Immer mehr Serpentinen ließen wir hinter uns und immer mehr wurde mir bewußt, dass der Weg zurück sicher nicht besser werden würde. Über den zweiten Gang hinaus kam man selten, denn meist kam entweder jemand entgegen, oder eine 180-Grad-Kurve zwang uns die Geschwindigkeit zu reduzieren. So war ich dann auch gut durchgeschwitzt, als wir unseren nächsten Stopp  nach etwas über einer Stunde am Cruz de Tejeda erreicht hatten.

Gran_Canaria-03533.jpg Damit hatten wir mit 1490m den höchsten Punkt der Passstraße erreicht. Seinen Namen hat der Ort von dem steinernen Kreuz welches hier steht. Ansonsten gibt es neben einer schönen Aussicht nicht viel zu sehen, es sei denn, man mag die einem auflauernden Verkäufer mit ihren Waren. Mir war da die Möglichkeit eine Toilette aufzusuchen wesentlich wichtiger, denn die kurvige Bergfahrt hat die Verdauung doch schneller als sonst angeregt…

 

Unser nächstes Etappenziel lag gute 400m tiefer und nur wenige Kilometer entfernt. Knapp 20 Minuten voller Serpentinen und weiteres Kurven trennten uns zu diesem Zeitpunkt noch davon aber auch diese haben wir heil überstanden. Ziel war das kleine Bergdorf Tejeda in dem gerade die Mandelblüte eingesetzt hatte. Das Dorf liegt malerisch gelegen in einem kleinen Tal und vom Tourismus merkt man nicht sonderlich viel, vermutlich, da für Reisebusse auch nicht wirklich viel Platz ist.

Überragt wird das Dorf vom Roque de Bentaiga, einem 1412m hohen Felsen, welcher den Einheimischen früher heilig gewesen war und an dem man Opfergaben gebracht hatte. Rund um den Felsen sind einige Höhlen, von denen die größte die Königshöhle (Cueva del Rey) ist.

Gran Canaria wurde im Vergleich zur den anderen Inseln der Kanaren erst recht spät im 15. Jahrhundert erobert, als die Inseln Fuerteventura und El Hierro und Lanzarote längst eingenommen waren. Zu jener Zeit herrschten 2 Könige über die Insel – einer im Osten in Telde und einer im Westen in Galdar. In den Folgejahren erhielt Gran Canaria mehrfach berühmten Besuch von Christoph Kolumbus, der hier auf seinen Fahrten Halt machte. Heute sind die Kanaren in 2 Provinzen geteilt – die Provinz Gran Canaria und die Provinz Teneriffa.

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Den Weg zum Felsen haben wir heute nicht genommen und haben stattdessen einen kleinen Rundgang durch das 2000 Seelen Dorf gemacht.

Das hübsche Dorf ist sehr übersichtlich aber als gesamtes sehenswert. Die vielen kalkgeweißten Häuser bilden einen schönen Kontrast zu den schroffen Felsen. Unübersehbarer Mittelpunkt ist die Kirche im Dorf, in die wir auch einen kurzen Blick geworfen haben.

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Im Anschluss gaben unsere Mägen zu bedenken, dass sie nicht abgeneigt wären, einen Snack zu bekommen und da just ein paar Touristen mit Gebäck an uns vorbeigezogen waren, machten wir uns auf die Suche nach der Bäckerei, die hier irgendwo sein musste.

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Nach etwas Suchen hatten wir sie dann auch gefunden und es schien noch ein traditioneller Laden zu sein. Mit Touristen hat man anscheinend nicht allzu viel zu tun, denn die ältere Frau im Laden verstand im wahrsten Sinne des Wortes nur Spanisch. Mit Händen und Füßen konnten wir ihr dann doch noch verständlich machen, was wir wollten und sind  u.a. mit einem tollen großen Stück Baiser und zwei weiteren Gebäckstücken wieder rausmarschiert. So gestärkt war ich bereit für die nächsten Kurven.

Nahe des Roque de Bentaiga haben wir dann noch einen kurzen Fotostopp gemacht, sind aber schnell weiter, denn der blasende Wind hier machte einen längeren Aufenthalt fast unmöglich.

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Die Passstraße war nun nicht mehr so gesäumt mit Serpentinen, aber immer noch kurvig und sehr eng, so dass weiter höchste Konzentration angesagt war, um in einem Stück unser nächstes Ziel, den Roque Nublo, den wohl bekanntesten Felsen der Insel zu erreichen. Wir hatten Glück dort noch einen Parkplatz zu finden und sind dann ein wenig dem von Pinien gesäumten Weg gefolgt.

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Der Roque Nublo ist ein 80m hoher Felsen, der sich 1800m über dem Meer erhebt. Früher war er Teil der Oberfläche der Insel, die mitterweile durch Wind und Regel der Erosion erlegen ist und den Felsen zurückgelassen hat. Die insgesamt 4km lange Wanderung bis zum Fels hinauf haben wir dann aber doch nicht mehr gewagt.

Stattdessen haben wir kurz darauf die Passstraße verlassen und sind einer kleineren Straße nach Osten gefolgt, um dann etwas später als Aussichtspunkt Pozo de las Nieves (Schneebrunnen) anzukommen, der teilweise auch Pico de las Nieves (Schneekuppe) genannt wird . Es handelt sich dabei um den mit 1949m höchsten Berg der Insel, der zudem ziemlich genau in der Inselmitte liegt.

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Im Winter sind die Gipfel schneebedeckt und man sagt sich, dass früher das Eis in Schächten gelagert wurde uns so noch lange nach dem Winter in Las Palmas zur Kühlung in Krankenhäusern verwendet wurde. Vom Aussichtspunkt kann man bis nach Teneriffa blicken und auch der Blick auf den Roque Nublo ist ohne weiteres möglich.

Ein Stück weiter ist in der Nähe einer Radarstation ein weiterer Aussichtspunkt, der jedoch nicht so spektakulär ist.

Damit begann für uns auch die Rückfahrt und die führte zunächst auf einer recht guten Straße wieder in Richtung Cruz de Tejeda um dort dann aber nicht nach Osten in Richtung Las Palmas abzubiegen, sondern nach Norden in Richtung Teror, der alten Königshauptstadt des östlichen Reiches. Der Weg dorthin war wieder mehr als kurvig und führte uns Stück für Stück wieder hinab bis auf 540m. Insgesamt waren wir eine gute Stunde unterwegs, wobei wir noch zweimal wegen der schönen Aussicht gehalten haben. Das erste Mal hatten wir erneut einen Ausblick bis nach Teneriffa und beim zweiten Mal blickten wir bereits auf die Ebene nahe Teror mit Ausblick bis nach Las Palmas.

Teror liegt nur 20km von Las Palmas entfernt, ist das religiöse Zentrum der Insel und bietet darüber hinaus einen recht gut erhaltenen typisch kanarischen Ortskern. Direkt im Zentrum befindet sich die Basilika Nuestra Senora del Pino. An eben jener Stelle soll dem Bischof der Insel die Jungfrau Maria erschienen sein und so wurde später hier eine Kapelle errichtet. Die Kapelle wurde später durch einen größeren Bau ersetzt, von dem heute nur noch der Turm erhalten ist. Der Rest wurde bei einer Explosion zerstört und durch einen weiteren Neubau ersetzt. Innerhalb der Kirche steht die Statue der Virgen del Pino, der Schutzpatronin Gran Canarias.

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Ein Blick entlang der Hauptstraße zeigt ein tolles Ensemble alter Häuser mit den typischen kanarischen Holzbalkonen und kunstvoll verzierten Fassaden. Milly’s Magen hatte die Kurvenfahrt des Tages allerdings nicht allzu gut vertragen und so beließen wir es bei dem kurzen Spaziergang

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So sind wir schließlich heil nach einem langen Ausflug wieder in Las Palmas angekommen ohne Schaden am Auto und an uns, was die Hauptsache war. Daneben hatten wir eine tolle Tour durch eine beeindruckende Landschaft und malerische Dörfer. Unser Essen an diesem Tag hatten wir uns redlich verdient, was wir erneut im asiatischen Restaurant eingenommen hatten, nur heute hatte ich mir auch noch ein kleines Sushi zubereiten lassen.

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Kurz vor 8 Uhr sind wir dann aus dem Hafen von Las Palmas ausgelaufen und weitergefahren in Richtung Fuerteventura.

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Autor:Jens Koopmann