Dubai – Das New York Arabiens – Teil 5: Dubai Creek

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Nicht mehr viel erinnert an das alte Dubai. Umso mehr lohnt aber der Besuch der Viertel entlang des Dubai Creek.

Nach dem gestrigen ersten Tag an dem ich meine Spannung auf den Burj Khalifa schonmal befriedigen konnte, sollte es heute morgen in ein ganz anderes Dubai gehen. Mein Hotel liegt auf der Seite des Stadtteils Deira am Dubai Creek, der wirtschaftlichen Wasserlebensader der Stadt. Hier am Creek liegen vor dem Hotel viele traditionelle Schiffe, die zu Restaurants umgebaut wurden und am Abend bei Dunkelheit zu einer Fahrt auf dem Meeresarm einladen. Doch nur wenige hundert Meter weiter zeigt sich das Ufer von einer anderen Seite.

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Touristenschiffe findet man hier nicht mehr, stattdessen sind die hier liegenden traditionellen Holzschiffe echte Transportschiffe, die ihre Waren hier in Dubai ver- und entladen. In den meisten Fällen habe ich größere Elektrogeräte wie Kühlschränke und Geschirrspüler gesehen, aber praktisch wird alles verladen, was irgendwie auf diese Schiffe passt. Die Schiffe machen sich dann auf den Weg nach Indien oder Pakistan, was man den Schiffen angesichts ihrer Größe, Bauweise und Höhe der Ladung eigentlich gar nicht zutraut.

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Auch die Bürobauten am Ufer werden mit jedem Meter immer bescheidener, bis sie schließlich ganz verschwinden und plötzlich ist man quasi in einer anderen Stadt, einem Dubai, was mit der Glitzerwelt wenige Kilometer entfernt nur den Namen gemein hat.

Hier wurde ich auf einen Schlag in das alte Dubai versetzt, welches bis vor wenigen Jahrzehnten, teilweise bis vor wenigen Jahren noch typisch war. Kleine verwinkelte Straßen mit flacher Bebauung sind hier vorzutreffen. Dazu kommen viele Geschäfte, die vornehmlich Nüsse und Gewürze handeln, ein restaurierter Souk und auch ein paar restaurierte Gebäude.

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Unter diesen Gebäuden befindet sich eine Schule und das Wohnhaus eines Scheichs, der gleichzeitig Gründer der Schule war. Die Gebäude sind traditionell aus Korallenstein erbaut, welcher mit Lehm verbunden wird. Beide sind heute Museen und man kann sie kostenfrei besuchen. Da ich genügend Zeit hatte, habe ich auch den Blick hinein gewagt.

Das Wohnhaus ist ein fast quadratischer Bau mit einem großen Innenhof. Vom Innenhof gehen sämtliche Räume ab, bis auf die Gästezimmer, denn nur Familienmitgliedern war der Zutritt zum Hof gestattet. Im Innenhof fand früher das meiste Leben statt. Hier wurde gespielt, sich getroffen und hier wurden einige Tiere gehalten. Auch ein Salzwasserbrunnen befand sich hier. Das Salzwasser wurde für den Abwasch und vieles andere genutzt. Süßwasser musste dagegen von einem entfernteren Brunnen herangeschafft werden, weshalb es nur dann genutzt wurde, wenn es unumgänglich war.

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Im Museum sind die Räume so hergerichtet, wie sie in einem klassischen Wohnhaus des frühen 20. Jahrhunderts gewesen wären. Puppen veranschaulichen dabei sehr bildhaft das damalige Leben und machen es leichter verständlich. So gibt es den Wohnraum, das Zimmer der Braut, denn Waschraum, ein Spielzimmer und die Küche zu sehen. Küche und WC waren dabei traditionell so weit wie möglich entfernt von den Wohn- und Schlafräumen platziert, um Gerüche und Rauch fern zu halten.

Nach dem Wohnhaus bin ich auch noch kurz in die Schule gegangen, welche eine der ersten formalen Schulen in Dubai war. Zuvor fand Unterricht zumeist zu Hause statt und war beschränkt auf die Lehre des Koran, sowie Schreiben und Algebra.

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Beide Museen lohnen wirklich den Blick hinein und bieten ein wenig geschichtlichen Hintergrund in das Leben von Dubai, bevor der große Boom einsetzte.

Mit dem Weg hierhin hatte ich aber auch meinen Rückweg in Richtung des Hotels bereits wieder angetreten, nicht aber, ohne noch kurz durch den Gold-Souk zu gehen. Dubai und Gold sind heute untrennbar miteinander verbundene Begriffe und Dubai wirbt damit die „City of Gold“ zu sein. In der Tat reiht sich im Souk ein Juwelier/Goldschmied an den nächsten und die Menge des Goldes, welche ich hier gesehen habe übersteigt alle Vorstellungskraft. Allerdings ist Gold nicht wie oft behauptet wird, hier viel billiger. Gold hat einen Weltmarktpreis, der hier genauso gilt, wie in Deutschland. Einzig die handwerklichen Fähigkeiten zur Goldbearbeitung und Verzierung sind hier günstiger, was allerdings dadurch getrübt wird, dass der meiste Schmuck am arabischen/indischen Geschmack ausgerichtet ist und weniger am europäischen.

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Danach waren es dann nur noch wenige Minuten bis zum Hotel, wo ich mich vor der Nachmittagstour noch etwas ausgeruht habe. Insgesamt war der Spaziergang am heutigen Vormittag aber ein vielfältiges Kontrastprogramm zu dem was ich gestern von Dubai gesehen hatte.

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Autor:Jens Koopmann