Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 5: Auf nach Washington DC

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Unser Aufenthalt in New York war heute morgen zu Ende, und um dem Verkehr in der Rush Hour zu entgehen, sind wir bereits kurz vor 6 Uhr aufgestanden. Zunächst mussten wir mit all unserem Gepäck in die 77. Straße kommen, was in der engen U-Bahn gar nicht so einfach war und durchaus leicht den Schweiß auf die Stirn trieb, zumal selbst am frühen Morgen die U-Bahnstationen nicht gerade eine Oase der Frischluft waren. Ab der 72nd Street ging es dann wieder zu Fuß und mit frischer Luft weiter und wenig später waren wir bei Alamo angekommen. Die Anmietung war problemlos und so saßen wir kurz darauf in unserem kleinen Chrysler für die nächsten beiden Tage. Dann kam unser Tablet zu seinem großen Einsatz, denn mit seinem eingebauten GPS sollte es uns navigieren. Ich hatte dies noch nie ausprobiert und so war ich gespannt, ob es funktioniert. Wenn nicht, hätten wir den Weg irgendwie mit Gottes Hilfe finden müssen.

Es lief aber reibungslos und so waren wir schnell aus Manhattan raus und auf der Interstate in Richtung Washington D.C. Bis auf die kurzen Maut-Stops ging es auch zügig voran und so waren wir wie geplant um halb 12 an der Metrostation Largo Towncenter in der Nähe von Washington angekommen. Hier sollte das Auto stehenbleiben, denn wir wollten später noch zu Millys Tante, bei der wir heute Nacht schlafen und der Berufsverkehr in D.C. hätte uns nur unnötig aufgehalten, zumal Millys Tante in Maryland lebt, ganz in der Nähe von Largo.

Mit der U-Bahn ging es dann direkt bis ins Zentrum von Washington, wo wir an der Station Capitol South ausgestiegen sind. Nur wenige Meter von der Metro entfernt, standen wir dann auch schon direkt zwischen dem Capitol und dem Jefferson Building. Beide standen aber heute noch nicht auf dem Programm und so beließen wir es bei einem Fotostop.

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Die Temperaturen heute war fast schon unerträglich jenseits der 30 Grad angekommen. Unglücklicherweise sollten wir auch nicht allzu viel Schatten in den nächsten Stunden erhalten, denn unser Weg führte uns direkt entlang der National Mall vom Capitol bis hin zum Lincoln Memorial.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir zumindest aber endlich mal einen Platz gefunden, wo wir was zu trinken und eine Kleinigkeit essen konnten, denn ich hatte schon Durst wie ein Kamel mit sieben Höckern. Nachdem wir uns kurz gestärkt hatten, sind wir dann in Richtung des Washington Monument gelaufen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Air und Space Museum und weiteren Museen der Smithsonian Institution vorbei. Diese Organisation wird komplett von ihren Spendern und Mitgliedern finanziert und so sind ihre Museum frei zugänglich. Ich hatte mir 2007 das Air und Space Museum angeschaut und auch heute haben wir hier einen kurzen Blick reinrisikiert, denn für mehr war leider nicht die Zeit. Auf der anderen Seite war der klimatisierte Raum eine willkommene Abwechslung zu der Hitze draußen und bot eine saubere Toilette 😉

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Neben den Museen gibt es auch noch das Smithsonian Castle zu sehen, welches die Verwaltung der Organisation ist und gleichzeitig das älteste Gebäude an der National Mall.

Danach kamen wir zum bekannten Obelisken, dem Washington Monument, welcher zu Ehren des 1. Präsidenten der USA und dem Namensvater der Stadt errichtet wurde. Mit 169m Höhe ist er einer der größten Obelisken weltweit und seine Errichtung dauerte über 50 Jahre vom Beschluss bis zur Fertigstellung. Der Grund hierfür ist recht einfach: in diese 50 Jahre fällt auch der amerikanische Bürgerkrieg und danach war schlichtweg kein Geld mehr da.

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Von hier ging es weiter zum World War II Memorial, welches den hunderttausenden gefallenen Amerikanern in diesem Krieg gedenkt. Im Gegensatz zum Washington Memorial ist dieses hier aber noch sehr neu und wurde erst 2004 eröffnet.

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Von hier ging es dann zum wohl bekanntesten Monument in Washington, abgesehen vom Washington Monument – dem Lincoln Memorial. Das Lincoln Memorial befindet sich in einer Linie mit dem Capitol, dem Washington Monument und dem World War II Memorial. Mit letzterem ist es auch durch ein Wasserbasin verbunden.

Die Planungen für dieses Memorial begannen bereits zwei Jahre nach dem Tod Abraham Lincolns, der 1865 durch einen Anschlag ums Leben kam. Lincoln wurde nur 56 Jahre alt, war aber ergeizig und intelligent genug, um in diesem kurzen Leben ein Studium des Rechts abzuschließen und Präsident der USA zu werden. 1860 wurde er für seine erste Amtszeit nominiert und 1861 dann, obwohl Außenseiter, gewählt.

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Lincoln vertrat von Beginn an die Ansicht, dass die vorherrschende Sklaverei in den USA nicht mit den Grundsätzen des Landes, welches die Freiheit und Gleichheit aller Menschen vorsahen, vereinbar ist. Er plante daher die Sklaverei durch den 13. Verfassungszusatz abzuschaffen. Dieser Plan war letztlich Auslöser für den Amerikanischen Bürgerkrieg, der das Land vier Jahre lang spalten sollte, denn der Süden konnte auf die Sklaven in der Baumwollwirtschaft nicht einfach so verzichten.Trotzdem trat das Gesetz 1865 in Kraft und beendete somit das Kapitel Sklaverei in den USA für immer, auch wenn es mit der Gleichberechtigung der Schwarzen noch fast 100 Jahre dauern sollte.

Obwohl die Planungen für das Lincoln Memorial schon 1867 begannen, zögerte sich der Bau bis zur Fertigstellung 1922 hinaus. Entstanden ist ein Tempel nach römischer/griechischer Tradition, in dem Lincoln übergroß auf einem Stuhl thront. Zu seiner linken in dem Seitenraum ist Lincolns Gettysburg Adress zu lesen und zu seiner Rechten die Amtsantrittsrede 1865. In beiden versuchte er, dass Land zu vereinen.

Zum Tempel hoch führen übrigens genau 56 Stufen, die für Lincolns Alter stehen, während der Tempel von 36 Säulen getragen wird, welche die 36 Bundesstaaten zur Zeit Lincolns darstellen.

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Nach der Hitze auf dem Weg hierhin und dem Weg die Stufen hinauf, nutzen wir den Schatten im Tempel auch für einen kleine Verschnaufpause, denn die Hitze setzte uns beiden wirklich zu. So kam ich diesmal auch dazu beide Reden Lincolns vollständig zu lesen. In meinen Augen ist dieser Präsident einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste der USA gewesen, denn er legte den Grundstein für die heutige amerikanische Gesellschaft, in der viele Nationen und Hautfarben gemeinsam leben. Auch steht er für eine Art Politiker, der noch wirklich für eine Sache einsteht, auch wenn es für ihn selbst gefährlich ist. Alles Eigenschaften, die so manchem heute gut stehen würden…

Als wir vom Tempel wieder herunter gegangen sind, kamen wir auch noch an der Stelle vorbei, wo 1963 Martin Luther King jr. seine berühmte Rede hielt, in der die Worte ¨I have a Dream¨ fielen. King hatte sich diesen Ort sicher auch bewusst ausgesucht, war es doch dieser Präsident, der den Sklaven zumindest die Freiheit gab und es gab genug Grund in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts festzustellen, dass sich seit Lincoln nicht mehr viel für die Schwarzen getan hatte.

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Danach ging es dann, vorbei an der Gedenkstätte für den Vietnamkrieg, langsam auf den Rückweg, nicht aber ohne einen Abstecher zum Weißen Haus zu machen, auch wenn wir beide kaum noch einen Schritt in der Hitze machen wollten und ich mir bereits einen guten Sonnenbrand eingefangen hatte.

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Das Weiße Haus ist der Sitz der US-Präsidenten, allerdings erst seit dem zweiten Präsidenten. Washington wurde noch in New York vereidigt und kurz darauf siedelte man bis zur Fertigstellung der Bauten nach Philadelphia um. Washington erlebte zwar noch den Baubeginn der nach ihm benannten dritten Hauptstadt der USA, als Präsident kam er jedoch nie hierher. 1800 wurde das Weiße Haus fertiggestellt und John Adams konnte das letzte Jahr als Präsident bereits dort verbringen, bevor sein Nachfolger Thomas Jefferson einzog.

Zu Beginn war das Weiße Haus allerdings noch nicht weiß und hatte folglich auch noch nicht diesen Namen. Erst nachdem die Briten 1814 das Gebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt hatten, bekam das Gebäude beim Wiederaufbau seinen weißen Anstrich.

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Die bekannte Ansicht des Weißen Hauses ist allerdings nicht seine Front, sondern die Rückseite des Hauses. Wir sind einmal um das Gebäude herumgelaufen, denn trotz seiner kenianischen Wurzeln, hatte Obama leider keine Zeit für einen Kaffee (ganz im Gegensatz zu seiner Oma, welche wir ja 2011 in Kenia getroffen hatten).

Da wir wirklich fix und fertig waren, ging es dann schnell zur U-Bahn und von dort wieder nach Largo aus der Stadt hinaus. Von hier waren es dann noch gut 20min Fahrt, bis wir beim Haus von Millys Tante ankamen. Obwohl die beiden sich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hatten, wurden wir mehr als herzlich empfangen und hatten dann noch einen langen Abend mit einem leckeren Abendessen. Während der ganzen Zeit wurden Geschichten aus Kenia ausgetauscht und auch wir konnten ein wenig über unser Leben in Good Old Germany berichten.

Gegen Mitternacht waren dann aber alle Energien aufgebraucht und wir sind wieder wie ein Stein ins Bett gefallen. Immerhin hatte alles geklappt: die Übernahme des Mietwagen, die Fahrt von Manhattan nach Washington, der schöne Spaziergang und der Besuch bei Millys Tante.

Morgen soll wieder ein so heißer Tag werden, allerdings haben wir auch nicht mehr viel geplant, außer einer Führung durch das Kapitol.

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Autor:Jens Koopmann