Reisebericht Kenia 2014 – Teil 12: Dorf- und Nachtleben an der Küste Kenias

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Samstag, 06.12.2014 – Dorf- und Nachtleben an der Küste Kenias

Und schon ist wieder ein neuer Tag in Kenia angebrochen und wie die vergangenen so verspricht auch dieser ein sonniger und (zu) warmer Tag zu werden. Doch als ich heute um 5:50 Uhr aufgestanden bin, waren die Temperaturen noch sehr erträglich. Zu meinem Erstaunen war ich nicht der Erste, der auf den Beinen war. Nein, Milly war erwartungsgemäß noch im Tiefschlaf für fast eine Stunde, aber andere Hotelgäste hatten bereits den Weg an den Pool oder Strand gefunden.

Ich hatte heute Morgen den Wecker etwas früher gestellt, da wir wegen unserem Ausflug zeitig aufstehen mussten und ich wenigstens einmal den Sonnenaufgang fotografieren wollte. Leider war direkt am Horizont eine Wolkenschicht, so dass der eigentliche Sonnenaufgang nicht wirklich zu sehen war, allerdings war die Stimmung dennoch schön mit dem in rot und violett getauchten Himmel und den Sonnenstrahlen, welche zeitweise hinter den Wolken hervorkamen.

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Im Anschluss habe ich noch die Vögel die hier in der Anlage sind beobachtet, bevor ich zurück zu Milly bin, die zwischenzeitlich auch aufgestanden und fertig für das Frühstück war.

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Nach dem Frühstück ging es dann los auf unseren Ausflug. Während es am Nachmittag in das nahegelegene Reservat Shimba Hills gehen sollte, stand der heutige Vormittag im Zeichen von Land und Leute.

Dazu sind wir nach Mwamanga gefahren, einem kleinen Dorf ca. 1km von Ukunda entfernt, welches seinerseits rund 10min mit dem Auto von unserem Hotel in Diani Beach entfernt ist. In dem Dorf leben rund 1500 Menschen, vor allem Leute vom Stamm der Digo, die hier an der Küste heimisch sind.

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Die Digo sind ein Bantu-Stamm und wie die meisten der Bewohner der Küste, sind die Digo auch vom Glauben islamisch, im Gegensatz zum zentralen, westlichen und südlichen Kenia, wo das Christentum die vorherrschende Religion ist.

Schon als wir im Dorf ankamen, haben die Kinder der Familien unser Auto beobachtet und geschaut, wo wir schließlich anhalten würden, um dann zu kommen und sich das zu holen, was Kinder am liebsten mögen, und was sie hier unweigerlich mit dem Besuch von Weißen verbinden: Süßigkeiten. Immerhin waren wir vorbereitet und hatten Bonbons bereits mitgebracht, die aber nach kurzer Zeit schon erschöpft waren, so das wir im Dorfladen dringend noch Nachschub besorgen mussten.

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Unterdessen schien es so, als würden die Kinder immer mehr werden und es fiel uns immer schwerer, den Überblick zu behalten, wer schon etwas bekommen hatte und wer nicht.

Leider wurden auch nicht nur die Kinder immer zahlreicher, sondern auch die Temperaturen stiegen unerbitterlich, so dass Milly und mir der Schweiß nur so lief und wir für jeden noch so kleinen Schatten dankbar waren.

Das Leben hier auf dem Dorf ist – verglichen mit unseren Maßstäben – natürlich eher primitiv, aber alles war trotzdem doch aus seine Art schön. Die Häuser bestehen, wie schon damals als wir das Dorf Mwazaro besucht hatten, aus einem dünnen Gerüst aus Holz, dessen Zwischenräume mit Lehm verfüllt sind. Das Dach besteht aus den Blättern der Palmen und im Gegensatz zum Haus muss das Dach jedes Jahr erneuert oder ausgebessert werden, denn würde es undicht werden, würde Regen den Lehm angreifen und damit das Haus zerstören.

Die Häuser verfügen in der Regel über verschiedene Schlafräume, für den Mann, die Frau und die Kinder. Manche haben zudem einen Kochplatz oder eine Nische für die Ziegen, aber ein Bad sucht man vergebens. Das Bad ist vielmehr ein Palmenverschlag außerhalb des Hauses, wohin man sich mit einem Bottich Wasser verzieht, um sich dann zu duschen (oder was man hier so nennt).

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Wir waren mittlerweile auch nicht mehr mit unserem Guide allein, denn wir hatten zwei weitere Männer im Schlepptau. Diese hatten zunächst nach unserem Namen gefragt und waren uns dann stetig gefolgt. Wir fragten uns beide, was die beiden wohl wollten und sollten unsere Antwort bei einem Stopp zum Ausruhen in der Buschbar bekommen. Im Gehen haben die beiden auf die Schnelle jeweils ein Armband mit jedem unserer Namen gemacht und wollten und dieses nun für 1 EUR verkaufen. Wir selbst hatten aber nicht wirklich Verwendung dafür uns so baten wir sie, stattdessen doch lieber 2 Armbänder mit den Namen der Kinder von Millys Schwester zu machen. Diese haben wir dann als Geschenk mitgenommen.

Während des Spaziergangs durch das Dorf zeigte uns der Guide auch diverse Pflanzen, wie Mangos, Limetten, Orangen, Zitronengrasbaum und auch Casava, eine lange bräunliche und innen weiße Frucht/Gemüse, die eine der Einkommensquellen der Digo ist (am ehesten vielleicht mit Rettich oder Kohlrabi zu vergleichen, aber schwer zu beschreiben).

Mit den Dorfbewohnern leben auch viele Tiere hier, angefangen bei Hunden und Katzen, bis zu Hühnern und Ziegen. So ziemlich jeder scheint ein paar Tiere sein eigen zu nennen.

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Schließlich waren wir beim Dorfplatz angekommen, wo wir kurz darauf eine Tanzvorstellung sehen sollten. Zuvor aber, waren wir bei zwei Männern, welche ein Werkzeug herstellen, was wir ein Bogen aussieht, aber einem ganz anderen Zweck dient. Aus einem Zweig wird ein Bogen gespannt. Am einen Ende des Bogens wird die hohle Hälfte der Frucht von einem Baobab-Baum befestigt und diese wiederrum mit einem Band mit dem anderen Ende des Zweiges verbunden und der Zweig somit unter Spannung gesetzt. Doch wozu das Ganze? Wir konnten es uns nicht erklären, bekamen aber gleich die Auflösung. Das merkwürdige Gerät ist eine Mausefalle. Das Band wird im Inneren gespannt und dann ein Maisköder in der Fruchthülse platziert. Geht die Maus nun hinein, um den Mais zu stehlen, zieht sich das Seil zu einer Schlinge zusammen und aus die Maus.

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Zwar gibt es hier auch die Katzen, die fangen aber mehr die Mäuse im Haus, während die Fallen auf den Maisfeldern ausgelegt werden. Die gefangenen Mäuse werden dann an das nahe gelegene Schlangenzentrum als Futter für die Schlangen verkauft.

Während wir dies beobachteten, sahen wir etwas entfernt ein Feuer. Was zum Teufel will jemand bei dieser schon unerträglichen Hitze noch mit einem Feuer??? Dieses war aber nicht zum Wärmen gedacht oder zum Kochen, sondern diente den Musikern, die gleich für uns spielen/trommeln sollten, um ihre Trommeln zu erwärmen und so zu stimmen, damit sie einen guten Klang haben.

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Auf dem Platz stand auch noch ein besonderer Baum, ein Baumwollbaum. Dieser produziert, ähnlich wir ein Baumwollstrauch eine Art Wolle, doch hier muss niemand auf den Baum klettern, um die Wolle zu ernten, denn wenn sie „reif“ ist, fällt sie ganz von allein nach unten.

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Die nächste „Attraktion“ war dann eine Vorstellung traditioneller Tänze. Drei Trommler gaben einen treibenden Rhythmus vor, zu dem 3 Frauen und drei Männer tanzten und weitere Frauen aus dem Dorf sangen. Die Männer hatten zudem noch kleine Glocken an den Füßen, welche das Treiben noch weiter unterstützten. Es war eine recht energiegeladene Vorstellung und insbesondere die Männer haben sich echt verausgabt beim Tanz.

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Natürlich dufte auch das Unvermeidliche nicht fehlen: am Ende sollten auch wir noch mit Tanzen. Meine Begeisterung hielt sich zwar in Grenzen, aber wehren hilft hier nicht.

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Am Ende aber ein schönes Erlebnis!

Nach dem Tanz und einen kleinen Trinkgeld für die Tänzer sollten dann die Kinder dran sein, die sich rund um den Platz versammelt hatten, um „Sweets“ vom „Mzungo“ und seiner Frau zu erhalten. Doch das Verteilen der Süßigkeiten wurde fast zum Tumult, da die Kinder anstatt sitzen zu bleiben bis wir kamen, irgendwann alle um uns herumsprangen und was haben wollten, so dass wir keine Chance hatten, zu erkennen, wer schon was hatte und wer nicht, so dass einige sicher 2 oder 3 mal abgesahnt haben, während das eine oder andere Kind sicher auch leer ausgingen. Insbesondere Milly konnte sich z.T. kaum noch vor den Kindern retten.

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Um uns etwas zu erholen von dem Tumult soeben, ging es zu einem Mann etwas abseits, der uns zeigen sollte, wie er auf eine Kokospalme klettern kann. Er hatte dies dann in solcher Geschwindigkeit getan, dass es schon beeindruckend war – ich würde in der gleichen Zeit immer noch wie ein nasser Sack unten am Stamm hängen. Im Anschluss hatte er noch für jeden von uns eine junge Kokosnuss geöffnet, so dass wir den nahhaften Saft daraus trinken konnten. Solang die Kokosnuss noch nicht reif ist, ist auch das Fruchtfleisch noch nicht fest und das Innere noch flüssig. Der Saft ist leicht süßlich und hat noch nicht so viel gemein mit dem Kokosgeschmack wie wir ihn kennen. Für die Leute hier ist es aber z.T. ein Ersatz für eine ganze Mahlzeit.

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Schließlich sind wir weitergegangen zu Schule und kamen auf dem Weg dorthin an der Koranschule vorbei. Während die Kinder gerade Schulferien hatten, war die Koranschule gerade voll. Das Dorf verfügt sowohl über eine Grundschule als auch über eine Sekundarschule. Die Grundschule dauert 8 Jahre und danach gehen viele der Kinder bereits ab. Für die restlichen beginnen danach 4 Jahre Sekundarschule und wer dann noch studiert, kann dies für 4 weitere Jahre tun.

Die Grundschule ist ein recht großer Komplex und die Schulräume sind mit dem wenigen was zur Verfügung steht schön eingerichtet. Viele der Schulbänke haben auch Inschriften mit den Namen derjenigen, die sie gespendet haben. Darunter waren auch viele deutsche Namen zu finden. Selbst ein ganzes Gebäude wurde von deutschen Touristen gespendet. Insofern profitiert die lokale Bevölkerung auch ein wenig von den Reisenden und den Touren, die in den Dörfern stattfinden, da sie diese Unterstützung wohl sonst nicht finden würden.

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Weiter ging es dann mit etwas kulinarischem – mit Kokoswein. Dieser wird aus den jungen Kokosnüssen gewonnen, und früh am Morgen abgefüllt, muss aber dann auch noch am gleichen Tag getrunken werden. Es ist quasi eine Art Federweißer. Man macht ein Glas voll und trinkt durch einen Filter. Zuvor muss aber ein kleiner Schluck auf den Boden gekippt werden – der Anteil für die Toten.

Wir haben zwar beide den Kokoswein probiert, aber keiner von uns konnte ihm was abgewinnen und somit hatten wir die Gläser auch nicht leeren können. Der Geschmack ist eine Mischung zwischen säuerlich, süßlich und vorgorenem – jedenfalls nichts, was wir mit Wein verbinden würden. Unser Guide hat dagegen 2 Gläser im Nu weggetrunken, ebenso wie eine Frau aus dem Dorf. Wir mussten uns also keine Sorgen machen, dass die Flasche nicht leer werden würde…

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Nachdem wir uns nochmal kurz in einer Cafeteria ausgeruht hatten, ging es dann zurück zum Auto und zum anschließenden Mittagessen, welches an einem angenehm schattigen Platz in Diani stattfand. Es gab Hähnchen mit Pommes, was an sich ganz lecker war, auch wenn das Hähnchen etwas zu sehr zu Tode frittiert war.

Nach dem Mittagessen ging es am Nachmittag dann nach Shimba Hills, einem Naturreservat nur 30km entfernt, wo es lt. unserem Reiseführer und der Tourbeschreibung auch viele Tiere zu sehen gibt.

Doch um es kurz zu machen, diesen Teil der Tour hätten wir uns echt sparen können, denn bis auf ein paar schöne Ausblicke, ein paar Antilopen, Warzenschweine und drei Giraffen gab es nicht wirklich etwas zu sehen. Es gibt mit den Sheldrick Falls zwar einen schönen Wasserfall hier, doch der Weg dorthin führt zunächst 2km steil bergab und später folglich wieder bergauf – etwas, was bei der Hitze heute nicht anzuraten war.

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Unser Fahrer meinte, dass es früher mehr Wildtiere hier zu sehen gab, doch seitdem die Chinesen in das Land kommen, sei es damit vorbei. Wir wissen natürlich nicht, ob die Chinesen für den Tod der Wildtiere verantwortlich sind, Fakt ist aber, dass ein Großteil z.B. der Elefantenzähne von Wilderern ein Ziel in Fernost haben und die chinesische Präsenz bei vielen Bauprojekten war uns schon während der Überlandfahrten auf der Safari aufgefallen.

Insgesamt war der Tag damit zweigeteilt. Der Vormittag war zwar unerträglich warm, aber der Besuch im Mwamanga war wirklich interessant. Shimba Hills hätten wir uns dagegen eher sparen sollen.

Am Abend wollte Milly dann auch noch in die Disko Shakatak. Ich bin bekanntlich kein großer Freund von Diskos, aber diesmal hatte ich keine Chance mich zu drücken, also sind wir nach dem Abendessen um halb 11 losgefahren. Als wir kamen, war es noch recht leer, aber mit der Zeit füllte es sich und nicht nur die Luft wurde immer heißer. Es war der Treffpunkt der einsamen Herzen, eine exzessive Fleischschau und das alles zu treibender afrikanischer und europäischer Musik. Der Mix war allerding recht gut und so haben sich Einheimische und Touristen gut vermischt, auch wenn später die Afrikaner deutlich dominanter waren (die älteren deutschen Herren war wohl zu der Zeit schon müde). Auch in Bezug auf das Rhythmusgefühl hatten die Afrikaner eindeutig die Nase vorn. Insofern war es auch für mich wider Erwarten noch ein schöner Abend gewesen und wir sind beide gegen 4 Uhr müde ins Bett gefallen. Gottseidank haben wir jetzt noch 2 Tage Erholung.

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Autor:Jens Koopmann