Eine Kreuzfahrt durch Asien – Tag 7 und 8: Land und Leute in Hoi An

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Freitag, 20.03.2015

Kurz nach 8 Uhr am Morgen ging es heute los mit unserer Tour von Chan May, wo das Schiff angelegt hatte, nach Hoi An. Chan May liegt in Zentral-Vietnam, ist aber alles andere, als ein sehenswerter Hafen. Es ist eine kleine Industrieanlegestelle mit nicht wirklich viel Infrastruktur um sie herum und auch nicht sonderlich viel Sehenswertem in direkter Umgebung. Es ist aber der einzige Hafen der Gegend, den ein Schiff wie die Millenium anlaufen kann und so ist bei allen Ausflügen von hier auch immer mit etwas Fahrerei zu rechnen, folglich also auch bei unserem Ausflug heute.

Nachdem wir alle unseren recht komfortablen Bus bestiegen hatten, ging es zunächst durch eine recht malerische Landschaft entlang von Buchten, Reisfeldern und den umliegenden Bergen. Die Landschaft hier war wesentlich schöner als auf der Red River Delta Tour vor 2 Tagen und so vergingen die 1,5h bis zu unserem ersten Stopp recht schnell zumal unser Guide uns auch fast ununterbrochen Informationen zu allen möglichen Themen gegeben hatte.

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Auch dem Weg sind wir auch an der größeren Hafenstadt Danang vorbeigekommen. Dies ist eine moderne Großstadt, welche an einer langen Bucht mit einem schönen Sandstrand liegt. Vieles ist allerdings erst in den vergangenen 2 Jahrzehnten entstanden, in denen sich Vietnam mehr und mehr zu einem beliebten Touristenziel entwickelt hat.

In der Regel hat dazu die Regierung den lokalen Bauern/Bewohnern das Land, welches sie an der Küste besaßen abgekauft zu einem Preis, der es ihnen erlaubte ein klein wenig Landeinwärts ein größeres Stück Land zu kaufen und dort ein schöneres Haus zu errichten.

Die Landstreifen sind in der Regel 4-5m breit, oder eher gesagt schmal und reichen rund 20-30m in die Tiefe. Dementsprechend sind auch die Häuser gebaut: lang und schmal. Die meisten Häuser haben zudem keine Fenster an der Seite, denn das nächste Haus ist ja nur wenige Meter oder Zentimeter entfernt, so dass ein Fenster, sobald das nächste Haus gebaut wird, nicht mehr zu öffnen wäre. Lichtdurchflutete Räume gehören folglich nicht zum Wohnideal dieses Landes. Auf der anderen Seite bleiben so die Räume im Sommer auch länger kühl, als wenn man – wie hier üblich – eine Einfachverglasung als Fenster nutzen würde.

Ansonsten ist Danang eine recht geschäftige Stadt, die in Teilen sehr modern ist. Manchmal ist es aber auch sehr schön gelungen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden, wie es bei der Drachenbrücke geschehen ist, welche sich über den hiesigen Fluss spannt.

Nach Danang ging es dann zum ersten Tagesziel, einer Farm in einem kleinen Dorf, von wo aus wir eine Radtour unternommen haben. Es waren mittlerweile weit über 30 Grad draußen, aber gottseidank ist der gestern noch angekündigte Regen ausgeblieben. Stattdessen brannte die Sonne unermüdlich auf uns hernieder und damit die Befürchtung, sich einen Sonnenbrand einzuholen größer geworden.

Nach einem kurzen Ingwer-Erfrischungsgetränk ging es auch schon auf die Räder und ab durch die kleinen Gassen des Dorfes, welches durchzogen ist von Reisfeldern, Shrimpfarmen und kleinen Teichen in denen gefischt wird.

Obwohl Vietnam kein wirklich reiches Land ist, so darf man es nicht mit Entwicklungsländern wie in Afrika gleichsetzen. Es ist ein Land, welches auf dem Sprung von der Tradition in die Moderne ist. Arme Menschen (im Sinne von am Rande des Überlebens) haben wir kaum bzw. gar nicht gesehen. Die Leute leben in einfachen aber auskömmlichen Verhältnissen und ihre Häuser und Gärten sind schön gestaltet.

Die Haupteinnahmequelle hier im zentralen Vietnam ist immer noch die Landwirtschaft und hier natürlich insbesondere der Reisanbau. Im Gegensatz zu anderen Gegenden ist eine Ernte hier aber nur zweimal im Jahr möglich, da es den Rest der Zeit entweder zu kalt oder aber zu nass ist.

Einen kurzen Halt haben wir bei einem Tempel gemacht, was einerseits schön war eine kurze Pause zu haben, aber auch die leichte Brise verebben ließ, die sich während des Radfahrens immerhin noch bot. Folglich strömte der Schweiss innerhalb von Sekunden nur noch so, als gäbe es kein Halten mehr.

Der Tempel ist bereits einige Hundert Jahre alt und wird gerade restauriert. Gleich am Eingang gab es eine Reihe von Buddha Statuen, wobei in der Mitte ein großer lachender Buddha steht. Er wird Happy Buddha genannt und hält eine Goldkugel in der Hand. Er gilt als Glücksbringer, ist aber eigentlich nicht „der“ Buddha, auch wenn er hier viel angebetet wird und ihm Opfergaben gebracht werden. Diese Rituale stammen aber eher aus einer Zeit vor dem Buddhismus, wo man den Göttern Opfergaben gebracht und sie angebetet hat, um Glück zu haben.

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Der „echte“ Buddha steht in der Pagoda selbst, wobei auch er nicht allein ist, sondern von zwei Buddhas umgeben wird. Diese stehen für den vergangenen Buddha und den künftigen Buddha, denn im Buddhismus herrscht der Glaube, dass alle rund 5000 Jahre ein neuer Buddha erwächst, der seine Lehren verbreitet. Der aktuelle Buddha wurde vor rund 2500 Jahren geboren, d.h. wir alle werden den nächsten Buddha wohl nicht mehr erleben.

Neben diesen lehrenden Buddhas spricht man davon, dass es weitere 10.000 Buddhas gibt, Menschen, welche erwacht/erleuchtet sind, aber keine Lehre verbreiten – sogenannte stille Buddhas.

Der Tempel selbst ist sehr schön mit seiner Anlage, aber längst nicht so prachtvoll wie andere, die wir in den letzten Tagen schon gesehen hatten, sondern eher schlichter und damit auch passender für die ländliche Umgebung.

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Nach dem kurzen Stopp ging es zurück auf die Räder und weiter durch die Dorflandschaft, womit auch endlich der leichte Luftzug beim Fahren wieder da war. Es gab nichts Spezielles, was man hervorheben könnte, aber dennoch war es eine tolle Erfahrung zu sehen, wie die Menschen hier leben – Land und Leute Tour, so wie man sie sich vorstellt. Wir waren auch nicht die einzigen Radfahrer hier, denn insbesondere die Kinder kamen uns zahlreich mit ihren Rädern entgegen.

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Zum Ende der Tour kamen wir dann an Fischerbooten vorbei, bevor wir noch ein kurzes Stück der Straße folgen mussten, um zurück zum Bus zu kommen. Auf der Straße wurde aber gerade noch eine Ziegenherde vor uns hergetrieben, so dass es eine ziemlich chaotische Situation war mit den Mofas, Autos, den Ziegen und unseren Fahrrädern. Aber auch Gelegenheit für ein paar Fotos, für die eine Hand am Lenker blieb, die zweite die Kamera hielt und ich mit dem Kinn versucht habe, den Zoomring zu bewegen – alle genauso abenteuerlich, wie die Situation, die ich fotografieren wollte.

Damit war dieser Teil unseres Ausflugs aber auch schon wieder vorüber. Trotz der Hitze war die kleine Tour nicht zu anstrengend oder lang und bot doch einen Einblick in das ländliche Leben, den ein Spaziergang und so nicht hätte bieten können.

Von hier waren es dann nur noch wenige Minuten bis nach Hoi An. Hier war der erste Halt ein Ansammlung von Handwerkershops. Im Normalfall eine recht langweilige Verkaufsveranstaltung, aber einerseits war es nicht allzu lang und zum anderen waren hier Damen, welche Bilder bzw. besser gesagt echte Kunstwerke gestickt haben. Die Motive die sie kreiert haben sehen fast wie Fotos aus und sind von einer beeindruckenden Detailtiefe. Bei Portraits konnte man sogar einzelne Haare erkennen. Dies alles wird nur auf Basis einer Fotovorlage erstellt und eine Frau sitzt bis zu 3 Monate, um ein solches Kunstwerk zu erstellen. Entsprechend erklären sich auch die Preise, die zwischen 500 und 800 USD lagen. Wir hatten aber beide heute unsere Portemonnaies vergessen, so dass keine Gefahr bestand, Geld auszugeben…

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Neben den Bildern gab es noch Kleidung, Holz-Lampignons und Schnitzarbeiten zu kaufen. Alles sehr schön aber längst nicht so beeindruckend, wie die Stickereibilder.

Im Anschluss ging es dann aber wirklich in die Altstadt von Hoi An, welche im Vietnamkrieg fast unversehrt blieb und so heute ein noch komplett erhaltenes altes Stadtbild bietet, was auch zur Aufnahme in die Liste der Unesco Weltkulturerbestätten geführt hat.

Wir sind zunächst durch das japanische Viertel der Stadt gelaufen bis wir zur Japanischen Brücke kamen. Diese überdachte Brücke ist die Hauptattraktion der Stadt. Sie ist vermutlich im 16. Jahrhundert erbaut worden, genau weiss man es aber nicht. Früher haben Japaner und Chinesen hier in der gleichen Stadt, jedoch auf verschiedenen Seiten des Flusses gelebt. Hoi An bedeutet daher auch soviel wie „Friedlich gemeinsam leben“.

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Auf der Brücke befindet sich ein chinesischer Tempel. Dieser Tempel ist einem alten chinesischen General aus dem Norden gewidmet. Dies ist typisch für die chinesische Kultur, das berühmte Persönlichkeiten zu Göttern erhoben und ihnen Tempel gewidmet werden. Dies ist auch der Unterschied eines Tempels zu einer Pagoda. Ein Tempel ist immer einer Persönlichkeit gewidmet, während eine Pagoda ein Ort des Betens ist.

An beiden Enden der Brücke stehen jeweils zwei Figuren. An einem Ende sind es zwei Hunde und am anderen sind es zwei Affen, die den Eingang bewachen.

Danach sind wir weitergegangen durch das chinesische Viertel bis zu einer Pagoda. Alles in Hoi An war noch bunt geschmückt vom kürzlichen Neujahrsfest, denn bis heute feiert man in Vietnam noch das chinesische Neujahr, auch wenn die Chinesen schon lang das Land verlassen haben und seitdem Vietnam seine eigene Kultur entwickelt hat.

Die Stadt war heute recht voll mit Touristen. Zum einen kamen sie von unserem Schiff, aber auch sonst scheinen einige Gruppen die Stadt als Ziel für heute erkoren zu haben. Insofern war es recht wuselig und wir mussten aufpassen, unseren Guide nicht zu verlieren.

Die Pagoda war sehr schön und bunt, so wie man die chinesische Kultur gemeinhin erwartet. Interessant für mich waren die Spiralen an der Decke. In Hong Kong hatte ich diese auch schon gesehen, aber nicht realisiert, dass es sich um Räucherstäbchen handelt, welche langsam abbrannten. In der Mitte jeder Spirale hängt dabei ein auf Papier geschriebener Wunsch oder eine Bitte. Für eine Spirale braucht es rund 1-2 Monate zum Abbrennen.

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Interessant war auch zu sehen, dass es hier in diesem Tempel auch viele Singvögel in Käfigen gab, wie wir sie auf dem Vogelmarkt in Hong Kong schon gesehen hatten.

Nach dem Tempel ging es weiter zum letzten Punkt des Rundgangs, einem original erhaltenen chinesischen Haus aus dem 18. Jahrhundert. Die typischen Häuser hier reichten oft von einer Straße bis zur nächsten und während an einer Seite meist ein Geschäft war, war auf der anderen Seite teilweise etwas ganz anderes. Ebenfalls typisch ist der offene Innenhof. Dieser lässt zwar einerseits die Luft zirkulieren, führt aber auch zum ungehinderten Eindringen des Regens zur Regenzeit. Während dieser Zeiten steht die halbe Stadt unter Wasser und die Fortbewegung erfolgt ausschließlich auf Booten. In extremen Jahren stieg das Wasser des Flusses bis zum ersten Stock der Gebäude an. Aus diesem Grund mussten für den Bau der Häuser sehr widerstandsfähige Hölzer genutzt werden, die über lange Zeit diesen Bedingungen standhalten konnten.

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Nach dem Rundgang blieb uns eine halbe Stunde Zeit, um die kleine, kompakte Altstadt noch etwas auf eigene Faust zu erkunden. Das komischste was uns dabei untergekommen war, ist Schlangenwein. Dies war ein Getränk in dessen Flasche sich tatsächlich eine Schlange und manchmal auch noch ein Skorpion befand.

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Auf dem Rückweg sind wir am Fluss entlang gelaufen, wo auch viele Boote lagen, die Touristen eine Rundfahrt anboten, was wir aber in der verbleibenden Zeit nicht mehr geschafft hatten weshalb wir zu unserem Guide zurückgekehrt sind.

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Schließlich sind wir wieder ein kleines Stück mit dem Bus gefahren, bis wir bei unserem Restaurant für das Mittagessen angekommen waren. Es war auch höchste Zeit, denn Milly und ich hatten beide auf das Frühstück heute verzichtet wegen der frühen Abfahrtszeit.

Es war dann ein recht großes, aber schönes Restaurant gewesen, wo wir eine Vielfalt vietnamesischer Speisen probieren konnten, welche allesamt sehr lecker waren.

Gestärkt nach dem Essen ging es dann auf gleichem Weg zurück nach Chan May, welchen wir schon am Morgen gekommen waren. Einen letzten kurzen Stopp haben wir bei einem Marmorworkshop gemacht. In direkter Nähe waren die Marmorberge, wo früher der lokale Marmor gewonnen wurde, doch um die Berge zu erhalten, wird der Rohstoff heute woanders gewonnen. Die Marmorberge sind 5 Hügel, welche auch für die 5 Elemente stehen.

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Nach diesem letzte Stopp ging es dann über Danang wieder zurück zum Schiff, wo wir geschafft, aber glücklich angekommen sind.

Es blieb dann auch gar nicht mehr viel Zeit zum Ausruhen, denn eine Stunde später war auch schon die Abendshow und anschließend das wieder sehr gute Essen mit unseren britischen und schweizer Tischnachbarn.

So ging ein schöner Tag in Chan May / Hoi An zu Ende, ganz ohne den angekündigten Regen. Im Gegensatz zum Hafen in Chan May war Hoi An wirklich den Besuch wert und auch die kleine Radtour war trotz der Wärme unterhaltsam.

Der morgige Tag ist wieder ein Seetag, welcher uns Gelegenheit gibt, etwas zu entspannen nach den langen Tagen in Halong und Chan May.

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Autor:Jens Koopmann