Reisebericht Bretagne und Paris – Tag 4: Cancale

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Auf den heutigen Tag hatte ich mich schon besonders gefreut, denn es stand eine kleine Wanderung auf dem Programm. Los ging es aber nach dem Frühstück erstmal ins nur weniger Kilometer von Saint-Malo entfernte Dorf Cancale. Diese Dorf mit gerade einmal 5.000 Einwohnern bringt es zu einer weltweiten Bekanntheit aufgrund seines Hauptwirtschaftszweiges: der Austernzucht.

Cancale selbst liegt direkt am Meer, wobei die Stadt in zwei Ebenen unterteilt ist. Die Innenstadt liegt oben auf dem Steilfelsen und bildet die Oberstadt. Unten am Meer dagegen sind die Restaurants und Fisch-/Muschelläden zu finden. Nachdem wir uns einen freien Parkplatz außerhalb des Zentrums gesucht hatten, sind wir zunächst zu Uferpromenade gelaufen und dieser entlang des gesamten Ortes gefolgt.

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Es war noch sehr ruhig am Morgen und das Wetter war recht frisch und diesig. Das ganze verlieh dem Ort aber einen traumhaften Schleier, der fast schon wieder schön war. In Wirklichkeit waren aber schon viele Geschäftsleute lange auf den Beinen, denn die Austernfischer von Cancale haben ihre Waren bereits frisch abgeliefert, so dass sie jetzt die Auslagen der Geschäfte füllten.

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Die Austernzucht in Cancale hat eine lange Tradition. König Ludwig XIV. aß bereits Austern aus Cancale und heute werden hier jedes Jahr 25 Tausend Tonnen Austern „geerntet“

Da für uns aber besagte Wanderung auf dem Programm stand, sind wir zunächst nur die Promenade entlangspaziert, ohne irgendwelchen kulinarischen Verlockungen (von denen es hier zahlreiche gibt) nachzugeben.

Unser Weg führte uns entlang des Hafens bis zum Ortsausgang. Das Ziel der nun anstehenden Wanderung war die Pointe de Grouin, ein Aussichtspunkt an der Küste rund 7km nördlich von Cancale. Normalerweise ist dies wohl ein Weg, welcher oben an der Steilküste entlang führt. Ich hatte jedoch die wahnwitzige Idee, dass wir auch unten am Wasser langgehen könnten.

Bevor wir aber den Ort verlassen konnten, musst wir uns durch ein Meer von Austernschalen kämpfen. Wie diese hierher kamen? Nicht wirklich auf natürlichem Wege. Vielmehr waren es die Stände von Verkäufern, welche hier frisch gefangene Austern zum Verzehr anboten. 12 Austern kosten zwischen 5 und 6 Euro – im Prinzip spottbillig und es gab genug Einheimische und Touristen, welche sich am Morgen einem solchen Snack hingegeben haben. Vielleicht hatten die ja alle noch was vor, schließlich soll die Auster ja „anregend“ wirken… Jedenfalls erklärten diese Stände die vielen Austernschalen – sie waren schlichtweg der Abfall der morgendlichen Snacks.

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Für uns ging es jedenfalls weiter entlang der Küste. Milly war von Beginn an skeptisch, ob wir hier langgehen könnten, schließlich war bereits in Sichtweite ein Felsen, welcher den Weitergang blockierte. Sie ergab sich aber dann doch meinem grenzenlosen Optimismus und so sind wir losgetrabt. Besagter Felsen stand dann aber in der Tag im Weg, ließ sich aber mit etwas Kletterei überwinden und siehe da: danach ging es wieder weiter am Wasser entlang.

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Der Weg am Wasser war sehr schön, es war Ebbe uns so konnten wir viele Muscheln, Krebse und Seepflanzen sehen. Lediglich das Laufen auf dem felsigen, wackligen und oft rutschigen Untergrund war doch zunehmend anstrengend.

Einige Bewohner hatten ihre Boote in den kleinen Buchten festgemacht. Damit diese bei Flut nicht weggespült wurde, lagen überall dicke Seile, die die Boote an Land an Bäumen oder anderen Gegenständen festgekettet haben.

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Nach fast 2 Stunden wurden die Felsen dann immer kantiger und ein Weitergehen erschien mir zu riskant, schließlich wollten wir uns beide nicht die Beine brechen. Insofern haben wir dann eine Treppe genutzt, um hoch auf den Steilfelsen zu kommen und dort den Weg fortzusetzen. Es war noch ein gutes Stück bis zur Pointe de Grouin und Milly war schon reichlich geschafft.

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Die Situation besserte sich auch nicht, als wir kurz darauf wieder zu einer Bucht komplett hinabsteigen mussten – der Weg führte leider nicht durchweg oben am Felsen entlang. Von daher haben wir erstmal kurze Rast gemacht.

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Um den Weg ab hier dann etwas abzukürzen und nicht noch eine weitere lange Felsenstrecke in Kauf zu nehmen, sind wir ins Inland gelaufen und dort durch den Ortsteil Basse Cancale bis wir schließlich an der Hauptstraße waren, der wir dann noch ein Stück bis zum Aussichtspunkt gefolgt sind.

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Der Aussichtspunkt selbst entschädigte dann auch Milly für die Mühen. Die Felsspitze bot einen schönen Blick auf die Bucht von Mont Saint Michel. Mittlerweile schien auch die Sonne kräftig, so dass wir die Kraft für den Rückweg tanken konnten.

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Der Rückweg führte uns entlang einer Parallelstraße zur großen Landstraße wieder durch Basse Cancale bis nach Cancale, wo wir dann in der Oberstadt ankamen.

Sehenswert hier ist der Vorplatz zur Kirche mit einem hübschen Brunnen und die Kirche selbst, die – typisch für die Bretagne – an den Wänden eher karg ist, aber dafür reich verziert.

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Nach der ganzen Bewegung des Tages, knurrte uns aber auch der Magen und so sind wir nochmal runter ans Meer und haben uns dort ein Restaurant gesucht. Mein Ziel war es, heute Austern zu probieren, wenn auch nur als Vorspeise. 6 Austern hatte ich mir bestellt.

Austern sind schon lange ein Nahrungsmittel der Menschen und nicht erst eine Erscheinung unserer Zeit. Schon im alten Rom und in Griechenland wurden Austern verspeist. Zur damaligen Zeit wurden diese auch noch viel im Mittelmeer angebaut. Bei der Zubereitung der Austern gibt es quasi eine Trennlinie zwischen Europa und Amerika. In Europa werden Austern meist roh zum Verzehr gereicht. In Amerika sind sie dagegen gegart. Während die Austern im Inland meist eine teure Delikatesse waren und sind, ist es in den Anbaugebieten genau umgekehrt, dort gehört die Auster zum täglichen Genuss. So auch in Cancale. Dass die Auster überhaupt auf dem Speisenteller landet, liegt daran, dass man sie recht einfach aus dem Meer ernten kann, denn bei Ebbe kommt man quasi gefahrlos an sie heran.

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Durch den rohen Verzehr der Auster kam es auch schon oft zu Vergiftungen in der Vergangenheit, vor allem nach der Industrialisierung, welche zu einer Verschmutzung der Gewässer führte. Heute dürfen Austern nur noch in sauberen und wenig schadstoffbelasteten Regionen angebaut werden, zu denen auch Cancale in der Bretagne zählt. Die hiesigen Austern gelten daher auch als qualitativ sehr gut. Wenn man nun Austern bestellt, wählt man bei der Bestellung auch die Größe mit aus. Die Größe reicht von Nr. 0 bis Nr. 5. Die kleinste ist dabei die Nr. 5 mit einem Gewicht von knapp 50g. Die größten (Nr. 0) haben ca. 150g. Im Restaurant bekommt man meist die Größen 3- 5. Ich hatte 6 Stück von der Nr. 3 bestellt. Wer sich übrigens fragt, wie die Austern geöffnet werden, findet die Antwort in folgendem Gerät:

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Etwas mulmig war mir ja schon vor dem Austerngenuss, aber letztlich habe ich es überlebt. Im Prinzip schmecken sie einfach nur salzig. So wirklich bräuchte ich das jetzt nicht jeden Tag. Es war aber auch nicht so, dass ich mich hätte ekeln müssen.

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Und so ging auch dieser Tag zu Ende nach einer schönen Wanderung und einem guten Essen. Auch das Wetter hatte gut gepasst, da es nach dem frischen Morgen ja schnell wärmer und angenehm wurde.

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Autor:Jens Koopmann