Reisebericht Bretagne und Paris – Tag 2: Mont Saint Michel und Dol-de-Bretagne

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Was gibt es besseres, als am Geburtstag im Urlaub zu sein und zu einem solch wunderbaren Ort wie Mont Saint Michel fahren zu dürfen. Genau dies war mir am heutigen Tag gegönnt. Die erste Nacht im Hotel haben wir gut überstanden und morgens bin ich erstmal schnell in den Supermarkt und habe uns etwas zum Frühstück besorgt. So gestärkt haben wir uns auf den rund 40-minütigen Weg zum Mont Saint Michel gemacht. Das Auto musste etwas abseits auf einem großen Parkplatz geparkt werden, da die Zufahrt auf die Mole seit einiger Zeit nicht mehr möglich ist. Vom Parkplatz gibt aber ein Shuttle, welches bis vor den Klosterberg fährt. Mont Saint Michel ist der weltbekannte Berg mit der Abtei Mont Saint Michel vor der Küste der Bretagne/Normandie. Gleichzeitig ist es aber auch eine eigene Gemeinde, welche mit 44 Einwohnern allerdings nicht allzu groß ausfällt. Aus der Ferne, wie aus der Nähe wirkt der Berg höher als er eigentlich ist. Nicht mal 50m misst er, doch darüber thront noch die Abteikirche, die den Berg doch recht hoch erscheinen lässt.

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Mont Saint Michel ist eigentlich eine Insel, die seit 1879 durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Dieser Damm ist für die Natur mit der Zeit ein Problem geworden, da die Bucht immer mehr versandet, weshalb der Abriss des Damms bereits beschlossen und in Arbeit ist. Gemeinsam mit einem Gezeitendamm am nahen Fluss Couesnon soll erreicht werden, dass der Wasserpegel wieder steigt. Die Gegend um Mont Saint Michel hat einen der höchsten Tidenhübe weltweit – zwischen Ebbe und Flut liegen teilweise 14 Meter Unterschied.

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Nach einigen Fotos vor dem Berg, sind wir durch das Burgtor in den Innenhof des festungsartigen Gebildes gekommen.

Die eigentliche Abtei beginnt erst weiter oben am Berg, während der Weg dorthin von einer mittelalterlichen Gasse, der Grande Rue, geprägt ist, an deren Seiten sich Restaurants und Souvenirläden aneinanderreihen, mal mit mehr, mal mit weniger Kitsch im Angebot. Die Gasse an sich ist ganz hübsch, aber zum Einkaufen sicher nicht die erste Adresse.

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Nach einigen Treppen sind wir dann aber am Vorhof der Abtei angekommen. Das erste Heiligtum an diesem Ort entstand 709 zu Ehren des Erzengels Michael (daher der Name Mont Saint Michel). Dieser soll der Legende nach zuvor dem hiesigen Bischof dreimal erschienen sein und ihm befohlen haben, eine Kirche auf dem Berg zu errichten. Als der Bischof der Aufforderung nicht folgte, brannte der Engel ihm ein Loch in den Schädel. Dieses Loch kann man wohl auch noch heute besichtigen (wir selbst haben es nicht getan), auch wenn die Ursache dafür wohl eher weltlicher Natur war.

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Ab dem 10. Jahrhundert war die Insel dann in der Hand der Normannen und diese errichteten eine erste Kirche sowie eine erste Befestigung auf der Insel. Wenige Jahre später wurde dann das erste Kloster durch die Benediktiner gegründet und rund 100 Jahre später entstand auch die erste Abteikirche.

Am Eingang zur Kirche galt es zunächst den Eintritt zu zahlen. Um anschließend nicht ganz planlos durch die Gegend zu laufen, haben wir zusätzlich auch noch Audioguides erworben. Diese lohnen in jedem Fall, geben sie doch viele Hintergrundinformationen.

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Dann ging es weiter den Berg hinauf über zahlreiche Stufen. Es war ein Aufstieg wie durch eine Schlucht, nur dass die Felsen hier eine mittelalterliche Burgmauer waren. Oben angekommen haben wir kurz verschnauft und sind dann auf den Vorhof zur Kirche gegangen, da in der Kirche selbst gerade noch Gottesdienst war. Dieser Platz ist heute recht groß und wirkt überdimensioniert. Dem war aber nicht immer so, denn früher war die Kirche noch größer und hatte zwei Kirchtürme auf dem Gelände des heutigen Vorplatzes, die 1776 einem Blitzschlag zum Opfer fielen. Die Umrisse lassen sich aber noch im Boden erahnen.

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Vom Vorhof aus bietet sich ein großartiger Ausblick aufs Meer und die Küste. Als wir dort waren, war gerade Ebbe und so konnten wir noch weit ins Meer Menschen spazieren sehen. Ansonsten war es recht ungemütlich hier oben, denn der Wind pfiff uns um die Ohren und so wurde es auch recht schnell sehr frisch. Es dauerte aber nicht mehr lang, und der Gottesdienst war zu Ende, so dass wir in die Abteikirche hineinkonnten. Hier haben auch einen Blick auf die Mönchen erhaschen können. Im Anschluss konnte ich noch ein paar schöne Aufnahmen von den Abbauarbeiten des Gottesdienstes machen.

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Fast 1000 Jahre ist die Kirche alt und ist der zentrale Bau des Berges Mont Saint Michel. Es ist ein recht schmaler und dunkler Raum, der durch den Chor bestimmt und seine bunten Fenster geprägt ist. Wer erwartet, hier eine besondere Kirche vorzufinden, wird sicher enttäuscht sein, denn das ist sie sicher nicht. Vielmehr ist es das Gesamtensemble, welches die Abtei so besonders macht.

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Weiter ging es von hier in den Kreuzgang, welcher in einem hübschen Quadrat mit mehreren Säulenreihen angelegt ist. Das besondere dabei ist, dass die Säulenreihen leicht versetzt sind.

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Direkt vom Kreuzgang ging es in das Mönchsrefektorium. Dies ist der Speisesaal der Mönche gewesen und obwohl er über 50 Fenster verfügt, ist er alles andere als lichtdurchflutet, da die Fenster zurückgesetzt in Nischen untergebracht sind.

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Das war es dann auch schon auf der oberen Ebene der Abtei und über Treppen ging es einen Stock weiter nach unten in den Wandelsaal. Hier kamen wir an folgendem Kreuz vorbei. Das Kreuz an sich war nicht wirklich etwas besonderes, doch die beiden griechischen Buchstaben, die in den Sockel eingelassen waren, fingen unser Interesse. Es handelt sich um Alpha und Omega, den Anfang und das Ende des griechischen Alphabets, welche symbolisch für den Anfang und das Ende des Lebens stehen.

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Als nächstes kam der Gästesaal aus dem 13. Jahrhundert – ein prächtiger Saal mit einem großen Kamin, in dem wohl so manche Festlichkeit ihren Lauf fand.

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Etwas später waren wir wieder aus der Abtei raus und es ging noch einmal um den Berg herum, um so wieder bei der Grand Rue anzukommen. Insgesamt waren es nicht die einzelnen Orte des Mont Saint Michel, die ihn zu etwas besonderem werden lassen, sondern alles gemeinsam genommen. Man kann es schwer beschreiben – vielleicht muss man es einfach mal gesehen haben.

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Auf dem Weg zurück zum Damm, sind wir dann auf der Burgmauer entlang gegangen, was einerseits nochmal schöne Ausblicke auf das Meer und die Weidelandschaft bot und zum anderen auch interessante Einblicke in die Burgstadt von oben.

Wieder am Damm angekommen war es noch nicht allzu spät und so haben wir beschlossen, noch einen kleinen Stop in Dol-de-Bretagne einzulegen, was auf dem Rückweg nach Saint Malo lag. Es dauerte auch nur knappe 20 Minuten bis wir in Dol angekommen waren und ab dort musste ich selbst schauen, wie wir zum Ortszentrum kommen. Da Kirchen selten unweit des Zentrums sind, hatten wir die hiesige als Orientierung genommen und dann auch gleich dort einen Parkplatz gefunden. Dol de Bretagne war ein einst eine Bischofstadt und das religiöse Zentrum der gesamten Bretagne. Diese Zeit liegt nun aber schon 800 Jahre zurück und aus eben jener Epoche stammt auch die Kirche der Stadt, die Kathedrale St. Samson. Benannt ist sie nach dem ersten Bischof der Stadt, der 565 verstarb. Für einen heute so kleinen Ort wie Dol wirkt die Kirche riesig und überdimensioniert – ihren hohen Kirchturm kann man noch weit ins Land hinein sehen.

Da es recht frisch war, sind wir aber erstmal in die Kathedrale hinein gegangen und dort erwartete und ein mächtiger 100m langer Saal eingegrenzt durch hohe Granitwände und Säulen. Im Kontrast zum kalten Granit der Wände standen die reich verzierten und bunten Glasfenster welche jedes für sich ein kleines Kunstwerk sind.

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Im Anschluss an den kurzen Rundgang durch die Kirche, haben wir auch noch eine Runde durch den Ort mit seinen hübschen kleinen mittelalterlichen Gassen gemacht. Dol war vor ein paar Tausend Jahren noch direkt am Meer gelegen, doch dann sank der Meeresspiegel und legte das Umland frei, so dass Dol heute wie eine kleine Insel auf dem Trockenen wirkt. Im Zentrum des Orts haben wir dann eine kleine Kunsthalle gefunden, durch die wir noch eine Besichtigung gemacht hatten und dann ging es auch schon durch die Promenade Jules-Revert zurück zum Auto. Dieser Weg führte uns dabei entlang der früheren Stadtbefestigung.

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Damit endete dann auch der erste Tag in der Bretagne. Die Besichtigung am Mont Saint Michel hatte uns beiden viel Spaß gemacht und war sehr interessant, auch wenn das Wetter nicht lange sonnig blieb. Sicher ist dieser Ort zu Recht eine der weltweit bekanntesten französischen Sehenswürdigkeiten. Wenn ihr übrigens das nächste Mal den „Herr der Ringe“ im Fernsehen seht, achtet mal auf die Burg Minas Tirith im 3. Teil. Diese entstand nach dem Vorbild des Abteibergs in der Bretagne. Wir sind jedenfalls geschafft wieder in Saint Malo angekommen, wo wir uns dann ein leckeres Muschelessen mit ebenso leckerem Cidre dazu gegönnt haben.

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Zu Teil 1 des Reiseberichts


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Kommentare

  • Jo 13. Februar 2013 Antworten

    Hallo Jens, bin nach deinem Kommentar hier vorbei gekommen. Schön all die Orte hier wiederzufinden, die man selber auch mal besucht hat.
    Ich fahre seit ca. 20 Jahren immer wieder in die Bretagne und mir wird es dort nie langweilig.
    Dieses Jahr mach ich eine Ausnahme und fahre (um meinen Geburtstah herum) mit zwei Freunden nach Schottland um eine Whiskytour zu unternehmen 🙂
    Schöner Reiseblog hier, werde bestimmt wieder vorbekommen.
    schönen Gruß aus Kölle
    Jo

    P.S. wenn du das Plugin „Akismet“ verwendest bist du fast 100%ig vor Spam sicher. Bei uns funktioniert’s tadellos

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Autor:Jens Koopmann