Mit der MSC Splendida durch das westliche Mittelmeer – Teil 3: Tunis und Sidi Bou Said

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Nach dem gestrigen sonnigen Seetag war ich am heutigen Morgen schon besser erholt und so hatte ich mich schon auf den heutigen Ausflug nach Tunis gefreut. Plan war es, vom Schiff zur Bahnstation zu gehen und von dort den Zug nach Tunis zu nehmen. Nach dem Frühstück waren wir auch schnell herunter von der MSC Splendida und haben die Hafenanlage verlassen. Am Morgen hatte es schon geregnet und wir hatten gehofft, dass es jetzt weniger werden würde, so wie im Wetterbericht angekündigt.

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Direkt hinter dem Hafengebäude wurden wir dann aber erstmal quasi zum Freiwild, denn es kamen ununterbrochen Taxifahrer auf uns zu, welche uns mal für 30 mal für 40 EUR pro Person nach Tunis bringen wollten. Zu allem Unglück hatte das Wetter kein Einsehen und es begann gerade wieder stärker zu regnen. Es war unglaublich nervig, die Taxifahrer abzuwimmeln und je weiter wir vom Hafen in Richtung der Bahnstation, welche ca. 1km entfernt liegt, kamen, desto günstiger würden die Preise.

Da man Bahntickets nicht mit Euros kaufen kann, war ich schon auf dem Weg zu einer Wechselstelle, als mich ein Herr mit Hut in perfektem Deutsch ansprach. Auch er wollte mich für sein Taxi begeistern und auch er wollte uns überzeugen das die Bahnfahrt nichts sei. Sein Preis lag bei 10 EUR pro Person hin und zurück nach Tunis und die Bezahlung erfolgt erst am Ende. Irgendwie war ich von all den vorherigen Fahrern schon so entnervt, dass ich ihm schließlich zugestimmt hatte, denn er sprach wirklich sehr gut deutsch und machte einen vertrauensvollen Eindruck.

Also sind Milly und ich mit ihm nach Tunis gefahren. Die Tatsache, dass erst bei der Rückkehr zum Schiff bezahlt werden würde, hatte zumindest mir etwas Vertrauen gegeben. Das gute Deutsch unseres Fahrers hatte dann auch eine einfache Erklärung: seine Frau arbeitete in der deutschen Botschaft in Tunis.

Nach einer knappen Viertelstunde waren wir dann auch im Zentrum von Tunis, der Hauptstadt Tunesiens angekommen und wurden knapp 200m vom Eingang zu den Souks auf der Avenue de France von unserem Fahrer hinausgelassen. Für die Rückkehr zum Schiff hatten wir 1 Uhr als Zeit vereinbart.

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Leider wurde der Regen nun immer stärker anstatt wie angekündigt schwächer und so war es mehr als ungemütlich, denn auch die Temperaturen waren bei diesem Wetter nicht übermäßig warm.

Was uns in der Stadt direkt auffiel, waren die vielen Stacheldrahtabsperrungen hier im Zentrum, welche noch Überbleibsel der letzten Revolutionen sind. Die Revolutionen fanden um das Jahresende 2010/2011 statt. Tunesien ging es wirtschaftlich recht schlecht, viele Menschen waren Arbeitslos, hatten geringe Löhne und hinzu kam eine korrupte Regierung. Ein junger Mann der einen Obststand ohne Genehmigung betrieb, um damit seine 6-köpfige Familie zu ernähren, wurde dann zum Auslöser der Revolution. Die Polizei hatte den Stand mehrfach geschlossen und schließlich konfisziert. Darauf zündete sich der junge Mann selbst an. Bis heute spürt man noch die starke Polizeipräsenz in Tunis, was einerseits zwar ein Gefühl von Sicherheit vermitteln soll, denn in Gegenwart der Polizei sind Touristen weniger Dieben etc ausgeliefert, aber es wirkte auch bedrückend. Ein nicht wirklich sympathischer Eindruck, den die Stadt hier zu Beginn hinterließ. Allerdings deckte sich dies mit meinem früheren Besuch in Tunis im Jahr 2002. Auch damals wurde ich nicht wirklich warm mit der tunesischen Hauptstadt.

Nach wenigen Minuten hatten wir dann den Eingang zum Souk erreicht, der mit der Medina zum Unesco Weltkulturerbe zählt.

Eingang zum Souk war das Stadttor Bab el Bhar und der dahinter liegende Place de la Victoire. Einst war dieses Tor einer der Eingänge zur Stadt Tunis, bevor die Europäer die Stadt deutlich vergrößerten. Es wurde damals auch als Hafentor bezeichnet, da der Weg von hier zum See und schließlich zum Meer führte. Als Frankreich nach Tunesien kam, bildete dieses Tor die Verbindungsstelle zwischen dem alten und neuen Tunis. Die Franzosen haben in diesen Jahren die Mauer rund um das alte Tunis abgerissen und auch die Gebäude, welche das Bab el Bhar umschlossen. Zudem haben sie dem Tor den Beinamen Porte de France gegeben. So steht es heute recht verlassen auf dem Platz und ist nur noch ein symbolischer Eingang in die Souks.

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Im Souk angekommen stellte sich gleich ein ernstes Problem vor uns. Der Souk ging leicht aufwärts und der Weg hindurch war schmal und von hohen Bordsteinen eingegrenzt. In Kombination mit dem anhaltenden Regen wurde aus diesem Weg so ein Kanal, der stellenweise tiefer mit Wasser gefüllt war als mein Schuh. Es war folglich ein ordentlicher Balanceakt hier durch die Gassen zu kommen, ohne noch nasser zu werden. Um nicht ganz im Regen zu stehen, waren über uns überall Tücher aufgespannt. Diese waren aber auch schon so mit Wasser voll gelaufen, dass wir fast schon Angst haben mussten, dass sie nicht jederzeit unter die Last herunterkamen und sich über uns ergossen.

Als Vergnügen konnte ich folglich unseren Spaziergang zu diesem Zeitpunkt nicht bezeichnen. Ich hatte mich eigentlich auf den Tag gefreut, aber bei diesem Wetter war es alles andere als spaßig.

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Nach einer Weile ging es dann überdacht weiter durch die kleinen schmalen Gassen. In jeden der Läden wurden wir hineingebeten, doch die Lust auf einen Einkauf war gering, zumal ich aus der Vergangenheit weiss, dass in Tunesien der Gang in ein Geschäft hinein viel leichter ist, als ohne etwas zu kaufen wieder hinaus zu kommen, auch wenn mir die Verkäufer heute nicht so aggressiv vorkamen, wie noch vor 10 Jahren – lag vielleicht auch am Wetter.

Am Ende dieses Souk-Abschnittes kamen wir direkt vor dem Eingang zur Ölbaummoschee hinaus, welche auch als Große Moschee bezeichnet wird, denn es gibt keine größere in Tunesien.

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Von außen ist der Bau eher unspektakulär und man könnte ihn fast übersehen und doch steht man hier vor fast 1200 Jahren Geschichte. Leider ist es nicht-Muslimen in Tunesien (im Unterschied z.B. zur Türkei) verboten in die Moschee hinein zu gehen und so konnten wir lediglich einen Blick in den eher unspektakulären Innenhof werfen. Das große Minarett ist übrigens recht jung – erst im 19. Jahrhundert wurde es in der heutigen Form erbaut. Wer Bilder vom Inneren der Moschee sehen möchte (welches deutlich beeindruckender aussieht, als das Äußere), der sollte hier zur Seite der Tunismedina folgen: Link

Da es für uns nicht viel zu sehen gab, sind wir schnell wieder aus dem Innenhof hinaus. Dort wurden wir auch direkt von Leuten angesprochen, welche uns einen Ort mit einer perfekten Aussicht auf die Moschee zeigen wollten. Zögerlich sind wir ihnen gefolgt und so auch immer tiefer in den Souk gekommen. Als wir dann aber am Ende des Weges nur noch ein Teppich-Geschäft gesehen haben, sind wir schnell geflüchtet, denn genau davor hatten die Reiseführer uns schon gewarnt, denn die Aussicht ist den Stress ohne einen Kauf aus dem Geschäft zu kommen in der Regel nicht wert.

Wir sind danach recht planlos weiter durch den Souk gelaufen und es war klar, das wir zunächst einmal einen Ausgang finden mussten, um uns wieder orientieren zu können. Diesen Ausgang haben wir dann am Boulevard Bab Menara gefunden, welcher unweit einiger Regierungsgebäude lag.

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Ein freundlicher Polizist hat uns dann etwas bei der Orientierung geholfen und dank meiner Brocken französisch hat das auch ganz gut geklappt.

Nach wenigen Metern kamen wir dann an der Kasbah Moschee vorbei, die direkt neben einem großen Platz ist, an dessen Ende sich das Rathaus von Tunis befindet – ein großer repräsentativer Bau, der zusammen mit dem Vorplatz aber auch recht steril wirkt.

Unterhalb des Platzes schließt sich direkt der Place de Gouvernement an, wo sich u.a Tunesiens Finanzministerium befindet.

Von hier sind wir dann wieder in die Souks abgetaucht und durch die Gassen der Stadt zurück gelaufen, bis wir schließlich wieder am Place de la Victoire ankamen, wo sich mittlerweile zwei Busse voll mit Soldaten eingefunden hatten – sagte ich schon, dass wir uns nicht wirklich wohl fühlten in dieser Stadt?

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Von hier sind wir dann noch ein Stück auf der Avenue de France und der sich anschließenden Avenue Habib Bourgiba gelaufen und haben für Milly noch eine neue  trockene Hose gekauft. Unterwegs kamen wir auch noch an der Katholischen Hauptkirche von Tunis vorbei, der Kathedrale St. Vincent de Paul, welche 1897 fertiggestellt wurde. Diese Kirche darf jedoch noch darüber hinweg täuschen, dass seit dem Ende der französischen Kolonialzeit 1956 die Zahl der Katholiken im Land doch dramatisch abgenommen hat. Heute sind weniger als 2% der Tunesier nicht islamisch und somit die Kirche doch etwas überdimensioniert.

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Dann war es auch schon 20 Minuten vor 1 und wir hatten unseren Fahrer wiedergefunden. Endlich schien sich auch das Wetter noch zu verbessern und so haben wir unseren Ausflug noch etwas ausgedehnt und sind für weitere 10 EUR pro Person noch nach Sidi Bou Said gefahren, einem kleinen Künstlerort unweit der Stadt.

Nach der doch recht ungemütlichen, in die Jahre gekommenden und dreckigen Stadt Tunis war es wie ein Ausflug in ein gänzlich anderes Land, denn verschwunden war nun all die Hektik der Stadt und stattdessen war alles um uns herum in weiss und blau getaucht, jene Farben, die den Ort so bekannt und für Touristen interessant machen. Damit nicht ein falscher Eindruck entsteht – Tunesien ist ein schönes Reiseland, aber Tunis sicher nicht sein Highlight. Sidi Bou Said war da schon vielversprechender.

Der Ort war seit dem 13. Jahrhundert Heimat von Einsiedlern, bis 400 Jahre später die Mauren kamen und die bis heute hier zu findenden Architekturstile einführten. Als Künsterdorf wurde Sidi Bou Said erst 1912 bekannt, als Baron Rodolphe d’Erlanger sich hier niederließ.

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Wir sind dann zu einem kurzem Spaziergang durch das Dorf aufgebrochen, welches an einem Hügel liegt. So ging es stetig bergauf und von oben konnte man den Blick bis nach Tunis schweifen lassen und sogar unser Schiff noch im Hafen sehen.

Es ist in dem Ort per Gesetz festgeschrieben, dass jedes Haus in den Farben Blau und Weiss gestaltet werden muss, damit das schöne Gesamtbild erhalten bleibt. Die Gestaltung hat aber auch einen praktischen Nutzen, denn die Farben dienen dazu, Moskitos abzuhalten.

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Neben den Häusern fielen uns auch die vielen Orangenbäume hier auf und die Tatsache, dass niemand die Früchte vom Baum flückt, Die Ursache konnten wir kurz darauf selber schmecken, denn die Orangen sind recht bitter. Vielleicht sollte man stattdessen Curacao Blue hier produzieren…

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Von hier aus sind wir dann langsam wieder zurück zum Schiff gefahren, haben aber unterwegs noch einen Stop bei einer neuen Moschee und beim Amphitheater von Karthago gemacht und sind dann noch zur Cathédrale Saint-Louis de Carthage gefahren, einer im maurisch-byzantinischen Stil errichteten Kirche aus dem Jahr 1890, welche heute aber nicht mehr religiös genutzt wird, sondern als Veranstaltungsort dient.

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Damit war dann dieser Tag aber auch zu Ende und wir sind doch mit Tunesien versöhnt zurück zum Schiff gekommen, wo wir uns bei unserem Fahrer bedankt haben. Er hat seine Arbeit wirklich gut gemacht und 40 EUR für uns 2 zusammen für den ganzen Tag war unserer Meinung nach ein fairer Preis.

Auf dem Schiff habe ich dann noch ein wenig den Hafen fotografiert und dann haben wir den Rest des Abends genossen – dem ersten Abend wo es mir mal halbwegs wieder gut ging.

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Mit Tunesien haben wir dann auch unseren eintägigen Abstecher nach Afrika beendet denn am nächsten Tag ging es weiter nach Palermo auf Sizilien. Italien wir kommen!

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Kommentare

  • Stefan 23. Juli 2014 Antworten

    Besonders das Bild mit der alten Frau und der blauen Tür gefällt mir. Durchweg gelungene Fotos. Respekt 😉 da sieht man wohl nicht nur wenn man betrunken ist blau 😛

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Autor:Jens Koopmann