Kerry, Irland – Eine Fotoreise: Tag 2 – Das Spiel der Wellen und eine mystische Grotte

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Der zweite Tag begann pünktlich am Morgen. Nach dem Fotografieren bis zum Sonnenuntergang gestern, haben wir alle eine erste gute Nacht in unserer Pension verbracht und waren frohen Mutes und voller Erwartungen für den heutigen Tag. Doch ein Blick aus dem Fenster offenbarte zunächst nichts Gutes: der Himmel war zugezogen und es tröpfelte vor sich hin – eine ziemlich graue Suppe war es da draussen. Fotografenwetter sieht irgendwie dann doch anders aus. Aber wir waren ja nicht zum Jammern hier, sondern um das beste aus der Situation zu machen und so sind wir losgefahren, um uns mit Michael, unserem fotografischen Guide für den Tag, zu treffen.
Michael Herrmann ist wie ich gebürtiger Berliner, was ihn von vornherein schonmal sympathisch machte. Er ist mit seiner Familie vor einigen Jahren nach Irland ausgewandert und gibt nun unter anderem Fotokurse rund um Kerry.
Wir mussten uns nun aber erstmal entscheiden, was wir bei dem Wetter mit dem Tag anfangen wollten. Da das Meer und die Landschaft bei dem Einheitsgrau und Regen nicht sonderlich attraktiv erschienen, hat uns Michael zunächst mal zu einer Grotte auf Valentia Island gefahren, wo sich seit 1816 ein Schieferbergwerk befindet. Es wurde gegründet vom Knight of Kerry, welcher einer von drei Rittersmännern in Irland ist, deren Adelslinie noch bis in die heutige Zeit reicht. Die anderen beiden Ritterslinien sind mittlerweile ausgestorben. Zur Zeit der Gründung der Mine, war Maurice FitzGerald der auf Valentia Island herrschende Rittersmann.
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Durch die Wetterstimmung des heutigen Tages, wirkte der Steinbruch wie eine Mondlandschaft und der Backsteinturm am Eingang ließ das ganze ein wenig Aussehen, wie in Mordor beim Herr der Ringe.
Der Steinbruch ist noch heute in Betrieb und Schiefer von hier hat große Bekanntheit erlangt und wurde beim Bau der Pariser Oper und dem englischen Parlament verwendet. Zwischenzeitlich gab es aber auch Zeiten, wo die Mine verlassen war, wie zwischen 1910 und 1954. In jenem Jahr wurde am Eingang der Grotto eine Marienstatue errichtet (es war das Marienjahr).
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Wir hatten hier nun fast zwei Stunden verbracht, und haben versucht Details und Linien in der Grotte zu Fotografieren. Eine gute Übung im Sehen von Bildern und Strukturen und auch ein Beweis dafür, dass man bei jedem Wetter Fotomotive finden kann.
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Das Wetter wollte und wollte sich aber partout nicht bessern und irgendwann hatten wir dann auch jeden Stein umgedreht und so sind wir erstmal in ein Café in Cahersiveen gefahren, um uns etwas aufzuwärmen. Während wir dies taten, hatte Michael sich bei seiner Frau nach dem Wetter erkundigt und es gab gute Nachrichten, denn die Wolken schienen sich zu verziehen und damit rückte mein Wunsch für den Tag wieder in greifbare Nähe, denn ich wollte gerne Wellen fotografieren.
Wir sind dann also wieder zurück nach Valentia Island gefahren und dort in den Südwesten , wo sich eine malerische Bucht befindet. Die Bucht selbst ist schon per se ein Fotomotiv, wenn auch die Lichtstimmung noch nicht allzu viel hergab. Aber hier an diesem Ort wurde auch Geschichte geschrieben, denn 1865/66 wurde von hier das erste transatlantische Telegrafenkabel verlegt, welches eine Kommunikation zwischen Europa und Amerika ermöglichte. Die erste Nachricht, die auf diesem Wege übermittelt wurde lautete „Glory to god in the highest, on earth peace and good will to all men“.
Bevor es jedoch soweit kam, scheiterten 3 Versuche – teils erst wenige hundert Meilen vor Neufundland.
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Von hier ging es dann in den Norden der Insel auf immer schmaleren und abenteuerlicheren Straßen, bis wir schließlich an einen Punkt kamen, von wo es mit dem Auto nicht mehr weiterging. Also hieß es die Stative satteln, die Kameras aufnehmen und losziehen durch die irischen Wiesen. Das Gras war vom Winter noch braun und erst zögerlich kam die ersten grünen Triebe wieder durch. Doch die Landschaft war dadurch nicht trist, sondern auf ihre Art einfach rau und schön. Wir sind ein kleines Stück entlang eines Baches gelaufen, der sich durch die Wiese schlängelte, bis wir an einen Hügel kamen, wo einige Irische Schafe vor sich hin grasten.
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Kurz darauf befanden wir uns auf felsigem Grund und bereits nahe des Wassers. Hier sollte ich also meine Wellen zum Fotografieren bekommen. Doch bevor es um die Wellen selbst ging, waren wir ein einem Platz, wo sich die Strömung mit aller Kraft zwischen den Felsen durchquetschte und so ein schäumendes Wasserspektakel bildete.
Viele Aufnahmen sind hier entstanden, zum Teil auch mit Graufilter, um die Bewegung des Wassers noch mehr einzufangen.
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Mit der Zeit klarte der Himmel dann wirklich immer mehr auf und ehe wir uns versahen, wurde es innerhalb weniger Minuten strahlend sonnig. Wir hatten dann die Position gewechselt, um nun auch die an die Felsen schlagenden Wellen besser ins Bild zu bekommen. Michael hatte uns aber auch gewarnt vorsichtig zu sein, denn hier konnte es jederzeit passieren, dass eine Welle auch mal über die Felsen hinüber ging.
Hier konnten wir uns dann richtig austoben beim Fotografieren. Mal mit Graufilter, um die Bewegungen zu verstärken, mal ohne, um die Wucht des Einschlags deutlich zu machen – es gab Wellen in etlichen Formen zu fotografieren und kaum eine Pause für die Kamera.
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Danach sind wir noch ein wenig entlang der Küstenlinie gelaufen in der Suche nach weiteren Motiven, doch wir waren hier ein gutes Stück tiefer und so mussten wir uns doch arg vor der Gischt in Acht nehmen.
Wir hatten im Nachhinein echt Glück mit dem Wetter gehabt, denn die Wolken wurden von recht starkem Wind vertrieben, der wiederum die Wellen so aufwühlte, wie es sich uns darbot – viel besser als ein ruhiger Sonnentag. Von daher konnten wir die Aktion als vollen Erfolg verbuchen, waren aber auch recht platt, als wir wieder beim Auto angekommen waren.
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Damit endete dann auch schon unsere Tour mit Michael, denn es war bereits 16:30 Uhr gewesen. Es war ein toller Tag mit ihm. Wir alle wussten ja eigentlich wie unsere Kameras funktionieren und insofern war er uns mehr ein Guide für die Gegend, als ein Fotolehrer, was in unserem Fall aber viel mehr wert war als alles andere. Wer mehr von Michael und seinen Fototouren erfahren will, der sollte mal bei ihm vorbeischauen unter: http://www.irlandphoto.com/. Auch er hat ein paar Bilder von unserem gemeinsamen Ausflug auf seinen Blog gestellt, die hier zu sehen sind: http://www.irlandphoto.blogspot.ie/2014/04/erster-foto-workshop-2014-auf-valentia.html.
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Wieder allein mussten wir erstmal zurück in unsere Pension, um einen Moment verschnaufen, bevor es kurz in den Ort ging, um was zu Essen, denn zum Sonnenuntergang wollten wir nochmal raus. Eigentlich waren wir schon recht erschöpft, aber das Licht drohte damit, am Abend noch ein Feuerwerk zu zünden und so konnten wir nicht anders als doch noch mal los zu ziehen – wir waren ja nicht zum Vergnügen hier…
Unser erster Halt war nochmal der Telegrafenkabelpunkt auf Valentia Island. Es hatten sich tollen Wolken gebildet, die aber trotzdem den einen oder anderen Sonnenstrahl hindurchließen und auch die Skelligs waren am Horizont zu sehen.
Es war alles ein wenig ein Glücksspiel, denn es war unklar, ob die Sonne noch lang gegen die Wolken ankommen würde oder ob es sich endgültig zuzieht vor dem Sonnenuntergang.
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Wir beschlossen aber, unser Glück zu versuchen und sind auf die Nordseite der Insel in die Gegend Feaghmaan West gefahren, von wo wir den Blick aufs Meer und eine Landzunge der Insel hatten. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um die letzten Sonnenstrahlen, die aufs Meer fielen zu sehen, denn nur kurz darauf war die Magie vorbei und der Tag neigte sich dem Ende zu.
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Wir haben noch auf ein paar letzte Sonnenstrahlen gehofft, die aber nicht mehr kamen und so sind wir dann zurück nach Portmagee gefahren, wo wir nach einem Absacker schließlich ins Bett gefallen sind.
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Das war dann auch unser Tag 2 in Irland, der vielfältiger nicht hätte sein können und der trotz trüben Wetterstart richtig schön wurde.
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Autor:Jens Koopmann