Eine Kreuzfahrt durch Asien – Tag 9 und 10: Leben im Delta des Mekong River

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Unser letzter Tag in Vietnam war angebrochen und unser heutiger Ausflug sollte uns ins Flussdelta des Mekong führen. Der Hafen in dem wir heute lagen heisst Phy My und ist ein Containerhafen rund 1,5h von Saigon, bzw. wie es heute heißt: Ho Chi Minh City, entfernt.

Die Tour ging bereits kurz nach 7 Uhr los und so mussten wir uns schon kurz nach 6 wieder aus den Betten rollen. Die Fahrt ins Mekong Delta dauerte dann aber gut 2,5h, so dass da nochmal Zeit blieb, um die Augen kurz zu schließen.

Unser Guide am heutigen Tag sprach wieder etwas besser Englisch, ließ es aber etwas an Enthusiasmus und Freundlichkeit fehlen. Alle Guides der letzten Tage waren von SaigonTouristik, einer vietnamesischen Reiseagentur, allerdings schwankte die Qualität doch recht erheblich. Ein Grund dafür mag sein, dass Reiseleiter hier nur ein Teilzeitjob während der Trockenzeit ist und während der Regenzeit die Guides einem anderen Beruf nachgehen. Vielleicht ist aber auch einfach die Firma nicht die beste Wahl der Kreuzfahrtgesellschaft gewesen.

Trotz allem hat unser Führer versucht, uns während der Fahrt doch das ein oder andere über sein Land zu erzählen, während links und rechts sich nicht enden wollenden Reisfelder erstreckten.

Ein interessantes Detail in meinen Augen waren die Gräber, die immer wieder auf den Reisfeldern zu finden waren. Hierbei handelt es sich um die verstorbenen Familienmitglieder des Bauern. Statt sie auf dem Friedhof zu beerdigen, werden sie auf ihrer alten Arbeitsstätte beigesetzt, so dass die Familienmitglieder sie jeden Tag bei der Arbeit sehen können. Es ist auch üblich, den Verstorbenen Gegenstände wie Schuhe und Kleidung ins Jenseits mit zu geben. Dabei handelt es sich aber nicht um echte Kleidung, sondern um Papier, welches es zu kaufen gibt. Dieses wird dann verbrannt auf dem Grab und der aufsteigende Rauch transportiert dann alles zu den Toten.

Auf der Fahrt kamen wir auch am Rande von Ho Chi Minh Stadt vorbei, vielen besser bekannt als Saigon. Die Stadt ist recht modern und an vielen Stellen fast schon europäisch. Einzig der Mofa-Verkehr und die schmalen Häuser verraten, dass man sich nicht in der Heimat befindet.

Nach rund 2,5h Fahrt waren wir dann endlich am Mekong Delta angekommen, von wo es nur wenige Meter bis zu unserem Ausflugsboot waren, denn das Fortbewegungsmittel der nächsten Stunden sollte laut Programm das Boot sein.

Doch unsere Fahrt dauerte zunächst nur wenige Minuten und führte vom Festland zu zwei vorgelagerten Inseln: Dragon Island und Unicorn Island. Mitten auf dem Fluss konnten wir dabei eine Reihe schwimmender Häuser sehen. Es handelte sich hierbei um schwimmende Fischfarmen.

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Auch einige Fischerboote konnten wir sehen. Sie sind an den zwei Augen an der Front zu erkennen, welche dazu dienen Krokodile zu verscheuchen. Dies ist aber weniger den zahlreichen Krokodilen geschuldet, als der Historie, denn heute gibt es im Mekong keine Krokodile mehr. Früher waren sie jedoch hier heimisch und auch heute gibt es noch viele Krokodilfarmen im Delta.

Nach kurzer Zeit haben wir dann wieder angelegt bei einer Bienenfarm. Hier konnten wir kurz einen Bienenstock sehen und haben dann einige lokale Produkte probiert wie Bananenchips und Erdnüsse mit Honig, kandierten Ingwer und Tee mit Zitronen, Blütenstaub und Limette.

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Nach dem kurzen Stopp ging es zurück aufs Boot, nur um wenige Meter weiter wieder auszusteigen bei einer Kokosfarm. Wie zu erwarten gab es hier Kokosprodukte zu erwerben. Wir konnte aber auch sehen, wie ein Kokoskaubonbon hergestellt wurde, was wiederrum ganz interessant war.

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Kurz darauf gingen wir weiter, aber nicht zu unserem Boot, sondern es  stand eine kurze Fahrt mit den kleinen Fischerbooten auf dem Programm. Da auf so ein Boot immer nur 4 Personen passen, dauerte es natürlich ein wenig, bis alle eines der wackeligen Boote bestiegen hatten, zumal auch nicht alle Mitreisenden so jung waren wie Milly und ich. Entsprechend viel Verkehr war hier auch auf dem kleinen Flussarm, denn neben den zwei Gruppen vom Schiff waren auch zahlreiche lokale Touristen hier unterwegs.

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Die Fahrt auf den Kanälen war dann schon ganz interessant, auch wenn wir von dem Kanallabyrinth wie es in der Tourbeschreibung angepriesen wurde nur wenig mitbekommen haben. Es erinnerte ein wenig an die Everglades, nur mit viel mehr Verkehr.

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Am Ende der Tour ging es dann zu einer weiteren Farm, wo uns lokale Früchte serviert wurden, wie Ananas mit Salz und Chilli, Drachenfrucht, Jacksonfrucht, Mango, Papaya und noch zwei weitere deren Namen ich mir nicht merken konnte. Alles lecker, nur leider unverträglich für mich, da ich gegen mindestens eine der Früchte allergisch sein muss, zumindest habe ich entsprechend reagiert…

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Als Abschluss gab es dann noch eine kleine Vorstellung vietnamesischer Gesänge bevor wir wieder zurück zu unserem Boot gegangen sind und von dort wieder aufs Festland übergesetzt haben.

Das war es dann auch schon im Wesentlichen mit dem Ausflugsteil, denn der nächste und gleichzeitig letzte Programmpunkt war das Mittagessen. Dieses haben wir in einer sehr großen aber zugegebenermaßen schönen Anlage eingenommen und es war das beste vietnamesische Essen der letzten Tage. Es gab eine frittierte Frühlingsrolle mit Schwein, Elefantenohrfisch mit Gemüse in Reispapier, Sticky Rice, Schrimps, Fleisch/Fisch/Gemüsesuppe, Gegrilltes Schwein und zum Schluss süße Sojabohnen. Auch wenn letzteres nicht ganz mein Fall war, hatte der Rest doch fantastisch geschmeckt.

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Danach erwartete uns dann nur noch die 2,5-stündige Rückfahrt zum Schiff, wo wir kurz vor 6 Uhr angekommen sind und dann die kurze Zeit zum Ausruhen genutzt haben bevor es zur Show ging und Anschließend gemeinsam mit unseren 6 Tischnachbarn in das Qsine, eines der Spezialitätenrestaurants an Bord. Hier hatten wir alle gemeinsam einen tollen Abend und wir alle merkten, dass wir eine richtig gute Truppe waren, die sich hier auf der Fahrt zusammengefunden hatte.

Unser Fazit des Tages ist damit ein bisschen gemischt. Der Ausflugsteil an sich war nicht wirklich schlecht. Nicht spektakulär aber interessant in Bezug darauf, zu erfahren, wie man in Vietnam lebt. Das Problem ist lediglich die Fahrtzeit, die wir dafür auf uns nehmen mussten. Dies war aber de facto das Dilemma aller Häfen in Vietnam, denn fast überall waren es längere Fahrtstrecken bis zu den Tourzielen gewesen. Insofern haben wir sicher einen ersten Eindruck von dem schönen, vielfältigen und interessanten Land bekommen, aber es ist in der heutigen Form sicher noch kein Top-Kreuzfahrtziel. Hierfür müsste es in Städten wie Danang oder etwas näher an Saigon Kreuzfahrthäfen geben, die bessere Infrastruktur bieten, um zu den Ausflugszielen zu kommen, denn so reduziert sich der Vorteil einer Kreuzfahrt doch etwas, wenn man immer noch recht lang fahren muss, um etwas zu sehen. Beim nächsten Mal würden wir in Halong sicher statt der Red River Tour entweder doch den Weg nach Hanoi in Kauf nehmen oder die Countryside Tour, von der wir ebenfalls gutes gehört haben. Unser Tag in Hoi An was sicher das Highlight der Tage in Vietnam, gefolgt von der Fahrt durch die Halong Bucht und dem Besuch der Grotte.

Morgen ist dann wieder Zeit zur Erholung, bevor uns übermorgen dann der längste Ausflug der Reise erwartet, wo es nach Bangkok geht.

Für heute geht damit ein zwar schöner, aber auch langer Tag zu Ende.

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Autor:Jens Koopmann