Wanderung auf dem Jakobsweg von Koblenz nach Trier – Tag 6: Traben-Trarbach bis Bernkastel-Kues

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Nach fast zwei Jahren habe ich es an diesem zweiten Aprilwochende 2012 endlich geschafft, eine weitere Etappe auf dem Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier zu laufen. Los ging es dort, wo die letzte Wanderung aufhörte – in Traben-Trarbach. Damals bin ich mit einem zweifach umgeknickten Knöchel in Trarbach angekommen und hatte keine große Gelegenheit, mir den Ort anzuschauen.

Also ging es am Morgen mit dem Zug von Trier zunächst nach Bullay und von dort weiter nach Traben-Trarbach, wo ich kurz nach halb 9 ankam. Der heutige Bahnhof von Traben (dies ist der Ortsteil in dem der Zug hält) ist nur ein einfacher Bahnsteig. Früher war der Bahnhof 100m weiter im Ort und dort steht auch heute noch das alte Bahnhofsgebäude, was heute jedoch Haus des Gastes ist.

Danach ging es vorbei an einem alten Backsteinbau, welcher früher ein Kraftwerk beherbergte, weiter zu den Kirchen des Ortsteils.

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Die erste ist die evangelische Peterskirche aus dem 15 Jahrhundert. Ein erster Bau existiert jedoch seit dem 11. Jahrhundert.

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Nur weniger Meter weiter ist die Peter und Paul-Kirche – eine katholische Kirche, welche zwar älter aussieht, aber erst 1911 erbaut wurde. In meinen Augen ein wunderschöner Bau, der typisch nach Mosel aussieht.

Weiter ging es dann vorbei am Marktplatz Traben runter zur Mosel. Der Brunnen auf dem Marktplatz ist dabei etwas besonderes, denn der Erbauer des Brunnen hat die Figur nach seiner Frau gestaltet („Moselblümchen“).

Unten am Moselufer angekommen steht dort das Hotel Bellevue mit seinem Erker in Form einer Sektflasche und das Haus der alten Kommandantur der Festung Monreal, welche oberhalb von Traben war.

Schließlich kam ich ich dann an die Brücke, wo es die Mosel zu überqueren galt in den Stadtteil Traben. Betrachtet man die Brücke, so fällt auf, dass sie so gar nicht zu dem Brückentor auf der anderen Moselseite passt. Dieser Eindruck täuscht nicht, denn nur das Tor ist noch original, denn die Brücke fiel dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Das Tor im Jugendstil wurde 1899 errichtet.

Jenseits der Mosel hieß es dann wieder der Jakobsmuschel folgen, denn ab hier war der Jakobsweg wieder ausgezeichnet. Dabei ging es zunächst durch Einkaufsgasse von Trabach und am Ortsausgang ging es dann ab hoch in den Weinberg.

Der Weinberg hier wurde in den letzten Jahren so umgestaltet, dass es den Winzern möglich ist, trotz der steilen Lage wirtschaftlich mit maschineller Unterstützung zu arbeiten und zudem eine ökologische Anbauweise des Weins forciert wird. Sicherlich ein gutes Ziel. Zudem scheint es Tradition zu sein, bei einer Heirat eine Weinrebe zu bauen und so kann man die Hochzeitspaare der letzten Jahre dem Weinberg entnehmen.

Bei einem kleinen Rastplatz biegt der Weg nach Links ab und es ging weiter stetig bergauf – zwar nicht so schlimm wie der Anstieg hinter Zell, aber genug, um mich warm werden zu lassen. In einem sehr kurzen Waldstück habe ich dann auf einer Bank erstmal 10 Minuten Pause gemacht.

Von hier waren es nochmals 10-20 Minuten und die Höhen des Hunsrück waren endlich erklommen. Anstatt einer saftig grünen Wiese erwartete mich jedoch ein grüne Wiese mit einem großen Betonbauwerk. Die B50(neu) wird hier bereits gebaut. Im Gespräch ist diese Straße vor allem durch den Hochmoselübergang. Ziel der Straße ist es, die Eifel mit dem Flughafen Hahn und dem Rhein-Main-Gebiet besser zu vernetzen. Das einige mit dem Bauvorhaben nicht ganz einverstanden sind, haben sie mit Kurt-Beck-Graffities an den Bäumen, die der B50 zum Opfer fallen werden deutlich gemacht.

Hinter dem rudimentären Brückenbauwerk befindet sich ein alter eiserner Wegweiser – die Eiserne Weinkarte. Die Eiserne Weinkarte ist ein Wegweiser, da jedoch alle Richtungen zu bekannten Weinlagen zeigen, hat er diesen Beinamen bekommen. Hier besteht auch die Möglichkeit einen kleinen Abstecher vom Jakobsweg zu machen zu den Graacher Schanzen. Dazu bin ich beim Wegweiser nach rechts weitergegangen und nach 10 Minuten kam ein Abzweig nach links zu den Schanzen. Hierbei handelt es sich um eine Verteidigungsanlage, die die Preußen 1794 gegen die französischen Revolutionstruppen errichtet haben. Bis 1797 entstand eine Festung, die bis zu 120 Tausend Soldaten aufnehmen konnte. Heute sieht man hier im wesentlichen noch ein paar Gräben. Der Weg führt entlang einer Weide bis zu einer Straße auf der es dann nach links wieder zur Eisernen Weinkarte zurück geht. Teile der Schanzen sieht man dabei durch den Bau der B50 zerstört und an den Bäumen prangt erneut das Konterfei von Kurt Beck.

An der Eisernen Weinkarte ging es dann wieder zurück auf den Jakobsweg und ab hier auch immer weiter bergab, vorbei am Gasthof Eiserne Weinkarte und dann durch die Weinlagen von Bernkastel. Leider hatte es sich ab jetzt wieder zugezogen, so dass ich nicht mehr in den Genuß der Sonne kam und damit wurde es natürlich auch wieder frischer.

Am Ende der Weinberge erwartete mich dann das Graacher Tor – das letzte verbleibende Tor der Bernkasteler Stadtbefestigung. Es handelt sich um einen Bau, der bis auf das 13. Jahrhundert zurückgeht und über dessen Eingang der Stadtpatron St. Michael wacht. Damit war ich dann auch in Bernkastel angekommen. Das Graacher Tor war einst eines von acht Toren rund um Bernkastel und hat seinen Namen, da es in Richtung des Nachbarortes Graach zeigt. Erbaut wurde das Tor um 1300 und heute kann man dort ins Heimatmuseum gehen, nachdem es zwischendrin mal Gefängnis und mal Wohnhaus war.

In Bernkastel bot sich dann die Gelegenheit viele kleine Details im Zusammenhang mit dem Wein zu fotografieren, schließlich ist der Ort eines der Weinzentren an der Mosel und hat mit dem Doctorberg den teuersten Weinberg der Welt (er wurde 1900 für 100 Goldmark pro Reebe verkauft). Viele kleine Details und Fachwerkhäuser beherrschen das Ortbild, doch mich beherrschte im Moment, da wieder Regen einsetzte, der Wunsch nach einem warmen Platz und was zu essen.

Schließlich fand ich einen Platz im Restaurant Anno 1640 im Märchenhotel. Es ist eines der besseren Restaurants in Bernkastel und versucht daher nicht mit günstigen Preisen oder großen Portionen zu glänzen, sondern eher mit guter Qualität. Ich habe mich für „Himmel und Erd“ entschieden und es war durchaus lecker, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt vor Fülle geplatzt wäre.

Leider war auch danach der Regen noch nicht davon gezogen, so dass ich nur noch ein wenig durch Bernkastel gezogen bin. Irgendwie war meine Lust, bei dem Wetter noch weiter zu laufen geschwunden und so habe ich am Ende den Busbahnhof  aufgesucht und bin in einer über 2-stündigen Odyssee zurück nach Trier gefahren.

Auch dieser Teil des Jakobsweg war sehr schön und bis auf den kurzen Anstieg hinter Traben-Trarbach auch nicht so anstrengend wie die Etappe Bullay – Traben-Trarbach.

 


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Autor:Jens Koopmann