Vorwort zur schönsten Seereise der Welt

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Ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter – die schönste Jahreszeit für mich ist der Urlaub. Es ist die Spannung, neue Länder kennen zu lernen, die schönen Erinnerungen, die man mit Heim bringt und einfach das Erlebnis, die eigene Welt für ein paar Tage oder Wochen zu verlassen.
Doch die Reise, die mir bevorsteht ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Mit dem Postschiff nach Norwegen, das war schon längere Zeit ein Wunsch von mir, doch die Preise, die für eine Schiffsreise in Skandinavien aufgerufen werden, hatten mich bislang davon abgehalten, mein Vorhaben in die Realität umzusetzen. Und doch stehe ich nun am Beginn eben jener Unternehmung.
Es kam dazu, als ich Mitte des Jahres nach einem Urlaubsziel für den späten November/frühen Dezember gesucht hatte. Da ist natürlich der erste Gedanke gewesen: fahr doch in den Norden! Daheim ist es kalt und dunkel, dann nimm dir ein Urlaubsziel, wo es noch kälter und dunkler ist.
Nun ganz so war es nicht. Zunächst schweifte mein Blick durchaus Richtung Süden, aber so richtig passte nichts in meinen Plan für eine Fotoreise. Ich hatte dann nach Kreuzfahrten in dieser Zeit gesucht und das Ergebnis war eine Spaltung: Karibik oder Skandinavien (mit wenigen Ausnahmen im Mittelmeer). Karibik war mir zu weit, das Mittelmeer kenn ich schon, insofern blieb noch Skandinavien. Einige Recherchen zeigten, dass entgegen meiner intuitiven Einschätzung der Norden auch im Winter ein lohnendes Reiseziel ist, da die Polarnacht und die Möglichkeit auf die Sichtung von Polarlichtern ihre ganz eigenen Reize schaffen. Insofern war die Idee geboren und als es schließlich ein Special bei Hurtigruten gab, bei dem die Zuschläge für Alleinreisende wegfielen, habe ich mich entschlossen, die Reise mit dem Postschiff zu wagen.
Nun ist es der Vorabend vor meinem Flug nach Bergen und ich sitze hier im Hotel am Luxemburger Flughafen, denn mein Flug geht bereits morgen früh um 7 Uhr (über Frankfurt und Kopenhagen) und so ist es etwas entspannter, als am Morgen erst zum Flughafen zu fahren. Währenddessen ist meine bessere Hälfte heute noch daheim – aber auch für sie geht es morgen auf Reise, nur in die entgegengesetzte Richtung, nämlich in die Heimat zu Ihrer Familie nach Kenia.
Irgendwie ist diese Reise im Vergleich zu den Reisen der letzten Jahre doch ein wenig der Sprung ins Ungewisse. Ich habe einen gewissen Respekt vor den kommenden Tagen. Ich war ja schon auf einigen Kreuzfahrten – aber dies ist keine Kreuzfahrt, sondern eine echte Seereise. Das Schiff – die MS Lofoten – ist auch kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Linienschiff alter Art, welches neben der Beförderung von Touristen auch die Versorgung des Norden Norwegens als Aufgabe hat.
Dazu kommt die Polarnacht. Es soll nicht hell werden, aber auch nicht wirklich dunkel sein, insofern weiss ich noch nicht, wie das mit dem Fotografieren so funktionieren wird. Hinzu kommt, dass die MS Lofoten als kleines Schiff über keine Stabilisatoren verfügt und für die kommenden Tage ordentlich Wind und Wellengang angesagt sind. Als Reiher an der Reling den Urlaub zu verbringen ist keine wirklich romantische Vorstellung – mag die vorbeiziehende Landschaft noch so schön sein.
Im Vorfeld der Reise habe ich natürlich schon Vieles gelesen in Reiseführern, Foren und sonst im Internet. Meist wurde geschwärmt von den Winterreisen, allerdings war es auch immer stark wetterabhängig. Aber sei es wie es ist, ich kann letztlich nichts daran ändern. Reisetabletten und Globuli gegen Übelkeit sind in Großpackungen auf der Reise dabei und zwischendrin gibt es ja auch die Halte an Land, insofern hoffe ich auf zwei spannende Wochen und hoffentlich viele schöne Aufnahmen, mit denen ich am 15.12.2015 wieder hier in Luxemburg landen werde.
Heute werde ich aber erstmal pünktlich die Koje aufsuchen, um morgen Früh fit zu sein, wenn es zum Flieger geht. Das Wetter in Bergen ist mild, aber regnerisch vorhergesagt, aber vielleicht legt sich der Regen ja bis zum Nachmittag, wenn ich dort ankomme – hoffentlich mit meinem Gepäck.

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Autor:Jens Koopmann