Reisebericht Ostküste: 29.04.2007 – Ein Gospel-Halleluja nach einer kurzen Nacht

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Die erste Nacht in Newark war gut, nur viel zu kurz. Das Sheraton war eine gute Wahl (vor allem, da ich nicht dafür bezahlen musste 😉 ). Aber es hieß früh aufstehen, denn ich hatte für 8:45 Uhr einen Ausflug in New York gebucht, der mich nach Harlem und zu einem Gospel-Gottesdienst bringen sollte. Da die Fahrt vom Hotel nach New York gut 40 Minuten dauerte und ich spätestens um 8 Uhr da sein wollte, sind wir bereits um 7 Uhr ausgeflogen. Die Tour startete auch pünktlich. Gebucht habe ich die Tour bei Harlem Gospel Spirituals. Meine Reisebegleitung hatte sich in der Zeit das MoMA vorgenommen. Meine Tour führte zunächst quer durch Harlem, einem Viertel, dass in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität gewonnen hat. Weitgehend vorbei sind die Zeiten, als Harlem für Weiße noch gefährlich war, obwohl ich auch heute nicht an jeder Ecke allein unterwegs sein möchte. Unser erste Stop war in der Nähe des bekannten Apollo-Theaters.

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Grund des Stops waren allerdings Rollläden – um genau zu sein, bemalte Rollläden. Die schön gestalteten Ladenverschlüsse stammen von einem Künstler namens Franco. Er gilt als Harlem-Ikone und ist auch vor seinen Werken anzutreffen, wo er mit seiner japanischen Frau seine Werke verkauft und sich mit Touristen fotografieren lässt. Hier ein paar der wirklich sehenswerten Rollläden:

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Und der Maestro selbst:

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Anschließend fuhren wir noch etwas durch Harlem, bis wir zur ausgewählten Kirche für Gottesdienst kamen. Von außen sah das ganze wenig nach Kirche aus, aber das ist hier eher unwichtig. Während des Gottesdienstes war das Fotografieren verboten, was ich im Gegensatz zu einigen anderen auch respektiert habe. Daher gibt es hier keine Fotos. Der Gottesdienst selbst war sehr interessant. Wesentlich von der Musik getrieben, war er etwas wie ein Konzert. Hintergrund dieser Form des Betens war, dass früher die Sklaven aus vielen Teilen Afrikas kamen und sich nicht untereinander verständigen konnten. Die Musik war ihre Form der Kommunikation und des Gebets und das hat sich bis heute gehalten. Während des Gottesdienstes gingen einige Leute komplett aus sich heraus und schriehen ein „Halleluja“ in den Raum oder fingen laut an zu weinen. Neben dem Gebet ist der Sonntagskirchengang auch eine Art Bürgerversammlung. Hier werden neue Projekte vorgestellt und um Unterstützung gebeten. Während der Wahlphasen sind auch die Kandidaten in den Kirchen anzutreffen. Letzten Oktober war in den Kirche, die ich heute besucht hatte, Hillary Clinton zu Besuch und hielt eine Rede. Interessant ist auch, dass die Kirchen durch ihre Mitglieder finanziert werden, die freiwillig (!) in der Regel 10% ihres Einkommens der Kirche übertragen. Eine zentrale Kirche wie wir es in Deutschland kennen, gibt es hier nicht. Am Ende der Tour stieg ich beim Centralpark aus und nutzte die Gelegenheit für einen kurzen Rundgang. Zwischenzeitlich schaute auch immer mal wieder die Sonne durch die Wolken durch.

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Auf dem weiteren Weg schaute ich dann am Columbus-Square vorbei, wo Time Warner seine neue Zentrale hat. Hier gibt es auch eine bekannte Jazz-Bühne und das Lincoln Center mit seinen zahlreichen Bühnen.

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Weiter ging es vorbei am Trump Tower, dem Walldorf Astoria Hotel und dem Rockefeller Center bis zur U-Bahn nach Downtown.

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In Downtown ging es dann zum Municipal Building, Woolworth Building und der City Hall bis wir zum Ground Zero kamen. Das Woolworth Building ist immer wieder ein Hingucker und sicherlich mit eines der schönsten New Yorker Gebäude. Für kurze Zeit war es auch mal das höchste Gebäude der Welt. Noch heute finden wir auch in Deutschland Woolworth Kaufhäuser (auch wenn diese nicht mehr der amerikanischen Woolworth gehören). Das Unternehmen war übrigens auch schonmal pleite, da die Artikel zu billig angeboten wurden. Erst nachdem in einem zweiten Versuch die Preise höher waren, lief der Rubel.

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Der Ground Zero ist schon ein bedrückender Platz. Ich kann mich noch recht gut erinnern, wie ich vor 9 Jahren hier gewesen bin. Damals stand das WTC noch und ich habe im World Trade Center Marriot Hotel gewohnt. Davon ist heute nichts mehr übrig. Heute ist das ganze eine riesige Baustelle und einige Gedenktafeln erinnern an die schrecklichen Ereignisse und die Schicksale vom 11.09.2001.

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Da die Sonne mittlerweile gut schien, war die letze Station für heute die Brooklyn Bridge. Als Fußgänger geht man hier zwischen den zwei Fahrbahnen auf einem Holzweg entlang. Die Abendsonne hatte dabei Brooklyn schön angeleuchtet. In der Mitte der Brücke spürt man aber schon ganz ordentlich die Vibrationen. Danach konnte ich aber auch meine Beine nicht mehr bewegen, also ging es nach gut 12h wieder zurück ins Hotel.

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Im Hotel wurden noch kurz die Bilder gesichtet und die Zeilen dieses Berichts geschrieben. Da es jetzt aber auch schon wieder kurz vor 23 Uhr ist, mache ich mich auf in die Koje. Gute Nacht!

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Autor:Jens Koopmann