The Rock: Eine Tour durch Alcatraz

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Wer in San Francisco ist und neben all dem fröhlichen Leben dieser Stadt auch noch eine andere Seite sehen will, dem sei ein Ausflug nach Alcatraz ans Herz gelegt. Ich habe diesen 2006 unternommen und möchte in diesem Artikel ein wenig über die Insel in der San Francisco Bay berichten.

Um nach Alcatraz zu kommen, muss man zunächst knappe 2,4km Wasser überwinden, denn diese Strecke ist die Insel vom Ufer San Franciscos entfernt. Dies macht man am besten mit der Fähre. Als ich damals den Ausflug gemacht hatte, musste man sich vorher anmelden und eine Passkopie hinterlassen – ob dies heute noch so ist, weiß ich nicht.

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Schon während man sich der Insel nähert kann man ihren Leuchtturm, den ältesten der Westküste, sowie den Haupttrakt des Gefängnisses erkennen. Entdeckt wurde die Insel 1775 durch die Spanier, welche sie  „La Isla de los Alcatraces“ nannten. Alcatraces meinte seinerzeit im Spanischen „Pelikan“ und spielte auf die zahlreichen brütenden Pelikane der Insel an. Heute bedeutet es jedoch „Tölpel“ und auch diese findet man auf der Insel.

1846 wurde die Insel von Mexico an einen Amerikaner verkauft, unter der Auflage, dort einen Leuchturm zu errichten. Da dieser dies jedoch nie tat, wurde der Vertrag später von den USA als nichtig erklärt und die USA verleibten sich das Stück Land kostenfrei ein, nachdem Mexico kein Interesse mehr daran hatte. Von Beginn an wurde die Insel als Militärgebiet deklariert, das erste Gebäude sollte jedoch 1852 zunächst der lang geplante Leuchtturm sein. In Betrieb genommen, wurde er aber erst 2 Jahre später. Währenddessen begann man auch, die Insel als Festung auszubauen. Die Festung sollte während ihres gesamten Bestehens immer nur der Verteidigung dienen und feuerte nie aus einer Offensive heraus.

Das erste Mal, dass sich Alcatraz als Verteidigungsposten beweisen musste, war im Amerikanischen Bürgerkrieg 1861. Zu jener Zeit kamen auch die ersten Kriegsgefangenen hier auf die Insel, um ihre Strafe abzusitzen. Das Militärgefängnis bestand noch bis 1903 weiter. Die darauf folgenden Jahre war man damit beschäftigt Reparaturen durchzuführen, den Leuchtturm zu erneuern (beides nicht zuletzt nach den Auswirkungen des Erdbebens von 1906) und den heutigen Hauptzellblock zu errichten.

1933 wurde die Festung dann aufgegeben und aus dem Militärgefängnis wurde ein Bundesgefängnis.

Wenn man mit dem Schiff die Insel erreicht steigt man bei den Docks aus, wo man das große Barackengebäude sieht, sowie den Wachtum (Metallturm im Hintergrund).

Von hier geht es dann erstmal bergauf in Richtung des Hauptzellblocks. Dabei kommt man am alten Elektroshop und dem Postgebäude vorbei.

Der Hauptzellblock befindet sich dann oben auf den Hügel. Um ihn zu besichtigen, empfiehlt es sich, einen Audioguide zu mieten, oder eine Führung mitzumachen. Der Zellblock war Teil des Bundesgefängnisses und blieb so bestehen, bis das Gefängnis 1969 geschlossen wurde. Das Gebäude ist 3 Stockwerke hoch plus einem Stockwerk, welches unter der Erde ist. Es gilt aus ausbruchssicher, nicht zuletzt, da die Insel komplett von Wasser umschlossen ist und die Bay recht kalt und kaum mit Schwimmen durchquerbar ist.

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Die Zellen selbst sind sehr spartanisch gehalten. Bett, Waschbecken,Toilette ein Tisch und ein Regal waren die typische Ausstattung mit der sich auch bekannte Ganoven wie Al Capone anfreunden mussten (seine Zelle zeigt das zweite Bild unten).

Überhaupt hatte das Gefängnis einige namhafte kriminelle Insassen gehabt. Die meisten von ihnen verbrachten rund 10 Jahre hier, bevor sie in ein anderes Gefängnis überstellt war, denn Alcatraz war lediglich dazu da, seine Insassen wieder für ein normales Gefängnis tragbar zu machen – auf Entlassung brauchten die meisten hier nicht zu hoffen.

Am Ende des Ganges befindet sich die Gun Gallery auf der die Posten mit ihren Gewehren auf Patrouille waren, sowie die Küche. Interessant war hier der Messerhalter, bei dem sämtliche Messer auf dem Halter in schwarzer Farbe markiert waren. Dies hatte durchaus seinen Sinn, denn so ist es direkt aufgefallen, wenn mal ein Messer fehlt und welches Messer es in dem Fall ist.

Wer sich im Gefängnis gut verhalten hat durfte ab und zu mal in den Innenhof der Anstalt. Wer das Gegenteil tat und sich nicht an die Regeln hielt, den erwartete Einzelhaft, wo derjenige den ganzen Tag mit Licht bestrahlt wurde, oder aber in kompletter Dunkelheit gelassen wurde.

Insgesamt gab es in 29 Jahren 14 Ausbruchsversuche, an denen 36 Häftlinge beteiligt waren. Keiner der Versuche war jedoch am Ende erfolgreich gewesen – einige endeten sogar tödlich. Eine Motivation für die Fluchtversuche war der mit der Zeit immer schlechter werdende Zustand des Gefängnisses. Die Feuchtigkeit und das Salz setzten dem Gebäude arg zu und Mittel für die Instandhaltung waren zu jeder Zeit knapp. Dies war auch der Grund, der letztlich zur Schließung 1963 führte.

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Nach der Schließung kam es zwei Mal zur Besetzung von Alcatraz durch Indianer, 1964 und 1969-1971. Die Indianer beruften sich auf einen Vertrag aus dem 19. Jahrhundert, wonach sie in ihre angestammten Gebiete zurückkehren konnten, wenn diese nicht mehr anderweitig benötigt wurden. Als Preis haben sie 47 Cent pro Ar geboten, genau den gleichen Preis, den die USA den Indianern als Landentschädigung zahlen wollten. 1971 wurde die Insel dann jedoch gewaltsam geräumt, doch noch heute erinnert bei den Docks eine Inschrift an diese Zeit:

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All dies ist jedoch heute Geschichte und diese kann man auf dieser Insel noch recht hautnah erleben. Ein Besuch lohnt und vielleicht hat euch dieser Bericht ja Lust darauf gemacht, falls ihr mal in San Francisco seid.

 


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Autor:Jens Koopmann