Review: Peak Design Capture pro und Peak Design Handschlaufe Cuff

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Seit ich Kameras habe suche ich auch immer noch nach der optimalen Weise, die Kamera zu tragen. Die von den Herstellern mitgelieferten Kameragurte sind gelinde gesagt ein bescheidener Weg dies zu tun, denn mit ihnen baumelt die Kamera ständig unkontrolliert vor dem Bauch herum und mit der Zeit schnürt der Gurt im Nacken. Zudem sind die Gurte ein leichtes für einen Dieb zu durchschneiden. Daher habe ich seit 2 Jahren den Sunsniper Pro Gurt im Einsatz. Er ist deutlich komfortabler als die Herstellergurte. Da er Schräg über die Schulter hängt belastet er zudem den Nacken nicht und ein Stahlseil im Gürtel macht es einem ungewollten Zugriff Dritter zumindest schwerer. Die Kamera ruht bei dem Gurt auch besser als mit den Originalgurten und die die Position der Kamera an der Hüfte ist auch angenehmer. Trotzdem stört ein wenig das ganze Gewirr am Körper, vor allem an langen Fototagen, weswegen ich nach einer anderen Lösung gesucht habe

Zuvor hier ein Bild, wie es beim Tragen des Sunsnipers ausschaut (um den Gurt noch mehr zu stabilisieren habe ich zusätzlich eine Verbindungsstück gekauft, welches unterhalb der Achsel die beiden Seiten des Gurts fixiert – ist allerding dann auch noch ein Teil, was man um sich zu hängen hat):

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Über das Internet bin ich auf ein neues Tragesystem aufmerksam geworden, welches ohne einen Gurt auskommt: Capture Pro von Peak Design.

Es handelt sich hierbei um eine Klemme, welche man am Gürtel oder am Rucksackriemen befestigt und in die die Kamera dann eingehängt werden kann.  Dabei ist das Einhängen so einfach wie genial, denn man schraubt einfach die mitgelieferte Stativplatte (Arca-Swiss kompatibel – auf Wunsch auf mit Manfrotto Anschluss) an die Kamera und schiebt die Kamera  in die Halterung. Als ich dies zum ersten Mal gesehen hatte war ich schlichtweg begeistert, denn einer meiner Kritikpunkte am Sunsniper war, dass ich nur Gurt ODER Stativplatte montieren konnte, nicht aber beides gleichzeitig. Mit dem Weg von Capture Pro ist es nun möglich immer eine Stativplatte dabei zu haben und gleichzeitig eine Befestigung für die Kamera.

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Der Capture kommt in 2 Varianten: Capture und Capture Pro. Ich würde immer zur Pro Variante raten, denn nur diese kommt mit einer Arca-Swiss-Platte. Der Preis hierfür ist jedoch schon recht heftig mit rund 80 EUR. Dafür ist aber auch alles grundsolide gefertigt. Alle wichtigen Teile sind aus Metall und machen einen robusten Eindruck. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Geräte so schnell mal kaputt gehen.

Der Capture Pro wird dann zur Befestigung aufgeschraubt und zwischen einen Riemen gelegt und dann wieder zusammengeschraubt. Als Riemen kann der Gürtel, eine Rucksackhalterung oder viele andere Dinge dienen. Ich bevorzuge das Tragen am Gürtel. Den Tragekomfort kann man noch weiter steigern, in dem das Propad von Peakdesign nutzt, welches eine gepolsterte Unterlage ist. Insbesondere bei größeren Kamera+Objektiv-Kombinationen würde ich immer zu dieser Lösung raten. Aber selbst mit der kompakten GX7 mit Kitobjektiv fand ich das Tragen mit dem Propad angenehmer als ohne. Nachteil sind lediglich die nochmaligen Extrakosten von 30 EUR.

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In der Praxis trägt sich die Kamera mit Propad und Capture Pro fantastisch. Sie sitzt fest an einer Stelle und wackelt nicht hin und her. Dabei ist sie sicher vor dem Zugriff durch Dritte und trotz dem schnell aus der Befestigung gelöst, dank eines kleinen Knopfes, der die Verriegelung löst. Man kann den Capture Pro dabei auf zwei Wege am Propad befestigen: horizontal, oder vertikal. Ich bevorzuge die horizontale Variante. Auch kann man entscheiden, ob der Capture Pro oben unten oder in der Mitte des Propads sein soll. In der Regel bevorzuge ich mit der leichten GX7 eher die Position weiter unten. Mit einer schwereren Kamera dagegen montiere ich den Capture Pro weiter oben.

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Nun aber zum Fazit: Ist der Capture Pro das beste Tragesystem? Wenn es um kleine DSLRs mit leichten Objektiven oder um Systemkameras (wie meine Panasonic GX7) geht, dann lautet die Antwort ganz klar ja. Ich habe noch nie so angenehm eine Kamera getragen. Man merkt die Kamera kaum und trotzdem ist sich sehr sicher befestigt. Am besten Tragen sich Capture Pro und Propad im Übrigen, wenn man sie nicht direkt seitlich am Körper, sondern etwas nach vorne verlagert anbringt. Für Rechtshänder empfliehlt sich zudem das Anbringen an der rechten Körperseite, da so die Kamera leichter im Zugriff ist.

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Wo ich nicht ganz sicher bin, ist, ob das System auch bei einer großen und schweren Kamerakombination noch angenehm zu tragen ist. Hierzu habe ich das ganze mal mi meiner Sony A77 ausprobiert. Zunächst habe ich das relativ leichte Sony 16-80mm Objektiv an der A77 montiert. Die Kombination wiegt damit rund 1100g und damit gut doppelt soviel wie die GX7 mit dem Kitobjektiv. Dieses Mehrgewicht macht sich auch schon deutlich beim Tragen mit dem Capture Pro bemerkbar. Ich musste ihn weiter oben am Propad anbringen, um eine angenehme Trageposition zu haben. Damit ging es dann aber und in dieser Form ist das System auch für eine solche größere Kamera geeignet.

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Im Anschluss folgte dann der Härttest. An die A77 wurde das Tamron 70-200mm f2.8 angebracht und somit wog die Kombination jetzt etwas über 2kg. Der erste Versuch war, die Stativschelle für die Anbringung zu nutzen, da eine Anbringung an der Kamera recht viel Belastung für das Bajonett bedeutet und das Risiko eine Beschädigung der Kamera besteht. Das Tragen an der Stativschelle war schlicht unmöglich. Zu unbequem war die Position und zog zugleich unangenehm am Bund. Danach habe ich doch mal das Ganze an der Kamera montiert. So fühlte es sich schon deutlich besser an, aber angenehm über längere Strecken will ich so auch keine Kamera tragen.

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Ich würde also ganz klar sagen, dass der CapturePro für alle Besitzer einer Systemkamera optimal ist, bzw. auch für Besitzer einer APS-C DSLR mit Reisezoom oder Festbrennweiten. Eine Vollformatspiegelreflexkamera mit schwerem Objektiv ist nichts für dieses System.

Als weiteren Nachteil des Capture Pro könnte man anführen, dass sobald man die Kamera aus dem Capture herausnimmt, man keinen Schutz mehr hat, sollte einem diese aus den Händen fallen (im Gegensatz zum Kameragurt, der in solchen Fällen die Kamera auffängt.

Hier kommt ein weiteres Produkt von PeakDesign zum Einsatz – die PeakDesign Handschlaufe Cuff. Mit 20 EUR ebenfalls nicht ganz preiswert, handelt es sich um eine sehr kleine und sehr leichte Handschlaufe, welche aus dem gleichen Material gemacht ist, wie die Autogurte. Damit fühl sich das Material angenehm an der Haut an und im Vergleich zu sonstigen Handschlaufen fällt diese winzig klein aus und wiegt fast nichts. Bei Nichtgebrauch ist sie so klein, dass sie problemlos in der Hosentasche verschwindet.

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Der eigentliche Clou ist aber die Befestigung an der Kamera. Hierzu wird ein kleiner Clip mitgeliefert (im Lieferumfang sind 2 Clips), welcher an der Kamera befestigt wird und dort in der Regel auch nicht weiter stört. Wenn die Kamera dann mit der Handschlaufe getragen werden soll, wird der Clip nur in die Halterung der Handschlaufe gesteckt und rastet durch leichten Zug sofort ein. Ab dann ist die Kamera sicher an der Schlaufe befestigt. Durch eine kombinierte Drück- und Schiebebewegung lässt sich der Verschluss dann auch problemlos wieder lösen.

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Schön finde ich dabei, dass wenn die Kamera nicht an der Handschlaufe befestigt ist, diese einfach um den Arm gewickelt und dort befestigt werden kann. So baumelt auch hier nichts rum.

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Ich habe immer die Handschlaufenhalterung an der Kamera. Die Kamera ist dann bei Nichtgebrauch von der Handschlaufe gelöst und im Capture Pro eingehakt. Wenn ich die Kamera benutze hänge ich die Handschlaufe schnell ein und nehme die Kamera aus dem Capture raus.

In Summe ein tolles System, was lediglich den Haken hat, nicht sehr preiswert zu sein. Handschlaufe, Capture Pro und ProPad kosten zusammen fast 140 EUR. Allerdings kostet ein guter Kameragurt und eine Arca-Swiss-Stativplatte oft auch schon über 100 EUR, so dass sich das relativiert. Für mich wiegt der Tragekomfort auf jeden Fall den happigen Preis auf.

PeakDesign hat auch schon die nächsten Trageprodukte angekündigt, u.a. auch einen neuen Gurt und eine feste Handschlaufe. Das schöne dabei ist, dass die Komponenten des gesamten Systems sehr gut aufeinander abgestimmt und untereinander kompatibel sind.

Was habt ihr für Erfahrungen mit dem System gesammelt? Ich freue mich auf eure Meinungen!


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Kommentare

  • Jörg 2. November 2014 Antworten

    Hallo Jens,
    ich benutze die Vorgängerversion dieser Kamerahalterung mit meiner Lumix G3 (Systemkamera) und meist mit dem 14-140 mm „Allzweck“-Objektiv. Ich kann deine Erfahrungen allesamt bestätigen. Unangenehm finde ich an meiner Version noch die doch recht spitzen Nut-kanten, an denen man sich selbst Kratzer holen oder empfindliche Kleidungsstoffe daran aufritzen kann. Auch der Klappmechanismus der Klemmvorrichtung verkanntet gerne mal und lässt sich dann nur störrisch schließen. Dessen Auslegung finde ich auch etwas knapp dimensioniert z.B. wenn man die Halterung an an dickeren Rucksack-Tragegurten befestigen möchte. Das von dir hier vorgestellte Modell schein mir eine deutlich ausgereiftere Neuauflage zu sein. Zumindest scheint mit den abgerundeten Ecken mein erster Kritikpunkt erledigt zu sein. Ich glaube ich werde auch mal auf die neue Version aufrüsten. Auch das Propad finde ich sinnvoll. Man kann die Kamera dadurch etwas tiefer – in Hüfthöhe tragen. Weiter oben, am Gürtel getragen, stört die Kamera nämlich beim Tragen einer engeren Jacke.
    Gruß
    Jörg

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Autor:Jens Koopmann