Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 19: Ein letztes Mal Südstaatenromantik in Charleston

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Wir waren zwar schon gestern in Charleston angekommen, hatten es aber nicht mehr weiter als bis zum Hotel geschafft und so stand die Stadt dann heute zur Besichtigung auf dem Programm. Die Vorzeichen standen gut, denn das Wetter versprach sommerliche 27 Grad und nachdem wir ausgeschlafen hatten ging es die knapp 15min mit dem Auto ins Zentrum, wo wir es beim Visitor Center in die Garage gestellt hatten.

Danach hatten wir uns noch kurz eine Karte zur Orientierung besorgt und dann ging es auch schon los, denn wir schon in Savannah hatten wir auch hier eine kleine Walkingtour als Ebook auf dem Tablet dabei. Die Tour begann in der Market Street und um dorthin zu kommen, wollten wir das kostenfreie Shuttle nehmen, nur um irgendwann festzustellen, dass die Shuttles immer nur in umgekehrter Richtung fahren und wir schneller zu Fuß wären. Also trabten wir los…

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Die Geschichte von Charleston geht bis ins Jahr 1663 zurück, dem Jahr in dem der britische König Charles II. diesen Landstreifen 8 seiner Lords schenkte. Der Landstreifen war allerdings viel viel größer als nur die Ausmaße der heutigen Stadt Charleston. Dennoch begann man halt hier (zunächst auf einer vorgelagerten Insel und später dann auf dem Land) ab 1670 eine Siedlung zu errichten, welche zum Dank an den Schenker Charles Town genannt wurde. Charleston wurde in der Folge schnell wohlhabend durch den Anbau von Reis, Baumwolle und den Handel mit den Indianern. Auch die quasi unbegrenzte Verfügbarkeit von Sklaven hatte ihren Anteil am Reichtum. Der Wohlstand der Siedler war hier allerdings auch eine tickende Zeitbombe für das regierende England, welches alle wichtigen Posten der Kolonie besetzte und so war Charleston auch einer der aktivsten Orte der Unabhängigkeitsbewegung.

Der Wohlstand blieb wie überall in den Südstaaten bis zum Bürgerkrieg erhalten und verschwand danach so schnell, wie er gekommen war und Charleston war fortan die ärmste Stadt der USA.

Los ging unsere Tour also am City Market mit seiner großen Markthalle, welche an einen Tempel erinnert. Sie war der Eingang zum Markt und während des Bürgerkriegs auch Versammlungsort der Konförderierten.

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Hinter dem Gebäude liegen die langgezogenen Marktgebäude, welche bis vor 100 Jahren noch ein Fleischmarkt waren, heute aber mehr dem touristischen Handel vorbehalten sind. Wir sind aber dennoch einmal durchgeschlendert und konnten auch das ein oder andere schöne sehen. Vor allem aber haben wir viele Korbflechter mit ihren Waren gesehen. Dies ist eine afrikanische Kunst die von den Sklaven hierher gebracht wurde. Die ist Teil der hiesigen Gullah-Kultur (Gullah kommt von Angola). Daneben gab es allerlei Kunsthandwerk, Gewürze und Süßigkeiten zu kaufen.

Eine neue Sache haben wir auf dem Markt noch probiert: Erdnüsse nach Cajun-Art. Dabei werden die Erdnüsse in ihrer Schalte frittiert und danach mit Chilli gewürzt. Man isst diese Nüsse dann auch mit der Schale. Was mir wirklich gut geschmeckt hat, war Milly zunächst suspekt und dann zu scharf 🙂

Wir fanden den Markt beide sehr schön und der kleine Schlenker abseits unserer Tour durch die Hallen hatte sich gelohnt.

Weiter ging es dann zum alten Pulvermagazin, dem ältesten Gebäude der Stadt und  dann zur St. Philips Episcopal Church, der ältesten Kirche der Stadt, welche zu Beginn ihrer Zeit aber weniger durch die schönen Metallgitter auffiel, sondern eher durch leicht skurrile Pastoren. Einer von ihnen provozierte einen Skandal indem er ein Bärenjunges in einer gestellte Zeremonie getauft hatte.

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Nur wenige Schritte weiter steht schon wieder eine Kirche, die Hugenotte-Kirche, welche in einem leichten Pinkton gehalten ist. Amerika war damals schon ein Fluchtort für Andersgläubige und die Hugenotten hatten es seit dem Ende des 17. Jahrhundert in Frankreich schwer gehabt. Amerika dagegen stand für religiöse Freiheit und war ein willkommener Zufluchtsort.

Danach führte der Weg durch das Frenchquarter der Stadt, welches neben vielen schönen Häusern vor allem durch drei Dinge auffiel. Das eine waren runde Scheiben an den Häusern. Diese wurden angebracht, nachdem das Erdbeben von 1886 (das wohl schlimmste bislang in der Region) große Zerstörungen anrichtete. Diese Scheiben und die damit verbundenen Stifte dienen der Stabilisierung der Häuser.

Die zweite Auffälligkeit sind die Hausnummern,welche z.B. 17 1/2 lauten. Dies kommt daher, dass die Grundstücke eigentlich mal größer waren, dann aber geteilt waren, d.h. zwischen Nummer 17 und 19 (18 ist auf der anderen Straßenseite) lag auf einmal noch eine Hausnummer. So wurde daraus dann die 17 1/2.

Das letzte was hier noch interessant war, ist die Tatsache, dass die ersten Feuerwehren der Stadt nicht für alle Häuser da waren. Es war vielmehr so, dass jede Brandversicherung ihre Feuerwehr hatte. Und diese Feuerwehr war im Falle eines Brandes verpflichtet, zuerst die Häuser zu löschen, die bei der eigenen Versicherung versichert waren (klar, schließlich wollte man ja nicht zu viel Ersatz zahlen).

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Nachdem lamgsam  Millys Magen knurrte, haben wir als nächstes dann eine Bäckerei angesteuert und einen Muffin geholt, bevor es ans Wasser zum Ufer des Cooper Rivers ging, wo auch gerade ein Containerschiff vorbei zog.

Hier wo heute der Park ist, war früher der Hafen der alten Stadt, welche von Beginn an ein bedeutender Hafen war, der er durch seine Windkonstellation leicht mit den Segelschiffen der Zeit erreichbar war. Als die Segelschiffe durch Dampfschiffe ersetzt wurden, sank dann die Bedeutung von Charleston bis die Container die Schifffahrt revolutionierten und Charleston wieder zu einem der bedeutensten Häfen der USA machten.

Heute ist das Flussufer ein schöner Park mit einem auffälligen Ananasbrunnen, an dem so ziemlich jeder Touri ein Foto machte und so natürlich auch wir.

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Nächster Halt unseres Spaziergangs war dann das alte Börsengebäude, welches deshalb interessant ist, weil es das letzte Gebäude ist, welches die Briten in den USA gebaut haben, bevor sie ihre einstige Kolonie in die Freiheit entlassen mussten. Doch die Briten kamen zwischen 1780 und 1783 wieder und dieses Gebäude war in dieser Zeit ihr Hauptquartier und gleichzeitig Gefängnis für viele Rebellen.

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Die nächsten Häuser die wir sahen erinnerten mich ein wenig an die Karibik, insbesondere Curacao. Und in der Tat sind die Häuser der Rainbow Row, wie sich dieser Straßenzug nennt in karibischen Farben gehalten.

Danach sind wir noch eine halbe Stunde den Häusern gefolgt, von denen viele zwar eine Geschichte hatten, aber keine Geschichte, mit der wir viel verbanden und so sind wir irgendwann in Richtung South Battery abgebogen, wo noch ein paar alte Kanonen stehen und von dort kurz zum Visitor Center zurück, damit Milly sich eine Jacke holen konnte, denn wir wollten nach den ganzen Häusern doch noch was anderes sehen und sind danach ab in Richtung Aquarium gelaufen, wo wir eine Hafenrundfahrt gemacht haben.

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Die Rundfahrt war recht unterhaltsam, auch wenn Charleston vom Wasser aus einen eher unspektakulären Anblick bietet, was an einem Gesetz liegt, welches verbietet, dass irgendein Gebäude höher als die höchste Kirche der Stadt ist.

Der historisch wichtigste Punkt der Hafenrundfahrt war aber unzweifelhaft Fort Sumter. Dieses Fort war zu Beginn des Jahres 1861 in Händen der Union, nachdem South Carolina 1860 bereits aus der Union ausgetreten war. Ein weiteres Fort auf der Charleston vorgelagerten Insel hatten die Soldaten der Union bereits verlassen und so war Fort Sumter die letzte Bastion, die schließlich fiel, als die Konförderierten am 12.04.1861 das Fort angriffen und damit den Bürgerkrieg eröffneten, denn als Folge mobilisierte Lincoln auch seine Truppen.
Von dem Fort ist heute nicht mehr viel übrig; zu viele Kanonenkugeln haben es fast vollständig bis auf die Grundmauer zerstört.

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Auf dem Rückweg kamen wir auch am gegenüber der Stadt liegenden Flugzeugträger USS Yorktown vorbei, welche zuletzt im 2. Weltkrieg im Einsatz war. Für mich ist faszinierend, mit welchem Gerät man schon damals in den Krieg zog. Ebenfalls vor Anker liegt hier noch ein U-Boot.

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Vor dem Ende der Rundfahrt ging es noch unter einem der neuen Wahrzeichen der Stadt hindurch, der Arthur Revenal Jr. Bridge, welche 2005 fertiggestellt wurde. Mit 4km Länge und einer Spannweite von 471m ist sie die drittgrößte Spannbrücke der westlichen Hemisphäre. Würde man den Beton der Brücke nehmen, könnte man daraus eine Autobahn von Charleston bis nach Atlanta bauen, immerhin über 300 Meilen!

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Nach der Rundfahrt wollten wir das Shuttle zurück in die Stadt nehmen, um dort noch was zu Essen. Das Shuttle kam und wir saßen auch schon drinn und dann kam eine durchaus nicht mehr als Leichtgewicht zu bezeichnende Amerikanerin in unserem Alter, welche den Fahrtstuhl des Busses brauchte, um einzusteigen. Als sie dann auch endlich drin war, war allerdings der Fahrstuhl kaputt und nichts ging mehr, so dass wir letztlich auch diesen Weg laufen mussten, was uns ein kleines Stück davor bewahrte, amerikanische Körperformen anzunehmen 🙂

Wir sind auf dem Rückweg nochmal über den Markt geschlendert, wo jetzt um 6 Uhr allerdings schon alles abgebaut war und ich nur noch ein paar Postkarten geholt habe, denn in Savannah hatte ich erfahren, dass das Porto seit 1.1.2013 wieder mal erhöht wurde und ich so alle bisherigen Karten nicht korrekt frankiert hatte. So hatte ich dann noch ein paar zur Sicherheit mit dem korrekten Porto nachgesendet.

Zu Essen waren wir dann im ¨Sticky Fingers¨, einem BBQ-Restaurant, welches besonders für seine Ribs bekannt ist. Wir hatten dann auch eine Ribs-Platte für 2 bestellt, wo es vier verschiedene Zubereitungsvarianten der Ribs gab (von saftig bis trocken). Das war wirklich lecker. Gegen alle Vorsätze haben wir dann auch noch einen Nachtisch bestellt. Für Milly gab es Breadpudding und für mich Hot Chocolate Lava Cake – beides Desserts der ganz leichten Sorte…

Kugelrund, satt und vom Tag geschafft, sind wir dann zurück zum Visitor Center und von dort zurück ins Hotel. Charleston war wirklich schön, aber trotzdem bin ich mit der Stadt nicht wirklich warm geworden im Vergleich zu Savannah. Es war ähnlich wir mit Nashville und Memphis, welche auch beide schön waren, wo aber in Memphis der Funke weniger übergesprungen war, als in Nashville. Trotzdem war es ein erlebnisreicherTag, auch wenn wir jetzt genügend Städte im Süden gesehen haben

Für den morgigen Tag heißt es dann ein letztes Mal wirklich früh aufstehen (5:30 Uhr), damit wir in die Natur fahren können, in die Okefenokee Swamps.

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Autor:Jens Koopmann