Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 9: Walking in Memphis

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Nachdem wir gestern unseren ersten Tag in Memphis bereits erfolgreich verbracht hatten, war der heutige Tag etwas ruhiger. Zunächst einmal konnte Milly ausschlafen. Ich war dagegen 8:30 Uhr wieder auf den Beinen und habe erstmal bis um 10 Uhr an unserem Reisetagebuch geschrieben, so dass ich fast wieder auf dem Laufenden bin.

Nachdem auch Milly dann fertig war, ging es zu unserem ersten Tagesprogrammpunkt und dieser war etwas ganz besonderes. Dazu fuhren wir wieder in Richtung Graceland, sind dann aber dem Elvis Presley Blvd. noch etwas weitergefolgt, bevor es noch gut eine Meile durch ein Wohngebiet ging. Hier war dann unser Ziel: The Full Gospel Tabernacle Church.

Da wir in New York direkt am Sonntag nach unserer Ankunft aufgrund unseres vollen Programms nicht mehr wirklich Zeit für einen Gospelgottesdient in Harlem hatten, hatte ich schon in Deutschland recherchiert, wo eine Woche später in Memphis ein solcher Gottesdienst stattfindet. Diese Kirche hier stand dabei immer ganz vorn beiden Suchergebnissen und so sind wir heute hierhin gedüst.

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Pfarrer der Kirche ist seit über 30 Jahren Bishop Al Green, der die Kirche seinerzeit gegründet hat. Er uns sein Full Gospel Tabernacle Choir sind weit über die Stadtgrenzen für ihre Musik und ihre Gottesdienste bekannt und so waren wir schon gespannt, was uns erwarten würde. Ich hatte ja 2007 in Harlem bereits einen solchen Gottesdienst gesehen und hatte schon eine Vorahnung, aber für Milly war es komplett neu.

Was dann aber kam, hatte auch ich nicht so in der Form erwartet. Ein Großteil der 1,5 Stunden wurde gesungen und Musik gespielt, beides mit so viel Energie und Leidenschaft, dass es wirklich niemanden unberührt ließ. Beeindruckend war auch die Athmosphäre unter den Einheimischen, die aus vielen Südstaatenfrauen bestanden, viele so, wie man sich eine stolze, schwarze Südstaatenfrau vorstellt. Diese Eindruck änderte sich schlagartig, als eine der Damen sich völlig der Musik hingab und mehrere Minuten lang headbangend da stand, nur um danach in sich zusammenzufallen und fix und alle auf der Bank zu sitzen, während eine weitere Frau ihr Luft zufächelte. Diese Menschen hier sind noch so tiefgläubig, wie man es bei uns nur selten findet. Nach gut der Hälfte der Zeit kam dann auch Bishop Green mit dazu und der hatte seinen ganz eigenen Witz gehabt. Er war ohne Zweifel ein Mann der Kirche, aber er sprach die Sprache der Leute hier und so war dieser Teil des Gottesdienstes nicht wie bei uns ernst und still und einer predigt und der Rest hört zu, sondern es war quasi eine Unterhaltung und es wurde auch mal gelacht. Als ein Kind zwischendrin begann zu schreien, meinte Bishop Green nur ¨Shut up, Kid!¨ – wie gesagt, er spricht die Sprache der Menschen hier. Dazwischen gab es immer wieder Musik und diese mit einer Kraft und Energie, wie man sich Gospel vorstellt.

Alles in allem war es ein ganz besonderes Erlebnis, was sich nur schwer in Worte fassen lässt. Natürlich habe ich während des Gottesdienstes weder Fotos noch Videos gemacht, man muss es aber eh selbst gesehen haben, um es zu begreifen. Sicherlich werden wir diesen Morgen nicht so schnell vergessen.

Nicht vergessen wollten wir auch nicht unsere Mägen und so haben wir im Anschluss erstmal einen Happen zum Frühstück gegessen. Danach ging es dann in die Stadt, wo wir direkt am Mississippi geparkt haben, um auf eine Insel namens Mud Island zu kommen, wo sich ein Museum zu diesem wohl bekanntesten Fluss der USA befindet.

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Über den Fluss sind wir mit einer Hängebahn gekommen. Von hier hat man auch einen schönen Blick auf The Pyramid, eine Arena im Stil einer Pyramide. Ebenfalls hat man einen schönen Blick auf den Fluss und seine Brücken hier in Memphis.

Was uns dann als erstes erwartete, war ein rund 800m langes Modell dieses Flusses, welches ihn von seinen Zuläufen bis zu seiner Mündung zeigt. Unterwegs gab es immer wieder Informationstafeln, auf denen sich Anekdoten befinden über den Fluss oder die Dinge, die am Fluss während des Bürgerkriegs passiert sind. Was an dem Modell deutlich wird, ist, dass der Fluss immer wieder seinen Lauf geändert hat. Dies liegt daran, dass nicht der Fluss sein Flussbett gegraben hat, sondern das Flussbett schon vor dem Mississippi da war. Zudem bringt der Fluss jedes Jahr etliche Tonnen an Sand mit, die seinen Lauf immer wieder verändern.

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Insgesamt ein schönes Modell, auch wenn wir viele der Informationen sicher nicht behalten werden, da wir einfach nicht so viel über die Gegend hier wissen.

Danach sind wir dann ins Museum gegangen, welches im ersten Teil die Anfänge der Besiedlung des Mississippi zeigt. Dies waren aber nicht etwa die Europäer, sondern bereits viel viel früher die Indianer. Verschiedene Stämme lebten hier, so unter anderem die Chickasaw und die Natchez, aber sie allesamt wurden durch die neuen Siedler weitgehend vertrieben.

Die ersten Europäer, die den Mississippi erkundeten, erhofften sich in ihm eine Verbindung zum Pazifik, aber ihre Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Dennoch bot der Fluss einen guten Lebensraum und so siedelten sich immer mehr Städte entlang seines Verlaufes an.

Mit dem Zeitalter der Dampfschiffe begann dann eine Blütezeit, denn so konnten Waren schnell per Wasser den Fluss auf- und abwärts gebracht werden. Zuvor ging dies nur mit Flößen. Die Zeit der Dampfschiffe war aber auch die Zeit der Schiffsunglücke, denn dieTechnik war anfällig und unsicher und so gerieten mehrere Schiffe in Brand oder sanken aus anderem Grund. Größtes Unglück war die Sultana, welche kurz nach dem Bürgerkrieg auf dem Weg von Vicksburg nach Memphis war. Eigentlich war das Schiff für 350 Personen ausgelegt, war aber wegen einer verspäteten Abfahrt mit 2.300 Personen mehr als überfüllt. 1.700 Menschen starben beim Untergang – soviele, wie bei keiner Schiffskatastrophe seitdem mehr.

Auch wenn das Museum viele interessante Dinge zeigte rund um den Fluss und die Menschen, die an ihm leben, so war es doch etwas trocken und nicht so gut aufgebereitet, wie die Museen, die wir die Tage zuvor gesehen hatten. Da wir aber die kommenden Tage immer wieder an den Fluss kommen, haben wir so zumindest schonmal einen Überblick gehabt.

Nach dem Museum, welches wir pünktlich zur Schließlung verlassen haben, sind wir noch eine Runde durch Downtown Memphis gelaufen. Heute am Sonntag war die Innenstadt allerdings wie ausgestorben und wir waren fast die einzigen auf der Straße. Was schön in Downtown ist, neben einigen sehenswerten Gebäuden, sind die alten Straßenbahnen, welche hier im Kreis fahren.

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Zu den angesprochenen sehenswerten Gebäuden gehört u.a. das Peabody-Hotel. Wonach wir dagegen vergeblich Ausschau gehalten haben, war die alte Baumwollbörse – wahrscheinlich haben wir aber nur nicht genau genug geschaut.

Nur kurze Zeit später waren wir dann auch wieder in der Beale Street angekommen, wo wir zum B.B. Kings gegangen sind, um zu Abend zu essen. Bei uriger Live-Bluesmusik gab es für Milly ein Filet Mignon und für mich einen Barbeque-Lachs in einer tollen Sahnesoße mit Shrimps und Würstchen. Es war sehr lecker gewesen und ein schöner Ausklang für Memphis.

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Während wir allerdings so beim Essen saßen, stellte sich mir die Frage, ob der Parkplatz, wo unser Auto steht, noch offen ist. Die Garage gehörte nämlich zum Mississippi-Museum und dieses hatte ja bereits um 5 geschlossen. So begleitete mich ein leicht mulmiges Gefühl auf dem Weg zurück zum Auto, welches sich aber in Wohlgefallen auflöste, denn die Garagenausfahrt war offen.

Dann ging es zurück zum Hotel, wo ich noch ein wenig Tagebuch geschrieben habe und dann haben wir auch schon wieder unsere Sachen gepackt, denn morgen sollte der Wecker mal wieder sehr früh um 6 Uhr klingeln.

Unser zweiter Tag war etwas ruhiger hier in Memphis und das Highlight war sicher der Gospel-Gottesdienst. Das Mississippi-Museum und Downtown waren zwar nett, aber auch nicht das Highlight bislang. Hätten wir noch etwas mehr Zeit gehabt, hätte ich gern noch das Baumwollmuseum gesehen, aber das bleibt dann für einen zweiten Besuch, ebenso wie das Rock n Soul Museum.

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Autor:Jens Koopmann