Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 7: Nashville – In der Heimat der Country Musik

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Heute sollte also unsere eigentliche Rundreise durch den Süden der USA starten und zu Beginn der Rundreise sollte sich alles rund um die Musik drehen. Während der heutige Tag in Nashville im Zeichen der Country-Musik steht, geht es die kommenden Tage mit Blues und Rock ’n Roll weiter.

Nachdem ich schon wieder recht früh auf den Beinen war und etwas an unserem Reisetagebuch geschrieben hatte, sind wir gegen 10 Uhr in die Stadt losgefahren, welche vom Hotel ca. 20min entfernt lag. Unser Ziel war direkt in Downtown und hörte auf den Namen ¨Country Music Hall of Fame¨, denn bevor wir uns am Abend in das Getümmel der Country-Musik stürzen, wollten wir doch erstmal ein wenig über diese Musikrichtung erfahren.

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Das Museum ist ein recht eigenwilliger Bau, dessen Fenster die Tasten eines Klaviers imitieren sollen. Neben im entsteht gerade ein riesiges Convention  Center und auch sonst war dieser Teil der Stadt doch recht im Umbruch.

Begonnen haben wir unsere Tour aber nicht im Museum, sondern sind direkt mit dem Shuttlebus in die Music Row gefahren, wo die kommerzialisierte Country Musik ihren Lauf nahm. Wir hatten ein Kombiticket gekauft, bei dem auch eine Führung durch das bekannte Studio B von RCA Victors mit inklusiv ist.

Der Name Studio B ist dabei etwas missverständlich, denn es war das erste Studio von RCA hier. Erst mit dem Bau eines zweiten Studios, welches nun das Hauptstudio ist, wurde aus diesem kleinen Bau das Studio B.

Was unterscheidet nun dieses Studio von den vielen anderen hier in der Gegend? Es ist schlicht die Anzahl der Hits, die es hervorbrachte und der Name Elvis Presley, der für lange Zeit mit diesem Studio verbunden war.Viele der Elvis Hits begannen genau hier und auch das Lieblingspiano von Elvis konnten wir hier sehen.

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Anhand von einen Musikausschnitten haben wir aber erstmal gelernt, was der Nashville Sound ist. Während der klassische Country Sound mit Geige und Banjo in Verbindung gebracht wird, ist der Nashville Sound quasi ein riesiges Klanggebilde, oft mit vielen Streichern im Hintergrund. Es ist das, was wir heute meist mit Country Musik verbinden.

Neben Elvis waren in diesem Studio aber auch noch weitere bekannte Musiker, wie Roy Orbison, Dolly Parton und die Everly Brothers.

Die kurze Führung war interessant und man merkte unserem Guide an, wie viel ihr die Country Musik bedeutete  und diese Begeisterung versuchte sie auch bei uns zu wecken, was, glaub ich, ganz gut gelang.

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Danach ging es zurück zum Museum, wo wir schnell unsere Audio Guides abgeholt hatten und dann in die Ausstellung gingen. Der erste Teil widmete sich Patsy Cline, die eine der erste erfolgreichen weiblichen Interpreten war. Ihr größter Hit war sicherlich „Crazy“. Ich kannte dieses Lied, aber auch nur, weil ich vor Jahren GTA San Andreas gespielt hatte und es dort einen Country-Radiosender im Spiel gab 😉

Danach ging es dann chronologisch durch die Geschichte der Country- und Western Musik. Country ist noch nichtmal 100 Jahre alt und hat seine Wurzeln nicht unweit von Nashville in den Smoky Mountains. Er entstand durch europäische Lieder, die die Einwanderer mitbrachten, welche dann mit dem Liedgut der Afroamerikaner vermischt wurden. Die frühe Country Musik wurde auch als Hillbilly bezeichnet, Musik, die mit wenigen Instrumenten, wie der Mundharmonika oder einer Geige (Fiddle) auskam.

Eine weitere Wurzel geht zurück auf die Blue Grass Musik. Schließlich kreierte Nashville dann seinen eigenen Sound und die heutige Marke Country Music.

Bis heute ist Country sehr populär, vor allem in den USA, aber moderne Stars wie Shania Twain oder Faith Hill haben es auch bis nach Europa geschafft.

Die Verbreitung der Country Musik, raus aus dem Smokie Mountains, begann ab 1925 und dies war auch der Beginn der Musikstadt Nashville, denn voher hat man davon hier noch nichts gesehen. 1925 wurde eine Radiostation gegründet (Radio gab es damals erst seit kurzem), WSM auf Kanal 650. Den Sender gibt es bis heute noch und er zählt zu den größten der USA. Hier wurde jeden Samstag eine Sendung namens ¨WSM Barn Dance¨, welche später in die ¨Grand Ole Opry¨ umbenannt wurde, gesendet, ein Name der bis heute für diese wöchtentliche Show steht, welche die größte Country Show in den USA ist.

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Nach und nach siedelten sich dann Studios rund um Nashville an und mit dem Rock n Roll kamen auch die Stars hierher und nahmen ihre Platten auf. Um nicht im Rock n Roll unterzugehen, kreierte Nashville dann seinen bekannte Nashville Sound.

Bis heute ist Nashville das Zentrum der Country Musik und tausende von Songschreibern warten darauf, dass ihr nächstes Lied ein Hit wird und von einem der mehr als Hundert Studios produziert wird. Viele von Ihnen warten allerdings schon länger und viele werden wohl auch noch lange warten müssen, denn das Geschäft ist hart.

Eine witzige Anekdote ist, dass die Radioverbreitung der Country-Musik eigentlich nur ein Nebenprodukt war. Eigentlich sollten die Radiosendungen, welche später zur Grand Ole Opry Show wurden lediglich eine Werbung sein. Eine lokale Versicherung wollte auf ihre Produkte aufmerksam machen und nutze Musik zwischen den Werbetexten, um die Leute am Radio zu halten. Es geht sogar das Gerücht um, die Versicherungsvertreter seien, während die Sendung im Radio lief, durch die Wohnviertel gelaufen und hätten durch die Fenster gelauscht, ob die Sendung lief. Wenn ja, haben sie angeklopft und versucht, eine ihrer Versicherungen zu verkaufen.

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Das Museum war gemeinsam mit dem Audioguide sehr informativ, auch wenn es eine riesige Flut von Informationen war, welche wir uns unmöglich merken konnten, aber Nashville zu besuchen, ohne etwas über die Musik der Stadt zu wissen, wäre unverzeihlich.

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Danach sind wir erstmal aus Downtown rausgefahren, denn ich hatte ja ein 24h-Parkticket für 30 USD erstanden und dachte ich kann dann später auch bequem wieder zurückkommen (dachte ich…). Unser Ziel war Opryland, wo sich die eben schon erwähnte Grand Ole Opry befindet, aus der die Radioshow gesendet wird, aber auch das Opryland Hotel. Letzteres war unser Ziel und um dorthin zu kommen, waren wieder 20 USD Parkgebühren fällig.

Ein Hotel zu besichtigen mag komisch erscheinen, aber das Opryland ist kein normales Hotel. Es ist quasi ein Stück Vegas in Tennessee. Zwischen den Zimmerblöcken befinden sich mehrere große, überdachte Innenhallen, in denen Landschaften künstlich aufgebaut wurden mit Palmen, Wasser, Wasserfällen und jeder Menge exotischer Pflanzen. Man kann sogar eine Bootstour durch das Hotel unternehmen. Von hier sendet heute auch der Radiosender 650am WSM, von dem vorhin die Rede war.

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Wer in dem Hotel wohnen möchte findet auch sicher einen Platz, denn es gibt rund 2900 Zimmer. Wir waren aber nur zu Besuch da und nach dem Rundgang knurrte uns langsam der Magen, so dass wir uns gemeinsam einen Truthahn-Burger mit Pommes geteilt haben, der durchaus lecker war.

Danach ging es dann zurück in die Stadt und wir hatten auch direkt wieder unseren alten Parkplatz angesteuert, doch als wir hineinfahren wollten, wollte man nochmal 25 USD Parkgebühren haben. Im Kleingedruckten des 24h-Tickets steht nämlich, dass man nicht zwischendrin rausfahren darf – nur die Maschine hatte dies vorher nicht erwähnt Also sind wir – leicht unwirsch – wieder raus uns haben versucht in Broadway-Nähe, denn das war das Ziel für den Abend, einen Parkplatz zu finden. Dank dem Abendverkehr dauerte dies dann aber fast eine halbe Stunde, bis wir das Auto für weitere 20 USD abgestellt hatten.

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Danach ging es zu Fuß weiter zum Broadway, wo bereits am späten Nachmittag ein buntes Treiben herrschte. Überall kam Live-Musik aus den Lokalen und es war eine losgelöste Stimmung. Es gab sogar Stromverteilerkästen auf der Straße aus denen Country-Musik kam. So war unser Unmut über die Parkplatzsuche dann auch schnell wieder verschwunden. Wir sind dann zunächst einmal die Straße auf und ab gegangen und dabei ein wenig durch die Läden gelaufen. Danach habe ich die große Kamera zum Wagen gebracht, wo mir auffiel, dass irgendwas noch lief, aber ich fand nicht raus was. Im Anschluss haben wir uns dann in eine Bar gesetzt, wo eine junge Band spielte und haben erstmal was getrunken. Hier haben wir die Zeit verbracht, bis die Sonne untergegangen war, während nebenan das lokale Eishockey-Team sich auf ein Spiel vorbereitete.

Kurz nachdem die Sonne untergegangen war nutzte ich die Gelegenheit und bin kurz noch einmal über den Broadway gelaufen, um ein paar Fotos mit den nun hell leuchtenden Neonreklamen zu machen. Das ganze hatte schon fast etwas von Vegas, nur etwas natürlicher, freundlicher und mit deutlich mehr Charme. Da meine Augen den ganzen Tag schon recht stark wehtaten, bin ich dann nochmal kurz zum Auto, um ein paar Augentropfen zu nehmen. Wieder viel mir auf, dass noch etwas zu laufen schien und jetzt merkte ich auch was: ich hatte seit 2h den Motor laufen lassen – ich Dummkopf, aber das ist das Problem bei einer Automatik, bei der man per Knopf den Motor anlässt und nicht mehr den Schlüssel braucht…

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Wieder zurück von der kurzen Tour (und mit nunmehr ausgeschaltetem Auto) sind Milly und ich dann gemeinsam über den Broadway geschlendet und mal kurz in jeden interessanten Club für ein oder zwei Lieder reingegangen. Zwischendrin haben wir noch etwas leichtes gegessen: Pommes mit Speck und Käse überbacken und 10 Barbeque-Hähnchenschenkel – waren wir satt danach! Auch ein kleines Souvenir in Form einer Best-of-Country-CD habe ich mir noch mitgenommen.

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Gegen 10 Uhr sind wir dann aber doch müde und erschöpft wieder abgefahren in Richtung Hotel, schließlich soll es ja morgen direkt weiter nach Memphis gehen. Unterwegs musste ich aber noch bei einem Kino anhalten, welches wir gestern schon bei unserer Ankunft von der Interstate aus gesehen hatten, da es komplett mit Neonröhren verkleidet war.

Uns hat Nashville sehr gut gefallen. Es ist eine liebenswerte Stadt mit sehr netten Einwohnern. Sicher hätten wir hier auch noch einen weiteren Tag bleiben können, aber einen ersten schönen Eindruck haben wir auf jedenfall mitgenommen und wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann mal wieder zurück.

Das war dann also unser Country Tag und morgen geht es um die Musik, die neben dem Blues auch den Country als seine Wurzeln hat: den Rock n Roll.

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Autor:Jens Koopmann