Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 6: Das Capitol und die Federal Library in DC

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Tag 2 in Washington D.C. und ich war wieder recht früh auf den Beinen. Da alle im Haus noch schliefen, habe ich einfach ein wenig an unserem Reisebericht geschrieben, denn in New York kam ich nicht allzuviel dazu und es gab doch einiges zu berichten von unserem langen Tagen in Big Apple. Ich habe das Gefühl, dieser Bericht wird noch recht lang werden, da ich versuche, doch so viele der Anekdoten und Erinnerungen niederzuschreiben wie möglich, bevor wir sie wieder vergessen haben.

Gegen 10 Uhr war dann auch der Rest der Meute auf den Beinen und wir haben erstmal gefrühstückt. Da unsere Tour durch das Kapitol erst um 3 Uhr nachmittags war, blieb noch etwas Zeit, um die Unterhaltungen von gestern fortzusetzen. Millys Tante und ihre Cousins waren dabei sehr interessiert daran, wie unser Leben in der „Alten Welt“ so sei und in vielen Fällen haben wir auch gemerkt, wie wenig man doch auf dieser Seite des großen Teichs von Europa weiss.

Gegen 13 Uhr mussten wir dann aber los und Millys Tante entschloss sich doch noch kurzfristig, unserem Vorschlag zu folgen und uns in die Stadt zu begleiten, schließlich war sie selbst auch noch nie im Kapitol gewesen.

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Eine Stunde später waren wir dann auch angekommen. Seit 2007 hat sich hier vieles verändert. Das Besucherzentrum ist komplett neu gestaltet und auch die ganzen Sicherheitskontrollen liefen heute schnell und problemlos ab. Etwas, was mir schon in NewYork im Vergleich zu 2007 aufgefallen war.

Wir hatten dann unsere Reservierung eingelöst und konnten auch noch kurzfristig Millys Tante mit auf die Tour nehmen. Dann hieß es zunächst etwas warten, bis es zu einem kurzen Einführungsfilm in ein Kino ging.

Out of many one – so lautete der Titel des Filmes und er beschreibt recht gut, wie unterschiedlich doch die USA sind, wie sehr sich die einzelnen Bundesstaaten, Ost und West, Nord und Süd unterscheiden. Und doch ist es ein Land, welches irgendwo einen Konsens finden musste und auch heute noch muss, denn längst sind nicht alle Unterschiede und verschiedenen Interessen verschwunden.

Dieser Konsens findet sich im Aufbau der Demokratie und der Teilung in Repräsentationhaus und Senat wieder. Beide gemeinsam bilden den Kongress. Während im Senat jeder Bundesstaat und sei er auch noch so klein gleich gewichtet mit 2 Senatoren vertreten ist, richten sich die Sitze im Repräsentantenhaus nach der Bevölkerungszahl. So soll sichergestellt werden, dass jeder Bundesstaat seine Anliegen einbringen kann und das sich ein konstruktiver Gesetzgebungsprozess entwickelt. Das trotz dieser Gegebenheiten dem nicht immer so ist, zeigt die Spaltung des Landes im Bürgerkrieg ab 1861 und der Streit um die Finanzen der Nation, welcher die letzten Jahre immer wieder hochkommt und dieses Jahr sogar eskalierte.

Wie beim Weißen Haus wurde auch beim Kapitol der Grundstein noch durch George Washington gelegt, doch die Fertigstellung sollte noch bis 1812 dauern, nur um 2 Jahre später von den Briten niedergebrannt zu werden. Der Wiederaufbau zog sich dann viele Jahre hin und zuletzt wurde 1863 die Kuppel wieder fertiggestellt. Diese ist übrigens dem Petersdom in Rom nachempfunden und ähnlich gewaltig, wenn man drunter steht (was wir später noch tun sollten).

Unsere Führung führte uns jedoch zunächst in eine Krypta, die keine ist. Dieser runde Raum unter der Kuppel, sollte eigentlich das Grab von George Washington werden, nur das Washington schon vor der Fertigstellung starb und verfügte, in Mt. Vernon, seinem Wohnsitz, begraben zu werden. Stattdessen wurden dann Statuen von Persönlichkeiten aus den 13 Gründungskolonien aufgestellt. Die Säulen im Raum dienen dazu, die mächtige Kuppel zu tragen.

In der Mitte der Krypta befindet sich der Mittelpunkt von Washington D.C., von wo die Aufteilung der Stadt stattfindet.

Weiter ging es dann nach oben in die Rotunda, den sicherlich beeindruckendsten Saal des Kapitols, zum einen wegen der gigantischen Kuppel und zum anderen wegen der vielen Wandgemälde und dem schönen Marmor, der alles umgibt.

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Mittelpunkt ist aber klar die Kuppel mit ihrem Deckengemälde und wer genau hinschaut (bzw. ein Fernglas oder Teleobjektiv dabei hat), der wird in diesem Gemälde auch George Washington entdecken, wie er von Symbolen der Amerikanischen Demokratie umgeben ist und wie über ihm derSpruch steht ¨ Et pluribus unum¨ – „Aus vielem Eins“ bzw. „Out of many one“.

Unten wird der runde Raum mit Gemälden geschmückt, welche Ereignisse der amerikanischen Geschichte zeigen, so u.a. die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung und die Taufe von Pocahontas. Auch das Fries an der Decke zeichnet die Geschichte der Nation nach.

Die Rotunde wird allerdings nicht nur von Touristen genutzt, sondern ist auch eine Festhalle, in der u.a. die Begräbnisfeiern der Präsidenten stattfinden. Passenderweise stehen auch einige Präsidenten rund um die Halle herum (natürlich nicht lebendig…).

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Nach diesem Highlight ging es dann in den letzten Raum, den alten Senatssaal. Dieser Saal war der erste genutzte im Haus, wurde jedoch irgendwann zu klein für die wachsende Zahl von Bundesstaaten und wurde daher umfunktioniert zur National Statuary Hall. Jeder Staat darf in diesem Saal zwei Statuen ausstellen, von bedeutenden Persönlichkeiten. Es gibt dabei keine Regeln, wer aufgestellt werden kann, solang diese Person eine Bedeutung für den jeweiligen Staat hat.

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Danach ging es wieder zurück in das Visitor Center, wo es Abschied nehmen hieß, denn Millys Tante musste zurück, um am späten Nachmittag noch arbeiten zu können. Es war schön sie kennengerlernt zu haben und wir werden sie sicher irgendwann wiedersehen.

Wir dagegen hatten noch etwas Zeit, bis wir zum Flughafen mussten, so dass wir vom Visitor Center durch einen Tunnel bis ins Jefferson Building gelaufen sind, in der sich die Library of Congress befindet, die größte Bibliothek der Welt mit über 100 Mio. Büchern. Die Bücher sind aber nicht die einzige Attraktion, sondern auch das Gebäude selbst ist mehr als beeindruckend. 1897 erbaut, ist es von außen ein zwar hübscher, aber zwischen den anderen Bauten in Washington nicht so auffallender Bau. Von innen dagegen ist der Bau mehr als beeindruckend. Sobald wir die Große Halle betreten hatten, stellte sich ein großes Wow-Gefühl ein. Alles war so reich dekoriert, wie ich es bislang nur im Vatikan im Petersdom und den Vatikanischen Museen gesehen hatte und in der Tat ist der Innenraum im Stil der Italienischen Renaissance gehalten. Alles ist in Mamor in allen Farben gehalten und zwei Treppen flankieren die Seiten über die wir in den zweiten Stock kamen, von wo wir einen noch besseren Überblick hatten. Entlang der Treppenaußenseiten sind kleine Kinder eingraviert, welche verschiedene Berufsgruppen symbolisieren. Auf den Absätzen befinden sich Globen, die die Kontinente Afrika, Amerika, Asien und Europa repräsentieren.

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Sehenswert ist auch die Decke mit ihrem schönen Glasfenster und die Bilder an den Seiten mit allerlei Sprüchen.

Im Erdgeschoss sind zudem zwei Bibeln ausgestellt, welche zu den wertvollsten Büchern der Bibliothek gehören – die Gutenberg Bibel und die Mainzer Bibel. Leider waren hier keine Bilder erlaubt, ebenso, wie im Hauptleseraum, welcher nicht weniger beeindruckend war, als die große Halle.

Vom Obergeschoss gingen dann auch noch zwei Ausstellungsräume, wovon sich einer mit dem Bürgerkrieg beschäftigte und den wir uns daher auch noch angeschaut haben, schließlich führt uns unsere Reise ja noch in den Süden der USA, der mit seiner sklavenintensiven Arbeit Auslöser für den Streit war, der zum Bürgerkrieg führte.

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Nachdem wir durch das Gebäude durch waren, ging es dann auch zur U-Bahn zurück. Zwischenzeitlich hatte es sich draußen auch zugezogen, denn für den Abend waren noch Unwetter erwartet. Wieder zurück in Largo haben wir erstmal im dortigen Einkaufszentrum noch einen Happen gegessen, bevor wir dann zum Flughafen nach Baltimore gefahren sind.

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Bis auf einen kurzen Stau verlief der Weg problemlos und so kamen wir schnell dort an und haben unser Auto wieder abgegeben. Da noch reichlich Zeit bis zum Flug war, haben wir nach dem einchecken uns einen Platz gesucht, wo Milly ein Nickerchen machen und ich weiter am Reisetagebuch schreiben konnte.

Unser Flieger nach Nashville startete dann mit einer guten halben Stunde Verspätung und ich war auch schon ziemlich müde, so dass ich die gut 2h Flug die Augen etwas zugemacht habe.

In Nashville angekommen hatten wir die Unwetter des heutigen Tages gerade hinter uns gelassen.

Auf dem Weg durch den Flughafen zur Gepäckausgabe habe ich festgestellt, dass dies der charmanteste Flughafen ist, den ich bislang in meinem Leben gesehen habe. Alles ist sehr schön hergerichtet und natürlich spielt die Country Musik überall eine Rolle. Die nächste Feststellung war, dass die Menschen hier sehr freundlich sind, zumindest der am Alamo-Schalter.

So hatten wir kurz darauf dann unser Auto für die kommenden 19 Tage, einen Dodge Journey. Endlich wieder einen SUV fahren! Mit diesem Gefährt unter dem Hintern ging es dann raus aus dem Flughafen und ins 20min entfernte Hotel, wo wir dann tot ins Bett gefallen sind, aber auch froh, dass alles bis hierhin so gut geklappt hatte. Jetzt kann also unsere Rundreise durch den Süden beginnen.

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Autor:Jens Koopmann