Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 23: Ein Sonnentag in den Everglades

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Auf den heutigen Tag hatte ich mich schon gefreut, denn nach all den Städten stand wieder Natur auf dem Programm und der einzige Nationalpark der Reise (mal abgesehen von meinem kleinen Allein-Abstecher in New Orleans in den Jean Lafitte Nationalpark). Gemeint sind die Everglades, welche zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Floridas zählen. Zunächst aber galt es dorthin zu kommen und da ich direkt am Morgen erstmal bis zum Parkendpunkt nach Flamingo fahren wollte, standen vor dem Vergnügen 2h Fahrt auf dem Programm. Diese haben wir dann auch pünktlich um 8 Uhr begonnen, nachdem ich schon gefrühstückt und Milly ihr Frühstück zum mitnehmen bekommen hatte.

Die Fahrt durch die Everglades enttäuscht meist auf den ersten Blick und so war auch Milly nicht gerade in Begeisterung ausgebrochen, als sie nach ihrem Nickerchen aus dem Fenster lugte und nichts als weite Graslandschaft sah, die mehr nach Steppe in Kenia aussah, denn so, wie sie sich einen Nationalpark in den USA vorgestellt hatte.
In der Tat sind die Everglades nicht mit den Parks im Westen zu vergleichen, welche durch eine gewaltige Naturlandschaft beeindrucken. Hier ist es mehr ein Safari- und Pflanzenpark, der erst auf den zweiten Blick seine Faszination ausstrahlt. Während der Fahrt durch den Park sind wir auch durch einen kurzen, aber heftigen Regenschauer gekommen, der aber ebenso schnell vorbei war, wie er gekommen war. Von Regen sollte den Rest des Tages keine Spur mehr sein und stattdessen die Sonne regieren, wenn auch bei einer recht hohen Luftfeuchtigkeit.

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Unser erster Halt war das Visitor Center in Flamingo, wo wir kurz die Informationstafeln studiert haben und dann auch schon einen ersten Reiher sowie einen braunen Pelikan entdeckt haben. Doch das Visitor Center war nicht unser wirkliches Ziel und so sind wir noch kurz eine Meile weiter gefahren zum Eco-Pond. Hier haben wir neben Reihern auch Ibisse und Moorhennen gesehen, welche sich rund um den Tümpel verteilten. Den Raum haben sie sich mit vielen Schmetterlingen, Libellen und auch einigen lästigen Fliegen geteilt, welche am Ende so penetrant waren, dass wir erstmal unser Anti-Moskitomittel aufgetragen haben und als das auch nicht viel half, die Umrundung des Wasserbeckens aufgaben und die Flucht antraten.

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Nächster Stop war dann der Mrazek Pond, ein weiterer kleiner See, welcher ebenfalls gute Möglichkeiten bieten sollte, um Vögel zu sehen, doch irgendwie waren die alle gerade in der Mittagspause und so konnten wir hier direkt weiterfahren, denn zu sehen gab es nichts.

Die Everglades sehen zwar recht monton aus als Landschaft, sind aber tatsächlich doch recht vielfältig. Im Prinzip sind die ein riesiger Fluss, der nur sehr langsam fließt, sehr flach und dafür unglaublich breit ist. Und doch ist dies kein Vergleich mehr zu dem, was die Everglades mal waren, denn früher nahm dieses Ökosystem rund 1/3 der Fläche Floridas ein. Zerstört wurden dann große Teile, als man begann, die Sümpfe trockenzulegen und für die Landwirtschaft zu nutzen. Weiter verschlechtert hat sich die Lage mit dem Kanal zwischen Miami und dem Lake Okeechobee. Nun fließen durch die Everglades nur noch 20% des früheren Wassers, was die Fläche des Ökosystems natürlich verkleinert hat. Gleichzeitig fallen die ehemaligen Sümpfe als Wasserregulierer weg und so kam es in der Folge in den letzten 100 Jahren immer wieder zur schweren Dürren oder Überflutungen. Ein Programm soll nun versuchen, den Schaden teilweise rückgängig zu machen und die alten Wasserflüsse in Teilen wieder herzustellen.

Innerhalb der Everglades gibt es aber nicht nur die Grassteppe, sondern durchaus verschiedene Landschaften, die sich herausbilden, wenn der Untergrund nur wenige Zentimeter höher oder Tiefer liegt. So bilden sich auf höhergelegenen Inseln (meist nur weniger Zentimeter höher als der Rest) Bauminseln, während in anderen Gebieten Mangrovenwälder entstanden sind, wie den, den wir als nächstes beim West Lake Trail gesehen haben. Die Hurrikane der letzten Jahre haben hier großen Schaden angerichtet, denn sie haben Schlamm ins Land gebracht und damit den Mangroven den Wasserkontakt genommen. Wenn dann noch Trockenzeit ist, liegt ein ganzer Teil des Mangrovenwaldes wie jetzt im Trockenen. Es war kein Vergleich zu den Mangroven, welche wir 2011 in Kenia am Mwazaro Beach gesehen hatten, oder aber zu dem Mangroven, welche ich 2007 in der Nähe von Everglades City sah.

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Nach dem kurzen Rundgang ging es weiter zum Mahogany Hammock, allerdings gab es zwischendrin noch einen Fotostop beim Paurotis Pond. Hier könnten wir aus der Ferne eine ähnliche Vogelbrutstätte beobachten, wie wir sie in der Alligatorenfarm in St. Augustine gesehen hatten. Auch hier war es wieder eine beeindruckende Geräuschkulisse gewesen.

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Was wir hier aber auch entdeckt haben, waren fliegende Fische. Immer wieder sprangen Fische kurz aus dem Wasser an die Luft. Einige sprangen sogar richtig hoch und schätzungsweise 1-2m weit. Leider konnte ich nie schnell genug die Kamera auf einen richten, so dass ich dieses Schauspiel nicht auf einem Foto festhalten konnte.

Danach kam dann wirklich der Mahogany Hammock dran, eine der eben angesprochenen Bauminseln. Hier wachsen Edelhölzer wie der Mahagonie-Baum. Auch soll es hier schöne bunte Schnecken geben, welche wir zwar gesucht haben, aber leider ohne Erfolg, so dass wir den kurzen Rundgang auch schnell hinter uns gelassen hatten und es weiter ging zum nächsten Halt.

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Dieser war der Pa-Hay-Okee Overlook. Hier war ich 2007 schonmal gewesen und erinnere mich noch daran, dass man hier in den Bäumen viele Vögel sehen konnte und im Graswasser Alligatoren schwammen. Heute war von all dem aber nichts zu sehen, weder Vögel noch Alligatoren ließen sich weit und breit blicken und so blieb uns nur der Blick über die schier endlose Landschaft der Everglades, denn die Landschaft hier vermittelt einen guten Eindruck, wie es früher in einem viel größeren Gebiet von Florida ausgesehen haben muss.
Ein Grund dafür, dass wir hier heute keine Tiere gesehen haben, ist sicherlich die Trockenzeit, die dazu führt, dass hier kein Wasser mehr steht, wie es beim letzten Mal der Fall war, wo ich im Juni zur Regenzeit hier war. So war dieser kleine Rundgang aber auch nur ein kurzer Stop, denn viel zu entdecken gab es so leider (wieder) nicht und Milly verlor langsam den Spaß an dem Park.

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Unser letzter Stop (und mein letzer Trumpf, um Milly doch noch von den Everglades zu überzeugen) im Park sollte dann das Royal Palms Visitor Center sein, wo der Anhinga Trail meine letzte Hoffnung auf ein wenig Wildleben war, denn wenn dort nichts ist, dann ist es schon sehr schwer noch was zu finden.
Auf dem Weg zum Visitor Center haben wir den Rock Reef Pass überquert, wobei das Wort ¨Pass¨ eine leichte Übertreibung ist, denn die Erhebung ist gerade mal rund einen Meter hoch – ist aber damit immerhin einer der höchsten Punkte der Everglades.

Beim Royal Palms Visitor Center sollten wir tatsächlich recht schnell unsere Hoffnungen auf noch ein wenig Wildleben erfüllt bekommen, denn sowohl im Wasser gab es viele Fische zu entdecken (u.a. Millys Tilapia, der als Eindringling hier in der Landschaft vorkommt) und auch Schildkröten und an Land zeigte sich nach kurzem Weg ein erster Anhinga, wie der Schlangenkopfvogel genannt wird.

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Nur kurz danach haben wir im Gras ein paar Schwarz-Gelbe Grashüpfer gesehen, welche sehr schön waren, wenn auch nicht ganz so schön, wie die Grün-Gelben, die ich 2007 gesehen hatte.

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Bevor der Weg in eine Schleife abbog zeigten sich dann auch endlich die Alligatoren und davon gleich einige, die allesamt um einen blauen Reiher versammelt waren, der sich von den ganzen Jägern um ihn herum nicht stören ließ und auch bereitwillig für die Jäger mit den Kameras posierte.

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Auf der dann folgenden Wegschleife konnten wir dann noch einige weitere Alligatoren entdecken und auch weitere Anhingas ließen sich blicken. Milly hatte dann auch noch einen Vogel in einem Nest entdeckt und ein paar Wasserschildkröten, die an uns vorbeizogen. Es schien fast, als hätten sich alle Tiere des Parks in diese Ecke zurückgezogen.

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Während ich noch meine Fotos machte, ist Milly dann schon etwas vorausgelaufen, kam dann aber irgendwann wieder zurück, da sie meinte, unter dem Steg hätte was nach ihr geschnappt.

Als wir dann gemeinsam an der Stelle vorbeikamen, fanden wir auch einen Alligator, welcher hier im Busch lag. Während wir ihn beobachteten zog er langsam unter dem Steg hindurch und während Milly versuchte ihn zu verfolgen, schnappt auf der anderen Stegseite nochmal blitzschnell zu. Der Alligator war nicht zu Späßen aufgelegt!

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Milly saß der Schreck in den Beinen und sind wir dann schnell weitergelaufen.

Das war dann auch schon unser Tag in den Everglades, aber wir waren viel schneller gewesen, als ich es vermutet hatte. Dies erlaubte uns, einen Programmpunkt von morgen auf heute vorzuziehen. Ich wollte, dass Milly auch einmal mit einem Airboat fährt, so wie ich es 2007 in Everglades City gemacht hatte. Da nahe dem Park die Everglades Alligatorfarm ist, wo ich auch schon 2007 war und dort auch eine solche Fahrt möglich ist, sind wir dort auf dem Rückweg noch dort rangefahren und kurz vor 3 Uhr angekommen.

Genau richtig, denn im Preis war auch die Alligatorfarm mit enthalten und um 3 Uhr war die Fütterung angesetzt. Im Gegensatz zu St. Augustine kann man hier bei der Fütterung gut sehen, wie agil die Echsen sein können, wenn sie denn wollen. Ihre Totenruhe ist mehr schein als sein, wenn es darum geht, ans Essen zu kommen. Alligatoren können dabei nur schlecht sehen und riechen. Ob etwas essbar ist, finden sie heraus, indem sie auf es beißen und das mit einem unglaublichen Druck.

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Nach der kurzen Fütterung sind wir dann zu den Airbooten gelaufen. Schon vorher hatten wir den Lärm gehört, als die Boote mit den Flugzeugmotoren losgedüst sind. Im Gegensatz zu meiner damaligen Tour ging es hier und heute nicht um die Erkundung der Sümpfe und das Ausschauhalten nach Wildtieren, sondern es war mehr eine Funtour, bei der das Boot über die Grasflächen gejagt wurde und wir in wilden 180 und 360 Grad-Drehungen hin und her geworfen wurden und dabei durchaus auch ein wenig nass wurden, denn nach jeder Drehung wurde das Boot quasi einmal durchgeflutet. Aber den Sandalen macht sowas ja nichts aus, zumal alles Süßwasser ist. Die Tour war zwar nur recht kurz, hatte aber trotzdem Spaß gemacht und Milly war begeistert.

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Danach gab es um 4 Uhr noch die Schlangenshow. In der Show wurden Schlangen gezeigt und man durfte sie anfassen. Das interessanteste war aber, dass jeder am Ende die Gelegenheit hatte, eine Schlange mal zu halten. Milly hatte gezuckt, als wäre sie unter Strom gesetzt, sobald die Schlange auch nur in ihre Nähe gehalten wurde. Beim ersten Versuch sie zu halten, hätte sie sie dann auch am liebsten gleich weggeschmissen.

Ich war da schon etwas tapferer, schließlich war es ja kein großes Exemplar. Von meinem Mut angespornt hatte Milly sich dann auch nochmal überwunden und die Schlange tatsächlich nochmal genommen.

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Letzter Programmpunkt hier war dann um 5 Uhr das Alligatorwrestling. Auch das hatte ich 2007 schonmal gesehen, aber für Milly war es neu und sie staunte nicht schlecht, wie schnell ein Alligatormaul zuschnappen kann. Das wichtigste kam aber nach der Show, denn wir schon 2007 durfte jeder dann nochmal einen einjährigen Baby-Alligator halten, was auch Milly diesmal mit Bravour tat.

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Damit war dieser Teil des Tages dann auch abgeschlossen und hoch zufrieden haben wir den Weg zurück nach Miami angetreten, um dort nochmal nach Miami Beach zu fahren. Auf dem Weg hatten wir aber etwas Zeit verloren, da Milly noch in ein paar Beautyshops reinwollte und als wir in Miami Beach ankamen, dauerte es eine halbe Stunde, bis wir noch einen Parkplatz gefunden hatten, denn es war Wochenende und es war Abends. Schließlich konnten wir das Auto für 3h kostenfrei abstellen. Danach haben wir uns für eine Stunde getrennt, so dass Milly noch etwas rumschlendern und ich die Blaue Stunde zum Fotografieren am Ocean Drive nutzen konnte.

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Danach sind wir dann beide an der Ecke 11. Straße / Washington Avenue in ein kleines Diner gegangen und haben dort gegessen. Für Milly gab es ein großes Steak mit Shrimps und Mais und für mich gefüllten Truthahn mit Kartoffelpürree. Beides war wirklich super gewesen und für Miami Beach durchaus preislich im Rahmen. Wir waren danach auf jedenfall satt und zufrieden und auch wieder mit Miami versöhnt, denn der gestrige Tag war quasi vergessen.

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Und so ging es nach diesem erlebnisreichen und wieder langen Tag zurück ins Hotel, wo wir beide nur noch ins Bett gefallen sind, um morgen dann auszuschlafen.

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Autor:Jens Koopmann