Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 20: Floridas Sümpfe und Ewige Jugend in St. Augustine

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Ab nach Süden hieß das Motto des Tages, denn es ging weg aus South Carolina und bis nach Florida. Unterwegs lag aber noch unsere Hauptattraktion des Tages, die Okefenokee-Sümpfe (sprich Okifinokie) an der Grenze zwischen Georgia und Florida. Da die Anfahrt dorthin gut 4h dauert, war heute ein letztes Mal auf der Reise ein sehr frühes Aufstehen gefragt. Genauer gesagt klingelte der Wecker bereits um halb 6, so dass wir kurz nach 6 losfahren konnten.

Während Milly während der Fahrt noch ein gemütliches Nickerchen gemacht hat (naja wirklich gemütlich ist das im Auto auch nicht) bin ich dem beginnenden Morgen entgegen gefahren. Eigentlich waren für heute erste Regenschauer und starke Bewölkung angesagt, aber der Weg führte zunächst bei klarer Sonne bis nach Savannah und ab da bei leichter Bewölkung zu den Sümpfen, nur um rechtzeitig wieder aufzuklaren. Das ganze war zudem bei recht angenehmen Temperaturen knapp über 20 Grad (sollte aber im Laufe des Tages noch wärmer werden).

In den Sümpfen angekommen, haben wir schnell unseren Eintritt bezahlt und dann sind wir zu Okefenokee Adventures gegangen, einem Veranstalter, der Bootstouren durch die Sümpfe anbietet. Bis zu unserer Tour blieb uns dann noch etwas Zeit, die wir im Visitor Center verbrachten und dort einen kurzen Film über die Sümpfe gesehen haben, welche die größten Schwarzwassersümpfe der USA sind mit einer Fläche von 2400qkm. Die Sümpfe sind auch Quelle für zwei Flüsse, den Suwannee-River und den kleineren St. Marys River.

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Unsere Tour sollte um 10:30 Uhr beginnen doch leider war der Guide noch nicht da. Doch nach knapp einer Viertelstunde hatte man einen Ersatz gefunden und wir hatten eine kleine Privattour für 90 Minuten.

Während der ersten Minuten der Tour erstreckte sich rechts uns links neben uns mit Ausnahme einer einzelnen Baumreihe ein recht karges Land. Dies ist allerdings erst seit ein paar Jahren so, denn zwei Feuer im Jahr  2007 zerstörten in der Region riesige Landstriche. Unser Guide war sehr unterhaltsam und hat uns allerlei interessantes über das Land hier erzählt. Besonders interessant fand ich, dass das Wasser hier das beste in den alten Kolonien ist, denn es war das einzige, welches damals den Weg über den Atlantik überstand und trotzdem noch trinkbar war. So schwarz wie es aussieht, mag man das eigentlich gar nicht glauben.

Nach einer Viertelstunde wurden die Bäume dann dichter um immer mehr Zypressen kamen zum  Vorschein. Im letzten Jahrhundert war das Gebiet ein Holzabbaugebiet und man versuchte sogar, die Sümpfe trocken zu legen. Beide Vorhaben sind aber gottseidank Vergangenheit, ansonsten könnten wir heute nicht die einmaligen Spiegelungen auf dem glatten Wasser sehen, die diese Gegend unglaublich friedvoll und idyllisch machen.

Auf dem Weg hatten wir noch eine Wasserschildkröte gesehen, welche ein Sonnenbad genommen hat und einige Alligatoren, welche vor uns schwammen.

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Dann sind wir nach links abgebogen und plötzlich änderte sich die Landschaft schlagartig, denn statt der Bäume erstreckte sich vor uns jetzt ein Meer von Seerosen, von denen viele auch schon Blüten hatten. Diese Aussicht ist schwer in Worte zu fassen, denn so etwas hatten wir noch nicht gesehen.In den kleinen aufgeschwemmten Sandbänken verstecken sich auch gern die Alligatoren tagsüber. Ebenso graben sie sich hier auch Höhlen.

Die Sümpfe sind nur zu einem kleinen Teil erkundet und es ist sehr leicht sich zu verirren und so verlor erst vor kurzem einer der Bootguides allein die Orientierung und musste 6 Tage in den Sümpfen ausharren, bevor man ihn gefunden hatte. Bis jetzt ist noch nicht klar, wie er die sechs Tage überstehen konnte, denn die Umgebung ist alles andere als lebensfreundlich. Aber eine Nahrungsquelle hatten wir schon kennengelernt, denn die kleinen weiß-orangenen Stengel der Seerosen kann man Essen und sie sind ein wenig wie Sellerie. Nur um dorthin zu kommen muss man auch immer durchs Wasser und da wartet halt nicht nur die Nahrung auf einen, sondern auch hungrige Alligatoren.

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Dann ging es auch langsam wieder zurück und auch hier haben wir noch ein paar Alligatoren sehen können. Wie schnell ein Alligator reagiert, hatten wir gesehen, als unser Guide einen mit dem Stock kurz berührte. Blitzschnell war er im Sumpf verschwunden. Das er uns nicht angegriffen hat, lag daran, dass er eine Fluchtroute hatte, denn vor dem Boot und uns Menschen haben Alligatoren in der Regel mehr Angst als wir vor ihnen, es sei denn, Menschen füttern die Alligatoren, denn der Alligator unterscheidet nicht zwischen Futter und jemandem der Futter gibt.

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Zum Schluss ließen sich noch ein paar Schildkröten blicken und dann ging die super Tour auch schon zu Ende. Unser Guide hatte uns prächtig unterhalten und sich sein Trinkgeld mehr als verdient.

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Wir sind dann aber noch ein wenig durch die Gegend hier im Park gefahren bis zu einem der Häuser der früheren Sumpfbewohner. Unterwegs hatten wir noch einen kurzen Spaziergang durch den Wald gemacht. Milly hatte auf dieser kurzen Strecke mal das Steuer übernommen, da hier ja quasi kein Verkehr war. Auf dem Weg zurück zum Ausgang kamen wir an einem Kanal entlang, der zum einen auch die schönen Seerosen enthielt, zum anderen aber auch Alligatoren, was Milly erst nicht glauben wollte, bis wir tatsächlich 2 gefunden hatten, die am Ende nur noch 2-3m von uns entfernt waren.

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Damit war es dann auch kurz nach 2 und wir lagen super in der Zeit, so dass es noch Gelegenheit geben sollte, etwas in St. Augustine zu unternehmen, unserem heutigen Tagesziel, wohin wir nun aufgebrochen sind.

Die Fahrt dorthin dauerte nochmal knapp 2 Stunden und führte vorbei an Jacksonville und dann noch ein kleines Stück nach Süden. Wir hatten dabei Glück, dass wir nicht in der Gegenrichtung gefahren sind, denn dort staute es sich über einige Meilen auf der Interstate. Wir dagegen kamen gut voran und schon bald war die Stadtgrenze von St. Augustine erreicht.

St. Augustine ist die älteste Stadt der USA und feiert in diesem Jahr das 500. Jubiläum seiner Entdeckung, denn Ponce de León, ein spanischer Konquistador, der bereits mit Kolumbus segelte kam 1513 nach Florida und aufgrund der vielen Blumen die er sah, nannte er es Insel der Blumen: Florida. Ab diesem Zeitpunkt war Florida (welches damals defacto ganz Nordamerika umfasste) spanische Kolonie.

Die Stelle an der Ponce de León an Land ging ist heute Teil des Fountain of Youth-Parks. Dessen Beschilderung sahen wir auch bei der Einfahrt nach St. Augustine und da ich dort 2007 nicht gewesen war, haben wir diesmal den Abstecher gewagt.12 Dollar pro Person kostete das Vergnügen und kaum das wir gezahlt hatten, waren wir auf dem Gelände.

Als Ponce de León hier ankam war er aber nicht der erste Mensch hier, denn schon tausende Jahre zuvor lebten hier Indianer und diese waren von den Eindringlingen nicht sonderlich begeistert, zumal diese nicht gerade in freundlicher Absicht kamen.

Neben der Quelle, zu der wir später gingen, gab es noch eine kleine Vorführung über die Navigation im 16. Jahrhundert und eine Rücklichtprojektion der Geschichte Floridas, welche seit über 50 Jahren lief. Beides war allerdings nicht übermäßig spannend und keineswegs eine Konkurrenz zu den Sümpfen.

Dann ging es aber zur Quelle der Jugend, denn einen kleinen Schluck wollten wir natürlich nehmen – für den Fall, dass es was hilft. Die Quelle ist aber recht unspektakulär, denn sprudeln tut hier schon lange nichts mehr, denn durch die Nutzung des riesigen Frischwasserreservoirs an der Ostküste ist der Druck seit Ponce de Léons Zeiten deutlich gesunken und nichts sprudelt mehr, sondern wird aus einem Brunnen gefördert. Das Wasser schmeckt auch nicht wirklich, sondern ist eher fad, zumal ihm die nötige Kühle fehlt, um wirklich erfrischend zu sein. Aber wenn es hilft… Obwohl die ganze Ostküste von diesem Wasser trinkt, soll allerdings nur an dieser Stelle das Wasser seine magische Kraft entfalten. Klar, sonst hätte Florida schon bald ein Bevölkerungsproblem…

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Um 5 Uhr sind wir dann schnell noch zum Wasser gelaufen, wo eine Kanone stündlich abgefeuert wird. Natürlich nicht mit einer echten Kanonenkugel, sondern nur mit Schwarzpulver. Man sollte sich auch besser die Ohren beim Abschuss zuhalten, denn es knallt wirklich gehörig. Ich hatte mir leider nur ein Ohr zugehalten, denn die zweite Hand war an der Kamera und ich war sogar erfolgreich, auch wenn es ganz schön geknallt hatte und die nächsten Minuten mein Ohr nicht mehr ganz auf der Höhe war.

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Wieder zurück im Park gab es dort noch die Nachbildung eines Indianerdorfs zu sehen, was aber weniger interessant war, als die Pfauen, die hier herumliefen. Als wir vorhin hier vorbei kamen, hatten wir sie zwar auch schon gesehen, aber keiner ließ sich dazu bewegen, ein Rad zu schlagen, was jetzt anders war und so habe ich schnell noch ein paar Fotos geknippst.

Was ich vorher noch nie gesehen hatte, waren weiße Pfauen und auch hier hatten wir das Glück, dass einer gerade ein Rad geschlagen hatte, wenn auch nicht direkt vor uns, sondern auf dem Dach des Souvenirshops. Somit waren die Pfauen das eigentliche Highlight des Parks, in dem es ansonsten nicht wirklich viel zu sehen gab, aber dafür sind wir jetzt theoretisch für immer jung und dafür waren 12 Dollar jetzt wirklich nicht zu viel verlangt.

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Das Wasser der Quelle kann man übrigens als Souvenir kaufen – für 3,50 Dollar pro Flasche!

Danach wollte ich Milly noch eines der interessantesten Museen der USA zeigen, das Ripley’s Believe it or Not. Davon gibt es einige und ich war u.a. schon in dem in Orlando drin gewesen, aber in diesem hier noch nicht und da Milly dieses Kuriositätenkabinett noch gar nicht kannte, sind wir hinein, denn bis zur Schließung blieben uns noch zwei Stunden.

In dem Museum gab es u.a. Gemälde aus Süßigkeiten, beschriebene Reiskörner, behaarte Fische und vieles andere zu sehen. Auch einen Vergleich zwischen uns und dem größten und dem schwersten Menschen der Welt konnten wir vornehmen und uns überzeugen, dass wir von beiden Extremen weit entfernt sind.

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Aus Spaß haben wir auch einen der 50cent-Handleseautomaten mal nach unserer Zukunft befragt. Für Milly kam heraus, dass sie Luxus und Komfort liebt, sich aber lieber geistig, denn materiell bereichert. Allerdings fällt es ihr auch schwer gesund zu leben (bei dem amerikanischen Essen kein Wunder!). Aber auf sie wartet im Leben eine der seltenen, wirklich glücklichen Ehen (ich hoffe mal, damit ist unsere gemeint). Meins fiel leicht anders aus: Sex und Essen sind wohl meine Leidenschaften und ich behalte in den meisten Situationen die Oberhand. Allerdings wird mir zur einem geregelterem Lebensstil geraten, um nicht in gesundheitliche Probleme zu geraten. Ich weiß nicht, ob ich dem allen so trauen kann… Zum Spaß hatte Milly natürlich nochmal ihr Glück versucht und wie zu erwarten sah ihre Prognose diesmal anders aus. Wir entschieden uns aber, die erste zu behalten, denn sie klang besser.

Nach dem Ripleys sind wir noch kurz durch die St. George Street gelaufen, quasi die Flaniermeile der Stadt, in der der spanische Einfluss noch deutlich wird und u.a. das älteste Schulhaus der USA zu sehen ist. Ich hatte die Straße ja schon 2007 besichtigt, damals war es aber viel schwüler im Juni als jetzt im April und so war es diesmal viel angenehmer.

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Am Ende der Straße habe ich Milly noch kurz das Flagler College gezeigt, welches vom Eisenbahnmogul Henry Flagler gebaut wurde und damals noch ein Hotel war. Flagler baute die erste Eisenbahn von New York nach Florida und um nicht nur an den Bahnreisenden, die den warmen Süden besuchen wollten, zu verdienen, baute er entlag der Strecke Hotels, wie halt das Flagler College und auch das Lightner Museum, welches auch früher ein Hotel war.

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Danach wurde es dann auch schon dunkel und so sind wir was Essen gegangen. Für mich gab es eine Tomatensuppe und gemeinsam haben wir noch ein paar Gator Bites probiert, welche wie schon beim letzten Mal wie Hühnchen geschmeckt haben. Als Hauptspeise gab es für mich ein Pilau (Seefood mit Reis) und für Milly Fisch.

Das beendete dann auch den heutigen Tag und wir sind nur noch die 20min zu unserem Best Western Hotel nahe der I-95 gefahren. Das Wetter war entgegen der Prognosen perfekt gewesen und so war auch der Tag ein toller gewesen.

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Morgen geht es dann weiter zu unserem Endziel Miami, d.h. ein letzter längerer Fahrtag steht uns bevor.

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Autor:Jens Koopmann