Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 16: Wiedersehen mit Freunden

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Nach dem frühen Aufstehen am gestrigen Tag konnten wir heute etwas länger schlafen, denn wir mussten erst kurz nach 10 abfahren. Für mich blieb so am Morgen auch noch ein klein wenig Zeit, um weiter am Tagebuch zu schreiben.

Ein wirkliches Programm für heute gab es nicht, bis auf ein Treffen zum Mittagessen mit einem befreundeten Paar – Debbie und Steve – aus Jacksonville. Dorthin führte uns dann auch der Weg als erstes und nach gut 2h Fahrt waren wir beim Restaurant angekommen, nur um dann dort noch 15min nach einem freien Parkplatz zu suchen, denn Sonntags nach der Kirche scheint dies ein beliebter Treffpunkt zu sein.

Unsere Freunde, Debbie und Steve, habe ich 2006 auf meiner Kreuzfahrt nach Alaska kennengelernt und 2007 hatten wir uns dann nochmal in Las Vegas getroffen und sind gemeinsam zum Hoover Damm gefahren. Auch danach ist der Kontakt bis heute nicht abgebrochen und so habe ich mich gefreut die beiden wieder zu sehen und ihnen auch Milly vorzustellen.

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Insgesamt hatten wir 2 schöne Stunden miteinander in denen es natürlich viel zu erzählen gab und ohne dass wir auch nur annähernd alles abgehandelt hätten. Doch bei den beiden rief noch ein weiterer Termin und auch auf uns wartete ja noch eine zweistündige Fahrt.

Eigentlich hatten wir überlegt, heute vielleicht etwas an den Strand zu gehen und die Sonne am Morgen verhieß auch recht gutes, doch kurz vor Jacksonville hatte es sich dann zugezogen, so dass wir doch auf direktem Weg nach Savannah gefahren sind, wo wir direkt in der Altstadt unweit des Flusses unser Hotel hatten.

Während Milly keine wirkliche Lust hatte, noch etwas zu machen, bin ich schonmal auf eine erste kleine Erkundungsrunde gegangen, musste Milly dafür aber versprechen, morgen nur die kleine Kamera mitzunehmen. Zuvor hatte ich uns für morgen noch auf eine Delphin-Boottour gebucht und wollte auf dem Spaziergang dann auch noch eine Kutschfahrt für uns zwei buchen.

Draußen in Savannah fielen mir sofort zwei Dinge auf, zum einen die vielen kleinen Parks in der Stadt und zum anderen das relativ gut erhaltene Stadtbild mit vielen Gebäuden von vor dem Bürgerkrieg. Beides hängt mit der Geschichte der Stadt zusammen, genauso wie der Fakt, dass die Stadt einst ein Weihnachtsgeschenk wurde. Aber kurz der Reihe nach. Gegründet wurde die Stadt durch General James Oglethorpe, der vom britischen König die Kolonie Georgia zugewiesen bekam. Dies war bereits 1733. Oglethorpe ließ die Stadt nach einem festen Plan aufbauen und dieser sah vor, dass zwischen den Wohnblöcken Plätze sein sollen. Die Struktur ähnelte so den Militärcamps seiner Zeit. Die Plätze dienten aber auch einem besonderen Zweck. Durch die Holzbauweise bei den Häusern war es zu gefährlich Küchen in den Gebäuden zuzulassen und so waren die Plätze auch Gemeindeküche und Backstelle und dienten dem Brandschutz (was die Stadt am Ende aber doch nicht vor 2 großen Feuern bewahren sollte).

Die Tatsache der vielen historischen Gebäude hängt dagegen unmittelbar mit dem Weihnachtsgeschenk zusammen. 1864 rückte General Sherman im Bürgerkrieg unaufhaltsam nach Savannah vor und wo die Unionstruppen vorbeikamen hinterließen sie eine Schneise der Verwüstung. Sherman wusste aber um die Bedeutung Savannahs als Hafenstandort und um die Schönheit der Stadt und schrieb so einige Tage vor seiner Ankunft einen Brief an den Stadthalter von Savannah. In diesem Brief fordert er die Stadt zur Aufgabe auf und verspricht im Gegenzug mildernde Umstände. Wenn die Stadt aber nicht aufgeben sollte, wäre er gezwungen, sie mit allen Mitteln zu erobern. Am 18.12.1864 trafen sich dann General Arnold aus Savannah und General Sherman, um die Kapitulation der Stadt zu besiegeln und Savannah so für die heutigen Touristenströme zu erhalten. Nach der Kapitulation schrieb Sherman an Präsident Abraham Lincoln eine Notiz in der er mitteilte, dass er sich freue, dem Präsidenten Savannah als Weihnachtsgeschenk zu überreichen.

Soviel zur Geschichte von Savannah, aber zurück zu meinem kurzen Rundgang.

Mein Weg führte mich von unserem Hotel zunächst kurz entlang der Bay Street, wo schon von weitem die Rathauskuppel zu sehen war, und dann hinunter zur Riverfront, wo die meisten Geschäfte, Bars und Restaurants sind. Ein Blick auf- und abwärts des hier fließenden Savannah Rivers verrät, dass diese Stadt ein großer Hafenstandort ist (und war) und bestätigt wurde dies nur wenig später, als ein riesiges Containerschiff an der Stadt vorbeizog.

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Die Häuser entlang der Riverfront waren früher alles Baumwolllagerhäuser. Von diesen Häusern gehen auf der Rückseite eiserne Brücken ab. Diese führten von den Lagern zu den Häusern der Broker, die die Waren wieder verkauften. Original sind auch noch die Pflastersteine, auf denen sich noch heute ein wenig Verkehr langquält.

Ein Blick zurück auf dem Wasser zeigt zudem die große Brücke über den Savannah River, die auch unser Weg übermorgen raus aus der Stadt sein soll. Diese Brücke geht aber nicht einfach nur über den Fluss, sondern stellt gleichzeitig auch den Übergang nach South Carolina dar, denn an diesem Flussufer endet Georgia.

Ich bin dann bis zum Ende der Riverfront gelaufen, wo noch zwei bekannte Statuen stehen. Die eine ist das ¨Waiving Girl¨, welche die Tochter des Leuchtturmwärters von Savannah zeigt, Florence Martus. Die Geschichte besagt, Florence habe sich in einen Seefahrer verliebt, während dieser in Savannah war. Als er wieder wegging, versprach er (natürlich) wiederzukommen und fortan rannte Florence jedes Mal, wenn ein Schiff die Stadt erreichte zum Ufer und grüßte mit ihrem Weißen Tuch die Ankommenden in der Hoffnung, es sei ihr Geliebter, denn sie wollte unbedingt das erste sein, was er bei seiner Ankunft sieht. Ob die Geschichte war ist oder nicht, kann niemand mehr sagen, denn Florence ist mittlerweile tot. Fakt ist aber, dass sie mehr als 50.000 Schiffe bei ihrer Ankunft in Savannah begrüßte.

Neben dieser Statue steht noch eine Olympische Fackel, welche an Olympia 1996 in Atlanta erinnert, wo hier in Savannah die Yachtwettbewerbe stattfanden.

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Danach ging es dann von der Riverfront weg und nach oben zu einem kleinen Park und von hier zu den Trustees Garden, welche heute eher wie ein Parkplatz aussehen. Hier an diesem Ort haben die ersten Siedler mit dem Anbau verschiedener Pflanzen experimentiert und viele der Pflanzen in Georgia stammen von diesem Garten ab, so u.a. fast alle Pfirsichbäume, die Georgia heute auch den Beinamen, the Peach-State geben.

Das nebenstehende Pirate-House ist das älteste Gebäude in Georgia.

Nun ging es parallel wieder zurück über den Washington Square, Warren Square und Reynolds Square. Auf letzterem ist die Statue von John Wesley, dem Begründer der Methodisten-Kirche. Ebenfalls hier an der Ecke ist das wunderbar restaurierte Lucas Theatre, ein Kino, welches Klassiker zeigt.

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Danach ging es zurück auf die Bay Street, wo die Cotton Exchange der nächste Stop war. Hier wurde früher die Baumwolle gehandelt, die die Stadt einst so reich machte. Das Gebäude scheint auch ein Freimaurer-Gebäude zu sein, zumindest deutet eine Inschrift darauf hin. Schön war auch Löwenstatue auf dem Vorplatz der Börse.

Nur wenige Häuser weiter steht dann das Rathaus, welches exakt an der Stelle errichtet wurde, an der Ogglethorpe seinerzeit an Land ging.

Weiter ging es dann zum Johnson-Square, dem ältesten und größten der Plätze in Savanna und von dort weiter zum Ellis Square, ebenfalls einer der ältesten Plätze, der aber der modernste der Stadt ist. Früher war hier ein Sklavenmarkt, doch davon merkt man heute nichts mehr. Bis vor ein paar Jahren hätte man nicht mal mehr einen Platz hier vorgefunden, denn 1954 vermietete die Stadt den Platz für 50 Jahre und der Mieter durfte eine Parkgarage auf dem Gelände errichten. Als der Vertrag 2004 auslief, versuchte die Stadt ihren Fehler wieder gut zu machen und ersetzte das Parkhaus durch eine Tiefgarage und gestaltete den Platz neu.

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Direkt am Ende des Platzes erstreckte sich dann der City Market, früher der zentrale Handelsplatz der Stadt. Am heutigen Abend war hier Live-Musik angesagt und ich habe ich noch ein wenig Caramel-Popcorn gekauft und unsere Kutschtour für morgen gebucht.

Danach ging es dann auch langsam wieder zurück zum Hotel, wobei ich nochmal den Weg über die Riverfront genommen habe. Dieser kleine Spaziergang am Abend hat schon einen ersten Eindruck von der Stadt vermittelt, die wirklich sehr charmant ist.

Damit endete dann aber auch dieser recht relaxte Tag.

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Autor:Jens Koopmann