Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 15: Floridas Hauptstadt und Tropfsteinhöhlen

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Nach drei Tagen in New Orleans begann heute unsere zweitägige Fahrt zurück an die Ostküste. Unsere heutige Etappe war dabei etwas über 600km lang und damit eine der längsten der ganzen Reise. Daher sind wir auch bereits kurz nach 7 Uhr morgends losgefahren, wobei Millys Augen gerade so noch den Abschied aus New Orleans mitbekommen hatten, bevor sie direkt wieder zugefallen sind.

So schön wie der gestrige Abend geendet hatte, so schön war auch heute morgen das Wetter, auch wenn es noch immer recht frisch war und auch den ganzen Tag sollten wir nicht viel mehr als 22 Grad sehen.

Zunächst ging es zügig raus aus New Orleans und auf schnellstem Weg zur Interstate I-10, auf der es dann fast 5h immer weiter voran ging, zunächst von Louisiana nach Mississippi, von dort weiter nach Alabama und schließlich nach Florida. Bis auf einen kurzen Tankstop sind wir die Strecke am Stück gefahren und so waren wir kurz nach zwölf bei unserem ersten Stop in Marianna, Florida, wo sich der Florida Caverns State Park befindet. Eigentlich war heute ein Bootstrip in Biloxi vorgesehen, da es aber so frisch war und auf dem Wasser sicher auch nicht wärmer, haben wir kurzfristig umdisponiert und diesen Park ins Programm genommen, wo es wohl recht sehenswerte Tropfsteinhöhlen gibt.

Nachdem wir den Eintritt gezahlt und die Tour für die Tropfsteinhöhle gebucht hatten, verblieb uns noch eine Stunde, um uns ein wenig im Visitor Center zu informieren und für mich, um kurz eine Runde auf dem Magnolia Trail zu laufen. Die Tatsache, dass auf dem Trail auch ein überflutetes Gebiet war führte dazu, dass ich innerhalb von Sekunden wieder zum Futter von etlichen Moskitos wurde.

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Danach ging es dann in die Höhle. Entstanden ist dieses Gebiet vor rund 38 Millionen Jahren, als hier noch alles aufgrund des höheren Meeresspiegel überflutet war. Korallen und Muscheln führten dann dazu, dass sich Kalkstein bildete, der dann später z.T. von Grundwasser ausgespült wurde und so die Höhlen zurückließ.

Zu sehen gab es Räume wie den Hochzeitsraum, wo eine Formation wie eine Hochzeitstorte aussah und den Kathedralenraum,wo es eine Formation in Form eine Kathedrale zu sehen gab. Insgesamt war es eine sehr schöne Höhle und die gute Stunde der Führung verging schnell. Milly hatte das ganze zum ersten Mal gesehen und auch mein letzter Besuch einer Tropfsteinhöhle war zu Kinderzeiten.

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Am Ausgang wartete dann noch eine kleine Fledermaus auf uns und schon ging es auch zurück zum Auto, denn eine gute Stunde Fahrt wartete noch auf uns, bis zu unserem Tagesendziel Tallahassee.

Bei wunderbaren Wetter kamen wir dann dort an, allerdings erst nach 2 Stunden, denn zwischendrin hatte wir noch die Zeitgrenze passiert und waren wieder auf Standard Eastern Time gesprungen. In Tallahassee angekommen haben wir schnell einen Parkplatz gesucht und dann ging es noch auf einen kleinen Rundgang.

Die Stadt im Norden Floridas ist zwar weitgehend touristisch unbekannt, ist aber die Hauptstadt des Sonnenstaates. Diese Tatsache verdankte sie dem Umstand, dass ursprünglich St. Augustine und Pensacola um den Hauptstadtsitz konkurrierten. Zunächst pendelte man daher zwischen beiden Städten, doch schnell erwies sich dies als unpraktisch und ein ständiger Sitz musste her. Da man sich aber für keine der beiden Städte entscheiden konnte, einigte man sich buchstäblich in der Mitte, wo man Tallahassee gründete. Manchmal ist die Erklärung recht einfach…

Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist folglich auch das Kapitol von Florida, genauer gesagt das alte Kapitol, welches 1839 erbaut wurde, dann aber schon bald erweitert werden musste, denn Florida boomte und es kamen immer mehr Menschen in Staat.

In den siebziger Jahren wurde das Kapitol dann endgültig zu klein und man baute direkt hinter dem alten Gebäude einen 22-geschossigen Neubau, der positiv ausgedrückt unspektakulär ist. Aber so formt er heute die ¨Skyline¨ der Stadt. Da wir durch die Zeitverschiebung eine Stunde verloren hatten, konnten wir leider nicht mehr in das alte Kapitol hinein und sind so weitergezogen.

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Schon vor dem Kapitol zeigten sich viele Bäume mit dem in ihnen hängendem Spanischen Moos, welches uns schon die letzten Tage im Süden immer wieder begleitet hatte. Das Spanische Moos gehört zu Gruppe der Ananasgewächse (auch wenn man es ihm nicht ansieht), wird durch die Luft fortgetragen und siedelt sich dann in Bäumen an. Es schädigt die Bäume aber nicht, sondern zieht seine Nährstoffe aus der Luftfeuchtigkeit, weswegen es hier in der Gegend auch so häufig zu finden ist.

Neben der Gegend rund um das Kapitol gab es noch eine wunderbare Straße, die Park Avenue, in der es viel Spanisches Moos gab. Diese sind wir dann entlang gelaufen, um noch zum Friedhof zu kommen.

In den vergangenen Tagen haben wir zwei Legenden rund um das Spanische Moos gehört wie es entstanden ist. Eine besagt, dass ein spanischer Konkistador sich in ein Indianermädchen verliebt hatte, doch das Mädchen rannte vor ihm weg und flüchtete sich auf einen Baum. Der Mann folgte ihr, fiel aber dann vom Baum. Er selbst starb dabei und zerfiel zu Staub, doch sein langer Bart verfing sich im Geäst und wächst seitdem immer weiter und wurde vom Wind im ganzen Land verteilt.

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Die zweite Legende spricht davon, dass eine Indianertochter am Tage ihrer Hochzeit getötet wurde. Bevor sie begraben wurde, schnitt der Bräutigam noch ihre Haare ab und warf sie in den Wind. Die Haare verfingen sich in den Bäumen und wurden mit der Zeit grau, hörten aber nie auf zu wachsen.

Beides sind schöne Legenden und die von der Pflanze geschmückten Straßenzüge sind urig und gemütlich zugleich.

Auf dem Friedhof selbst gab es dann nicht mehr viel zu sehen, auch wenn angeblich ein Neffe Napoleons hier begraben sein soll. So sind wir dann kurz darauf auch wieder zurückgegangen zum Auto und von dort ab zu einer Pizzeria, um unsere Mägen aufzufüllen.

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Die Pizzen waren wirklich lecker gewesen und vorher gab es noch eine gute Clam-Chowder (Muschel-Kartoffelsuppe), damit Milly auch sowas mal probiert hatte.

Danach ging es dann nur noch ins Hotel, wo ich noch ein wenig das Tagebuch geschrieben habe, bevor es ins Bett ging. Obwohl es im Wesentlichen ein Fahrtag war, waren die beiden Stops doch schön gewesen und hatten sich gelohnt. Nach New Orleans war ein solcher ruhigerer Tag auch ganz gut gewesen. Auch der morgige Tag wird nochmal ein recht entspannter und soll uns dann entgültig wieder an die Ostküste nach Savannah bringen.

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Autor:Jens Koopmann