Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 14: Auf den Spuren von Mardi Gras und Geistern

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Heute Nacht gab es zum ersten Mal Regen auf unserer Reise. Das schwüle und heiße Wetter der letzten Tage hatte dies ja angekündigt und gegen Mitternacht brach dann ein Gewitter über New Orleans herein. Auch am Morgen hatte es noch geregnet und so konnten wir nicht draußen frühstücken, sondern haben unsere Sachen einfach mit aufs Zimmer genommen.

Milly hatte etwas länger geschlafen, während ich bei dem langsam abklingenden Regen eine erste kleine Tour gemacht habe. Diese führte mich ein paar Stationen mit dem Street Car entlang der Charles Avenue in den Garden District. Hier reihen sich schöne Häuser aus dem 19. Jahrhundert aneinander und das ganze wirkt wie ein ruhender Gegenpol zum French Quarter.

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Bis 1852 lag dieser Teil der Stadt noch außerhalb von New Orleans und war eine eigene Stadt namens LaFayette. Nach ihr ist auch der Friedhof benannt, den ich mir anschauen wollte.

Der Friedhof ist dem, den wir gestern gesehen haben sehr ähnlich, allerdings habe ich den Eindruck, dass dieser hier mehr noch heute genutzt wird, denn viele Einträge auf den Gräbern sind noch recht jung. Was hier auch auffällt sind die vielen Deutschen Namen, die in der Tat auf die deutschen Siedler in dieser Gegend zurückgehen.

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Der Friedhof wurde 1833 gegründet, ein Jahr nachdem die Stadt LaFayette auf dem Grund einer ehemaligen Plantage zu wachsen begann.

Was beim Rundgang auffällt, sind viele Gräber für Kinder oder Babys, vor allem natürlich im 19. Jahrhundert, wo es nicht selbstverständlich war, dass Kinder die ersten Jahre überleben.

Ich fand diesen Friedhof etwas schöner als den in der Stadt, den wir gestern besichtigt hatten, auch wenn der gestrige historisch sicher interessanter ist. Nach einem kurzen Rundgang, bei dem immer noch hier und da ein paar Tropfen runterkamen, ging es dann wieder zurück zum Hotel, denn Milly wartete sicherlich schon auf mich.

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Ganz so war dem dann doch nicht (sie döste noch vor sich hin), aber wir sind doch kurz danach wieder los, um in die Stadt zu fahren. Unweit der Canal St. – in der Bienville Street – befindet sich ein kleines Mardi Gras Museum in den Hinterräumen des Restaurants Arnauds, was unser erstes Ziel war, denn das Wetter lud noch immer nicht zu einem Außenspaziergang ein.

Die Eigentümerin des Restaurants und Frau von Graf Arnaud, Germaine Cazenave Wells nutzte für knapp 33 Jahre die jährliche Gelegenheit, am Ostersonntag eine Parade zu sponsorn, die denen rund um Mardi Gras in nichts nachstand. Daneben war sie selbst 22 Mal zu Mardi Gras Karnevalskönigin und ihre hoheitlichen Gewänder gibt es hier in diesem privaten Museum zu sehen. Der kleine Rundgang war schon ziemlich erstaunlich, denn einen solchen Prunk gibt es selbst beim Kölner Karneval in Deutschland nicht.

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Vielmehr als die Kostüme und ein paar Fotos gibt es zwar nicht zu sehen, dafür ist der Eintritt aber auch frei und wir mussten nicht im Regen bleiben.

Danach ging es dann mit dem Street Car die Canal Street bis zum Ende weiter, um dort in ein Shuttle zu Blaine Kerns Mardi Gras World umzusteigen, denn bei dem wieder einsetzenden Regen waren überdachte Räumlichkeiten bei uns gerade schwer im Kommen.

Die Mardi Gras World ist Museum und Werkstatt zugleich, denn es ist einer der Betriebe, der die Karnevalswagen für Mardi Gras herstellt und dekoriert und so gibt es hier viele Wagen aber auch viele der Dekofiguren von den Wagen zu sehen.

Zunächst hatten wir aber die Gelegenheit, jeder kurz in ein Kostüm zu schlüpfen und ein paar Fotos zu machen bevor die Führung mit einem kurzen Film begann, der ein wenig über Mardi Gras erzählt. Mardi Gras endet wie bei uns der Karneval am Aschermittwoch, wobei die größte Parade am Tag davor, dem Fetten Dienstag ist. Mardi Gras ist aber nicht nur die Parade an diesem einen Tag, sondern umfasst über 50 Paraden an 12 Tagen.

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Die Paraden werden von sogenannten Crews veranstaltet und dürfen rund 25 Wagen + Spielgruppen etc umfassen. Dabei ist Werbung auf den Wagen gänzlich verboten, d.h. alles muss sich selbst finanzieren, in der Regel durch die Mitgliedbeiträge der Crews.

Auch die Dinge, die vom Wagen geworfen werden (oft Ketten), muss jedes Crew-Mitglied selbst zahlen. Man schätzt, das Mardi Gras mittlerweile ein Milliardengeschäft in New Orleans ist.

Dies wird schnell deutlich, wenn man die Kosten für einen Wagen sieht. Allein das Grundgerüst schlägt schnell mit 50.000 Dollar zu buche und dann kommt die Deko ja noch dazu. Da die Wagen dabei sehr schwer werden und man keinen Platten während der Parade haben will, sind alle mit Vollgummireifen ausgestattet. Die Wagen müssen zwar nur einmal bezahlt werden, denn sie bleiben im Eigentum der Crews, aber die Deko wird jedes Jahr erneuert, denn jede Crew muss jedes Jahr ein neues Thema wählen. Auch für so eine Deko ist man so pro Wagen und Jahr schnell nochmal 10.000 Dollar los.

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Die Figuren auf den Wagen, die sogenannten Props, gehen nach dem Umzug allerdings wieder in das Eigentum der Macher über, die sie so wiederverwenden können. Bei der Herstellung der Figuren gibt es zwei Möglichkeiten: Styropor oder Glasfaser. Insbesondere die Herstellung aus Styropor fanden wir sehr faszinierend. Hierzu werden einzelne Styroporplatten zunächst miteinander verklebt, bis die Höhe der Figur erreicht ist. Danach wird die Figur dann herausgeschnitzt.

Um im Anschluss die Bemalung vornehmen zu können, wird zunächst das ganze mit Pappmaché umwickelt und dann weiß grundiert.

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Es war auf jeden Fall beeindruckend das alles einmal zu sehen, zumal, wenn man dazu z.T. auch noch die Skizzen sieht, nach denen das alles angefertigt wurde.

Die größten Figuren sind maximal 6m hoch. Dies ist quasi die einzige Beschränkung die man hat, denn in dieser Höhe verlaufen die Stromleitungen der Street Cars in New Orleans und wären die Figuren höher, könnte man die Hauptstraßen nicht mehr passieren. Die einzigen beiden Figuren, die diese Größe erreichen, sind King Kong und Queen Kong.

Alles in allen war dies ein schöner Stop, der viel Abwechslung bot und dazu und auch noch ein wenig was über Mardi Gras erzählt hat, womit wir auch hier wieder ein Stück schlauer heraus gekommen sind.

Nachdem wir uns noch leicht gestärkt hatten, ging es dann wieder zurück mit dem Shuttle zur Canal Street, wo direkt gegenüber das Harrahs Casino ist. Da Milly noch nie in einem Casino war, sind wir dort auch noch kurz hineingegangen und sind um fünf Dollar ärmer wieder rausgekommen, denn nicht ein einziges Mal war ein kleiner Gewinn beim einarmigen Banditen dabei gewesen. Aber: Pech im Spiel….

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Danach sind wir gemütlich die Canal Street aufwärts gelaufen und Milly hat immer wieder nach Beauty Produkten Ausschau gehalten, während ich mir einen Stick gegen Mückenstiche, von denen ich einige nach der gestrigen Wanderung hatte, gekauft habe.

Als wir damit fertig waren, trennten sich kurz unsere Wege und Milly ist ins Hotel gefahren, um ein paar Sachen zurückzubringen, während ich zum Fluss gefahren bin, um uns noch zwei Tickets für eine Geistertour am Abend zu kaufen.

Nach einer guten Stunde war unser Treffpunkt dann bei einem Fischrestaurant, wo wir was Essen wollten und ich war auch halbwegs pünktlich da, nur Milly fehlte. Und so wartete ich und wartete und wartete, bis sie nach einer weiteren halben Stunde auftauchte. Durch einen Stau, musste sie einen ganzen Teil des Weges laufen, weswegen die Verspätung dann aber doch entschuldigt war.

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Dann ging es ab zum Essen. Als Vorspeise gab es eine leckere Seafood-Gumbo und Barbeque-Austern. Beides war sehr lecker gewesen. Danach hatte Milly Fisch gegessen und ich Shrimps & Grits. Grits ist Gries, was eine typische Südstaatenbeilage ist. Beide Gerichte waren sehr lecker gewesen und ließen sogar noch Platz für einen Nachtisch, den wir uns geteilt haben – Eis mit flambierten Bananenlikör. Damit waren wir dann arm und satt zugleich aber auch sehr zufrieden und sind quer durchs French Quarter zu unserem Tourstartpunkt gelaufen. Zu unser Freude hatte sich auch das Wetter aufgeklart und es war nun wunderbar sonnig.

Unterwegs gab es natürlich auch noch ein paar Fotos zu machen und wir waren wieder pünktlich kurz nach 7 Uhr am Fluss angekommen, um das Auslaufen der Natchez in der Abendsonne zu beobachten.

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Auch unsere Geistertour begann hier am Fluss und zwar mit einer ersten Erklärung, warum die Stadt so viele Geister anzieht.  Als die ersten Seefahrer hier ankamen gab es schnell auch die Frage, wohin man mit den Toten sollte. Da der Platz auf dem Deich der höchste Ort in New Orleans ist, hat man sie direkt hier begraben. Das Problem war aber, dass der Mississippi regelmäßig über die Ufer tritt. Dabei spülte er dann die Erde über den Toten weg und die Särge schwammen durch die Stadt. Auch das Einlassen von Löchern half nicht, da die Särge dann quasi kippten und sich aufrecht stellten. Es kam so also zu geisterhaften Wiederauferstehungen, die den Leuten damals schon nicht ganz geheuer waren. Manche dieser unsteten Seelen sind wohl auch heute noch in der Stadt unterwegs…

Weiter ging es dann zu einem Haus in dem früher eine Bar war. Hier lebte ein Mann mit seiner Frau, bis er verstarb. New Orleans war damals die einzige Stadt der USA, in denen auch Frauen erbten und so hatte die Frau des Barbetreibers bald alles in ihrem Besitz. Sie fand auch einen neuen Mann, doch dieser begann schon bald sie zu betrügen. Dies war damals nichts ungewöhnliches und die Männer besorgten ihren Geliebten zum Teil sogar eigene Appartements am anderen Ende der Stadt. Nicht jedoch hier, denn der Mann brachte die Geliebte als Haushälterin mit nach Hause. Von diesem Tag an, fühlte sich seine Frau immer schlechter und man dachte, sie leide an Gelbfieber. Sie zeigte aber nicht die typischen Symptome. Der Mann schöpfte Verdacht und fragte seine Geliebte, ob sie etwas damit zu tun hatte. Sie verneinte zunächst, gab dann später aber alles zu. Sie meinte, wenn seine Frau tot wäre, könnten Sie beide heiraten. Dies hatte der Mann aber nicht vor. Als die Geliebte ihn dann erpresste, dass sie entweder heiraten, oder sie seiner Frau alles erzählen würde, brachte er sie schließlich um. Entsorgen wollte er sie im Brunnen im Hinterhof, doch dabei beobachtete ihn ein Junge, so dass auch dieser kurzerhand der Geliebten folgen musste. In dem Moment kam seine Frau hinein und er versuchte eine fadenscheinige Erklärung zu geben und seine Frau schien ihn sogar zu verstehen, doch nur, um ihn im nächsten Moment vom Balkon zu stürzen und dann zur Polizei zu gehen und zwei Morde und einen Selbstmord zu melden. Als seine Frau erbte sie wieder alles. Dieses Haus gilt heute quasi als unverkäuflich, denn in New Orleans muss bei jedem Verkauf eines Hauses eine Akte mit sämtlichen Vorkommnissen mit übergeben werden und bei diesem Haus füllt diese Ordner… deshalb versucht man jetzt zu vermieten, denn da muss man nichts offenlegen.

Direkt gegenüber war ein Haus in dem Sklavenkinder gehalten wurden und auch hier soll es vorkommen, dass deren Geister nach einem greifen, wenn man die Hände durch die Fenster im Erdgeschoss steckt. Heute schienen sie jedoch alle schon im Bett zu sein, denn ich habe nichts gespürt.

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Weiter ging es dann zur ersten lizenzierten Apotheke der USA. Die Apotheke an sich ist schon recht interessant und man kann auch ein Museum im Innenraum besuchen, aber interessanter ist das halbe Stockwerk oberhalb der Apotheke (in den Rundbögen). Hier führte der Apotheker damals Experimente mit Frauen durch. Nachdem seine Opfer tot waren, entsorgte er sie dann durch eine Falltür in den Hausdurchgang. Noch heute sollen die Geister seiner Opfer hier rumschwirren ebenso wie sein Geist. Man hat hier wohl schon schwirrende Lichter gesehen und Stimmen gehört. Aber für uns war auch hier wieder Fehlanzeige.

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Die nächste Geschichte war die aus meiner Sicht glaubwürdigste des Abends. Ein Mann lebte mit seiner Familie in einem Haus und eines Nachts begann es zu brennen. Um zu verhindern, dass das Haus und mit ihm der ganze Straßenzug in Brand gerät, wollte er die Glocken im Rathaus als Alarm läuten. Leider scheiterte er dabei und seine Familie und das Haus verbrannten. Der Mann war in seiner Mission gescheitet und ward fortan im Rathaus (Cabildo) als Geist gesehen – bis 1988. In diesem Jahr fing das Cabildo – heute ein Museum – Feuer und viele Kunstwerke drohten zu verbrennen. Die Menschen im Museum und auch viele Helfer versuchten zu retten, was sie mitnehmen konnten und platzierten alles auf dem Vorplatz. Bei einem letzten Gang kam den Polizisten ein Mann entgegen und wedelte mit Schlüsseln, die für das Archiv waren. So konnten noch einige wertvolle Stücke gerettet werden, doch der Mann wurde danach nicht mehr gesehen. Ein Feuerwehrmann entdeckte dann jedoch ein Bild auf dem Vorplatz, welches genau diesen Mann zeigte: es war jener Familienvater, der damals gescheitert war, Dinge vor dem Feuer zu retten. Danach war er als Geist nie wieder zu sehen. Wie so oft, haben Geister eine unvollendete Mission und wenn diese vollendet wird, werden sie erlöst. Diese Geschichte fand ich zumindest relativ unheimlich, da sie doch recht real klingt.

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Danach waren wir noch in einem Hotelballraum, wo Geister schwirren sollen, da hier Gemeinschaften zwischen Halbdunklen und Weißen geschlossen wurden und sich zwei Brüder wegen einer Frau duellierten und beide starben. Auch ein Spiegel in dem Hotel soll oft Geistererscheinungen zeigen. Während eine Frau meinte, sie hätten jemanden gespürt, haben uns aber die Geister wieder verschont.

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Letzter Stop war dann das Gelbfieberkrankenhaus, welches früher mal ein Kaufhaus war, jetzt aber schon lange leer steht. Auch hier sollen noch immer Geister da sein.

Alles in allem war die Tour zwar unterhaltsam, aber man muss sich schon auf das ganze einlassen können. Für einen rationalen Menschen wie mich, war das eher schwer und Milly war einfach nur enttäuscht, keinen Geist gesehen zu haben. Spaß hatten wir aber trotzdem.

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Damit gingen dann auch die Tage in New Orleans zu Ende und wir sind ein letztes Mal zurück zum Hotel, wo es wieder Sachen packen hieß.

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Autor:Jens Koopmann