Reisebericht – New York, DC und die Südstaaten der USA – Teil 11: Schöne Herrenhäuser in Natchez

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Nach dem gestrigen Fahrtag, mussten heute nur kleine Distanzen zurückgelegt, denn wir sind den Tag in Natchez geblieben. Unsere Nacht im Days Inn war in Ordnung gewesen – nicht mehr und nicht weniger. Gegen 9 Uhr waren wir soweit fertig und hatten gefrühstückt, so dass wir als erstes zum Visitor Center fahren konnten.

Dort habe ich uns als erstes Tickets für die Besichtigung von 3 Antebellung-Häusern, für die Natchez so bekannt ist, geholt. Es handelt sich hierbei um Villen der Farmbesitzer, welche noch aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg stammen. Im Anschluss haben wir uns noch ein wenig über die Geschichte von Natchez informiert und einen kurzen Film über die Stadt gesehen.

Natchez hat seinen Namen von den gleichnamigen Indianern, die einst hier lebten, bis die Europäer sie vertrieben. Die zentrale Lage am Mississippi und der Anbau von Baumwolle, machte Natchez schnell zu einer wohlhabenden Stadt, so wohlhabend, dass man sich sagt, das Wort Millionär sei hier entstanden. Zumindest war die Dichte an Millionären nirgends so hoch, wie in Natchez. So ist es auch zu erklären, dass viele der Farmer sich hier in der Stadt prächtige Villen errichteten. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten habe die Villen hier aber den Bürgerkrieg überstanden, da Natchez bereits zu Beginn in die Hände der Union fiel, im Gegensatz zu z.B. Vicksburg, wo nicht mehr viel von der früheren Pracht übrig ist.

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Mit all den Informationen ging es dann los und ab zu diesen alten Antebellum-Häusern. Ein erster kurzer Stop war beim Auburn, allerdings nur, um ein paar Fotos von außen zu machen.

Die erste Besichtigung war dann das Melrose Anwesen, wo wir vor der Führung noch eine gute Stunde Zeit hatten, um uns das Gelände anzuschauen.  Das Areal hatte neben dem Haupthaus noch viele kleine Nebengebäude und auch eine kleine Ausstellung rund um die Sklaven hier in der Gegend. Die Ausstellung fand ich sehr interessant, da sie die Sklaverei von mehreren Blickwinkeln betrachtete, nicht nur aus der Sicht, dass Menschen andere Menschen besitzen. Nicht jeder, der Sklaven besaß, war gleichzeitig auch ein Sklaventreiber in der damaligen Zeit. Es gab auch solche, die ihren Sklaven Bildung und Gesundheitsversorgung zukommen ließen und so gibt es auch Ansichten, dass mancherorts Sklaven ein besseres Leben hatten, als arme weiße Arbeiter. Auch wenn es nur eine sehr kleine Ausstellung war, so war sie doch sehr interessant und hat ein wenig zum Nachdenken über die üblichen Klischees angeregt.

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Auch in Melrose gab es Sklaven, die sich um das Haus, den Garten und die Küche gekümmert haben. In der letzten Phase vor dem Bürgerkrieg waren hier 25 Sklaven beschäftigt.

Schließlich begann dann auch unsere Führung und wir konnten in das Haupthaus hinein, welches leider von außen derzeit instand gesetzt wird und so nicht ganz so attraktiv ist, wie es nach der Renovierung wieder sein wird

1841 wurde das Land auf dem Melrose steht von John McMurran gekauft und dieser baute dann bis 1849 das Haupthaus. Und vieles in dem Haus stammt sogar noch aus dieser Zeit. Während des Bürgerkriegs verließen die McMurrans dann Melrose und George Malin Davis kaufte das Anwesen und seine Nachfahren behielten es bis 1976. Seit 1990 gehört es dem National Park Service, allerdings ist das Haus schon seit 1932 für Führungen offen.

Der Ranger, der uns die Führung gab, war sehr engagiert und hatte uns versucht die meisten der Gegenstände im Haus näher zu bringen und machte es so spannend ihm zuzuhören. Am schönsten war der Speiseraum mit dem großen Wedel über dem Tisch, welcher mit Hilfe eines Sklaven manuell während des Essens hin und her bewegt wurde, um so die Fliegen vom Essen fern zu halten.

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Ein weiteres interessantes Detail betraf die Stühle. Man kann leicht unterscheiden, ob es sich um einen Damen- oder Herrenstuhl handelt. Damenstühle hatten keine Stuhllehnen, so dass die Frauen auch mit ihren Reifröcken platznehmen konnten.

Alles in allem war es ein sehr kurzweiliger Aufenthalt und das Haus wirklich sehenswert und so sind wir nach der Führung guter Dinge zum zweiten Haus gefahren, dem Longwood.

Unterschiedlicher als Longwood und Melrose können zwei Häuser wohl nicht sein,auch wenn beide den in der damaligen Zeit gebräuchlichen Greek Revival Stil nutzen. Während aber Melrose noch ein mehr oder weniger klassisches Haus ist, ist Longwood in jeglicher Hinsicht ungewöhnlich, denn das Haus hat eine achteckige Grundform und ist in der tat das größte achteckige Haus der USA. Während das Herz von Melrose in den Innenräumen liegt, ist es bei Longwood eindeutig das äußere Aussehen, was prächtiger und wirklich sehr schön ist. Etwas ernüchtert wird man dann aber im Inneren, denn dort ist alles nicht so prächtig. Und was noch viel wichtiger ist: bis auf das Kellergeschoss ist alles unfertig. Grund dafür ist wieder der Bürgerkrieg, denn mit dessen Ausbruch, waren die Arbeiter nicht mehr greifbar und danach hatte man kein Geld mehr. Wäre es fertig geworden, hätte Longwood fast 1000qm an Fläche gehabt. Die Frau des Eigentümers schaffte es aber, das Haus nach dem Krieg noch bis zu ihrem Tod 1897 zu behalten und konnte zumindest das fertiggestellte Untergeschoss bewohnen.

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Fotos von den Innenräumen durften wir leider nicht machen, dafür aber von dem unfertigen oberen Teil.

Insgesamt war die Führung hier deutlich trockener und das Innere weniger interessant, als es in Melrose war und so sind wir nach der Führung dann direkt weitergefahren. Man hatte irgendwie schon gemerkt, dass die National Park Service mehr Interesse daran hatte, den Besuchern Wissen zu vermitteln, während hier auf Longwood die Besucher eher als die Umsatzquelle gesehen wurden. Trotzdem lohnt sich zumindest der Blick von außen auf dieses beeindruckende Bauwerk.

Ziel war es, das Auto jetzt in der Innenstadt abzustellen und zu Fuß weiterzugehen. Vorher haben wir unterwegs noch einen kurzen Stop gemacht, um das Dunleith, eine weitere Villa, zu fotografieren.

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Unsere letzte Besichtigung sollte die Stanton Hall sein, doch auf dem Weg dorthin gab es auch noch ein paar Dinge zu sehen, denn Stanton Hall lag einmal quer durch den übersichtlichen Innenstadtbereich hindurch.

So haben wir das erste Ziegelsteinhaus des Staates gesehen und mit Ellicotts Hill auch noch ein weiteres Antebellum-Haus. Allerdings war es heute recht schwül gewesen, auch wenn es nach vielen Tagen das erste Mal bewölkt war. Dieses Wetter machte das Laufen so aber nicht gerade zum Vergnügen und schon nach kurzer Zeit waren wir ziemlich ermattet.

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Schließlich waren wir bei der Stanton Hall, sicher der bekanntesten Villa der Stadt. Wir musste nicht lange warten und waren nach einer kurzen Unterhaltung mit der Lady im Souvenirshop (sie war vor ewiger Zeit mal in Deutschland auf einer Rheinkreuzfahrt) auf unserer dritten und letzten Tour, welche eine Privatführung war, da wir die einzigen Teilnehmer waren.

Von außen ist die Stanton Hall ebenfalls sehr hübsch, zumindest von der Frontseite (die Rückseite ist recht schlicht). Allerdings sind nur wenige Gegenstände im Inneren noch original erhalten. Erbaut wurde das Gebäude 1857 für den Baumwollfarmer Frederick Stanton. In Bezug auf die Pracht im Bau und den Räumen steht Stanton Melrose in Nichts nach. Noch heute gibt es Nachfahren der Stantons, welche in Natchez und in Kalifornien leben und viele der Originale wurden von der Familie nach und nach zur Verfügung gestellt.

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Interessant ist der Fakt, dass die Gebäude (gilt auch für Melrose und Longwood) keine Badezimmer hatten. Damals hatte man nur selten geduscht oder gebadet. Als Toilette dienten kleine Nachttöpfe. Die fehlende Hygiene wurde dann durch Parfüms überdeckt. Man sagt sich auch, die Häuser waren so groß, damit man dem Gestank des jeweils anderen aus dem Weg gehen konnte… Auch hier war die Führung leider etwas trocken und Fotos im Innenraum durfte ich leider auch nicht machen.

Insgesamt waren die drei Häuser sehr unterschiedlich und jedes für sich sicherlich sehenswert, auch wenn Melrose aus unserer Sicht das sehenswerteste war – es war als ganzes einfach am authentischsten. Mehr als die drei Besichtigungen hätten wir aber auch nicht geschafft und gewollt bei dem heutigen Wetter.

Danach sind wir dann noch etwas durch die Altstadt gelaufen, zunächst um noch ein weiteres Antebellum-Haus von außen zu sehen, das ¨The Towers¨, welche auch heute noch bewohnt ist.

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Danach ging es dann am Ufer des Mississippi entlang mit einer schönen Aussicht auf den Fluss, auch wenn die Bewölkung leider das Bild etwas trübte. Während des Weges kamen wir auch am ehemaligen Bahnhof der Stadt vorbei, doch schon lange hält hier, wie in allen Kleinstädten Amerikas, kein Zug mehr.

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Natchez selbst liegt etwas oberhalb des Flusses, wie auch Vicksburg und das Viertel, welches am Fuß des Flusses liegt, heißt hier ¨Under the Hill¨. Wie meist die Hafenviertel, war auch hier nicht unbedingt die beste Adresse der Stadt, dafür aber sicherlich die belebteste. Heute sind hier zwei Casinoschiffe vor Anker und einige wenige Restaurant – alles etwas gesitteter als früher. Zu Millys Erleichterung hat uns dann ein Shuttle wieder mit nach oben genommen, so dass wir nicht den ganzen Berg wieder hochlaufen mussten, denn trotz der Wolken war es noch immer sehr warm und vor allem schwül.

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Wieder oben angekommen sind wir noch beim Rosalie-Haus vorbeigekommen, bevor wir uns wieder zum Auto begeben haben, um uns dann war zu Essen zu suchen. Ziel war das Mummys Cupboard, ein sehr originelles Restaurant in der Form einer Frau leicht außerhalb der Stadt. Wir hatten die Adresse im Netz rausgesucht und ins Navi angegeben und schon ging es los. Allerdings war am Zielort nichts als ein paar recht heruntergekommene Häuser. Das konnte es offensichtlich nicht sein.

Ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, dass es nicht mehr da ist, also habe ich mich nochmal im Netz schlau gemacht und die Adresse jetzt direkt auf der Karte gesucht. Das Problem war dann auch bald gefunden. Wir waren auf der US 61 Business und wir mussten auf die US 61. Also noch ein Versuch.

Diesmal hatten wir das Restaurant gefunden, aber zu unserer Enttäuschung war es leider heute geschlossen und so mussten wir nach ein paar Fotos leider mit leerem Magen davonziehen.

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Ziel war nun das Cock of the Walk, welches in der alten Bahnstation am Fluss liegt und im Reiseführer positiv erwähnt war. Das Essen war ok, aber auch nicht spektakulär. Das beste in meinen Augen war der Maiskuchen als Vorspeise, der als Showeinlage einmal in der Luft gewendet wurde.

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Aber so waren wir dann auch wieder satt und es ging zurück in Richtung des Hotels, nicht aber ohne vorher zu tanken und einen Stop bei einem Supermarkt zu machen, denn Milly wollte noch einen Blick hineinwerfen und dabei wurden ihre Augen immer größer ob der großen Packungen hier.

So war dann auch dieser Tag zu Ende gegangen und auch wenn er leider recht bewölkt war, war es doch ein schöner Tag gewesen, an dem wir viel über das Leben am Mississippi erfahren haben.

Morgen soll es dann nahtlos weitergehen, dann allerdings nicht mehr mit Stadtvillen, sondern mit den Plantagen, welche entlang des Mississippi liegen.

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Autor:Jens Koopmann