Reisebericht: Von Stars, Flowerpower und Gletschern – Eine Alaska-Kreuzfahrt. Teil 3: San Francisco

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Nach einer ruhigen Nacht an Bord im Hafen von San Francisco hieß es am folgenden Morgen früh aufstehen, denn mein Programm für San Francisco war recht stramm. Morgens wollte ich ein wenig am Bayufer spazieren, danach stand ein Ausflug nach Alcatraz und Sausalito auf dem Programm und schließlich wollte ich danach nochmal in die Stadt.

Doch zunächst konnte ich noch den Blick auf Alcatraz und die Bay vom Schiff aus genießen und auf Bild festhalten:

Erster Anlaufpunkt, nachdem ich von Bord war, war der Pier 39. Dieser Pier ist der sicherlich bekannteste entlang des Fisherman’s Wharf, nicht zuletzt wegen der Seelöwen. Früher war er eine Bootsanlegestelle, aber heute ist er im wesentlichen Platz für einen Rummel, sowie Restaurants und Souveniergeschäfte. Von hier konnte ich auch erstmals sehen, wie groß unserer Schiff wirklich war – ziemlich groß…

Die bekannteste Attraktion am Pier sind aber mit Sicherheit die Seelöwen, die sich im hinteren linken Bereich angesiedelt haben. Ihr Gebrüll ist schon von weitem zu hören – gestern hatten wir sie ja sogar bei der Hafeneinfahrt auf dem Schiff gehört. Erst seit 1989/90 sind die Seelöwen an diesem Ort. Nach einem Beben haben sich die ersten hier angesiedelt, ob dies allerdings im Zusammenhang mit dem Beben steht ist ungeklärt. Aus ursprünglich knapp 10 Seelöwen wurden mangels natürlicher Feinde recht schnell knapp 400 und damit ein Problem für die Bootsbesitzer, die Gefahr liefen, auf dem Weg zu ihrem Boot von einem Seelöwen attackiert zu werden. Als Konsequenz wurde der Pier für den Bootsverkehr gesperrt. Die Seelöwen nutzten den Platz und vermehrten sich weiter prächtig, so dass in Spitzenzeiten sogar 1700 Tiere hier lebten bzw. leben.

Hinter den Seelöwen befindet sich eine weitere Ikone des Fisherman’s Wharf: Forbes Island. Dieses besteht aus einem Hausboot welches heute ein Restaurant ist und einem Leuchtturm, welcher der einzige private in den USA ist. Die Stromerzeugung auf der kleinen Insel erfolgt durch den weltweit größten Bootsaußenmotor.

Nur wenige Meter entfernt am nächsten Pier liegt die USS Pampanito, ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg sowie die SS Jeremiah O’Brien.

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Um die Ecke ist dann auch gleich das Herz des Fisherman’s Wharf. Das ganze Viertel entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich italienische Fischer hier ansiedeln und auch noch heute sind zahlreiche Fischer hier unterwegs.  Dennoch ist der Wharf heute vor allem eine Touristenattraktion.

Eine mindestens ebenso große Attraktion sind die Cable Cars in San Francisco, die die steilen Straßen hinauffahren und dies seit fast 140 Jahren. Hier mal ein Blick in die Taylerstreet, wo kurz hinter der Bay Street auch ein Wendepunkt ist (an den Wendepunkten werden die Cable Cars umgedreht und fahren dann wieder zurück):

1873 startete die erste Linie und das ganze basiert auf einem einfachen und genialen Prinzip. Durch die Stadt sind im Boden Kabel verlegt, welche an den jeweiligen Wendestationen ebenfalls die Richtung um 180 Grad ändern. Diese Kabel liegen auf Spulen, welche sie kontinuierlich vorwärts bewegen. Deshalb sind die Cable Cars auch nicht fest mit den Kabeln verbunden, da sie sonst nie anhalten könnten und immer weiterfahren würden. Stattdessen besitzen die Cable Cars (die ganz ohne Elektrik auskommen) eine Art Greifarm, den sie um das Kabel legen können. Ist dieser angelegt, fährt der Wagen. Wird er losgelassen, rollt der Wagen. Zusätzlich gibt es noch eine Bremse. Diese Prinzip ist genial und effizient, einzig die Geschwindigkeit war leider nicht so hoch, weswegen viele Cable Cars durch elektrische Straßenbahnen oder Busse ersetzt wurden. Der Vorteil der Cable Cars ist jedoch, dass sie auch große Steigungen überwinden können. Mitte der 1940er Jahre stand das Netz schon kurz vor dem aus, aber die Einwohner intervenierten und so konnte bis heute zumindest 3 Linien erhalten werden. Eine Fahrt lohnt sich definitiv (habe ich auf einer meiner späteren Touren nach SF gemacht, ebenso wie der Besuch des Cable Car Museums, wo man die Spulen sehen kann).

Weiter ging es dann zur Columbus Avenue, wo sich ein paar der viktorianischen Häuser befinden, für die San Francisco so bekannt ist. Überhaupt ist diese Stadt ein bunter Mix aus europäischer und amerikanischer Kultur und damit fast schon wieder unamerikanisch.

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Direkt gegenüber befindet sich in einem Backsteingebäude die Cannery, heute ein Shoppingcenter, die früher die größte Pfirsichkonservenfabrik der Welt war. Früher heißt in diesem Fall vor gut 100 Jahren, 1907. Der Bau entstand, nachdem Vorgängerbauten bei einem Erdbeben 1906 zerstört wurden. 1937 brach das Geschäft dann zusammen und das Gebäude war nur noch Lagerhaus und war sogar zum Abriss vorgesehen. In den 60ern fand sich jedoch ein Investor, der die Cannery bewahrte und zu dem machte was sie heute ist. Auf dem Innenhof spielen oft Bands und Straßenmusiker, doch so früh am Morgen wie ich da war, waren die wohl alle noch im Bett.

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Danach bin ich noch ein wenig am Ufer entlanggegangen bis ich wieder zurück musste, um meine Tour nach Alcatraz anzutreten.

Die Tour in Alcatraz war sehr interessant, jedoch zu viel, um hier alles zu erzählen, weshalb es hierzu einen extra Artikel im Blog gibt: Alcatraz

Nachdem dieser Teil der Tour beendet war, ging es mit dem Bus über eine der wohl bekanntesten Brücken der Welt, die Golden Gate Bridge.  Die Brücke verbindet San Francisco mit dem umliegenden Orten an der Bay, wie z.B. Sausalito. Erbaut wurde sie zwischen 1933 und 1937 und löste damit eine bereits 100 Jahre zuvor etablierte Fährenverbindung ab. Insgesamt ist die Brücke 2,7km lang und bis zu 227m hoch. Um die Brücke vor dem Nebel und der Feuchtigkeit in der Bay zu schützen, hat sie ihren orangenen Anstrich, der sie so bekannt macht und regelmäßig müssen Arbeiter bei Wartungsarbeiten den Anstrich erneuern. Ein weiterer Grund, die Farbe Orange statt einem üblichen Grau zu nehmen, war die Signalwirkung der Farbe für Schiffe, die verhindern sollte, dass die Brücke übersehen wurde.

Auf der anderen Seite der Brücke gab es erst einen obligatorischen Fotostop. Leider war es an diesem Tag etwas diesig, so dass die richtig tollen Aufnahmen nicht gelungen sind. Trotzdem ist es ein lohnender Stop mit toller Aussicht.

Danach ging es weiter und nach 5 Minuten haben wir dann auch schon den Villenort Sausalito erreicht. Ein kleiner Rundgang und ein Besuch des Yachthafens waren jedoch alles, was ich für nötig hielt, denn wirklich viel gab es nicht zu sehen.

Wenig später ging es dann zurück in die Stadt, wo ich, wieder am Schiff angekommen, direkt nochmal auf Sightseeing-Tour gegangen bin.  Zuerst ging es dabei hinauf zum Telegraph Hill, wo der Coit Tower steht. Der Tower ist an sich nichts besonderes – er wurde von einer reichen Frau der Stadt gestiftet bei ihrem Tod – aber die Aussicht von hier ist toll. Zum einen konnte ich auf unser Schiff blicken und zum anderen ergab sich der Blick entlang der Lombardstreet, bis zu jenem Straßenabschnitt, der als der kurvenreichster der Welt gilt. Genau gesagt, besteht dieser kleine Abschnitt zwischen Leavenworth Street und Hide Street ausschließlich aus Kurven.

Bis zu der Straße selbst noch zu laufen, kam allerdings heute nicht in Frage, denn die Hügel von San Francisco stellen für die Kondition schon eine Herausforderung dar.

Von hier bin ich dann zur Columbus Avenue gelaufen und dann dieser in Richtung Downtown gefolgt.

In Downtown warteten dann auch die für Amerika so typischen Wolkenkratzer, die jedoch hier keine so markante Skyline bilden, wie sie beispielsweise New York besitzt. Die nächsten beiden Bilder sind ebenfalls von der Columbus Avenue mit Blick auf den Columbus Tower (das grünliche Gebäude im Vordergrund) und die Transamerica Pyramid (das höchste Gebäude der Stadt).

Wenn ich schätzen müsste, wie alt die Transamerica Pyramid ist, so würde ich definitiv falsch liegen. Das moderne Aussehen des Gebäudes wurde schon in den Jahren 1969-72 geschaffen, also kurz nach der Flower-Power-Zeit.

Unweit von hier ging es dann in eine Seitenstraße nach Chinatown, wobei es so scheint, als würde man von einem Meter auf den anderen eine unsichtbare Grenze überschreiten, bei der alles amerikanische zurückbleibt und man sich in einer autarken Subkultur befindet.

Ebenfalls in der Nähe von Downtown auf der California Street befindet sich Old Saint Mary’s Cathedral. Die Kirche wurde 1854 erbaut und überstand das Erdbeben 1906 mit nur geringen Schäden. Was ihr jedoch zum Verhängnis wurde, war das dem Erdbeben folgende Feuer in der Stadt, welches die Inneneinrichtung samt Marmoraltar und Glocken zerstörte. Heute ist sie die Viertelkirche für Chinatown und Nob Hill.

Schließlich kam ich über die Washington Street wieder am Embarcadero heraus, der Straße, die am Ufer zurück zum Schiff führte. Meine Beine waren mittlerweile auch arg müde und ich war schon ziemlich geschafft von dem ganzen Laufen.  Es waren allerdings noch gut 1,7km bis zum Schiff – ich war bei Pier 1 und musste zu Pier 35.

Geschafft habe ich es aber dann doch noch und war froh über alles was ich gesehen hatte. Von jetzt an hatte und habe ich bis heute eine Lieblingsstadt.

Das Schiff sollte dann eigentlich am späten Nachmittag auslaufen, doch unsere Abfahrt verzögerte sich immer weiter. Es war letztlich schon später Abend, als wir uns endlich in Bewegung setzten und Richtung Golden Gate Bridge schipperten. Die Fahrt unter der Brücke durch, konnte ich mir natürlich (wie viele andere auch) nicht entgehen lassen, jedoch war es verdammt kalt da draußen.

Damit ging dann auch dieser Tag zu Ende. Auf mich warteten dann noch ein gutes Essen, eine Show, ein Drink und dann das Bett.

Die Orte der heutigen Bilder gibt es zusammengefasst auf der nachfolgenden Karte:

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Autor:Jens Koopmann