Reisebericht Kreuzfahrt in die Karibik – Dienstag, 17.04.2007 – Rum-treiben auf Jamaika

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Nach den (unerwarteten) zwei Tagen auf See hieß es gestern dann endlich wieder „Land in Sicht“ und festen Boden unter den Füßen bekommen. Als wir in Jamaika angekommen sind, war ich erstmal überrascht, da ich mir die Insel so nicht vorgestellt hatte. Alles war grün, viele Berge und vom ersten Blick hätte es auch jede Insel im Mittelmeer sein können. Das Wetter war trocken, aber recht stark bewölkt – zumindest in Montego Bay, wo wir angelegt hatten.

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Pünktlich kurz nach 8 Uhr morgens hatten die lokalen Behörden das Schiff dann auch freigegeben und ich war auch recht schnell von Board. Trotz der Wolken war es immer noch mit 28 Grad sehr warm. Da der Hafen von Montego Bay etwas außerhalb der Stadt liegt und ich für 9 Uhr einen Ausflug gebucht hatte, blieb ich direkt bei den Docks bis es mit dem Ausflug losging. Im Vorfeld hatten mich auch schon zahlreiche Mitreisende vor Jamaika gewarnt, dass es in der Stadt wohl nicht ganz so sicher sei. Diejenigen, die dann letztlich doch in der Stadt waren, kamen auch nicht mit überschwänglicher Begeisterung wieder zurück, insofern gehe ich mal davon aus, dass ich nicht allzuviel verpasst habe.

Aber zu meinem Ausflug: Jamaika ist für mich mit Rum verbunden und was liegt da näher, als eine Rumfabrik zu besuchen. Genau darum sollte es dann in meinem Ausflug auch gehen, wobei das Naheliegen nicht auf die Entfernung bezogen war, denn um dort hinzukommen, ging es in einem alten Kleinbus ca. 2:15h durch das Hinterland. Prima, wo ich doch Busfahren so gut finde, vor allem, wenn ich ganz hinten sitzen darf. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie anstrengend es sein kann, über 2 Stunden Stoßgebete an sein Frühstück zu senden, dass es nicht ein unverhofftes Wiedersehen gibt. Trotzdem war es sehr interessant durch die kleinen Dörfer in den Bergen zu fahren. Überall wuchsen tropische Früchte (Jamaika hat allein 11 Arten von Mangos), die Häuser waren bunt angestrichen und die Aussicht in den Bergen war toll. Leider kann man das nicht von den Strassen behaupten. Das britische Erbe Jamaikas findet sich noch im Linksverkehr wieder – die Qualität der Straßen ist jedoch alles andere als britisch . Dazu sind die Strassen superschmal und kurvig und das behutsame Fahren hat der Jamaikaner auch nicht erfunden 😉 . Das schlimmste waren aber die Schlaglöcher. Hier konnte man fast den Kleinbus drin versenken. Irgendwann habe ich aufghört zu zählen wie oft wir aufgesetzt haben, denn ich war beschäftigt genug, meinem Frühstück gut zuzureden.

Hier ein paar Bilder, die ich aus dem Bus geknippst hatte:

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Gegen 11:15 Uhr waren wir dann bei der Rumfabrik. Es waren die „Appleton Rum Estate“, einer der besten Rumproduzenten der Welt. So richtig hatte ich keine Ahnung was mich erwartet, schließlich hatte ich Rum noch nie pur getrunken, sondern nur in Mixgetränken. Ein solches (Rumpunsch) gab es dann auch gleich zur Begrüßung und der war nicht ohne. Viele haben den Punsch 1:1 mit Wasser verdünnt. Später im Gespräch mit einem Jamaikaner habe ich erfahren, dass der lokale Rumpunsch wohl mit der stärkste ist (fast 40% Alkohol) und für den Export nur die schwächeren Varianten genutzt werden. Also erstmal ein Glas geleert (und das um kurz nach 11!!). Dazu gab es kleine Stücke Zuckerrohr zum Knabbern. Durch Draufbeissen kommt der Saft auf dem Zuckerrohr – eine süße, aber leckere Angelegenheit. Wichtig ist, dass Zuckerrohr selbst nicht zu essen – man presst nur den Saft heraus und der Rest ist Abfall.

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Nach dieser „Stärkung“ ging die Tour los. Zunächst ging es zu einer Zuckerrohrpresse. Hier wurde früher mit der Hilfe von Eseln der Zuckersaft aus dem Zuckerrohr gepresst. Insgesamt konnte man so ca. 70% des Saftes aus dem Zuckerrohr gewinnen. Mit den heutigen Methoden sind es allerdings weit über 90%. Die verbleibenden Reste werden zum Befeuern der Destillationsanlage genutzt und die resultierende Asche als Dünger für die Felder.

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Dann ging es weiter zu einer Zentrifuge und dann zur Destillationsanlage. Für die guten Rummarken wird bei Appleton ein 4-Stufiges System verwendet, an dessen Ende ein 90%-iger Alkohol steht. Für einfachere Rumsorten wird ein anderes Verfahren genutzt.

Die beiden Bilder zeigen die beiden Destillationsverfahren:

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Nach der Destillation ist der Rum weiss und hat ca. 90% Alkohol. Um ihm Farbe und Geschmack zu verleihen, wird er anschließend in Fässern gelagert. Je nach Qualität des Rums dauert die Lagerung von 3 bis 30 Jahren. Während dieser Zeit verliert der Rum einen Teil des Alkohols (am Ende verbleiben bei Appleton ca. 45% Alkohol, er wird süßer (durch Zellulose in den Fässern), er erhält sein Holzaroma und seine Farbe aus den Fässern. Das besondere an Jamaika-Rum ist dabei, dass durch das warme Klima der Rum schneller reift. Während ein Rum in kälteren Regionen 3 Jahre reift, braucht man auf Jamaika lediglich 1 Jahr für den gleichen Effekt.

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Anschließend durfte sich ein Ehepaar am Auspressen der Zuckerrohre versuchen. Die kamen ganz schön ins Schwitzen. Letztlich durften wir dann noch alle etwas Melasse probieren, die mit braunem Zucker versetzt war. Sehr angenehm sah das ganze ja nicht aus – eher wie ein Griff ins Klo, als wie Zucker. Im Endeffekt war ich auch überrascht, dass es nicht so süss war. Es war mehr würzig und hatte ein bisschen den Geschmack von Lakritze. Mehr als einen Löffel wollte ich dennoch nicht haben.

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Dann ging es kurz zum Mittagessen, um anschließend die Rumprobe zu überstehen. Insgesamt wurden 13 Rumgetränke vorgestellt, vom normalen Rum, den man ohne was trinkt (also nicht zum Mixen), zum Mixrum, Rum mit Kokos, Rum mit Kokos und Cream, Rum mit Kaffee (mit und ohne Cream), Rum mit Banane, weisser Rum und so weiter. Wiegesagt, puren Rum hatte ich vorher noch nie probiert, aber der hatte wirklich geschmeckt. In der Hoffnung, meinen Magen für die Rückfahrt im Bus zu Desinfizieren, habe ich insgesamt 8 Sorten probiert. Erstaunlicherweise habe ich den Alkohol danach nicht gemerkt (im Übrigen auch nicht den Begrüßungspunsch).

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Anschließend sollte es wieder zurückgehen. Es war mittlerweile 13 Uhr und 16:15 Uhr sollte das Schiff wieder ablegen. Normalerweise wären wir gegen 15 Uhr am Hafen gewesen, aber der Tourguide hatte angeboten eine andere Route zu nehmen, so dass wir noch mehr von der Insel sehen. Insgesamt waren es dann gute 3 Stunden, die wir noch über die Insel gefahren sind. Wieder sehr interessant und die Desinfektion meines Magens mit Rum hatte durchaus gewirkt – sprich es ging mir den Umständen entsprechend 😉 .

Punkt 16 Uhr waren wir dann wieder am Hafen und ein toller Ausflug (7h für ca. 50 EUR) ging zu Ende. Die Sonne hatte uns während die Ausflugs auch die meiste Zeit begleitet, nur als wir wieder am Hafen waren, war ihr dann die Puste ausgegangen. Insofern war das Auslaufen nicht von Sonnenschein gekrönt.

Bilder vom Auslaufen:

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Fazit:

  • Ich hasse Busfahren
  • Rum schmeckt lecker
  • Jamaika ist eine schöne Insel
  • Ich habe es nicht bedauert, nicht in Montego Bay selbst gewesen zu sein

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Autor:Jens Koopmann