Reisebericht Kenia 2014 – Teil 2: Auf nach Samburu

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Mittwoch, 26.11.2014 – Auf nach Samburu

Lange Ausschlafen war heute nicht angesagt, denn es stand eine lange Fahrt vor uns und so klingelte der Wecker bereits Viertel nach 6. Trotzdem haben die knapp über 8h Schlaf Wunder gewirkt, denn der gestrige Reisestress machte sich nur noch in meinen Armen und meinem Nacken bemerkbar, ansonsten waren wir aber voller Vorfreude auf die kommenden Tage.

Unsere Safari startet in Samburu, einem Nationalpark rund 300km nördlich von Nairobi. Um dort hin zu kommen, mussten wir aber erstmal eine lange Autofahrt über uns ergehen lassen. Pünktlich um 7 Uhr hatte uns Joseph auch schon am Hoteleingang erwartet, so dass wir, ohne Zeit zu verlieren, direkt losfahren konnten. Glücklicherweise mussten wir am Morgen aus Nairobi raus und nicht rein und sind so dem langen und zähen Berufsverkehr entgangen. Trotzdem zog sich der Weg durch die ganzen Vororte der Stadt noch einige Zeit hin. Die Straße hier ist Teil des Trans-Africa-Highways und an dieser Stelle noch 6-spurig ausgebaut. Doch sobald wir aus Nairobi raus waren, wurden aus den 6 Spuren schnell 4, bis am Ende nur noch eine einfache Straße übrig blieb, wobei auch diese für kenianische Verhältnisse in einem sehr guten Zustand ist und wir stetig gut voran kamen.

Nach 2 Stunden haben wir dann ein erstes Mal kurz gehalten, um uns etwas zu erfrischen. Zu dieser Zeit waren die Temperaturen schon gut angestiegen, aber noch erträglich (zumindest im Vergleich zu dem, was uns später in Samburu erwartete).

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Nach diesem kurzen Stopp ging es direkt weiter. Unterwegs veränderte sich die Landschaft immer wieder. Nach dem städtischen Raum kam erstmal eine längere Passage, in der viel Grün die Landschaft dominierte. Von der Trockenheit, die man mit Afrika verbindet, ist hier wirklich nichts zu merken. Hier waren am Wegesrand auch einige Ananas-Plantagen – ich muss zugeben, dass ich bis zu diesem Moment noch nicht gewusst habe, dass in Kenia auch Ananas angebaut werden.

Später wechselten die Ananas-Plantagen sich mit Bananen-Plantagen ab und wir konnten das erste Mal einen Blick auf den Mount Kenia erhaschen. 5.199m hoch ist dieser höchste vollständig auf kenianischem Boden befindliche Berg. Seine Höhe hatten wir ihm allerdings aus der Ferne nicht wirklich angesehen. Es war Glück, dass wir die Spitze sehen konnten, denn die Wolken waren etwas unterhalb. So konnten wir die Spitze oben aus den Bergen herausragen sehen. Den Mount Kenya kennt man übrigens erst seit 1849 und erst 1899 hat der erste Mensch ihn nachweislich bestiegen.

Weiter ging es dann und die Landschaft wurden zwischenzeitlich deutlich steppenähnlicher, bevor es wieder grüner wurde.

Wo immer wir kurz zum Stehen kamen, waren auch sofort Händler zur Stelle, die uns Obst, Gemüse oder Souvenirs anbieten wollten, oder aber Kinder, die einen Stift oder Süßigkeiten haben wollten. Leider hatten wir letzteres nicht dabei, da unserer Gepäck so ja schon kein Gramm zusätzlich mehr erlaubte.

Irgendwann kamen wir dann nach über 6h Fahrt in das Gebiet der Samburu. Dieser hier ansässige Stamm ist eng verwandt mit den Maasai, auch wenn beide Stämme weit auseinander leben. Diese Ähnlichkeit zeigte sich schon in den Wohngebäuden, welche wir während der Fahrt rechts und links der Straße sehen konnten. Es sind auch hier einfache bedeckte Lehmhütten (manchmal auch aus Stein), mit einem rundlichen Dach. Meist stehen einige Hütten zusammen und bilden einen Komplex, der dann von Gestrüpp nach außen abgegrenzt ist. Dieses Gestrüpp soll wilde Tiere abhalten, zumindest war dies bei den Maasai so. Die Ähnlichkeit betrifft aber nicht nur die Häuser, sondern auch die traditionelle Kleidung. Auch hier werden viele bunte Tücher verwendet und dazu eine Art Rock für die Männer als Beinkleid.

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Während wir durch die Siedlungen fuhren, bog Joseph plötzlich rechts ab vom Highway und von da an war es vorbei mit der geteerten Straße. Noch gute 15 Minuten ging es nun auf einem Sandweg bis zum Eingang des Samburu Nationalparks. Doch bei unserer Lodge waren wir noch lange nicht. Fast eine Stunde mussten wir noch durch den Park und seine holprigen Wege, bis wir bei der Lodge waren. Dafür bot sich unterwegs bereits die Gelegenheit, ein paar Zebras, Netzgiraffen sowie einen Somali-Strauß zu sehen, dessen Kennzeichen der blau gefärbte Hals ist (der Maasai Strauß hat einen rosafarbenen Hals).

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In der Sopa Lodge angekommen haben wir erstmal gemerkt, wie warm es zwischenzeitlich geworden war. Also erledigten wir schnell den Check-in und haben dann erstmal einen Happen Mittag gegessen. Es war sehr leckeres Rindfleisch aber man hatte auch alle Zeit sich Mühe zu geben, denn es waren gerade einmal sechs Menschen hier in der Lodge. Dies sollte uns aber nicht weiter stören, denn immerhin war es so angenehm ruhig. Nach dem Essen hatte Milly sich dann erstmal etwas ausgeruht, während ich ein paar der zahlreichen Vögel in der Loge fotografiert habe und anschließend schon einmal den heutigen Tagebucheintrag bis hierhin geschrieben habe. Gleich geht es dann wieder raus auf die Pirsch am Nachmittag, bei der es hoffentlich viel Spannendes zu sehen gibt.

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So, und schon sind wir wieder zurück von unserer ersten Pirschfahrt. Gute 2 Stunden ging es noch durch die schöne Landschaft von Samburu. Diese ist ganz anders, als jene in der Maasai Mara oder am Lake Nakuru, die wir beide 2011 besucht hatten. Hier ist die Landschaft recht grün und mit vielen einzelnen Bäumen und Sträuchern durchzogen. Das macht die Landschaft natürlich viel freundlicher als die steppenähnliche Maasai Mara und bietet den Tieren mehr Unterschlupf, macht es aber auch schwerer, die Tiere zu entdecken.

Als erstes gab es ein paar Impalas zu sehen, jene immer freundliche Antilopenart, welche in ganz Kenia fast in jedem Park zu Hause ist. Auch ein Warzenschwein mit ihrem Jungen hatten wir gesehen. Als Joseph kurz ihren Laut imitierte, schauten sie auch direkt zu uns rüber und blieben wie erstarrt stehen. Wahrscheinlich ging dem Kleinen im Kopf herum, warum Papa auf einmal in einer weißen Blechkiste sitzt 😉

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Samburu ist aber auch bekannt dafür, dass es viele Vogelarten hier gibt und so haben wir gleich zu Beginn zwei sehr schöne Exemplare gesehen, eines mit einem blauen Schwanz und ein weißer Vogel mit gebogenem roten Schnabel – ein Rotschnabeltoko. Letzterer sollte uns heute noch einige Male begegnen.

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Kurz darauf haben wir in der Ferne die ersten Elefanten gesehen. Es sollten beileibe nicht die letzten bleiben und so kamen wir schon wenige Meter später bei einer ganzen Familie vorbei. Der Bulle schaute und dabei genau an und irgendwann begann er langsam auf uns zu zu gehen. Für uns Zeit, den Motor anzuwerfen und ein Stück weiter zu fahren, denn Autowände sind für die Stoßzähne kein Problem. Beim afrikanischen Elefant haben übrigens sowohl die Bullen als auch die Kühe Stoßzähne, allerdings sind sie bei den Kühen filigraner.

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Kurz darauf warteten schon wieder Elefanten auf uns. Es schien fast, als würde der Park nur Elefanten um diese Tageszeit beherbergen.

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Zwischenzeitlich haben wir dann aber auch noch ein paar hübsche andere Vögel gesehen. Auch ein Eisvogel war dabei, nur war er leider zu schnell wieder weggeflogen, bevor ich die Kamera in Position bringen konnte. Dafür zeigte sich aber ein Glanzstar, ein blauer Vogel, den wir bereits 2011 in Nakuru einmal gesehen haben.

Kurz dahinter, nahe einer Kreuzung sah ich dann plötzlich etwas fellartiges im Boden sitzen. Ein Blick etwas weiter verriet dann, was es war: Paviane. Eine Familie dieser Affen hatte es sich hier gemütlich gemacht und streifte durch die Büsche zum Abendessen.

Auf unserer Tour gab es ansonsten auch noch ein paar Oryxantilopen zu sehen, leider aber überhaupt keine Wildkatzen. Es waren auch nur ganz wenige Tourfahrzeuge im Park und so konnten sie sich die Fahrer auch nicht gegenseitig bei der Suche nach Tieren wirklich unterstützen.

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Dafür hatten wir dann aber kurz vor dem Ende noch ein besonderes Highlight. Als wir auch einem Weg entlangfuhren, kam uns von vorn eine Gruppe Elefanten entgegen. Wir blieben stehen, doch die Elefanten kamen immer weiter auf uns zu. Als sie langsam zu Nahe kamen, haben wir zurückgesetzt und der Gruppe Platz gemacht. Erst als sie dann an uns vorbeizogen haben wir die Ausmaße dieses Konvois wahrgenommen. Es waren insgesamt zwischen 40 und 50 Elefanten jeden Alters gewesen – ein echtes Erlebnis, wodurch allein sich die Pirsch heute gelohnt hatte.

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Auf der Rückfahrt haben wir dann nur noch eine Riesentrappe (Kori Bustard) gesehen, einen der größten Vögel der Welt, der noch fliegen kann. Sonst gab es aber nichts mehr weiter. Dafür bot sich am Fluss eine schöne Abendstimmung.

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Zurück in der Lodge habe ich dann erstmal alles an den Strom angeschlossen, denn nur am Abend und am frühen Morgen war der Generator in Betrieb. Dann habe ich die Bilder gesichert und im Anschluss sind wir dann zum Essen.

Jetzt nachdem dann auch noch das Tagebuch geschrieben ist, ist es Zeit fürs Bett, denn morgen geht es auch schon wieder um 7:30 Uhr auf Pirschfahrt. Damit geht dann unser erster schöner Tag in Samburu zu Ende, hoffentlich nicht mit allzu vielen Mückenstichen, denn die Viecher sind hier wie verrückt.

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Autor:Jens Koopmann