Reisebericht Kenia 2014 – Teil 1: Die lange Reise nach Afrika

,

Montag, 24.11. bis Dienstag 25.11.2014

Endlich wieder Urlaub – wie sehr haben wir uns beide danach gesehnt. Letztes Jahr im April waren wir zuletzt länger weg – fast 18 Monate sind das nun schon her und so sind wir beide mehr als reif für eine Auszeit vom Alltag. Und diesmal sollte es nach 2011 zum zweiten Mal nach Kenia und für mich im Anschluss noch nach Dubai gehen.

Doch vor den Urlaub hat der Herrgott die Anreise gesetzt und noch davor das Packen der Koffer und damit begann auch schon die erste spannende Frage: wie sollten wir alles nach Kenia bekommen, was mit musste? Wir hatten zwar jeder 30kg Freigepäck, was sich zunächst nach viel anhört, aber schnell schrumpfte, als wir Millys Geschenke für die Familie eingepackt hatten, die allein schon 30kg wogen. Also blieb quasi nur noch ein Koffer und das Handgepäck übrig, um das normale Reisegepäck mitzunehmen. Eine große Herausforderung, denn allein meine Kameraausrüstung und alles elektronische Zubehör füllten mein ganzes Handgepäck und einen Teil meines Koffers aus. Insofern wurde jedes einzelne Teil unseres Gepäcks immer wieder hinterfragt und wir kamen am Ende bei zwei bleischweren, exakt 30kg wiegenden Koffern raus und jeder von uns hatte sein Handgepäck bis zum Maximum ausgeschöpft bzw. sogar leicht überschritten.

So ging es dann gestern los auf die große Reise und zunächst hieß die erste Zwischenetappe Frankfurt Flughafen. Dabei rächte sich bereits das hohe Gewicht unseres Gepäckes, denn dieses von der Wohnung nach unten zu tragen und beim Bahnhof in Trier wieder die Treppen hinauf war eine echte Tortur. Die Koffer lagen wie Blei in meinen Händen. Gottseidank ging aber sonst alles gut uns so waren wir nach etwas über 3h am Flughafen angekommen und nun galt es die erste wirkliche Hürde zu überstehen: kommt unserer Gepäck komplett mit, oder ist es vielleicht doch zu schwer. Nachdem wir uns den langen Weg zunächst nach Terminal 2 und dort zum Emirates Checkin gebahnt hatten, war dann der spannende Moment gekommen. Millis Koffer wog 30,9kg. Meiner 29,7kg, d.h. zusammen lagen wir knapp über der Grenze. Die junge Dame an der Abfertigung war allerdings mehr damit beschäftigt, sich über ihren Dezemberdienstplan zu echauffieren, als das sie noch Lust gehabt hätte, uns wegen des Kilos Stress zu machen. Dafür hatte sie dann aber in ihrer Rage unsere Gepäckstücke bereits durchgewunken, allerdings ohne die Aufkleber, wohin sie sollen und wem sie gehören… In mir stieg schon leicht die Nervosität, ob das wohl gut gehen würde. Die junge Dame versprach aber, dass das alles kein Problem sei und sie den Koffern gleich hinterhergehen würde. Aus dem Augenwinkel haben wir zumindest noch sehen können, dass sie nach uns dann tatsächlich von ihrem Platz weggegangen war. Also schien nochmal alles gut gegangen zu sein und unsere Bleikoffer würden wir, so alles gut geht, erst wieder in Nairobi in Empfang nehmen.

Unterdessen haben wir uns dann langsam durch die Sicherheitskontrollen begeben und die restliche Zeit bis zum Abflug mit Lesen und einem Rundgang am Flughafen verbracht.

Nairobi-Samburu-1120328.jpg

Kurz nach 20 Uhr konnten wir dann auch endlich in den Flieger, der uns zunächst einmal nach Dubai bringen sollte. Es war ein ruhiger und angenehmer Flug – selbst das Essen hatte geschmeckt. Allerdings kamen wir beide auch nicht wirklich zum Schlafen und so waren wir ziemlich durch den Wind, als wir kurz nach halb 6 Ortszeit (halb 3 in Deutschland) in Dubai gelandet sind. In der Nacht konnten wir zwar die Lichter von Dubai etwas aus dem Flieger sehen, saßen aber auf der falschen Seite, um die wirklich großen Wolkenkratzer erblicken zu können. Erstaunlich war aber, wie viele Schiffe im Meer vor Dubai lagen – es war wie ein kleines Lichtermeer.

Nairobi-Samburu-1120333.jpg Nairobi-Samburu-1120343.jpg

Da unser Flieger auf einer Außenposition parkte, mussten wir erstmal mit dem Bus zum Terminal fahren. Diese Fahrt zog sich allerdings ins Unermessliche. Fast 25 Minuten sind wir am Ende über den Flughafen gekurvt und gefühlt drei Mal im Kreis gefahren. Im Flughafen angekommen haben wir dann einen kleinen Rundgang gemacht und uns dann auf einer halbwegs bequemen Bank niedergelassen, wo Milly etwas die Augen schließen konnte und ich währenddessen das Handgepäck hütete. Und so zog sich die Zeit dann hin, denn wir mussten ganze 5 Stunden auf dem Flughafen zubringen, bis unser Anschlussflieger nach Nairobi ging.

Irgendwann war dann aber auch diese Warterei vorbei und es ging endlich weiter – nochmals 6 Stunden bis nach Nairobi. Auch dieser Flug verlief recht ruhig und auch diesmal war das Essen wieder in Ordnung, doch vom Rest habe ich nicht viel mitbekommen, denn ich war eindeutig zu Müde, um meine Augen weiter offen zu halten. Erst kurz vor Nairobi bin ich wieder wach geworden und so blieb noch Zeit, die Einwanderungsformulare schnell auszufüllen. In Nairobi angekommen konnte der Kontrast zur schillernden Hochglanzwelt von Dubai nicht größer sein. Der Flughafen ist einfach und zweckmäßig. Alles funktioniert, aber auch nur gerade so. Der Bus mit dem wir zum Ankunftsterminal gefahren sind (war eher eine Lagerhalle) hatte mit Sicherheit schon längst vergessen, wie Reifen mit Profil aussehen, denn er war auf reinen Slicks unterwegs.

Als Deutscher kann man in Kenia direkt am Flughafen ein Visum für bis zu 90 Tage bekommen. Dieses kostet 40 EUR und dafür musste nur noch ein weiteres Formular ausgefüllt werden. Milly ist zwar auch Deutsche mittlerweile, hatte aber auch noch ihre kenianische Geburtsurkunde dabei, in der Hoffnung, dass sie dann so nach Kenia einreisen dürfe, ohne die 40 EUR zu bezahlen. Nach einigen Diskussionen und eine leichten VIP-Behandlung hat das dann auch geklappt – aber natürlich nicht, ohne eine kleine Entschädigung für die Mühe zu zahlen. Immerhin hat sie am Ende 20 EUR gespart gehabt.

Als nächstes haben wir dann unser Gepäck abgeholt, was den Flug glücklicherweise heil überstanden hatte und sind dann zum Ausgang gelaufen. Dort hatte man uns bereits erwartet, da wir die heutige Nacht noch in Nairobi verbringen, bevor es morgen dann auf Safari geht. Milly hatte ebenfalls organisiert, dass ihre Nichte ihren Koffer mit den Geschenken hier in Empfang nimmt und bereits nach Kisumu damit fährt. Damit waren wir zumindest eine Gepäcksorge los.

Unser Fahrer für die kommenden Tage heißt Joseph und machte einen netten ersten Eindruck und so stellte sich erstmals ein leichtes Gefühl von Urlaub bei mir ein, denn ab nun schien alles planmäßig zu verlaufen.

Bevor wir uns etwas für den morgigen Tag ausruhen konnten, mussten wir aber noch in unser Hotel kommen, welches in Nairobi, knapp 20km vom Flughafen entfernt, lag. Die Fahrt durch Nairobi allein war schon ein Erlebnis, auch wenn es nicht wie 2011 durch die Innenstadt ging. Allein der Geruch ist ein anderer, wenn man hier durch die Straßen fährt. Es ist eine schwer beschreibliche Mischung aus den Abgasen, dem Staub und mal mehr mal weniger Geruch von den zahlreichen kleinen Feuerstellen, über denen Mais geröstet wird. Zudem wuseln überall Menschen herum, neben den Straßen, zwischen den Fahrbahnen, auf den Fahrbahnen, wo immer halt Platz ist. Interessant ist auch, wie viele kleine Ansammlungen von Gruppen es gibt und wie überall verstreut kleine Händler sind, die mehr oder weniger nützliche Dinge zum Verkauf darbieten. Am besten kann man aber während der Fahrt einkaufen, denn sobald der Verkehr zu stocken beginnt, kommen aus allen Ecken Händler daher, die versuchen ein schnelles Geschäft zu machen, bis sich der Verkehr wieder löst. Wirkliche Fahrregeln darf man auch nicht erwarten. Es gibt eigentlich nur zwei Regeln: wer zuerst kommt fährt zuerst und der Stärkere hat Vorfahrt. Mit diesen beiden einfachen Regeln fährt es sich aber anscheinend recht gut hier, denn viele Unfälle gibt es nicht. Wirklich schnell kamen wir aber auch nicht voran, denn es war gerade Berufsverkehr uns so staute es sich vor jedem Kreisel ordentlich zurück.

Nairobi-Samburu-1120344.jpg

Schließlich hatten wir es aber irgendwann dann geschafft und waren in unserem Hotel für die erste Nacht angekommen. Es ist definitiv nichts Besonderes, für eine Nacht aber ok, nachdem wir die Dusche endlich mal in Gang gebracht hatten. Wir hatten dann zwar noch etwas Hunger, waren aber zu faul, um noch raus zu gehen, zumal es mittlerweile auch schon dunkel geworden war. Von daher sind wir auf einen Snack in das Restaurant im Hotel gegangen. Wie für die Zimmer galt auch hier: nichts Besonderes, aber für den Moment ok.

Jetzt heißt es erstmal Kraft tanken, denn morgen Früh geht es um 7 Uhr los auf eine längere Fahrt bis nach Samburu. Bis dahin brauchen wir beide aber erstmal eine große Mütze Schlaf.

Weiter zu Teil 2


Schlagwörter: , ,

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.



Autor:Jens Koopmann