Reisebericht Florida: 09.06.2007 – Major Tom to ground control

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Und weiter geht es. Nach dem aufregenden gestrigen Tag mit dem Shuttle-Start blieb keine Zeit zum Ausschlafen, denn auch für heute war das Programm vollgepackt. Gestern Abend musste ich den Sensor der Kamera erstmal in einer Notoperation reinigen, denn der war mit ziemlich viel Staub von den Objektivwechseln belegt.

Heutiges Ziel war dann noch einmal das Kennedy Space Center (KSC). Hier hatte ich gegen 12 Uhr die Tour „Lunch with an Astronaut“ und um 14 Uhr die „Nasa Close Up Tour“ gebucht. Beide waren in meinem Ticket inklusive. Einen ganzen Komplex des Parks hatte ich jedoch gestern ausgelassen und ihn für den heutigen Vormittag eingeplant – die Astronaut Hall of Fame, die etwas außerhalb des Parks ist.

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Kurz vor 9 Uhr war ich dann auch pünktlich da, so dass ich direkt mit der Öffnung rein kam. Nach 2 kurzen Filmen kommt man in den Hauptausstellungsraum, der die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt sehr anschaulich darstellt. Neben einem fortlaufenden Zeitstrahl gibt es auch einige Raumkapseln und Raumanzüge sowie zahlreiche kleine Gegenstände aus der jeweiligen Zeit zu sehen.

Die Geschichte der amerikanischen Raumfahrt kann in folgende Phasen eingeteilt werden:

  • Mercury Programm (1961-1963)
  • Gemini Projekt (1965-1966)
  • Apollo Programm (1965-1972)
  • Skylab und Apollo-Sojus-Pojekt (1973-1975)
  • Ära des Space Shuttles (ab 1981)

Nachdem die Russen mit dem Satelliten Sputnik und dem ersten Menschen im All Jury Gagarin lange Zeit die Nase vorn hatten im Wettlauf in den Weltraum, mussten die Amerikaner Erfolge vorweisen können, um das von ihnen gewünschte Gleichgewicht im Kalten Krieg wieder gewahrt zu wissen. Das Mercury Programm hatte demnach zum Ziel, Amerikaner in den Orbit zu befördern. Dies gelang erstmals 1962 mit der Kapsel Friendship 7 und dem Astronauten John Glenn Jr. Hier ein Bild einer Mercury Kapsel:

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Nach 4 Orbitflügen war das Mercury-Programm beendet und das Gemini Projekt begann. Ziel war es, erstmals 2 Personen in einer Kapsel ins All zu schicken. Das Langfristziel war jedoch schon klar gesteckt: die Mondlandung.

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Dies war dann auch das Hauptziel des Apollo-Projekts ab 1965. Die Schwierigkeit lag dabei, neben der Kapsel, auch in der Konstruktion der Rakete. 1967 sollte dann der erste bemannte Flug stattfinden, der jedoch in einer Tragödie endete, in der alle 3 Astronauten ihr Leben ließen. Feuer war in der Kapsel ausgebrochen und da man damals noch mit 100% Sauerstoff operiert hatte, war es unmöglich den schnellen Ausbruch und den Tot der Insassen zu vermeiden. Dies warf die NASA abermals hinter die Russen zurück, die in der Zwischenzeit den Mond umrundet hatten und auch vor den Amerikanern einen Roboter auf dem Mond landeten. Nach dem Rückschlag dauerte es über eineinhalb Jahre bis zum nächsten bemannten Apollo Flug (Apollo 7), der dann aber erfolgreich war und somit den Weg für die Mondmission ebnete. Nach einigen weiteren Missionen war es schließlich Apollo 11, der die erfolgreiche Mondlandung am 20.07.1969 gelang und Neil Amstrong war der erste Mensch auf dem Mond.

Hier eine Apollo-Kapsel:

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Nach der Mondlandung schwand das Interesse am Weltraum etwas, da das Mondrennen ja nun beendet war – aus Sicht der Amerikaner auch mit dem richtigen Sieger. Die Budgets sanken und neben dem Skylab, einer Weltraumstation und dem Apollo-Sojus-Projekt, einem russisch-amerikanischen Weltraumtreffen, waren die Fortschritte in den kommenden Jahren eher gering.

Erst 1981 wurde das Space Shuttle fertiggestellt und läutete eine neue Ära ein, war es doch das erste wiederverwendbare Weltraumfahrzeug, was mit Flügeln ausgestattet war. Das erste Shuttle war die Columbia (ein früherer Prototyp, konnte noch nicht in den Orbit und zählt daher nicht). Weitere Shuttles sind die Atlantis, Endeavor (als Ersatz für die Challenger), Discovery, Challenger (1986 beim Start explodiert) und Columbia (2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre explodiert).

Nach diesem Teil der Ausstellung ging es weiter in den Simulatorabschnitt. Hier kann man verschiedene Weltraum-Experimente nachvollziehen. Spannendster Teil war davon ein G-Force-Simulator, in dem Fliehkräfte simuliert werden.

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Hier wird man auf bis zu 4G (vierfache Erdanziehung) beschleunigt. In einem Anfall von geistigem Blackout muss ich mich irgendwie in die Schlange gestellt haben. Als ich die Leute nach jeder Fahrt leicht mitgenommen und stark schwankend rauskommen sah, bekam ich Angst um meinen Donut im Magen. Wieso tue ich mir das eigentlich an, wo mir doch so schnell schwindlig wird – aber zu spät, denn schon saß ich drin. Und los ging es. Am Anfang merkt man noch die Drehbewegung, doch das hört schnell auf. Im Inneren läuft ein Film mit einem Flugzeugstart, den man quasi mitfliegt. Danach gibt es ein paar Turbulenzen und man fliegt ein paar Loopings. Nach einer kurzen Verschnaufpause kommt es zum Alarm und man stürzt ab, nochmal ein kleiner Magendreher. Dann ist es auch schon fast vorbei. Der schlimmste Moment kam dann aber noch, als die Türen wieder aufgingen, während sich der Simulator noch drehte, denn vorher bekommt man die Drehung gar nicht mehr mit. Ziemlich benommen bin ich dann auch wieder dort raus und durch den Rest des Museum getaumelt, nicht ohne ein flaues Gefühl im Magen.

Die Astronaut Hall of Fame war im Rückblick wirklich interessant und hat den Besuch im KSC rund gemacht.

Dann ging es aber wieder direkt zum KSC, wo ich kurz vor 11 Uhr ankam. Da die Schwüle schon wieder fast unerträglich und mein Magen noch nicht wieder ganz essenstauglich war, habe ich mir dort erstmal kurz den Film „Quest for Life“ über die Suche nach Leben auf fremdem Planeten angeschaut. Danach bin ich noch einen Moment rumgelaufen und dann war es auch Zeit fürs Essen. Rund 20 Mann hatten die Tour „Lunch with an Astronaut“ gebucht. Es gab ein einfaches Buffet und nach einem kleinen Film kam unser Astronaut für heute, Rick Searfoss, der drei Space Shuttle-Missionen mitgemacht hat. Für gute 40 Minuten beantwortete er geduldig unsere Fragen. Sehr interessant. Am Ende erhielten wir ein handsigniertes Bild und es gab Gelegenheit für Fotos.

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Viel Zeit blieb dann nicht mehr bis zu meiner Nasa Close Up Tour , so dass ich nur ein wenig rumgelaufen bin, um an einigen Plätzen noch ein paar Fotos zu machen, in der Hoffnung, dass sie besser sind als die gestrigen. Dann ging die Tour los. Im Gegensatz zur regulären KSC-Tour, wo immer zahlreiche Busse die Massen rumfahren, war es hier nur ein Bus und der war auch nicht ganz voll. Als erstes ging es zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen guten Überblick über das Gelände hat. Von hier konnte man das Vehicle Assembly Building sehen, in dem die Shuttles auf den Start vorbereitet werden.

Daneben befinden sich die Shuttle-Rampen 39A und 39B.

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Auch die Abschussrampen für die nicht bemannten Flüge konnte man sehen.

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Dann ging es aber endlich noch näher an die Space Shuttle Rampen ran. Wir hatten wirklich Glück, dass gestern ein Start war, denn so war noch die Transportplattform an der Rampe 39A.

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Hier noch ein Bild von Rampe 39A:

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Und eins von Rampe 39B (die weitgehend identisch ist, bis auf den Fakt, dass hier heute keine Plattform war):

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Weiter ging es dann zu einem Fotostopp am Vehicle Assembly Building (VAB). Unterwegs konnten wir auch die Countdown-Uhr sehen:

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Das VAB wurde einst für die Saturn-Raketen gebaut und hat genau 1 Stockwerk. Noch heute ist es eines der volumenmäßig größten Gebäude der Welt. Hier wird das Shuttle vor dem Start mit den Raketentanks verbunden.

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Geendet ist die Tour im Apollo-Saturn-Center, den ich ja schon gestern gesehen hatte, insofern bin ich sofort zurück zum Visitor Center gefahren, denn es war Zeit, um nach Orlando aufzubrechen. Die Close Up-Tour war sehr gut, da man sehr nah an die Gebäude ran kam, was mit der normalen Tour nicht möglich war.

Insgesamt waren die 2 Tage im KSC superspannend und haben unendlich viel Spaß gemacht. Um alles zu sehen sind selbst die 2 Tage recht eng, aber ich habe alles geschafft, was ich sehen wollte. Insofern eine tolle Reisestation, die mir noch lang in Erinnerung bleiben wird.

Der Weg nach Orlando war trotz dichterem Verkehr und zahlreichen Mautstops problemlos. Bevor ich jedoch zum Hotel bin, habe ich noch einen kleinen Zwischenstop geplant gehabt. Ziel war das „Ripley’s Believe it or not“-Museum am International Drive.

Diese Skurrilitätenkabinett beginnt bereits beim Gebäude selbst, denn dieses ist halb versunken.

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Die nächste – nicht so tolle – Skurilität ist der Eintritt. Ganze 20 USD wollen sie haben. Dafür, dass das Museum selbst recht klein ist (Zeit ca. 1h) schon recht happig. Aber ich wollte es ja sehen, insofern habe ich brav meinen Obolus gezahlt.

Die Ausstellungsstücke waren teilweise wirklich sehr originell und witzig. Hier ein Bild von Elvis, in das ca. 600 weitere Elvis-Bilder eingebettet sind.

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Oder meine Hand im Vergleich zur größten Menschenhand der Welt – niedlich oder?

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Oder wie wäre es mit einem Fisch mit Pelz (dies war leider seinerzeit ein Irrglaube)?

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Es war ein wirklich witziger Tagesabschluss und wer unglaubliches mag, sollte hier wirklich vorbeischauen. Ähnliche Museen gibt es noch in weiteren Städten (u.a. San Francisco, St. Augustine, Key West).

Dann ging es ab zum Hotel. Leider war dies in meinem GPS leicht falsch eingezeichnet (ca. 500m zu weit und falsche Strassenseite), so dass ich beim ersten Versuch doch glatt vorbeigefahren bin. Habe es aber dann doch noch gefunden. Hier im Sheraton bleibe ich jetzt 5 Nächte, sprich 5 Nächte ein gutes Bett 😉 Da ich hier eine Suite habe, wohne ich mal wieder mit mehr Platz als ich in Frankfurt in meiner Bude habe – verrückt. So, dass war dann das Kennedy Space Center und die nächsten Tage heisst es dann Disney, Disney, Disney und nochmal Disney – halleluja!

Fazit:

  • jeder, der auch nur entferntes Interesse an der Raumfahrt hat, sollte das KSC besuchen. Es war echt jeden Cent wert.

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Autor:Jens Koopmann