Reisebericht Florida: 07.06.2007 – Auf zur ältesten Stadt der USA

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Heute morgen bin ich natürlich wie zu erwarten nicht pünktlich aus dem Bett raus. Kurz vor 10 habe ich mich endlich aufgerafft. Der gestrige Tag mit dem Flug, die Hitze und die Zeitumstellung saßen mir noch irgendwie in den Knochen. Es ging aber trotzdem recht flott los, entlang der Küste zur ältesten Stadt der USA, nach St. Augustine.

Florida war einst eine spanische Kolonie. Die Spanier waren also neben den Engländern und Franzosen die dritte Macht in den heutigen USA und haben neben Florida u.a. auch Kalifornien beherrscht. Die Franzosen drängten jedoch nach Florida und so sandte der spanische König seinen Admiral Pedro Menendez de Avilès zusammen mit einigen Soldaten nach Florida. Die Mission war  erfolgreich und die Franzosen erfolgreich vertrieben. Diese Gruppe bildete auch die erste Siedlung von St. Augustine (lange bevor die Pilgrims im Norden der USA ankamen) und Menendez errichtete die erste Mission – das war 1565. Die Siedlung wurde in den Folgejahren immer wieder Opfer von Piraten und so beschloss Spanien den Bau eines Forts 1672. Das Fort steht noch heute, es ist das Castillo de San Marcos.

Bis 1763 blieb Florida noch in spanischer Hand, doch nach dem verlorenen Krieg gegen England fiel es den Engländern zu. Die englische Herrschaft währte aber nur kurz, denn nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg fiel Florida 1783 wieder zurück an Spanien. Erst 1821 wurde es dann Teil der Vereinigten Staaten von Amerika, zunächst nur als Territorium und ab 1845 als eigener Bundesstaat.

Mein erster Stop in St. Augustine war die alte Mission. Hier hielt am 08.09.1565 Francisco Lopez de Mendoza Grajales die erste Messe. Im Anschluss an die Messe feierten die Siedler zusammen mit den Indianern das Erntedankfest (Thanksgiving). In dem Parkgelände steht neben einem überdimensionalen Kreuz zum Gedenken an die erste Messe auch eine Statue mit Pater Mendoza.

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Das Wetter war heute wieder sonnig, was nicht so schlimm gewesen wäre, wäre da nicht die Luftfeuchtigkeit gewesen. Knapp 80% Luftfeuchtigkeit sind erheblich mehr, als ich die letzten Wochen im Westen jemals hatte. Insofern wollte ich auch nicht von der Mission zur Innenstadt laufen – eigentlich wollte ich gar nicht laufen – und habe kurzerhand mein Auto umgeparkt, schließlich gab es in der Stadt noch einiges an Weg zurückzulegen.

Erster (Fuß-) Stop war dann das Castillo de San Marcos. 1672 begonnen, nach zahlreichen Angriffen von Piraten auf die alten Holzfestungen, dauerte es 23 Jahre bis zu seiner Fertigstellung.

Dank dem Nationalparkpass konnte ich mir 6 USD Eintritt sparen. Die Anlage ist für uns Europäer sicher weniger spektakulär als für die Amis, da wir Burgen und Festungen in Europa ja zahlreich haben.

Das Kastell ist in einer Diamantform gebaut, was ggü. dem Mittelalter eine Neuerung ist. Im Untergeschoss kann man ein paar Räume für die Wachen, sowie Lagerräume sehen. Gelebt hat in diesem Kastell jedoch niemand – eine weitere Neuerung ggü. mittelalterlichen Bauten. Eine Ausnahme bildeten die britschen Belagerungen im frühen 18. Jahrhundert, als mehr als 1000 Menschen hier ausharrten.

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Interessant ist es zu sehen, woraus das Gebäude gebaut ist: Muschelfels. An einigen Stellen kann man dies auch noch sehr deutlich sehen.

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Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel hier zu sehen.

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Im Besuchershop habe ich mir dann noch ein kleines Heft mit ein paar selbsterklärenden Stadtspaziergängen geholt, die ich dann im folgenden abgelaufen bin.

Der erste Spaziergang war rund um die St. George Street. Vorher ging es vorbei am Castle Warden, was heute das Ripley’s Museum (ein Kuriositätenkabinett) beherbergt.

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Vor dem Museum stand ein Baumstamm, der zu einer Wohnung mit 4 Räumen umgebaut wurde.

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Danach ging es zu einem kleinen Monument, dass den Beginn der alten spanischen Strasse von St. Augustine bis San Diego markiert.  Weiter führte der Weg durch das Stadttor ab in die St. George Street. Hier habe ich mir erstmal einen kalten Kaffee im Coffeeshop geholt, denn ich hatte Riesendurst und musste mal richtig wach werden.

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In der St. George St. finden sich noch viele Häuser aus der spanischen Zeit in Florida, u.a. auch das älteste Schulhaus (2. Bild).

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Weiter ging es dann rund um den Hauptplatz der Stadt, wo diverse Mahnmale (u.a. für den Bürgerkrieg) stehen. Auch eine der ältesten Kirchen Floridas ist hier und das „skylinebestimmende“ Gebäude der Stadt – die Wachovia Bank.

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Danach drehte sich alles um die Gebäude in der Nähe des Flagler Colleges. Henry M. Flagler, ein Partner von John D. Rockefeller baute in St. Augustine 2 Hotels, eines ist heute das College und das andere das Lightner Museum. Zusätzlich kaufte er ein weiteres Hotel und alle Eisenbahnlinien in der Umgebung, da er an das Potential der Region glaubte.

Zunächst war ich kurz im Lightner Museum gewesen. Hier finden sich allerlei Ausstellungsstücke, von Kunst über Knopfsammlungen, ausgestopften Tieren bis hin zu Mineralien und Muscheln – ein wahres Sammelsurium. Früher war zudem im hinteren Teil des damaligen Hotels der größte Indoor-Pool der Welt.

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Hier noch ein paar Bilder vom College und seiner Umgebung.

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Danach war es dann auch kurz vor 5 und solangsam Zeit für den Rückweg, denn knapp 200km Weg lagen noch vor mir. Auf der Fahrt bin ich nochmal in den Coffeeshop vom Morgen und habe mir dort eine leckere und kühle Limonade geholt, denn ich hatte Durst wie ein Kamel.

So aufgetankt und wieder auf der Strasse war ich kurz nach Sieben hier in Cocoa Beach im Best Western angekommen. Mein Abendbrot bestand heute aus ein paar Restrippchen von gestern, die ich nicht mehr geschafft hatte.

Mein einziges Problem: ich weiss noch nicht so recht, wie das Programm morgen aussieht. Eigentlich war geplant, ins Kennedy Space Center zu gehen, nur ist für morgen ein Space Shuttle Start geplant und meine Versuche zu erfahren, ob der Park morgen offen ist, waren nicht erfolgreich. Man hat mir allerdings nicht zu große Hoffnung gemacht. In diesem Fall werde ich mich wohl recht früh in Titusville an den Strand setzen und bis zum Shuttle-Start (so er denn nicht noch abgesagt wird) warten – ist ja schließlich auch eine einmalige Gelegenheit.

Für heute war es das jedoch erstmal wieder.

Fazit:

  • Das Wetter hat mir heute ordentlich zugesetzt. Hoffe mal, ich gewöhne mich schnell dran.
  • St. Augustine war wirklich schön, auch wenn nicht ganz so spektakulär für uns Europäer. Etwas mehr Zeit wäre nicht schlecht gewesen, dann hätte ich mir noch das älteste Schulhaus und das Ripley-Museum von Innen angesehen, aber das ist dann was fürs nächste Mal.

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Autor:Jens Koopmann