Reisebericht Florida: 08.06.2007 – Auf zu den Sternen

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So, jetzt ist es Samstag Abend und nach zwei spannenden Tagen komme ich endlich wieder dazu ein paar Zeilen zu schreiben. Mal schauen, ob ich beide Tage in einen Bericht packe, oder sie doch noch trenne.

Gestern ging es jedenfalls mal wieder früh aus dem Bett, auch wenn ich noch nicht wusste, ob mein Plan, das Kennedy Space Center (KSC) zu besichtigen, klappen würde, denn für gestern war auch ein Space Shuttle Start geplant. Nach einem kurzen Frühstück im Hotel ging es schnurstracks zum KSC. Dort angekommen stellte ich erleichtert fest, dass es offen ist.

Dann hieß es jedoch erstmal eine gute halbe Stunde warten. Nicht wegen der Warteschlangen. Nicht deshalb, weil ich außerhalb der Öffnungszeiten gewesen wäre. Nicht, weil ich an der falschen Kasse stand. Nein, die Dame an der Kasse konnte mit meinem Voucher von Meyers Weltreisen schlichtweg nichts anfangen. Schließlich fand sie aber noch Hilfe und so kam ich an mein Ticket ebenso wie an die Tickets für „Lunch with an Astronaut“ und die „Nasa Close Up Tour“ am Folgetag.

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Dann ging es endlich rein. Ich hatte mich erstmal etwas im Visitor Center umgeschaut. Da die Schlangen für die kostenfreie Bustour ziemlich lang waren, hatte ich beschlossen, dies erst später zu machen, schließlich gab es ja auch noch mehr zu sehen. Stattdessen bin ich vor einem großen Gebäude mit dem Namen „Shuttle Launch Experience“ (Space Shuttle Start Simulator) gelandet. Klang ja nicht schlecht, also rein (vorher noch alle Sachen einschließen).

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In dieser erst vor wenigen Wochen eröffneten Attraktion kann man erleben, wie sich der Start in einem Space Shuttle anfühlt. Dazu wird man in eine Kabine gesetzt, die dann um 90 Grad in die Vertikale gedreht wird. Dann ruckelt es ganz ordentlich, die Raketentanks werden mit einer Explosion abgestoßen (zumindest virtuell) und schließlich ist man im Orbit. Das Ganze ist wirklich gut gemacht, auch wenn ich mir denke, dass die tatsächlichen Kräfte, die bei einem solchen Start wirken noch viel größer sind. Dennoch sollte man sich das nicht entgehen lassen, insbesondere, wenn es noch so leer ist, wie bei mir.

Danach ging es dann zur Bustour, die jetzt schon deutlich leerer war. Im 15 Minutentakt fahren die Busse durch das Gelände mit normalerweise 3 Stopps:

  1. Launch Obervation Deck
  2. Apollo / Saturn Center
  3. ISS Center

Die Aussichtsplattform für die Launch Pads (Startplattformen) der Space Shuttles war wegen dem Start heute leider geschlossen. Insofern ging es direkt zum Apollo / Saturn Center. Nach kurzer Wartezeit gab es dort einen Film über das Apollo-Programm und die Saturn Raketen. Dann ging es einen Raum weiter. Hier in genau diesem Raum wurde seinerzeit der Start der Missionen verfolgt. Die Gerätschaften sind noch alle Original und wurden nur im vorderen Teil des Raumes zusammengeschoben. Auch hier gab es einen weiteren Film.

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Danach wurden wir uns selbst überlassen in einem großen Raum mit einem Modell der Saturn-Rakete. Aus meiner Sicht viel spannender war es jedoch erstmal hinaus zu laufen, um einen Blick auf die Startrampen zu erhaschen. Dies gelang mir auch, wenn auch nur aus sehr sehr großer Entfernung. Bei entsprechender Vergößerung  kann man aber das Shuttle erkennen (der weiße Punkt rechts bei der Startrampe).

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Danach habe ich mir dann das Raketenmodell angeschaut. Es handelt sich dabei um ein 1:1-Modell. Hier konnte man mal wirklich alle Zündstufen und Module deutlich erkennen.

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Die erste Zündstufe beschleunigt die Rakete auf gut 5.000 Meilen pro Stunde in ca. 2,5 Minuten. Dabei verbraucht sie 15t Treibstoff pro Sekunde (!). Ein Bild der ersten Stufe seht ihr oben. Der Kraftstoffverbrauch hat zu folge, dass nach zweieinhalb Minuten das Benzin aus ist.

Danach wird die erste Stufe abgestoßen und die zweite Stufe greift. Ebenfalls mit 5 Düsen bestückt überbrückt sie die nächsten 6,5 Minuten.

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Weiter geht es dann mit Stufe 3, die nur noch ein Triebwerk hat. Mit diesem Tank wird auch die Endgeschwindigkeit von 24.000 Meilen pro Stunde erreicht.

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Darüber ist dann das Instrumentenmodul, wo sich die Steuerung befindet.

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Und schließlich kommt der wirklich interessante Teil der Rakete: die Kapsel für das Mondfahrzeug, denn zu dessen Transport war die Saturn-Rakete gebaut.

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Darüber ist das Service Modul, womit u.a. Sauerstoff- und Wasserversorgung der Astronauten sichergestellt wurde.

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Und zu guter Letzt ist da dann noch das Command Modul. Dieses ist das einzige Teil, was für den Rücktransport der Astronauten zur Erde vorgesehen war.

Um das Mondfahrzeug herauszuholen wurde übrigens das kombinierte Command- und Service Modul umgedreht und Kopfüber an das Mondfahrzeugmodul angedockt. So wurde das Mondfahrzeug dann herausgezogen.

Ich fand diese Ausstellungshalle unheimlich interessant, da man den Aufbau der Rakete wirklich nachvollziehen konnte. Und so habe ich heute schon eine Menge gelernt – wer hätte das in einem Freizeitpark gedacht 😉

Dann ging es weiter zu einem Gebäude, in dem die letzten Module für die Internationale Raumstation ISS gefertigt werden bzw. den letzten Schliff vor dem Transport ins All bekommen.

Daneben war es möglich, die  verschiedenen Modularten (Wohnmodul, Versorgungsmodul, Labor, Verbindungsmodul) der ISS zu besichtigen. Ein paar Bilder:

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In der Fertigstellungshalle steht auch das europäische Forschungsmodul Columbus und wartet auf seinen Transport zur ISS.

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Wenn die ISS 2010 fertig ist, soll man sie sogar von der Erde sehen können. Im Gegensatz dazu gab es in diesem Gebäude nichts mehr weiter zu sehen und somit ging es wieder mit dem Bus zum Visitor Center, denn die Tour war damit zu Ende.

Schade, dass sowohl die Startrampen als auch das Startvorbereitungsgebäude (VAB – Vehicle Assembly Building) heute nicht in der Tour waren, aber am zweiten Tag sollten sie dann in der Close-Up Tour dabei sein.

Zurück, habe ich mich kurz gestärkt und dann ging es zur Explorer, dem 1:1-Nachbau eines Space Shuttles, was auch von innen besichtigt werden kann.

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Zwischendrin war ich dann nochmal im Launch Status-Zelt, um zu horchen, ob beim Start noch alles beim Alten ist, was es war. Einem Start stand bislang nichts entgegen, aber sicher sein, kann man sich bei sowas bis zur letzten Minute nicht.

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Schließlich gab es noch den Rocket Garden zu besichtigen. Hier findet sich die weltweit größte Sammlung von Raketen. Alle Raketen hier sind echt und einsatzbereit – keine Spielzeuge!

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Direkt hinter dem Rocket Garden war auch noch eine Ausstellung, die sich der frühen Raumfahrt gewidmet hat. Auch diese war interessant und da bis zum Start ja noch einige Zeit war, habe ich sie mir auch noch angeschaut.

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Auch danach war die Zeit für den Start noch nicht gekommen und so blieb mir noch das Mahnmal für die Astronauten über. Es werden hier diejenigen geehrt, die ihr Leben für die Raumfahrt gelassen hatten.

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Hier war dann auch später mein Beobachtungsposten für den Shuttle-Start. Vom Besucherzentrum aus hat mein leider keinen freien Blick auf die Startrampe, aber ansonsten war die Aussicht gut.

Und dann um 19:36 Uhr war es soweit. Das Space Shuttle Atlantis hob zur Mission STS-117 ab, dem 118. Space-Shuttle Flug insgesamt und dem 28. für die Atlantis. Es sollte ein weiterer Trip zur Raumstation ISS. Es war ein absolut tolles Gefühl, dass Shuttle aufsteigen zu sehen. Es begann mit einem Donner und kurz darauf schoss die Rakete hinter den Bäumen hervor und raste in hoher Geschwindigkeit gen Himmel, so dass kurz darauf nur noch der Feuerball des Antriebs zu sehen war. Beim Start ging alles glatt und hier gibt es auch ein paar Bilder:

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Auf dem letzten Bild sieht man bei genauem Hinschauen neben dem Shuttle noch zwei glühende Punkte. Dies sind die Treibstofftanks, die zu diesem Zeitpunkt bereits abgetrennt waren. Der Haupttank wird erst später abgestoßen und er ist auch der einzige Teil des Shuttles, der nicht recycled wird, sondern in der Atmosphäre verglüht. Mehr zur Mission STS-117 gibt es hier: Mission STS-117

Kurz darauf war das Spektakel vorüber und übrig blieb eine tolle Wolkenformation, die mich auch auf dem Heimweg ins Hotel noch eine Weile begleitet hat und eine fantastische Erinnerung an einen Space-Shuttle Start.

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Noch spät in der Nacht konnte man das Shuttle als leuchtenden Punkt am Himmel erkennen. Und dazu hatte ich reichlich Zeit, denn der Weg zum Hotel, der am Morgen 20 Minuten dauerte, streckte sich durch den Stau der abfahrenden Fahrzeuge auf gut 2 Stunden. Aber mir konnte nichts mehr die Laune verderben, denn ich hatte einen absolut tollen Tag gehabt.

Schließlich kam ich über eine Alternativstrecke, die ich einfach nach Gefühl gefahren bin, gegen 22:30 Uhr wieder im Hotel an, wo ich erfüllt von all den Eindrücken des Tages in Bett fiel.

Da der Bericht doch wieder etwas länger ist ( 😉 ) geht es in einem separaten Artikel mit dem Bericht von heute (Samstag) weiter. Den muss ich allerdings dann morgen schreiben, da ich jetzt ab in den Koje springe, denn morgen geht es wieder früh raus und ab nach Disneyworld.

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Autor:Jens Koopmann