Reisebericht Bretagne und Paris – Tag 6: Auf der Rance nach Dinan

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Nach dem gestrigen Tag auf der Straße entlang der Smaragdküste ging es heute auf den Fluß, genauer gesagt auf die Rance, welche in Saint-Malo in den Atlantik fließt. Da die Bootstour bereits um 9 Uhr losging, mussten wir entsprechend früh aufstehen – die Tickets hatten wir bereits am Vortag gekauft.

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Auf dem Weg zum Boot gingen wir durch das morgendlich angestrahlte Hafengelände, welches gerade im frühen Licht besonders schön war. Am Steg haben wir noch ein wenig warten müssen, bis es dann 15 Minuten nach 9 Uhr schließlich los ging. Ziel unser Fahrt war die Stadt Dinan, welche ca. 2,5 Stunden die Rance flussaufwärts liegt.

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Um dorthin zu kommen, ging es zunächst nach Dinard und von dort dann zum Gezeitenkraftwerk zwischen Dinard und Saint-Malo. Bei dem Gezeitenkraftwerk nutzt man die Kraft von Ebbe und Flut, welche an der bretonischen Atlantikküste besonders groß ist. Durch das in den Fluss hineingedrückte, bzw. hinauslaufende Wasser wird dann Strom erzeugt. Das Kraftwerk von Saint-Malo war bis 2011 das größte seiner Art und gleichzeitig das erste kommerzielle Gezeitenkraftwerk der Welt.

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In der Betagne hat es Tradition, die Gezeiten zu nutzen und so waren früher Mühlen durch die Gezeiten betrieben wurden. Heute sind die Energiemengen aber viel viel größer und das Kraftwerk erzeugt bis zu 240 MW.

Wir mussten nun mit dem Schiff dieses Kraftwerk passieren und dies ging nur durch eine Schleuse. Um dabei die nötige Höhe für die Schiffe bereitzustellen, wird die Straße, welche den Damm überführt einfach hochgeklappt. Milly war schwer begeistert von der Technik und hat sich dafür auch an Deck begeben, auch wenn es sonst noch recht kalt am Morgen war und bei der Fahrt auch ich immer wieder Schutz vor dem eisigen Wind gesucht habe.

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Nach der Schleusung ging es zügig weiter auf dem Fluss, immer wieder vorbei an Ortschaften und durch Brücken hindurch. Schließlich kamen wir an eine zweite Schleuse. Hier wurde die Straße nicht hochgeklappt, sondern stattdessen einfach weggedreht.

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Gegen 12 Uhr waren wir dann schließlich in Dinan angekommen. Die Einfahrt konnte man sich malerischer nicht vorstellen. Entlang des schmaler werdenden Flusses kamen erste Häuser zum Vorschein und dann das große Viadukt der Stadt.

Seit dem 11. Jahrhundert ist ein Kloster der Benediktiner in Dinan bekannt. Die heutige mittelalterliche Stadt entstand dagegen weitgehend im 13. Jahrhundert. Im Jahr 1357 machen sich die Engländer daran, die Bretagne und damit auch Dinan zu belagern. Dinan wurde damals von Bertrand du Guesclin und seinem Bruder Oliver verteidigt. Nach einem vereinbarten Waffenstillstand wurde Oliver dennoch von den Engländern getötet, woraufhin es zu einem Duell zwischen Bertrand und dem Herzog von Lancaster kam, welches Bertrand gewann.

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Unser Weg führte zunächst durch eine mittelalterliche Gasse in die Oberstadt zum Place Du-Guesclin auf dem eben jener siegreiche Bertrand als Reiterstatue zu finden ist. Zu der Zeit war gerade auch noch ein Markt im Gange und wir sind wir einmal eine Runde drüber spaziert. Immer wieder schön die Stände mit Wurst- und Käsespezialitäten zu sehen, die einem das untrügliche Gefühl geben, in Frankreich zu sein.

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Über den Place des Merciers, der guten Stube der Stadt mit vielen kleinen Läden ging es weiter zur Kirche Saint-Malo, welche vom 15. bis zum 19.Jahrhundert erbaut wurde und sicher eine der schönsten Kirchen unserer Reise war. Die Lichtspiele und Glasfenster dieser Kirche sind wunderschön. Die Motive zeigen dabei religiöse Ereignisse und auch das frühere Leben in Dinan.

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Weiter ging es dann zur Basilika Saint Saveur, welche mindestens ebenso sehenswert ist und in der das Herz von Bertrand du Guesclin begraben ist. Es ist aber nicht die einzige Grabesstätte von du Guesclin. Er starb 1380 in Südfrankreich, verfügte seine Bestattung aber in Dinan. Also zog man mit seiner Leiche quer durch Frankreich. Da der Transport anders als heute eine lange Zeit dauerte, mussten unterwegs Maßnahmen getroffen werden, damit der Leichnam nicht verwest. So mussten seine Eingeweide in Le Puy bereits beerdigt werden. In Montferrand wurde das Skelett gelöst und die fleischlichen Reste bis auf das Herz begraben. Schließlich forderte dann der König, dass du Guesclin in St. Denis beerdigt werden sollte. Man behielt nur das Herz und überließ dem König das Skelett. So kam es, dass in Dinan nur das Herz von Bertrand du Guesclin begraben werden konnte und er insgesamt über 4 Gräber verfügt. Dies ist sehr außergewöhnlich, denn selbst die französischen Könige besaßen nur 3 Gräber.

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Nach dem Besuch von Saint Saveur kamen wir an die Stadtmauer, von der wir einen tollen Blick über das Tal, das Viadukt und die Rance hatten, bevor es entlang der Stadtmauer weiter zum Chateau ging, welches wir aber nicht mehr besichtigt hatten.

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Schließlich sind wir zum Busbahnhof gelaufen, um uns dort nach der Abfahrt der Busse nach Saint-Malo zu erkundigen, denn mit dem Boot gab es um diese Zeit keine Fahrten mehr. Da noch etwas Zeit war, bis unser Bus kam, sind wir nochmals kurz durch die Altstadt gelaufen und haben den Tag in Dinan mit einem Cidre beendet.

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Es war ein toller Ausflug und Dinan ist eine sehr schöne Stadt. Dank dem Bus waren wir in einer knappen Stunde dann wieder zurück in Saint Malo und konnten uns dort auf die Suche nach dem Abendbrot für heute machen. Milly hatte nochmals Lust auf Miesmuscheln und so sollte es dann auch sein. So geht dann auch Tag 6 zu Ende und morgen steht schließlich Saint-Malo selbst auf dem Programm.

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Autor:Jens Koopmann