Reisebericht Bretagne und Paris – Tag 1: Das Schloss von Versailles

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Es war eine kurze Nacht gewesen, als am heutigen morgen um kurz nach 4 der Wecker klingelte und von uns forderte aufzustehen, schließlich lagen gut 800km Weg und ein Besuch in Versailles noch vor uns. Kurz nach 5 Uhr sind wir dann auch aus Trier losgefahren, zunächst in Richtung Luxemburg, um dann in Belgien entlang der französischen Grenze zu fahren und schließlich weiter in Richtung Reims und Paris zu düsen. Pünktlich nach knapp 4 Stunden haben wir dann auch Versailles erreicht und bahnten uns unseren Weg mit dem Auto durch die hübsche kleine Stadt nahe Paris, bis sich schließlich das riesige Gelände des Versailler Schlosses vor uns erhob.

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Nach einer Ehrenrunde, da wir die Einfahrt zum Parkplatz verpasst hatten, stellten wir das Auto ab und sind schnurstracks in Richtung Schloss gelaufen, nicht zuletzt, da auch menschliche Bedürfnisse ihren Tribut forderten. Im Schloss hieß es dann erstmal warten, denn erstaunlicherweise waren wir an diesem sonnigen Samstag am Ferienende nicht die einzigen, die auf die Idee kamen hierher zu kommen. Die ganze lange Schlange hätten wir uns allerdings trotzdem sparen können, hätten wir gewusst, dass in einem der Hinterräume Ticketautomaten standen, die alles andere als Überlaufen waren. Wir haben lediglich ein Ticket für das Schloss gekauft und nicht für die anderen Gebäude noch dazu, da uns nur ein halber Tag hier blieb bevor es am Nachmittag weiter in Richtung Bretagne gehen sollte.

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Um das goldene Tor vor dem Schloss zu passieren, mussten wir zunächst die zweite Hürde nach dem Kartenkauf – den Sicherheitscheck – über uns ergehen lassen und standen dann im schönen Schlossvorhof. Das heutige Schloss wirkt riesig. Wenn man vor dem Komplex steht, erstreckt er sich soweit das Auge reicht – dies war aber nicht immer so. Die erste königliche Unterkunft war ein Jagdhaus Anfang des 17. Jahrhundert. Nur wenige Jahre später wurde das doch sehr kleine Anwesen zu einem dreiflügligen Jagdschloss ausgebaut. Auch heute bildet dieser Teil noch das Zentrum des Schlosses, über die Jahrhunderte wurde es aber immer weiter ausgebaut bis zum heutigen Status. Das Zimmer des Königs blieb während all der Zeit in dem ursprünglichen Teil des Gebäudes (mit der Uhr) und war – wie es sich für einen Sonnenkönig (Ludwig XIV. – der Sonnenkönig war an der Macht) – dem Sonnenaufgang zugeweiht, sprich nach Osten ausgerichtet. Dieser König war es dann auch schließlich, der die Erweiterung des Jagdschlosses zu einer königlichen Residenz veranlasste (Ende des 17. Jahrhunderts) und damit die heute über 500m lange Fassade schaffte. Es muss ein irrsinniges Treiben gewesen sein, nachdem der gesamte Hofstaat mit seinen über 5 Tausend Leuten hier beschäftet war. Nach Ludwig dem XIV. waren noch zwei weitere Könige Schlossherren auf Versailles (Ludwig XV. und Ludwig XVI.) bevor die Französische Revolution und die damit verbundene Einführung der Republik die Nutzung des Schlosses änderte.

Für uns führte der weitere Weg zunächst in das Schloss hinein, wo wir mit einem Audioguide bewaffnet zunächst an der Schlosskapelle vorbeikamen. Diese wurde erst recht spät – Anfang des 18. Jahrhunderts – fertiggestellt und ist im Stil des Barock gehalten. Unser erster Halt war das Erdgeschoss der Kapelle. Später sollten wir noch ins Obergeschoss kommen, welches früher dem König vorbehalten war. Die Hochzeit von Ludwig XVI. und Marie Antoinette fand hier in der Kapelle statt. Während der Regentschaft der Könige fand in der Kapelle jeden Morgen ein Gottesdienst statt. Mit der französischen Revolution fand aber auch diese Tradition ihr jähes Ende.

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Weiter ging es dann durch den Nordflügel des Schlosses wo sich zahlreiche Galerien anschlossen, welche über die bauliche Entstehung und die Nutzung des Schlosses informierten.

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Interessant waren die 3D-Animationen des Schlosses, die auch die verschiedenen Baustadien anschaulich darstellten. Danach folgte dann die steinere Galerie (die Galerie de Pierres) und schließlich der Herkules Salon. Dieser Raum diente als Speisezimmer, Ballsaal und Empfangsraum und sollte durch seine Größe und überdimensionalen Gemälde Besucher wohl gleichermaßen beeindrucken wie einschüchtern. Auf dem großen Wandgemälde sieht man Jesus, bei einer venezianischen Feierlichkeit, während das Deckengemälde die Krönung von Herkules zur Gottheit zeigt, was dem Raum seinen Namen verleiht. Dieser Raum wurde in der Form allerdings erst unter Ludwig XV. so eingerichtet – vorher beherbergte er eine Kapelle. Weiter ging es dann in den Venussalon, wo uns die Namensgeberin auch direkt von der Decke herab grüßte.

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Schließlich kamen wir in den Salon des Krieges, welcher bereits an den Spiegelsaal angrenzte. Passenderweise heißt der Salon auf der anderen Seite des Spiegelsaals “Friedenssalon”. Der Kriegssalon zeigt die siegreichen Schlachten des Sonnenkönigs und wurde 1678 eingerichtet.

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Dann ging es in den wohl bekanntesten Schlossaal der Welt – den Spiegelsaal. Allerdings sah er mit all den Menschenmassen am heutigen Tage, beiweitem nicht so eindrucksvoll aus, wie auf Bildern. Allerdings war der Raum etwas besonderes als er errichtet wurde. Fast 80m lang, mit 17 Fenstern, die auf der anderen Seite von 17 Spiegeln flankiert wurden, war er zu einer Zeit als Spiegel teuer und ungewöhnlich waren sicher einmalig. Die Mitte des Raumes füllen (neben den Touristenmassen) 24 große Kronleuchter. Dieser Raum ist auch mit der deutschen Geschichte untrennbar verbunden, denn 1871 verkündete Bismarck hier die Gründung des Deutschen Reiches und weniger als 50 Jahre später wurde an diesem Ort die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg durch die Versailler Verträge besiegelt. Am Ende des Spiegelsaals standen zwei recht skurril wirkende Damenschuhe. Diese Skulptur besteht jedoch bei genauerem Hinsehen nicht aus üblichem Schuhmaterial, sondern aus Kochtöpfen.

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Weiter ging es dann in den Schlafraum und die Beratungsräume des Königs. Diese nach Osten ausgerichteten Räume waren es auch, in denen der König 1789 feststellen musste, dass das Volk die Macht übernommen hatte und kein Platz mehr für einen Monarchen war.

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Wieder durch den Spiegelsaal ging es dann in den Friedenssalon und von dort zum Schlafgemach der Königin. 19 königliche Kinder sind hier vermutlich entstanden und 2 Königinnen in diesem Raum verstorben. Die französischen Könige waren kinderreich, allerdings auch nicht sonderlich treu.

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Von hier ging es dann in das Antichambre de Grand Couvert, den Saal, in dem das Abendessen serviert wurde. Auch wir konnten direkt sehen, wie das Essen sich schon auf den Weg auf den Tisch machte. Beim Abendessen wurde der König regelmäßig vom Hofstaat beobachtet. Meist wurde um 22 Uhr gegessen und das Mahl dauert ca. 1 Stunde. Während dies unter dem Sonnenkönig noch ein fast tägliches Ritual war, hielten es seine Nachfolger etwas legerer und bevorzugten mehr private Diners.

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Der nächste Raum war der Saal der Leibgarde der Königin, wobei die Leibgarde natürlich grad nicht im Haus war, sondern von zwei stoffbezogenen Löwenskulpturen ersetzt wurde. 12 Wachen beschützten seinerzeit die Königin. Nur durch die Tatsache, dass sich ein Gardist während des Sturms auf den Palast 1789 für die Königin opferte, blieb Marie Antoinette genug Zeit durch die Gemächer des Königs zu fliehen.

Den Menschenmassen folgend ging es weiter durch ein Treppenhaus in den wohl längsten Raum des Palasts – die Schlachtengalerie, welche früher aus 2 Sälen bestand und nach dem Fall des Königs in dieser Form gestaltet und zusammengelegt wurde. Der 120m lange Saal wurde an dem Tag eingeweiht, als Versailles zum Museum wurde: im Jahr 1837. Auf 33 Gemälden konnten wir uns französische Siege aus 1400 Jahren anschauen – so wirklich erinnern konnten wir uns jedoch an keinen.

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Damit war unser Besuch des Schlosses dann auch am Ende. Draußen schien immer noch die Sonne und hätten wir nicht noch gute 400km Fahrt vor uns gehabt, hätten wir uns auch noch gern die Gärten mit den Wasserspielen angeschaut. Da es aber schon 14 Uhr war hätten wir maximal noch 1-1,5h gehabt, was sich bei der Größe der Anlage nicht wirklich gelohnt hätte – so haben wir noch etwas übrig für einen zweiten Besuch in Versailles, dann aber nicht am Wochenende, wo soviel Trubel ist.

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Also ging es ab zum Auto und nach einer kleinen Stärkung los in Richtung Bretagne. Hierzu mussten wir zunächst raus aus Versailles (was erstaunlich gut ging) und dann noch ein wenig den Pariser Speckgürtel hinter uns lassen und ab dann ging es gemütlich vorwärts. Einzig die Monotonie der Strecke und der bereits lange Tag führten doch langsam zu Müdigkeitserscheinungen und nach knapp 2 Stunden merkte ich, wie die Konzentration nachließ. Also blieb mir nichts anderes übrig, als beim nächsten Rastplatz anzuhalten und erstmal für 20 Minuten die Augen zu schließen. Da wir dann noch ein gutes Stück Autobahn vor uns hatten, ist Milly erstmal 100km gefahren, bevor ich dann wieder das letzte Stück in Angriff genommen hatte.

So sind wir gegen 17 Uhr in der Bretagne angekommen und konnten bereits aus der Ferne den Mont Saint Michel erblicken. Gegen 18 Uhr hatten wir dann unser Ziel Saint Malo erreicht und auch unser Hotel zügig gefunden. Die Dame an der Rezeption war sehr freundlich, auch wenn sie kein Englisch verstand, aber mein französisch hat noch gereicht, um alle Formalitäten zu erledigen. Unser Zimmer war klein, aber sauber und vor allem günstig gelegen – für den kleinen Preis, den wir gezahlt haben, war es mehr als gut. Während der Fahrt von Versailles hierher hatte sich das Wetter langsam immer mehr zugezogen und es regnete sogar ein paar Tropfen. Jetzt allerdings schien es trocken zu bleiben, wenn auch recht kühl und so beschlossen wir zunächst nur unser Gepäck schnell abzustellen und dann gleich noch einen kleinen Spaziergang zu wagen an den Strand und in die Stadt, um uns die Beine von der Fahrt zu vertreten.

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Bis zum Strand waren es gute 15 Minuten zu Fuß entlang des Hafens. Am Strand angekommen erstreckt sich dieser bis zum Horizont und da gerade die Ebbe einsetzte schien er sich auch weit ins Meer hineinzuziehen. Entlang der Ufermauer sind überall Holzpfähle eingelassen, welche die Wellen brechen sollen, die aber auch dem Strand ein optisch schönes Element geben. Wir sind dann am Wasser entlang in Richtung der Stadt gelaufen, während vor uns das Fort National im Meer zu sehen war. In der Stadt (genauer gesagt den Intra Muros) sind wir aber nicht mehr weit gekommen, da die Erschöpfung des Tages doch zu groß war. Es reichte noch für ein paar Meter auf der Haupteinkaufsstraße, vorbei an den zahlreichen Restaurants und Läden mit Meeresfrüchten, bevor wir zurück in unser Hotel gelaufen sind.

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Es war ein schöner erster Tag gewesen, auch wenn ich beim nächsten Mal in Paris eine Zwischenübernachtung machen würde, denn die Fahrt war doch recht anstrengend. So sind wir aber schnell in unsere Betten gefallen, denn morgen sollte es zum Mont Saint Michel gehen.

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Zu Teil 2 des Reiseberichts


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Autor:Jens Koopmann