Reisebericht – Auf Kreuzfahrt durch die Kanaren mit der AidaSol. Teil 7: Schwarze Mondlandschaften auf Lanzarote

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Nach dem gestrigen Tag bei reichlich Wind und Sonnenschein auf Fuerteventura stand heute unser letzter Stopp an, bevor wir wieder in Teneriffa ankommen sollten. Es war die Insel auf die ich am meisten gespannt war – Lanzarote, die schwarze Insel, die mehr noch als der Rest der Kanaren vom Vulkanismus geprägt wurde.  Wie die Insel zu Ihren Namen kam, ist nicht eindeutig geklärt, einige vermuten, dass der erste Besitzer, Lancelot Maloisel, der 1312 hier anlandete seinen Namen auf die Insel übertrug. Andere wiederum vermuten, dass sich der Name aus Lanza Rota (gebrochene Lanze) zusammensetzt, was darauf zurückzuführen ist, dass Jean de Bethencourt bei der Einnahme der Insel 1402 vor Freude seine Lanze zerbrochen haben soll, wobei es sich wohl hier eher um eine Legende handelt.

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Früh am Morgen sind wir bereits in Lanzarote angekommen und ich habe die Gelegenheit genutzt und bin bereits zum Sonnenaufgang an Deck gewesen, um dort in fast vollständiger Einsamkeit ein paar Fotos zu machen.

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Im Anschluss ist dann auch Milly aufgestanden und wir haben gemeinsam unser vorletztes Frühstück an Board genossen, bevor wir zügig unsere Sachen geschnappt haben und in Richtung Autovermietung losgelaufen sind. Wie schon in den anderen Häfen war sie auch hier in unmittelbarer Nähe zum Schiff, nur dauerte es diesmal etwas länger bis wir unseren Wagen, einen Fiat 500 bekommen sollten. Als er dann schließlich gebracht wurde stand vor uns ein tiefergelegter kleiner roter Flitzer, welcher von Fiats Tuningschmiede Abarth flottgemacht wurde. Beim Losfahren habe ich allerdings vom Tuning nicht allzuviel gemerkt, bis ich zufällig den „Sport“-Knopf entdeckt habe und dann begann das Go-Kart-Feeling auf den Straßen von Lanzarote. Unser erstes Ziel heute war die Hauptattraktion der Insel, der Timanfaya Nationalpark. Von Arrecife war es eine gute halbe Stunde bis 40 Minuten bis dorthin und wir hatten Glück, dass die Autoschlange am Eingang noch nicht allzu lang war.

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Mit dem Auto darf man nicht weit in den Nationalpark hinein, denn schon nach wenigen Minuten kommt man an einem großen Parkplatz ab dem lediglich Busse die Touristen weiter durch den Park hindurchfuhren. Die Busfahrt war dabei im Eintrittspreis enthalten und angesichts der Menschenmassen ist es sicherlich eine sinnvolle Maßnahme, diese nicht unkontrolliert durch dieses Gebiet fahren und laufen zu lassen, denn nur so kann diese einmalige Landschaft auch für die Nachwelt noch erhalten bleiben.

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Diese Landschaft, die heute so schwarz und lebensfeindlich ist, war früher fruchtbares Land – hier waren die ertragsreichsten Felder der Insel gewesen, bis, ja bis es 1730 zu einer sechsjährigen Phase andauernder Vulkanausbrüche kam, die 20% der Insel unter einer bis zu 10 Meter dicken Schicht aus Lava bedeckten. Seit 1824 ist die Region dann zur Ruhe gekommen und die Landschaft präsentiert sich so bizarr, wie wir sie am heutigen Tag vorfinden sollten. Doch unter der Erde ist noch lange keine Ruhe eingekehrt…

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Benannt ist der Nationalpark nach dem höchsten der zahlreichen Vulkankrater, dem Timanfaya, der knapp über 500 Meter hoch ist und auch wenn von weitem betrachtet die Landschaft schwarz und lebensfeindlich ist (laufen ist in dem zerklüfteten Gelände fast unmöglich), so gibt es doch Lebensformen, die sich hier niedergelassen haben, allen voran einige Flechten. Die Tierwelt beschränkt sich jedoch auf wenige Eidechsenarten.

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Während der knapp vierzigminütigen Rundfahrt mit dem Bus konnten wir das bunte Farbenspiel der Landschaft beobachten und wir beide waren schlicht fasziniert von der Schroffheit, Bizarrheit und Schönheit dieser Gegend – so etwas hatten wir beide noch nicht gesehen und es war sicherlich eines der Highlights dieser Reise.

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Am Ende der Tour kommt man wieder am Ausgangspunkt, dem Islote de Hilario an, wo sich ein Restaurant befindet, bei dem einzig mit der aufsteigenden Erdwärme das Essen gegrillt wird.

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Daneben gibt es alle paar Minuten Vorführungen der Parkranger, die zeigen, wie aktiv die Vulkane unter der Erde noch sind. Dabei halten sie ein wenig Heu in ein Erdloch und wenige Sekunden später ist es in Flammen. Wenige Meter weiter, wird ein Eimer Wasser in ein Loch geschüttet und unmittelbar danach kommt das Ganze als Wasserdampf wieder hinausgeschossen.

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Damit war unser Besuch hier dann auch zu Ende und wir sind wieder aus dem Park hinausgefahren. Da Milly noch nie auf einem Kamel gesessen hatte, hatten wir noch einen Programmpunkt in der Nähe auf dem Plan und zwar einen kurzen Kamelritt durch das Randgebiet des Nationalparks. Die Fahrt dorthin waren weniger als 15 Minuten und wenige Minuten später saßen wir beide bereits auf unserem gehöckerten Freund und zogen als kleine Karawane durchs Land. Eine halbe Stunde später war das Ganze dann auch schon wieder vorüber, wobei man ganz klar sagen muss, dass es sich hier bei weitem nicht um eine solch spektakuläre Gegend gehandelt hat, wie es im eigentlichen Nationalpark der Fall war. Die Erfahrung des Kamelritts war es dennoch wert und es hatte uns beiden Spaß gemacht.

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Weiter ging es danach in nach Yaiza, einem kleinen Dorf, welches an der Kreuzung der Straßen nach Timanfaya, La Geria und Arrecife liegt. Es gilt als eines der hübschesten Dörfer der Insel – vor allem aber ist es sehr gepflegt. Dennoch war hier nicht wirklich viel los und so haben wir lediglich einen kleinen Rundgang gemacht. Unterwegs kamen wir an einem Handwerkerladen vorbei, wo einige Schmuckkünstler ihre Werke zeigten. Diese verbanden modernen Schmuck mit den Besonderheiten der Region, insbesondere dem Lavagestein. Als kleines Andenken hat Milly einen Kettenanhänger aus Lavagestein mitgenommen.

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Da es nicht wirklich mehr hier zu entdecken gab und alles in der Siesta zu schlafen schien, sind wir dann auch schon weitergefahren und der Weg zurück nach Arrecife sollte uns nicht wieder entlang der Küste sondern durch die zweite ungewöhnliche Landschaft auf Lanzarote nach Timanfaya führen – La Geria.

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La Geria ist ein großes Weinanbaugebiet und wer das Gebiet zum ersten Mal sieht, der mag kaum glauben, dass hier Wein wachsen kann, denn die ganze Landschaft ist von einer dicken Ascheschicht bedeckt. Wie in Deutschland an der Mosel so ist auch hier das Vulkangestein förderlich beim Weinbau und so ist dieser hier bereits seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen. Jedoch ist es nicht der deutsche Riesling, der hier angebaut wird, sondern die Malvasier-Traube, die einen insbesondere im England des 17 Jahrhunderts beliebt wurde. Als die Engländer später andere Weine bevorzugten und zudem Pflanzenkrankheiten den Winzern Probleme  bereiteten, schien das Ende des Weinbaus auf Lanzarote besiegelt.

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Heute hat sich der Weinbau wieder etabliert, auch wenn die Dominanz der Malvasier-Traube nicht mehr so stark ist. Auch ist die Qualität der  Weine eher durchschnittlich (wobei sie immer besser werden). Das Besondere hier ist die Anbauform der Weinreben, denn mit den geringen Niederschlägen auf der Insel ist ein traditioneller Weinanbau nicht möglich. Hinzu kommt der stetige Wind, der die wenige vorhandene Feuchtigkeit schnell wieder wegbläst.

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Der Trick der Weinbauern von Lanzarote liegt daran, dass die kleine Trichter in den Boden graben und dort die Weinreben einsetzen. Um sie herum verteilen sie Lapili – ein Vulkangestein, welches dank seiner Porosität den nächtlichen Tau speichern und den Pflanzen zugänglich machen kann.

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Unterwegs haben wir natürlich auch kurz auf einem Weingut gestoppt und uns dort unter eine Touristengruppe geschmuggelt, welche eine Weinprobe  hatte. So konnten wir wenigsten einen kurzen Geschmack vom Kanarischen Wein bekommen. Sicher trinkbar, aber ich bleibe doch lieber beim heimischen Riesling und Elbling der Obermosel 😉

Irgendwie war damit auch Millys und meiner Energie für den Tag erschöpft und wir beschlossen zurück in Richtung Schiff zu fahren, da auch die Auslaufzeit heute nicht so spät war. Lanzarote war sicherlich das Highlight der Kanaren und mit Madeira das Highlight unseres Urlaubs gewesen.

Wieder an Board hatte Milly noch ein Versprechen ausstehen, denn ich wollte noch ein paar Fotos von ihr auf dem Schiff machen und so haben wir die Zeit der untergehenden Sonne für ein kleines Fotoshooting genutzt.

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Am Abend haben wir dann im Gourmetrestaurant der Aidasol ein 7-Gänge Farewell-Dinner genossen, bzw. muss man sagen, dass ich es etwas mehr genossen habe, denn einige der ungewöhnlichen Speisen waren Milly dann doch etwas suspekt.

Im Anschluss war dann Sachen packen angesagt und die letzte Nacht an Board stand an – wie schnell doch eine Woche vergeht. Damit endet auch schon wieder dieser Reisebericht. Es war ein tolle Kreuzfahrt auf der Aida gewesen – ein schönes Schiff, aber vor allem eine schöne Route. Die Vielfalt der Inseln überrascht, liegen sie doch so nah beieinander und einige von Ihnen laden geradezu dazu ein, sie nochmal zu besuchen.

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Autor:Jens Koopmann