Pseudo-HDR in Lightroom mit einer RAW-Datei (Single-RAW-HDR)

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Heute mal ein Lightroom Tutorial von mir, in dem ich ein wenig meine Arbeitsweise mit Lightroom zeige und dabei insbesondere auch die Möglichkeiten eingehe in Lightroom 4 das Maximum an Dynamikumfang aus einem Bild herauszuholen.

Als Beispiel dient ein Bild aus dem Luxemburger Grund, welches bei gemischter Bewölkung entstanden ist und bei dem die Kamera es nicht mehr geschafft hat alle Töne direkt mit ins Bild zu bekommen. Aufgenommen wurde das Bild in RAW, denn nur so habe ich jetzt noch die Chance mehr Details zu extrahieren.

Hier also erstmal das Ausgangsbild:

SONY DSC

Schritt 1: Geraderichten und Perspektive korrigieren

Bevor ich ein Bild bearbeite schaue ich zunächst, ob es korrekt ausgerichtet ist oder der Horizont (ungewollt) schief ist. Danach gehe ich in den Reiter „Objektivkorrekturen“ in Lightroom und aktiviere unter „Profil“ die Profilkorrekturen. Damit korrigiert Lightroom automatisch Verzerrungen und Vignettierungen durch das Objektiv. Je nach Objektiv ist dies mal mehr oder weniger wichtig. Gleiches gilt für die Korrekturen im Reiter „Farbe“, wo man die lilanen und grünen Farbsäume an Kanten korrigieren kann.

Anschließend korrigiere ich die Perspektive (stürzende Linien) soweit dies nicht Teil des Bildeffekts ist.

In unserem Fall ist das Bild auf den ersten Blick gerade und eine Korrektur der Perspektive ist auch nicht von Nöten.

Nach diesen ersten Anpassungen sieht unser Bild jetzt so aus (link Original, recht bearbeitet – im folgenden zeigen die Bilder immer die Veränderungen zum letzten Arbeitsschritt, d.h. links letzter Arbeitsschritt und rechts der aktuelle):

Schritt 2: Bearbeitung im Grundeinstellungen-Reiter – Wiederherstellung der Lichter

Nun geht es zurück in den Reiter für die Grundeinstellungen, denn dort werden wir das meiste aus dem Bild herausholen. Ziel ist es hier, den Dynamikumfang deutlich zu erhöhen, d.h. Details aus zu hellen und zu dunklen Partien zu extrahieren. Bei unserem Bild fällt sofort auf, dass der Himmel deutlich ausgebrannt ist. Dem rückt man ab besten mit dem „Weiss-Regler“ zu leibe (in Lightroom 3 macht der Wiederherstellen-Regler ähnliches, allerdings lässt sich dort weniger retten). Da der Himmel in unserem Beispiel schon recht stark ausgebrannt ist, setzte ich den Regler auf -100. Der Effekt ist dabei schon deutlich sichtbar:

Dennoch sind noch immer Teile des Himmel zu hell. Dem gehen wir nun nach, indem wir auch den „Lichter“-Regler nach unten ziehen. Das ganze machen wir solang, bis im Histogramm rechts oben in Lightroom rechts der hohe Balken am Rand (der eine Überbelichtung anzeigt) verschwindet – in unserem Fall habe ich den Regler auf -57 gesetzt. Im Ergebnis ist der Himmel nun schön durchgezeichnet und wer das Original gesehen hat, hätte wohl kaum diese Details darin vermutet:

Schritt 3: Bearbeitung im Grundeinstellungen-Reiter – Korrektur der Schatten

Nachdem die Lichter soweit angepasst sind, schauen wir uns nun die Schatten an. Die gute Nachricht ist, dass kein Bereich im Bild komplett schwarz ist, d.h. nirgendwo sind Details verloren gegangen. Und doch wirkt das Bild etwas flach, da die ganz dunklen Bereiche kaum vertreten sind.  Dem wirken wir mit dem „Schwarz“-Regler entgegen, den ich auf -34 verschiebe. Diese Korrekturen zeigen aber auch, dass ich das Bild bei der Aufnahme leicht überbelichtet hatte. Der Effekt dieser Korrektur ist etwas mehr Kontrast im Bild.

Damit sind die Details soweit im Bild maximiert. Kein Bereich ist ausgebrannt und keine Details im dunklen verloren. Dennoch wirkt das Bild blass und wenig lebhaft – dies ändern wir im nächsten Schritt.

Schritt 4: Klarheit und Kontrast

Wir bleiben im Reiter für die Grundeinstellungen und widmen uns nun den Reglern für Klarheit und Kontrast. Kontrast hebt die Kontraste im gesamten Bild an, d.h. Farbunterschiede werden deutlicher akzentuiert. Klarheit hingegen verstärkt Kanten und Konturen, was typisch ist für HDR-Bilder. Letzteres versuchen wir als erstes:

Der „Klarheit“-Regler wurde hier auf 59 gesetzt und im Ergebnis wirkt das Bild direkt viel knackiger. Am Kontrastregler würde ich jetzt hier gar nichts mehr ändern.

Schritt 5: Weißabgleich und Dynamik

Das Bild hat nun schon eine große Veränderung durchlaufen und ist im Ergebnis sicherlich besser geworden. Aber noch immer wirkt es etwas blass und kühl. Dem kann man mit den Reglern für den Weißabgleich und Dynamik abhelfen. Dynamik verstärkt dabei die vorhandenen Farben und gibt ihnen mehr Sättigung, vermeidet aber eine Übersättigung (dies ist der Unterschied zum Sättigung-Regler). Der Weißabgleich verschiebt dagegen die Farben im Bild in eine wärmere oder kältere Richtung. Im Original beträgt der Weißabgleich 5200 Kelvin. Ich hebe ihn nun auf 5790 Kelvin an und damit wirkt das Bild gleich viel wärmer und lebendiger:

Anschließend erhöhe ich den Wert der Dynamik auf +30 um insgesamt die Farben noch etwas zu verstärken.

Das Bild ist nun farblich deutlich lebendiger, die Kontraste passen und alle Details sind enthalten. Wenn man möchte kann man nun noch einzelne Farben etwas korrigieren.

Schritt 6 – Farbkorrekturen

Für den letzten Schritt verlassen wir den „Grundeinstellungen“-Reiter und gehen in den „HSL“-Reiter und dort auf „Luminanz“. Ich möchte im Himmel etwas mehr das Blau vom Weiß der Wolken trennen und so setze ich den Luminanzregler für Blau auf -35. Der Effekt ist ein wenig wie der eines Polfilters.

Damit ist die Bearbeitung des Bildes auch abgeschlossen und das Bild hat (zumindest meiner Meinung) deutlich hinzugewonnen. Hier nochmal der Vergleich zum Ausgangsbild:

Ich hoffe euch hat dieses Tutorial gefallen und freue mich auf eure Kommentare!

 


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Kommentare

  • RudiB 22. März 2013 Antworten

    Vielen Dank für Deine tolle Arbeit und die wertvollen Tipps !

  • Guten Morgen Jens,
    ich muss schon sagen, du gibts dir immer sehr viel Mühe was zusammen zu schreiben. Ein recht interessanter Artikel. Der Worklflow (immer dieses denglisch :-)) ist ähnlich zu dem was ich auch mache.

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Autor:Jens Koopmann