Mit der MSC Splendida durch das westliche Mittelmeer – Teil 6: Die alte Staatsrepublik Genua

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Der letzte Tag unserer Kreuzfahrt war angebrochen, denn morgen Früh schon sollten wir wieder zurück im Hafen von Marseille sein. Nach dem gestrigen Tag in Rom, der zwar wettertechnisch etwas enttäuschte, von der Stadt dafür aber um so mehr beeindruckte, hatte wir heute eher nicht die Erwartung auf einen spektakulären Tag gehabt, denn was kann schon Rom toppen in Italien (gut, Venedig ist mindestens ebenso schön).

Aber immerhin wurden wir direkt am Morgen von strahlendem Sonnenschein begrüßt. Es sollte also der Wechsel von einem Tag Wolken und einem Tag Sonne uns bis hierher erhalten bleiben. Die Sonne hob die Stimmung natürlich ungemein und so wollten wir direkt nach dem Frühstück einen Bummel durch die Stadt machen. Während Milly sich noch fertig für den Tag machte, nutzte ich aber schon mal die Gelegenheit vom Schiffsdeck ein paar Bilder vom Hafen zu machen, denn der blaue Himmel mit schönen Schleierwolken lud quasi zum Fotografieren ein.

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Vom Schiff aus gesehen wirkte das Hafenpanorama der Stadt aber eher ernüchternd. Eine Schnellstraße führt auf Stelzen direkt am Ufer entlang und auch das restliche Stadtbild sah eher unspektakulär aus, ließen sich doch keine wirklich markanten Punkte ausmachen. Nun waren wir aber mal hier und es galt das beste aus dem Tag zu machen, also sind wir erstmal von Board durch das ansehnliche Gebäude der Stazione Maritima.

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Leider gab es am Hafen keinerlei Stadtpläne oder Übersichtskarten für die Touristen, so dass unser erstes Ziel zunächst darin bestand, einen solchen zu finden. Von der Stazione Marittima ging es so erstmal zur Piazza Aquaverde, wo sich der Bahnhof von Genua befindet und – für uns in dem Moment wichtiger – ein Zeitungskiosk, welcher auch einen Stadtplan hatte. Die eigentliche Sehenswürdigkeit dieses Platzes ist aber die Statue von Christoph Kolumbus, dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt.

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Überhaupt war Genua im Mittelalter eine Macht für sich, nicht nur auf dem Meer, sondern auch an Land. Es waren wenige reiche Familien, die über Jahrhunderte die Geschicke der Stadt leiteten. Gleichzeitig baute man eine große Schiffsflotte auf, um Handel zu betreiben, aber auch um andere Gebiete zu erobern. So gehörten damals Monaco, Sardinien, Korsika und einige Spanische Städte den Genuesen. Im späten Mittelalter jedoch kam Genua unter Fremdherrschaft und vor allem die Franzosen sorgten dafür, dass die Stadt ihre einstige Vormachtstellung verlor. Erst 1528 wurde Genua wieder befreit und es brach eine neue Blütezeit an, in der die Stadt Handels- und Finanzzentrum wurde. Einiges aus dieser Zeit sollten wir heute noch zu Gesicht bekommen. Die Blüte hielt bis zu den Weltkriegen im letzten Jahrhundert an, doch danach verarmte und zerfiel die Stadt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat man begonnen vieles Historisches zu retten und zu restaurieren und so kann man heute wieder die Geschichte der Stadt bei einem Spaziergang wie wir ihn heute machten erleben.

Nachdem wir also unseren Stadtplan hatten, ging es zu Fuß auf Erkundungstour. Erster Halt war dabei die kleine Kirche San Giovanni pré Commenda, welche aber eher schlicht ist. Daher ging es zügig weiter auf der Via Pré bis wir auf der Rückseite des Palazzo Reale waren. Da von hier kein Zugang bestand, sind wir um das Gebäude herum auf die Via Balbi gelaufen und von dort in den Palast. Die Via Balbi ist nach einer der reichen genueser Familien benannt und es war auch jene Familie, die diesen Palast erbaute, ihn aber später an das Könighaus verkaufte, woraus sein heutiger Name resultiert.

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Der Palast war ein erster kleiner Höhepunkt des Tages, denn von innen eröffnete sich ein Genua, welches  ich heute morgen beim Ausblick vom Schiff so nicht erwartet hätte – eine schöne farbige Fassade mit einem hübschen Innenhof und Blick auf den Hafen.

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Die Via Balbi hat noch ein paar weitere hübsche Gebäude in ihrem Verlauf, bis sie auf die Piazza della Nunziata trifft, wo die Kirche Annunziata del Vastato liegt, welche von außen zwar groß aber doch unscheinbar wirkt, von innen aber voller Pracht ist. So langsam hatte ich meine Zweifel, ob mein erster Eindruck von der Stadt am Morgen richtig gewesen ist.

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Von hier ging es weiter in die Via Lomellini, einer Geschäftsstraße mit kleinen Läden bis wir auf die Kirche San Siro trafen, welche insbesondere einen sehr schönen Altarraum hatte, aber auch sonst wieder prunkvoll ausgestaltet war.

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Dann ging es auf die Via Garibaldi. Hier befand man sich zum Zeitpunkt als die Straße gebaut wurde bereits außerhalb der Stadtmauern. 1550 war es so eng geworden in Genua, dass man die Stadt erweitert hatte. Die Via Garibaldi, die in diesem Zuge entstand, ist heute eine der schönsten und prächtigsten Straßen der Stadt und hier reiht sich quasi ein Herrschaftshaus an das nächste.

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Am Ende des Weges kamen wir zur Piazza Corveto und der sich anschließenden Prachtstraße Via Roma, an der sich in den Innenhöfen der Häuser überdachte Einkaufpassagen befinden. Man kann dies alles schwer in Bilder fassen und es ist vielleicht nicht so großartig wie manches in Rom oder Venedig, aber das gesamte Stadtbild von Genua wenn man so wie wir durchspaziert ist einfach sehr sehenswert und man sieht überall, welche Anstrengungen unternommen wurden, um die alten Gebäude zu restaurieren.

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Schließlich haben wir eine Pause eingelegt an der Piazza de Ferrari. Dies ist der Hauptplatz der Stadt und neben einem großen Springbrunnen finden sich hier das Theater, der Dogenpalast und ein herzoglicher Palast. Und von hier aus führt auch eine Prachteinkaufsstraße ab, die Via XX Septembre.

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Unser Weg führte nach der Pause wieder durch die kleinen Gassen zurück in Richtung des Hafen. Unterwegs kamen wir noch an der schönen Kathedrale San Lorenzo vorbei, welche aber leider geschlossen war. Nebenan kam ich dann aber wenigstens noch in den Genuß eines italienisches Eises, ohne das ein Tag in Italien einfach nicht komplett ist. Am Hafen angekommen haben wir auch dort noch einige hübsche Geschäfte und den Palazzo San Giorgio gesehen, eines der schönsten Häuser der Stadt.

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Wir sind dann die Hafenpromenade entlang gegangen, allerdings stellten sich bei mir starke Kopfschmerzen ein. Trotzdem war es noch recht früh am Nachmittag und wir hatten noch viel Zeit bis das Schiff ablegen sollte, also beschlossen wir, ins Aquarium zu gehen, denn so war ich wenigstens aus der Sonne raus. Das Aquarium gehört zu den schönsten die ich bislang gesehen hatte und war nochmal ein schöner Stop an diesem insgesamt überraschenden Tag in Genua.

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Nach dem Aquarium ließ mein Kopf dann aber nichts mehr weiter zu und so sind wir zurück aufs Schiff gegangen, wo ich mich erstmal bis zum Abendessen ausgeruht hatte. Unsere bayrischen Tischnachbarn hatten heute schon das Schiff verlassen und waren bereits wieder auf dem Heimweg und so hatten wir beschlossen, heute nicht ins große Restaurant zum Essen zu gehen, sondern es beim Buffet zu belassen, was auch gut so war.  Schließlich war ich dann nochmal etwas frische Luft schnappen, als wir aus Genua ausgelaufen sind, denn der frische Wind tat meinem Kopf ganz gut.

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So bildeten die Lichter von Genua und seinem Hafen den Abschluss für den sonnigen Tag in dieser wirklich schönen Stadt, der einzig durch meinen hämmernden Kopf etwas getrübt war. Es blieb nur zu hoffen, dass sich die Kopfschmerzen bis morgen wieder legen würden. Zusammengefasst war Genua für mich die Überraschung dieser Reise und ein echter Höhepunkt.

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Autor:Jens Koopmann