Mit der MS Lofoten auf die Hurtigrute – Teil 2: Ausflug zum Fløyen

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Die Nacht in Bergen war unspektakulär und ruhig. Vor allem aber war ich weich gebettet – solch eine Matratze in der ich quasi gesamthaft versunken bin, hatte ich wissentlich noch nie. Nach dem langen Tag gestern konnte ich aber dennoch gut schlafen und bin heute kurz nach 8 Uhr munter wieder aufgestanden. Draußen war es noch dunkel, denn die Dämmerung begann erst 20 nach 8 und die Sonne (sofern sie sich denn heute raus traut) ging erst eine weitere Stunde später auf. 20 vor 9 war ich dann soweit wieder hergerichtet, dass ich zum Frühstück gehen konnte. Bei 65 EUR die Nacht waren meine Erwartungen beschränkt, aber hier wurde ich wirklich positiv überrascht. Es war ein ausgiebiges Buffet mit allem was man braucht. Natürlich hatte ich auf das Brot verzichtet zugunsten des typischen Knäcke und darauf gab es dann Räucherlachs und einen speziellen norwegischen Ziegenkäse. Dessen braune Farbe und die cremige Konsistenz wirkten schon etwas komisch, aber er war essbar, wenn er auch nicht mein Lieblingskäse werden wird. Abgerundet hatte das Ganze ein Omelette, Müsli, sowie ein Orangensaft. Damit war ich gut gestärkt und voller Tatendrang für den Tag.

Guten Mutes bin ich dann auf kürzestem Wege erstmal raus, denn es regnete nicht und vereinzelt waren sogar Wolkenlücken zu sehen. Mein Zimmer musste erst um 12 Uhr geräumt sein, so dass ich nochmal zurück kommen konnte.
Draußen bin ich zuerst durch die alte Festung mit der Håkonshalle und dem Rosenkrantzturm gelaufen, so dass ich die beiden auch nochmal bei Tag sehen konnte. Geöffnet waren sie aber leider nicht. In den Wintermonaten sind fast alle Touristenattraktionen in Bergen nur für wenige Stunde am Tag und manche sogar nur 1x in der Woche geöffnet. Von daher blieb es bei dem erneuten Rundgang von außen, bevor ich das Stück zurück wieder in Richtung Bryggen gelaufen bin.

 

An den kleinen Giebelhäusern vorbeilaufend, konnte ich natürlich nicht widerstehen, noch ein paar Fotos zu machen, zu schön wirkt einfach das ganze Ensemble. Das das Ensemble, das heute zum Unesco Weltkulturerbe gehört, heute noch so zu besichtigen ist, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, denn mehrfach wurde das Viertel von verherenden Bränden heimgesucht. Kein Wunder, stehen doch die Holzhäuser hier dicht an dicht mit nur schmalen Gassen zwischendrin. Besonders schlimm war der Brand im Jahr 1702, der fast das gesamte Viertel dem Erdboden gleichmachte. Doch auch die originalgetreu wiederaufgebauten Häuser ereilte vielfach das gleiche Schicksal 1955, als erneut eine Feuerbrunst in Bryggen wütete. Spätestens hier kamen auch in Norwegen Rufe nach dem Abriss auf, schließlich war Bryggen deutsches Erbe und seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr gut gelitten. Glücklicherweise entschied man sich dann doch für die Restaurierung des Viertels und so kann ich heute noch durch die Gassen zwischen den Holzhäusern schlendern.

Mein Ziel an diesem Vormittag war aber kurz hinter Bryggen gelegen, nur eine Straße hinter dem Hansemuseum. Von hier fährt die Fløibanen, eine Kabelbahn, die Touristen und Einheimische auf den Hausberg der Stadt hinauf bringt. Von oben soll es eine tolle Aussicht geben und da es wettertechnisch ja bislang ganz gut aussah, habe ich mir für 45 NOK eine einfache Fahrt gelöst – den Rückweg wollte ich zu Fuß antreten.

Die Fahrt hinauf dauerte lediglich wenige Minuten und währenddessen wurden mehrere Tunnel durchquert. Ab einer gewissen Höhe begann sich dann auch das Panorama von Bergen zu zeigen und gab mir eine Vorahnung, welcher Ausblick mich von oben erwarten würde.
Die Idee zu der Bergbahn entstand bereits 1896 und war zu dem Zeitpunkt bereits von der Stadt genehmigt, doch das liebe Geld verhinderte zunächst die Realisierung des Vorhabens. Es dauerte noch ganze 18 Jahre, bis 1914 der Bau der Bahn beginnen konnte. Nun fiel dies aber unglücklicherweise genau in die Zeit des 1. Weltkriegs und so zog sich das Bauverhaben aufgrund der vorherrschenden Materialknappheit abermals hin bis es schlussendlich 1918 fertig gestellt werden konte. Die Arbeit hatte sich aber gelohnt, denn so wie damals ist die Strecke bis heute in Betrieb geblieben.
Oben angekommen ist die Aussichtsterrasse direkt am Ausgang der Fløibanen. Der Berg auf dem ich jetzt war heißt Fløyen, was auch den Namen der Kabelbahn erklärt. In den vergangenen Minuten hatte ich auf einer Strecke von 848m einen Höhenunterschied von 302 Metern überwunden und konnte von hier einen wunderbaren Rundblick über die Fjordlandschaft Bergens genießen.

Doch ich war kaum 10 Minuten oben und hatte eine erste Fotoserie im Kasten, da sah ich auf der anderen Seite der Bucht einen Regenschauer und ehe ich überlegen konnte in welche Richtung er wohl ziehen möge, war er auch schon bei mir angekommen – und dabei hatte der Tag doch so gut begonnen. Es blieb also nichts anderes übrig, als wieder den Regenschirm aufzuspannen, während ich dem Fußweg zurück ins Zentrum gefolgt bin.

Dieser Weg führte durch einen Wald und wenn ich gestern meinte, Bergen wirkt wie eine Stadt aus dem Märchen, so könnte dies auch ein Märchenwald sein. Passenderweise dazu waren auf dem ersten Wegabschnitt im Wald überall Holzfiguren von Trollen, Zwergen und ähnlichen Gestalten aufgestellt. Leider machte es mir der Regen, der zwischenzeitlich in Graupel übergegangen war, schwer, noch großartig zu Fotografieren – wirklich schade, denn ich hätte hier gern noch etwas länger verweilt.

Nach 15-20 Minuten war der Spuk dann aber wieder vorbei und es blieb trocken für den Rest des Weges, der kontinuierlich abwärts ging – was meine Knie mir später noch übel nehmen sollten.
Kurz bevor ich die Talstation erreicht hatte, kam ich noch an jener Kirche vorbei, die gestern Abend im Berg so schön beleuchtet war. Nur das es keine Kirche war. Tatsächlich ist es ein ehemaliges Feuerwehrhaus, in dem sich das Hauptquartier des Skansens Bataljon befindet, einer Jugendorganisation. Wie dem auch sei, das Gebäude spiegelte sich schön in dem nebenan befindlichen Löschsee und bot damit ein lohnendes Fotomotiv.

Von hier ging es dann kreuz und quer durch die Gassen, bis ich wieder in Bryggen war. Unterwegs gab es natürlich auch überall was zu sehen, aber ich hatte mich auch ein wenig ranzuhalten, denn es war schon 20 nach 11 und bis 12 Uhr musste ich aus dem Hotel ausgecheckt haben.

Viertel vor 12 war ich dann schließlich zurück, zufrieden mit der Vormittagsrunde. Schnell wurden noch die letzten Sachen gepackt, ausgecheckt und das Gepäck untergestellt, bevor es auch gleich wieder raus ging, denn das gute Wetter musste genutzt werden.
Abermals kam ich dabei an den Giebeln in Bryggen vorbei und konnte abermals wieder nicht den Finger vom Auslöser lassen. Trotzdem bin ich recht zügig weiter gelaufen, denn ich hatte den zweiten Programmpunkt für heute vor Augen: das Hansemuseum.

DIE HANSE IN BERGEN
Habe ich gestern geschrieben, dass Bergen der Hanse zugehörig war? Wenn ja, dann ist dies nicht ganz korrekt. Wie London und Brügge in Belgien war Bergen nie eine Hansestadt, sondern war eines von vier Kontoren, die die Hanse außerhalb ihres eigentlichen Geltungsbereiches unterhielt. Bergen gehörte dazu, da die Stadt ein wichtiger Handelspunkt für Stockfisch und Tran war und ein wichtiger Absatzmarkt für Getreide.

Sich heute das Leben von damals vorzustellen ist schwer, zu verschieden ist die jetzige Zeit von der damaligen, aber das Hansemuseum unternimmt den Versuch, diese Welt seinen Gästen näher zu bringen, indem es ein typisches Hansehaus mit einer großteils originalen Innenausstattung begehbar macht. 90 NOK kostete das Vergnügen, aber eine Stadt zu sehen, ohne auch etwas über ihre Geschichte zu erfahren, ist auch nicht mein Verständnis einer Reise und der interessanteste Teil von Bergens Geschichte ist nunmal untrennbar mit der Hanse verbunden.
Als man den deutschen Hansekaufleuten erlaubte, ein Handelskontor in Bergen einzurichten, ging dies mit einer Umgestaltung der ganzen Stadt einher, denn das Kontor war wie eine Stadt in der Stadt. Wer im Kontor arbeiten wollte, musste Deutscher und ledig sein. Norweger hatten keine Chance. Sie stellten lediglich die Waren, die gehandelt wurden. Innerhalb des Kontors galt dann auch nicht norwegisches, sondern lübisches Recht (Lübecker Recht). Es war wie eine deutsche Enklave, wo aufstrebende junge Männer hinkamen, sich hocharbeiteten, um dann irgendwann nach Deutschland zurück zu kehren und dort eine Familie zu gründen.
Die Häuser der Hanse bestanden immer aus einem Front-Doppelhaus, an dass sich nach Hinten bis zu 10 weitere Häuser anschlossen. Das Ensemble wurde dann Hof genannt. Diese Häuser beherbergten verschiedene Händler und zwischen den Häusern verlief der Versorgungsgang.

Das Verhältnis der Norweger zu den Deutschen war seinerzeit gespalten. Einerseits brauchte man die Hanse, um seine Waren zu vertreiben, auf der anderen Seite waren die Sonderrechte und die Abschottung natürlich ein Affront gegen die Einheimischen. Doch spätestens mit dem Ausbruch der Pest 1350 in der viele Norweger ihr Leben ließen, gelang es der Hanse in ihren Einfluss nochmals auszubauen, denn die Norweger brauchten die fleißigen Händler aus Deutschland.
Interessant fand ich die Tatsache, dass beim Handel in der Hanse kaum Geld floss – in der Regel wurde Ware gegen Ware getauscht. Dies war nur deshalb möglich, da man sich auf wenige standardisierte Güter konzentriert hatte.
Doch dies alles konnte nicht verhindern, dass mit der Entdeckung Amerikas und dem Verschwinden der selbstständigen Städte (die ein Grundstein der Hanse waren) sich die Hanse langsam aber sicher selbst abschaffte, da man es versäumte, sich selbst zu modernisieren. Bergen als Kontor hatte dabei im Vergleich zu vielen anderen Hansestädten noch sehr lang Bestand als Kontor, was die Bedeutung der Stadt unterstreicht. Als die Deutschen schließlich das Kontor verließen, wurde es von den Norwegern weiter betrieben.



In dem Museum konnte ich nun durch ein erhaltenes Handelshaus mit seinen Wohn-, Ess-, Schlaf-, Arbeits- und Lagerräumen gehen. Dabei fiel als erstes die Temperatur auf, denn es war kaum wärmer als draußen. Aufgrund der Holzbauweise war Feuer verboten und die Gebäude blieben ganzjährig, bis auf wenige, einzelne Räume unbeheizt.
Interessant war zu sehen, das tatsächlich viele Inschriften auf Deutsch waren – etwas, was man so in Norwegen gar nicht erwartet hätte (ich zumindest hatte dies nicht erwartet). Ebenso interessant war auch ein Bett, in dessen Tür eine Frau gemalt wurde – quasi ein historisches Pin-up.

HALLO MS LOFOTEN
Ich habe doch einige Zeit im Hansemuseum verbracht und fand es wirklich interessant, aber nun war es Zeit, in Richtung des Hurtigruten Terminals zu spazieren, denn ich wollte mein Schiff für die kommende Reise ja bei seiner Ankunft fotografieren.
Wie die meisten Distanzen in Bergen war es auch bis zum Terminal nicht weit – letztlich waren es kaum 10 Minuten zu Fuß. Doch am Terminal angekommen musste ich einsehen, dass dies nicht der richtige Ort zum Fotografieren war.

 
  

Es blieb aber noch reichlich Zeit und daher bin ich an der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens weitergelaufen in der Hoffnung auf einen besseren Standort. Mehrfach bin ich bis zum Wasser gegangen, war aber nie wirklich glücklich mit der Aussicht.
Zu allem Übel zog dann auch ein kleiner Regenschauer über mich hinweg, der aber wirklich nur 5 Minuten dauerte und ich hatte glücklicherweise gerade eine Möglichkeit, mich unterzustellen. Insofern konnte der Schirm zu bleiben.

Mangels eines guten Aussichtspunktes bin ich immer weiter gelaufen, bis es schließlich auf den Berg hinaufging und hier war ich endlich zufrieden mit der Position. Nun fehlte nur noch die MS Lofoten. Eigentlich hätte sie jetzt kommen müssen, denn es war 14:30 Uhr – die planmäßige Ankunftszeit, aber weit und breit war von ihr Nichts in Sicht. Dafür gab es am Horizont aber eine ungewöhnliche Sichtung, denn ein U-Boot lief in den Bergenfjord ein.
Von dort schwenkte der Blick dann nach links und was ich dort sah, sah nicht gut aus. Eine dicke, dunkle Regenfront zog auf und direkt auf mich zu. Wo blieb nur die Lofoten?? Bei einem flüchtigen Blick zum Hurtigruten Terminal entdeckte ich dann einen blauen Schornstein. Blauer Schornstein? Die MS Lofoten hat einen Blauen Schornstein! Die wird sich doch wohl nicht an mir vorbei geschlichen haben? Also habe ich das Teleobjektiv rausgeholt und mal ein Foto gemacht. Glück gehabt – es war ein anderes Schiff gewesen – aber was hätte ich mich geärgert, wenn ich über eine Stunde umsonst nach meinem Standort gesucht hätte. Dies änderte aber nichts an der Tatsache, dass das Schiff nicht da war. Ich habe also mal schnell im Internet geschaut, wo sie steckt. Auf der Hurtigruten-Webseite kann man jederzeit die Position der Schiffe sehen. Die Lofoten war demnach noch in der Anfahrt auf Bergen, aber noch ca. weitere 20 Minuten entfernt. 20 Minuten, in denen die Regenfront auch hier sein würde.

Natürlich setzte der Regen genau zu dem Zeitpunkt ein, als das Schiff langsam um die Ecke bog und diesmal war es kein Nieseln, sondern ein ähnlicher Schauer wie gestern. Mit dem Schirm in der einen Hand und der Kamera in der anderen habe ich dann versucht noch ein paar Bilder zu machen, doch durch den Regen und den fortschreitenden Nachmittag war es fast schon wieder dunkel, so dass es bei einem Beweisfoto blieb.

Wenige Minuten später war alles im Kasten und ich habe mich auf den Weg zurück ins Hotel gemacht, denn die Zeit war durch die Verspätung schon recht weit fortgeschritten und bei dem Regen konnte ich auch sonst nichts mehr machen. Der Weg zog sich ziemlich hin bei dem Wetter und meine Knie nahmen mir den Abstieg von heute Morgen langsam mehr und mehr übel.
Erst als ich fast wieder beim Hotel war hörte der Regen schließlich auf – ich war aber trotzdem fix und fertig.

Schnell habe ich mein Gepäck abgeholt und bin dann zum nächsten Taxistand gegangen. Eigentlich wollte ich ja zum Schiff laufen, aber nach dem Regen vorhin war ich nicht mehr wirklich in der Laune dazu. Mit dem Taxi waren es nur 5 Minuten und schon war ich am Terminal.
Das Einchecken ging zügig und man sprach Deutsch. Übrigens sind fast 90 Gäste mit mir an Bord – mehr als ich erwartet hatte um diese Jahreszeit. Voll ist die Lofoten aber damit noch nicht. Nach einem kurzen Sicherheitsvideo bei dem ich auch schon zwei Gäste aus Hamburg kennenlernte ging es auch schon aufs Schiff, auch wenn meine Kabine erst in 1,5h bezugsfertig sein sollte.
So blieb Zeit für einen ersten Rundgang auf dem wirklich übersichtlichen, aber gemütlichen Postschiff. Danach habe ich mich in den Eisbärensalon gesetzt und erstmal Reisetagebuch getippt, während wir (sehr sehr süßen) norwegischen Glühwein und Kekse gereicht bekamen.

Um 18 Uhr waren dann auch die Kabinen endlich geöffnet und ich bin zu meiner Suite 242 gestiefelt – wobei Suite vielleich ein klitzekleinwenig übertrieben ist… Es ist eine Außenkabine, welche zwar ein Bullauge besitzt, dass aber in den Wintermonaten fest verriegelt ist. Ansonsten gibt es über die Kabine nicht viel zu sagen. Es ist die Holzklasse an Bord, d.h. mehr als ein Bett und ein Waschbecken gibt es nicht – keinen Kleiderschrank, kein WC, keine Dusche, keinen Fernseher. Immerhin, Dusche und WC sind auf dem Gang. Wer diese Kabinen bucht, sollte besser keine Erwartungen haben, denn sie sind wirklich das einfachste vom Einfachen, aber ich wollte ja nicht mehr als darin schlafen und den Rest der Zeit eh draußen verbringen. Zudem hatte ich mich vorher informiert, was mich erwartete, insfofern gab es keine Enttäuschung meinerseits.
Um 19 Uhr hat dann unser Reiseleiter Asgeir für die deutschen Gäste eine kurze Infoveranstaltung ausgerichtet, so dass wir alle wussten, was uns die nächsten Tage erwartet – vor allem mal kein gutes Wetter. Asgeir spricht man übrigens nicht aus wie Aasgeier (was ich erst dachte und damit für den ein oder anderen Lacher an Bord gut war), sondern mit kurzem A, scharfem S und hinten mit gerolltem R. Auch den Rest der Offiziere an Bord einschließlich dem Kapitän konnten wir bei dieser Veranstaltung kennenlernen. Von den rund 90 Passagieren auf der Reise sind übrigens 2/3 Deutsche.

Nach der Veranstaltung blieben noch ein paar Minuten, bis endlich das Abendbüffet eröffnet wurde. In dieser Zeit lernte ich Uschi aus Mallorca kennen, die gerade dabei war, aus ihrer Kabine zu flüchten, welche direkt gegenüber von meiner war. Der Fluchtgrund war allerdings nicht ich, sondern die doch sehr kleine Kabine, auf die Uschi in der Form dann doch nicht gefasst war. Da das Schiff nicht voll belegt war, gab man ihr eine andere Kabine, einen Stock höher. Uschi war wie ich ganz aufgeregt vor dieser Reise, denn sonst verbringt sie ihren Ruhestand auf Mallorca.
Als das Abendbuffet eröffnet wurde, hatte ich auch schon ordentlich Hunger, denn seit dem Frühstück hatte ich bis auf die Kekse und den Glühwein zur Begrüßung hier an Bord noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Heute war freie Platzwahl beim Essen und ich kam an einen Tisch mit 5 weiteren Deutschen – darunter auch Uschi – mit denen es dann ein nettes Abendessen wurde. Wir waren drei Generationen am Tisch – Uschi aus Mallorca, der man ihre fast 70 Jahre nicht ein bisschen ansah, Gertrud und Jürgen aus der Pfalz, Christian, unser Saarländer Wahlberliner und Karl. Zu essen gab es dann Fisch in allen Variationen und so frisch er aussah, so lecker war er zu verspeisen. Als besondere „Spezialität“ gab es am Buffet auch Streifen vom Rentier-Herz. Dies waren kleine, schwarze, längliche Stücke von recht trockener Konsistenz. Und da ich wie immer alles probieren musste, konnte ich auch hier nicht widerstehen. Im ersten Moment war der Geschmack mal sehr gut. Es hatte was von Räucheraroma – salzig und rauchig. Im Abgang war es dann aber sehr sehr streng. Insofern war es halt mal was zum Probieren, aber Nichts von dem ich einen ganzen Teller bräuchte. Unsere Gruppe hatte sich beim Abendessen beschnuppern können und für gut befunden, so dass wir die kommenden Tage auch gern an einem Tisch sein wollten. Das klang einfacher, als es zunächst schien, denn unser Kellner war zunächst etwas überfordert mit der Umdisposition, schließlich hatte er schon alle Tische verplant. Die Restaurantmanagerin machte dem aber in Windeseile ein Ende – wir bekamen den Kapitänstisch in der zweiten Sitzung und gut war es. Einzig Karl sollte ab morgen den Weg zu unserem Tisch nicht mehr finden – keine Ahnung warum. Sein Platz wurde aber ab dem dritten Tag durch Sabrina, die gerade auf Weltreise war, besetzt und damit war die kleine Reisegruppe MS Lofoten 2015 komplett und wohl keiner hätte erwartet, wie lustig die kommenden Tage gemeinsam werden würden.

Als die Mägen gefüllt waren, war auch die MS Lofoten abreisebereit und der alte Diesel begann langsam zu tuckern. Wir haben kurz zurückgesetzt aus dem Terminal und dann wurde das Schiff gedreht, so dass wir Kurs Richtung Norden nehmen konnten. An Deck lernte ich dann auch noch Bente kennen. Bente war Norwegerin, lebte aber schon viele Jahre in Deutschland. Auch sie war das erste Mal mit der Hurtigrute unterwegs und sollte sich schnell unserem kleinen Tischgrüppchen anschließen. Leider war es aber schon so dunkel, dass man das Stadtpanorama von Bergen nur noch über die zahllosen Lichter erahnen konnte und nachdem wir die Sotra-Brücke passiert hatten, war es dann auch Zeit fürs Bett.

Im Inneren des Schiffes war das Tuckern des Diesels allgegenwärtig und es gab keinen Ort, wo er nicht lautstark zu hören war (vorn im Schiff war es ruhiger, aber meine Kabine war fast ganz hinten). Auch dies war für mich keine Überraschung, denn dies konnte man überall im Internet lesen. Insofern habe ich es mir in meinem kleinen Bett gemütlich gemacht und versucht einzuschlafen, während das Schiff die Fjorde von Bergen verlies und langsam zu schaukeln begann.
Das war dann also Tag 1 der Seereise und damit der Abschied aus Bergen, der aber nicht sonderlich schwer fiel, denn immerhin standen ja die nächsten 11 Tage noch zahlreiche Höhepunkte auf dem Programm und am Ende sollte es ein Wiedersehen mit Bergen geben, sozusagen, um die Reise abzurunden.

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Autor:Jens Koopmann