Micro Four Thirds – Welcher Hersteller ist der Bessere? Panasonic vs. Olympus

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Einer der Vorteile von Micro Four Thirds ist, dass es sich um einen offenen Standard handelt, d.h. jeder Anbieter, der das möchte, kann dem Konsortium beitreten und Kameras bzw. Objektive produzieren. Trotzdem beherrschen aber 2 Hersteller den Markt: Panasonic und Olympus. Und obwohl die Kameras und Objektive grundsätzlich untereinander kombinierbar sind, so gibt es doch den ein oder anderen Unterschied, so dass sich letztlich die Frage für den Einsteiger stellt: Welcher Hersteller ist der Bessere?

Ich selbst habe sowohl die GX7 und G5 von Panasonic im Einsatz, als auch die E-M5 II von Olympus und im Folgenden gehe ich etwas auf die Unterschiede zwischen den Kameras ein, wobei sie meist nicht auf diese Modelle beschränkt sind, sondern sich auf (fast) alle Kameras der Hersteller beziehen.
Eines sei jedoch vorausgeschickt: alle Unterschiede beziehen sich auf die Kamerafunktionen und nicht auf den Sensor, denn hinsichtlich des Sensors gibt es kaum nennenswerte Unterschiede – zumindest aber keine, die objektiv den einen oder anderen Hersteller besser machen (i.W. ist es die unterschiedliche Farbwiedergabe, bei der Olympus etwas wärmer abgestimmt ist und Panasonic etwas kühler/neutraler).
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Der wohl wesentlichste Unterschied für den Fotografen liegt im Bereich der Bildstabilisierung. Hier setzen die Hersteller auf unterschiedliche Wege, denn während bei Pansonic in der Regel die Stabilisierung im Objektiv ist, setzt Olympus auf die Stabilisierung des Bildsensors. Eine Ausnahme stellen die Panasonic GX7, GX8 und GX85 dar, welche ebenfalls eine Sensorstabilisierung bieten (bei der GX8 / GX85 arbeitet diese als Dual-IS sogar mit der Objektivstabilisierung zusammen). Im Vergleich ist die Stabilisierung von Olympus, wie sie bei der OMD-Serie (E-M5/E-M5 II/E-M1/E-M10 II) zum Einsatz kommt, aber um 1 bis 2 Stufen besser, als die von Panasonic, egal, ob bei Panasonic die Sensorstabilisierung oder die Objektivstabilisierung zum Einsatz kommt (die GX80 soll aber mittlerweile recht nah ran kommen). Bei der Olympus konnte ich schon Bilder bis 1,5s aus der Hand machen, was ich bei der Panasonic nicht im Ansatz bisher geschafft habe. Ein weiterer Vorteil der Sensorstabilisierung ist, dass damit jedes Objektiv stabilisiert werden kann, also auch alte und manuelle Objektive. Olympus baut damit auch folgerichtig (mit Ausnahme des 300mm f4-Objektivs) keinen Stabilisator in seine Objektive ein, da dieser ja in der Kamera sitzt. Als Panasonic-Nutzer muss man daher bei der Nutzung von Olympus-Objektiven oder selbst bei vielen der Panasonic Festbrennweiten auf einen Stabilisator verzichten, wenn man nicht gerade eine Kamera der GX-Serie hat.
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Wer dagegen die Kamera auch regelmäßig für Videos einsetzt, der wird bei Panasonic eher sein Glück finden, denn Panasonic ist einer der Vorreiter für 4K-Technologie und die GH4 ist selbst für professionelle Videoproduktionen geeignet. Aber 4K hat sich auch in den Bereich der Fotografie eingeschlichen, schließlich ist jedes 4K-Bild 8 Megapixel groß und somit auch geeignet, einen Fotoabzug zu machen. Panasonic hat dies erkannt und bietet hier einige Spezialmodi an, wie 4K-Photo, 4K-Photoburst, Post-Focus etc. Allerdings geht dies erst mit den neueren Kameras. Meine GX7 hat diese Funktionen (leider) noch nicht. Bei Olympus muss man dagegen noch mit Full-HD auskommen, wobei auch hier die Qualität nicht an die von Panasonic herankommt, was nicht heißt, dass man damit nicht mal ein Video machen kann, was auch vorzeigbar ist. Olympus hat ganz klar den Fokus auf den Fotografen gelegt, der vielleicht gelegentlich mal ein Video macht, während bei Panasonic die Funktionen von Camcorder und Kamera immer weiter verschmelzen.

1/10s, f1.8, ISO400, 75mm

Ein weiterer Bereich, in dem Panasonic die Nase vorn hat, ist der Autofocus. Die neuesten Modell verfügen fast alle über die DfD (Depth from Defocus)-Technologie, welche es der Kamera erlaubt (mit kompatiblen – d.h. bislang nur Panasonic-Objektiven) deutlich schneller zu fokussieren. So ist z.B. die Panasonic GH4 oder die GX8 viel gelobt für ihren Nachführautofokus – etwas, was bislang eher die Schwäche aller spiegellosen Kameras war. Beim normalen Einzelautofokus sind dagegen alle Micro Four Thirds Kameras von Olympus und Panasonic sehr schnell. Trotzdem hat Panasonic auch hier einen kleinen Trumpf im Ärmel mit dem Kreuzpunkt-AF. Dieser fokussiert auf einen ganz kleinen Bildpunkt und ist damit sehr exakt. Zwar ist dieser Modus nicht sonderlich schnell, dafür aber sehr exakt und gerade bei lichtstarken Festbrennweiten und Offenblende sehr hilfreich. Auch bei Nachtaufnahmen habe ich diese Funktion schätzen gelernt.
Während bei der Fokussierung bei Nacht die Panasonics die Nase vorn haben, bietet Olympus im Gegenzug einige sehr nützliche Aufnahmemodi für Nachtaufnahmen, die sich Live-Bulb und Live-Composite nennen. Live-Bulb zeigt bei einer Langzeitbelichtung, wie sich das Bild langsam entwickelt. Somit kann man am Kameramonitor während der Aufnahme schon die Belichtung beurteilen und so im richtigen Moment die Aufnahme beenden. Live Composite ist dagegen ein Modus, der prädestiniert für Lightpainting ist, da er ein Grundbild aufnimmt und danach nur noch Teile, die heller als das Grundbild sind. Insbesondere Live Bulb nutze ich fast immer bei Langzeitbelichtungen, da ich so die Belichtungszeit exakter treffen kann.
Ebenfalls etwas besser gelöst bei Olympus ist das Bracketing. Hier kann man über den dedizierten HDR-Button konfigurieren, dass über ihn einen Belichtungsreihe von 5 Bildern mit je 2 EV-Unterschied gemacht werden. Bei der Pansonic GX7 ist dagegen bei 7 Bilder mit je 1 EV-Unterschied schluss.
Früher war ein wesentlicher Unterschied zwischen Olympus und Panasonic der elektronische Verschluss. Während bei Panasonic dieser schon länger Standard ist, kommt er bei Olympus erst seit der E-M5 II zum Einsatz (bei der E-M1 mit einem Firmwareupdate nachgerüstet). Ich finde diese Funktion sehr nützlich, da die Aufnahme so in Kirchen oder bei Veranstaltungen deutlich dezenter ist. Aber wiegesagt ist dies heute kein wirkliches Differenzierungsmerkmal mehr.
Als User merkt man da schon eher den Unterschied in der Bedienung. Die Panasonic ist in Summe leichter zugänglich. Insbesondere die Nutzung des Touchscreens ist um Längen besser umgesetzt als bei Olympus. Auch die Menüs sind bei Panasonic übersichtlicher, während die Olympus-Menüs schon legendär berüchtigt sind. Für mich kein Dealbreaker, da man sich an alles gewöhnt.
Ihr seht schon, die Unterschiede liegen wirklich im Detail, daher kann man eigentlich nicht davon sprechen, dass ein Hersteller klar die Nase vorn hat. Grob kann man aber sagen, dass man sich eine Panasonic-Kamera holen sollte, wenn:
  • Video eine häufig genutzte Funktion ist (4K)
  • Sportveranstaltungen/Autorennen etc, sprich überall, wo ein schneller kontinuierlicher AF notwendig ist

Die Kameras von Olympus sind dagegen im Vorteil, wenn ihr

  • analoge oder alte Objektive adaptieren wollt (wg Stabilisierung)
  • viel Nachtaufnahmen macht
Bei Panasonic würde ich heutzutage die GX8 empfehlen, oder wer mit dem 16 MP-Sensor leben kann, ist auch mit der GX80 / GX85 gut aufgehoben. Wer dagegen stark aufs Geld achten muss, der sollte nach dem Auslaufmodell GX7 Ausschau halten. Ich empfehle diese Kameras, da sie alle einen eingebauten Stabilisator haben.
Bei Olympus würde ich die E-M5 II empfehlen, da sie bis auf den Phasen AF alle Funktionen der großen Schwester E-M1 mitbringt und dabei etwas kompakter ist.
Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr Dinge, die ihr bei einem der beiden Hersteller besser findet, dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar.

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Autor:Jens Koopmann