Lightroom CC: Erster Eindruck

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Letzte Woche war es soweit: nach über 2 Jahren hat Adobe eine neue Hauptversion von Lightroom veröffentlicht. Genauer gesagt sind es sogar 2 Versionen:

  • Lightroom CC für alle Nutzer mit Creative Cloud Abo (ab rund 12 EUR p.M.)
  • Lightroom 6 als Standalone Version

Die Versionen sind weitgehend identisch und unterscheiden sich nur in folgenden Punkten:

  • Lightroom Mobile ist nur bei Lightroom CC inklusive. Wer also seine Bilder mit dem Tablet betrachten und bearbeiten will, muss Lightroom CC haben
  • Lt. Adobe werden neue Funktionen nur in Lightroom CC integriert. Was dies genau heisst, bleibt aber bislang offen.

Ich selbst habe seit gut einem Jahr das Fotografen-Bundle für 12 EUR pro Monat im Abo. Für diesen Preis habe ich immer die aktuelle Version von Lightroom und von Photoshop, was in der Summe recht günstig ist.

Die Installation von Lightroom CC gestaltete sich leider etwas hinderlich, denn zunächst hängte sie sich immer wieder auf und als es dann einmal durchlief, ließ sich Lightroom nicht öffnen. Eine Recherche im Netz zeigte schnell, dass ich nicht allein bin, aber auch, dass die Lösung recht einfach ist. Ein Ab- und wieder Anmelden in der Creative Cloud reichte aus, um Lightroom zu seinem ersten Start zu verhelfen.
Die wesentlichen Neuerungen von Lightroom lassen sie wiefolgt zusammenfassen:

  1. Gesichtserkennung
  2. Erstellung von Panoramen in Lightroom
  3. Erstellung von HDR-Bildern in Lightroom
  4. Performance-Verbesserungen
  5. Feintuning von Verlaufs- und Radialfiltern mittels Pinsel
  6. Lightroom Mobile für Android Tablets

Im folgenden schildere ich euch meine Eindrücke bei der Arbeit mit der neuen Version und diesen Features.

Zunächst einmal hat sich in der Oberfläche nicht viel geändert. Nutzer der Vorversionen werden daher keinerlei Probleme mit dem Umstieg haben. Ich habe dann auch erstmal die Gesichtserkennung ausprobiert. Es dauerte einige Zeit, bis die 60.000 Bilder in dem Katalog durchfostet waren.
Die ersten Bilder waren dann auch schnell mit einem Namen versehen und Lightroom versucht dann selbständig, ähnliche Bilder mit einem Namensvorschlag zu versehen.
Das Erkennen von Gesichtern in Bildern funktioniert dabei grundsätzlich gut, sofern die Gesichter frontal abgebildet sind. Profilbilder stellen dagegen ein Problem für die Erkennung dar. Es werden oft auch Gesichter im Hintergrund von Bildern markiert, was zu sehr großen Mengen an gefundenen Gesichtern führt. Manchmal liegt Lightroom aber auch komplett daneben und selektiert auch schonmal gemusterte Flächen als Gesicht. Insgesamt würde ich die Trefferquote hier auf 70-80% schätzen, was immerhin noch recht gut ist.
Was die Namensvorschläge angeht, so ist das Programm doch recht großzügig, wenn es um Ähnlichkeiten geht. So schlägt es mir Bilder vor, auf denen angeblich ich zu sehen bin. Problem ist nur, dass auf den Bildern in den wenigsten Fällen ich zu sehen bin. Teilweise sind es Frauen, Kinder, Säuglinge, dunkelhäutige Personen, die alle meine Person sein sollten.

LightroomCC-Gesichtserkennung
Hier hält das Programm seine Versprechen nur bedingt, zumal die Funktion auch nicht wirklich schnell ist. Die Trefferquote liegt geschätzt bei 30%. In Summe ist es eine nützliche Funktion und ersetzt das manuelle taggen mit Namen, wie ich es bislang gemacht habe. Bei der Erkennung selbst muss Adobe aber bei einem Update noch nachbessern.

Sehr willkommen ist auch die Integration von Panoramen und HDR in Lightroom. Bislang war dies nur über den Umweg über ein externes Programm wie Photoshop möglich. Nun erlaubt es Lightroom dies direkt im Programm durchzuführen. Der große Vorteil ist dabei, dass das neu erzeugte Bild nicht wie bislang ein TIFF oder JPG ist, sondern wieder ein DNG-Rawfile. Gerade für die Weiterbearbeitung in Lightroom ist dies natürlich ein großer Vorteil. Es bleibt aber auch Raum für Verbesserungen, denn leider gibt es keine Funktion, fehlende Flächen durch inhaltsbasiertes Füllen zu ergänzen. Hier bleibt auch weiterhin nur der Weg über Photoshop.

Eine weitere Funktion, die Adobe groß angepriesen hat, sind große Performanceverbesserungen, da Lightroom nun die Grafikkarte für bestimmte Verbesserungen nutzt. In den Versprechen ist von mehreren 1000% Wertveränderung die Rede. Kurzum: ich habe nicht viel gemerkt. Vielleicht ist das Entwickeln-Modul etwas schneller geworden, aber eine Revolution ist das nicht. Das Laden von Vorschauen, das Springen zwischen Bildern etc. ist immer noch so schnell bzw. langsam wie vorher.

Die letzte größere Änderung betrifft den Verlaufs- und Radialfilter im Entwickeln-Modul. Hier kann man nun einen Filter mittels eines Pinsels noch modizieren und so explizit bestimmte Bereiche einem Filter hinzufügen, oder aus dem Filter herausnehmen.Dies funktioniert prima und ist eine gute Ergänzung.

Von den 5 großen Punkten bleiben also am Ende vier wirkliche Vorteile (HDR, Panoramen und Pinsel für Verlaufsfilter, Lightroom Mobile für Android), eine Teilverbesserung (Gesichtserkennung) und ein Punkt, der für mich nicht messbar ist (Performance). In Summe eine konsequente Weiterentwicklung aber kein Meilenstein.

An einigen Stellen hat Adobe es aber auch verpasst, seiner Software längst benötigte Funktionen zu spendieren:

  • Synchronisation von Smart-Collections mit Lightroom Mobile
  • Ergänzung von benutzerdefinierten Seitenformaten (z.B. A4) im Buchmodul
  • Lightroom Mobile für Windows
  • Echte Beschleunigung bei der Anzeige/Generierung von Vorschauen
  • Netzwerkfähigkeit der Kataloge
  • Ordnerstrukturen mit Unterordnern für Templates
  • Verbesserte Rauschreduktion wie z.B. in DXO mit dem Prime-Verfahren

Es bleibt also genug Raum für künftige Updates….
Bis dahin steht aber mit der jetzigen Version weiter eine ausgereifte Software zur Verfügung, die in vielen Bereichen alles bietet, was ein Fotograf benötigt.


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Autor:Jens Koopmann