Kathedrale der Bahnfahrt in Lüttich

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Ein Bahnhof war früher wie heute ein repräsentatives Symbol der Stadt, in der er steht, denn jeder Besucher, der mit dem Zug hier ankommt, wird zunächst dieses Gebäude als ersten Eindruck der Stadt erhalten. Während früher die Bahnhofe entsprechend ihrer Zeit prachtvoll verzierte Bauten waren, so sind es heute moderne Glas- und Stahlpaläste, welche aber meist noch um einiges besser aussehen, als die funktionalen Bauten der Nachkriegszeit in den 50er und 60er Jahren.

Einer der markantesten Bahnhöfe in ganz Europa befindet sich in einer Stadt, von der viele wahrscheinlich noch nie gehört haben: Lüttich bzw. Liège. Lüttich ist eine Stadt in Belgien und zwar in der Wallonie. Die Stadt ist recht zentral gelegen entlang einer Haupttrassen im Bahnverkehr und so kommen und gehen täglich mehrere hundert Züge hier an. Für die Hochgeschwindigkeitszüge wurde daher etwas außerhalb des Stadtzentrums bis 2009 der hypermoderne Bahnhof Liège-Guillemins neu gebaut, der einen alten Bahnhof an gleicher Stelle ersetzte, der für heutige Züge zu klein war. Heute halten hier neben deutschen ICEs auch die französischen TGV.

Der neue Bahnhof ist architektonisch so bekannt, dass ich immer wieder Bilder davon gesehen und mir schon lang vorgenommen hatte, ihn mal zu besuchen. Im Januar 2016 hatte ich dann die Zeit gefunden, um die 170km von Trier nach Lüttich für einen Tagesausflug zu unternehmen. Architekt des Bauwerkes ist Santiago Calatrava – kein Unbekannter mehr für mich, denn 2015 hatten ich schon einmal Bekanntschaft mit einem seiner Gebäude gemacht, als wie in Lissabon waren. Der dortige Bahnhof Oriente stammt nämlich auch aus seiner planerischen Hand (hier gehts zu dem Reisebericht).

9 Gleise umfasst der rund 200m lange und 35m hohe Stahl und Betonkoloss, der mit seinen weissen Streben und den vielen Glasflächen ein sehr modernes aussehen hat. Highlight ist jedoch das geschwungene Dach.

Der Bahnhof bietet fotografisch unzählige Motive. Einige Stunden habe ich hier bei Tag verbracht, so Bilder entstehen, die bei bedecktem Himmel von sich aus fast schon schwarz-weiss und sehr grafisch sind. Lohnend ist aber auch die Zeit der blauen Stunde, wo auch dieses Bild hier entstand, denn nun gibt das Weiss der Streben einen Kontrast zum Blau des Himmels.

Diese Aufnahme zeigt ein Detail der oberen Plattform mit den Anzeigen der Züge. Sie entstand mit dem Olympus 75mm f1.8 Objektiv, so dass ich einen schönen Unschärfeeffekt (Bokeh) erzielen konnte. Die Komposition habe ich so gewählt, dass die Linien des Daches einen Rahmen um die Aufnahme bilden. Die Anzeigen bilden dabei linienmäßig einen Kontrast, der den Rahmen komplettiert.


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Autor:Jens Koopmann