Im Spiegelsaal von Versailles

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Das französische Schloss Versailles vor den Toren von Paris hatte wahrscheinlich längst nicht seine heutige Berühmtheit, gäbe es nicht den 73m langen, über 12 Meter hohen Spiegelsaal und dessen Rolle in der europäischen Geschichte.

Das Schloss von Versailles wurde 1623 als Jagdschloss unter Ludwig XIII. errichtet. Doch einen Spiegelsaal gab es zu dieser Zeit noch nicht. Doch gut 55 Jahre später begann man bereits das Schloss auszubauen. Im Rahmen dieser Maßnahme entstand so auch bis 1684 der Spiegelsaal (auch Spiegelgalerie genannt) an der Stelle, wo einst eine Terrasse die beiden Schlossflügel verband. Der Spiegelsaal stellte gleichzeitig die Verbindung zwischen den Gemächern des Königs und der Königin dar, die ab dieser Zeit Versailles zu ihrem Hauptsitz bestimmten. Seinen Namen verdankt der Saal den 17 großen Spiegelflächen, die direkt gegenüber der Fenster an der langen Wand angebracht sind. Dadurch wurde der sonst nur rund 10 Meter breite Saal optisch vergrößert und es entstanden bei eingeschalteter Beleuchtung schöne Lichteffekte. Gleichzeitig stellten die Spiegel ein Zeichen des Reichtums dar, war doch Spiegelglas zu jener Zeit noch ein kostbares Gut.

Aber auch die sonstige Ausstattung der Spiegelgalerie mit ihren Deckenmalereien vermag den Besucher zu beeindrucken.

Doch der Saal hätte gegebenenfalls gar nicht so lang existieren sollen, denn bereits kurz nach seiner Fertigstellung begann der Krieg um die spanische Erbfolge und Ludwig der XIV. musste sämtliche verfügbaren Mittel für den Krieg zu Geld gemacht werden. Gottseidank war der Spiegelsaal nicht demontierbar und so rettete ihm dieser Umstand die Existenz. Das nächste Mal tauchte der Saal in der Geschichte am 18. Januar 1871 auf, als sich genau hier Wilhelm I. zum ersten deutschen Kaiser ernennen ließ. Doch es sollte nicht der letzte Auftritt der großen Politik an diesem Ort bleiben, denn 1919 traf man sich erneut, jedoch ohne den Nachfolger Wilhelm I., denn der Kaiser war in Deutschland bereits gescheitert. Es ging um die Versailler Vertrage und darum, wie Deutschland das Leid der anderen Länder während des 1. Weltkriegs bezahlen soll und obwohl man hier den Frieden besiegeln wollte, legte man doch mit den Fesseln des Versailler Vertrages den Grundstein dazu, dass die deutsche Bevölkerung wenige Jahre später den Versprechen Hitlers verfiel und mit ihm in den Zweiten Weltkrieg und ins Verderben ging.

Heute ist Versailles ein beliebtes Touristenziel und jene gab es auch zahlreich, als wie im September 2012 dort waren. Wir waren direkt am Morgen dort (auch der Fahrt in die Bretagne), doch selbst dann war es schon voll. Insofern war es de facto unmöglich ein Bild des gesamten Saales zu bekommen, ohne Massen von Besuchern mit ihm Foto zu haben. Daher hatte ich mich entschlossen, den Boden aus der Aufnahme wegzulassen und stattdessen auf die Leuchter und Deckengemälde als wesentliche Elemente zu setzen.


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Kommentare

  • Ulrike 15. August 2016 Antworten

    Imposant, dieses Bild des Spiegelsaals, danke.
    Durch die Aufnahmeposition muß man wirklich zweimal schauen, welche Leuchter dort hängen und welche sich spiegeln. Ich mag die Symmetrie der Aufnahme sehr. Und von dem Pulk unten ahnt man nichts. Toll gemacht.

  • Daniel 21. Juli 2016 Antworten

    Tolles Bild!

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Autor:Jens Koopmann