Frankfurt@50mm – Alt und Neu

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Heute mal wieder ein Bild aus meiner Serie Frankfurt@50mm, wo 2012 für 2 Tage nur mit einer 50mm Festbrennweite (=75mm an APS-C bezogen auf den Blickwinkel) durch Frankfurt am Main gezogen bin.

Die Gegend rund um die Zeil ist dabei sicherlich nicht der erste Ort, der einem Fotografen (außer vielleicht für Street-Photography) in den Sinn kommt, doch seit 2010 das Palais Quartier (vormals Frankfurt Hoch 4) eröffnet hat mit der angeschlossenen MyZeil, ist diese Gegend fotografisch um eine Attraktion reicher. Doch bei der Dominanz des großen weissen NexTowers kann man schnell übersehen, dass mit dem Bau der Anlage auch ein Kleinod an der Großen Eschenheimer Str.  wieder zum Leben erweckt wurde: Das Palais Thurn und Taxis. Es handelt sich dabei nicht um ein originales historisches Gebäude, sondern um eine Rekonstruktion jenes Palais, welches seit 1739 bis 1951 an dieser Stelle gestanden hatte, dann aber aufgrund der Schäden aus dem 2. Weltkrieg abgerissen wurde.

Dem Bau vorausgegangen war, dass das Familienoberhaupt der Thurn und Taxis-Dynastie Anselm Franz von Thurn und Taxis auf Wunsch des Kaisers seinen Sitz von Brüssel nach Frankfurt verlegen sollte. Dies war 1724, doch der Erwerb eines Grundstücks in Frankfurt gestaltete sich als schwierig und konfliktreich, so dass dies ganze 5 Jahre dauerte und erst durch Intervention des Kaisers höchstpersönlich möglich war. 2 weitere Jahre später begann dann der Bau des Palais und sollte sich über 8 Jahre erstrecken. 1737 war es dann soweit, dass Fürst Anselm in das neue (noch unfertige) Palais gezogen ist, doch nur 2 Jahre später ist der Generalpostmeister bereits verstorben – ohne die Fertigstellung des Palais noch zu erleben.

Dem Palais waren aber nur wenige Jahre als Sitz der Familie Thurn und Taxis gegönnt, denn nach dem Wechsel der Kaiserherrschaft an das Haus Habsburg verlegte der neue Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis den Sitz nach Regensburg. Frankfurt blieb allerdings noch mehr als 100 Jahre Sitz der Postdirektion und das Gebäude in Besitz der Familie, schließlich war es zu der Zeit das schönste und wohlhabendste Wohnhaus der Stadt. Doch 1867 war auch diese Ära nach einigen vorangegangenen Wirren zu Ende und die Turn und Taxische Post schloss ihre Pforten. Das Palais blieb zwar in Familienbesitz, wurde aber nicht mehr genutzt und so verwundert der Verkauf an die Reichspost 1895 nicht wirklich. Doch die Post baute das Gebäude immer weiter um, um es an den modernen Postbetrieb anzupassen, was die Bürger der Stadt auf den Plan rief und so kaufte nur 10 Jahre später die Stadt Frankfurt das Gebäude um machte es zum Museum, was es auch bis 1943 blieb, als Angriffe der Alliierten auf Frankfurt das Palais trafen. Der Rest ist dann Geschichte, die erst 2004 wieder aufgenommen wurde, als man die Rekonstruktion beschloss.

Dieses Bild zeigt unten recht das Portal des Palais, während der Rest der Aufnahme durch den NexTower bestimmt ist, was ein wenig Symbol dafür ist, wie dominant die Moderne in Frankfurt ist und wie so manches historisch viel interessante Gebäude leicht in den Hintergrund gerät.

 

 

 

 


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Autor:Jens Koopmann